Offenbarung

Anita Wolf

diktiert in 1949/1950

 

Die ursprüngliche spirituelle Schöpfung im Ur-Raum, dargestellt in der Entwicklung von sechs Ur-Tagen der Schöpfung in der Ur-Zeit, dem Heiligtum, der liebevollen Führung der ersten Erzengel, dem Testament Gottes, dem Fall von Sadhana, der Bildung der Materie, die Erlösung, das heißt das Opfer Gottes in Jesus durch Seine Liebe, die Berufung der ersten Tochter zur Rückkehr und die Rückführung der Gesamtheit der gefallenen Geister in das Vaterhaus. Der ursprüngliche Name des ewigen Schöpfers-Priester-Gott-Vaters, mit einem noch unbekannten Wort: 'UR'

 

«Uns aber hat es GOTT offenbart

durch Seinen Geist;

denn der Geist erforscht alle Dinge,

auch die Tiefen der Gottheit».

[Kor. 2,10]


 

UR-EWIGKEIT

in

Raum und Zeit

 

 

UR-Ewigkeit, in Raum und Zeit

so tönt es mir entgegen;

UR-Ewigkeit, du Wort so weit,

du Wort voll Kraft und Segen!

UR-Weltall-Schöpfer –

deine Kinder sind bereit!

Laß sie in Deinem Heiligtum

als Deine Streiter mutig steh'n

und auch dies Werk zu Deinem Ruhm

tief ein in alle Herzen geh'n.

O hoher Priester, Gott und Vater,

der DU des Lebens Sonne bist

und Weisheit, Ernst, Geduld und Liebe

geschenkt uns hast in JESUS CHRIST!

So kröne uns mit der Barmherzigkeit,

bis wir DICH sehn in Deiner Herrlichkeit!

(Adolphine Koudelka)

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Erwähnte Charaktere

 

Sadhana               der erste Engel dieser sieben Tage der Schöpfung - später Luzifer genannt

1° Uraniel             Cherub Träger des Ordens (wird Moses sein) - [Waage] - (Sonne Uranastia)

 1° Harnstoff         Seraph Träger der Souveränität des Ordens (Gefährte von Uraniel)

2° Michael            Cherub Träger des Willens (wird Elia sein) - [Schwert] - (Sonne Mi-dephna)

 2° Elya                Seraph Trägerin des Willens (Michaels Gefährte)

3 ° Zuriel              Cherub der Weisheit (wird Parat sein, später Jesaja) - [Sense] - (Sonne Zurania)

 3° Helia               Seraph der Weisheit (Zuriels Gefährte - wird Enzilla sein)

4° Muriel              Cherub der Ernst (wird Abraham sein) - [Presse] - (Sonne Mugona)

 4° Pargoa            Seraph of Ernst (Muriels Gefährte)

5° Alaniel             Cherub der Geduld (wird Hiob sein) - [Kelch] - (Sonne Alphania)

 5° Madenia          Seraph der Geluld (Gefährte von Alaniel)

6° Raphael            Cherub Träger der Liebe (wird Kretoh / Abada, später Henoch sein) - [Kreuz] - (Sonne Rajona)

 6° Agralea           Seraph der Liebe (Raphaels Gefährte - wird Admara / Ajera cara sein)

7° Gabriel             Cherub der Barmherzigkeit (wird Mecalames, später Zuriel sein) - [Krone] - (einziger Garapea)

 7° Reiner             Seraph der Barmherzigkeit (Gabriels Gefährte)

Orytam und Hagar         1° Schutzengel des Herdes (das 1° Kinderpaar von Sadhana - sie werden Adam und Eva sein)

Mackarat und Marida     2° Schutzengel (2° Paar von Sadhanas Söhnen - wird Luther sein)

Perutam und Layja        3° Schutzengel (das 3° Paar von Sadhanas Söhnen - wird Joshua sein)

Rajutam und Ralgar       4° Schutzengel (das 4° Paar von Sadhanas Söhnen wird Remach / Abel sein)

Ältere                          sind die 12 Söhne von Sadhana, die nach Orytam-Hagar geschaffen wurden und zur ersten Gruppe gehören

 

Mahal                   der erste Sohn von Raphael

Taagor                 ein König der ersten Welt, bewohnt von Menschen

Progaler               Bruder von Taagorag

Jesus / UR            Gott / der Retter

Mahal                   1° Sohn von Raphael (Simon von Kyrene zur Zeit Jesu)

Kretoh                  nannte später Abada, Raphaels Name auf der Welt seiner ersten Inkarnation

Admara                ist der Name von Agralea auf der Welt ihrer ersten Inkarnation

Parat                    ist der Name von Zuriel auf der Welt seiner ersten Inkarnation

Enzilla                 ist der Name von Helia auf der Welt ihrer ersten Inkarnation

Remach                ist der Name von Rajutam auf der Welt seiner ersten Inkarnation

Mecalames            ist Gabriels Name in der Welt seiner ersten Inkarnation

Ajera                    ist der Name von Agralea auf der Welt seiner ersten Inkarnation

der Verführer von Kretoh      dem Zweitältesten auf dem Ataraus auf der Welt seiner ersten Inkarnation, der auch Kain sein wird

Simon von Kyrene  tempo di Gesù

 

Uranastia         die Sonne von Uraniel

Mi-dephna        die Sonne von Michael

Zurania            die Sonne von Zuriel

Mugona           die Sonne von Muriel

Alphania          die Sonne von Alaniel

Rajona             die Sonne von Raphael

Garapea           die Sonne von Gabriel

Ataraus            die von Sadhana . geschaffene Sonne

Mahapatra        der höchste Berg auf Ataraus

Orakania          eine Orytam zugewiesene Sonne

Hagarma          eine Hagar zugewiesene Sonne

Jechahal          ein 'Pavillon' des Himmels (eine Vorhölle für ehemalige fleischgewordene Kinder vor der Menschwerdung Jesu)

Merhatom         ein 'Pavillon' des Himmels (ein zeitlicher Ort für die nicht vollständig erlösten Zurückgekehrten)

 

"Der Name 'UR' und der Diphthong 'ur'

 

 ‚UR‘ - Die Verschmelzung des Schöpfers und der Schöpfung: der Selbstlaut und der Mitlaut. In diesem grundlegenden Namen der Göttlichkeit verschmelzen alle Dinge, offenbaren und kristallisieren sie. Das wunderbare Dual, das von SELBST, von UR, an IHN angepasst, nach außen getragen wurde, war auch gleich. HE, das Ewige ERSTE (der Selbstlaut 'U') und alles das zweite, das Jetzt (der Mitlaut 'R') oder: das Primäre und das Sekundäre“.

 

Angabe des Namens 'IMANUEL':

Die Wurzel des Begriffs 'IMANUEL' besteht aus sieben Buchstaben sowie entsprechend den sieben Merkmalen der Göttlichkeit; es besteht aus vier Silben: I-ma-nu-el, wobei Vokal und Konsonant zwei Grundlagen der Schöpfung entsprechen: 'Bedingung' und 'freier Wille'; „Stabilität“ und „Aktivität“; „inneres“ und „äußeres“ Bewusstsein; das „Positive“ und das „Negative“. Im Namen gibt es auch „vier Vokale“ gemäß den vier bestimmenden Merkmalen (Wille-Weisheit-Geduld-Liebe) und „drei Konsonanten“ gemäß den drei darin enthaltenen Hauptmerkmalen (Ordnung – Ernsthaftigkeit – Barmherzigkeit). Diese Zerlegung findet sich noch schön im Satz:

"Ich bin der Anfang und das Ende!" ("Ich bin der Anfang und das Ende!")

Auch dieser Satz hat sieben Wörter, von denen vier mit dem Vokal und drei mit dem Konsonanten beginnen. Die Reihenfolge der Konsonanten ist die gleiche wie im Namen Imanuel. "Ich, Anfang und Ende!" (Ich, Anfang und Ende!)

Die weitere Schreibweise des Namens IMMANUEL mit zwei „m“ ist falsch, zumal die erste Silbe für „I“ (I) steht, welches das persönliche Selbst repräsentiert. Da die Prinzipien denselben Namen aus der Tiefe-ur erfasst haben, steht das 'Ich' am Anfang als Silbe, mit allem Recht eines einzigen Buchstabens, entsprechend der Essenz des Vaters, aber in sich selbst ein einziges Merkmal darstellend Gnade. Damit die Kinder den ganzen Namen 'UR' mit seinen vier 'Entitäten' (Schöpfer-Priester-Gott-Vater) nur mit dem gesamten Wissen des Vaters wirklich erfassen können. Dies entspricht zugleich der zweiten Sequenz des Streckten Bogens (der geistigen Brücke zwischen Schöpfer und Geschöpf - Kap. 4,207): vom Sohn, der zum Schöpfer zurückkehrt-ur! Außerdem zeigen die drei verbleibenden Silben jeweils zwei Buchstaben, sowie die Wesentlichkeit Gottes, „Schöpfer“ und „Priester“, die jeweils zwei Merkmale aufweisen (siehe Kap. 1,41).

 

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Kap. vor 1

 

Die viergeteilte Schöpfung

«Und ein Fluss kam aus Eden

den Garten zu bewässern,

und von da an wurde es in vier Arme geteilt »

[1. Mose 2,10]

1. UR-Ewigkeit, Tiefe der Gottheit! Unendlich im Ohne-Anfang, Ohne-Ende; majestätisch, hehr, heilig und im gesamten unbegreiflich! Dennoch ist der Geist gegeben, die Tiefen zu durchdringen. Der UR-Geist ist das Prinzip; aus Ihm wurden die Teilgeister, die die unmittelbare Verbindung wahrmachen dürfen und können, zwischen dem Ewig-Heiligen UR, dem Ewig-Einzigen und Wahrhaftigen und den aus Ihm gewordenen Kindern.

2. UR, der Schöpfer, ist gleicherweise das Sichtbare und Unsichtbare, das Unpersönliche und die Person. Immerpulsierendes Leben zeugt und schafft Er unermüdlich. Das ist das Prinzip. In der Person ruht das Erhaltende, die Verbindung, der anziehende Pol. Beide, schaffendes Prinzip und erhaltende Person, tragen eine transzendente Macht in sich, aus welcher eine Teilung für das Werk geschah. Diese Teilung war keine Splitterung, im Gegenteil, sie rief unausgesetztes Fließen der bestehenden Vollkommenheit hervor. Die erste Teilung war die Zwei: Prinzip und Person, stehende und waltende Macht, in welchen im Verlauf der Werke der UR-Geist und der in Äonen auftretende Teilgeist in unzerstörbarer Verbindung sich gegenüberstanden.

3. In der Zwei zeigt sich die Vier, die sich der UR-Geist vorbehielt. Sie war Sein Geheimnis und wurde erst nach einer Gleichgewichtsherstellung zum Teilgeist offenbar, obwohl die Vier vor der folgenden und aus ihr hervorgehenden Sieben stand. Daran ist die Steigerung des prinzipienhaften UR-Geistes verankert, wodurch die unwandelbare Vollkommenheit nicht angetastet wird. UR ist in sich nicht veränderlich, wohl aber die Macht Seines Schaffens, die eine fortgesetzte Aneinanderreihung unendlich herrlicher Werke mit sich bringt.

4. Der Geist resp. die Geister erhalten durch den Schöpfungsaufbau jene Fähigkeit, auch von sich aus den Kontakt mit dem schaffenden und gebärenden UR-Geist herzustellen. Im Augenblick, wo das geschieht, ist ein Erforschen jener Gottheitstiefe möglich, auf welche jeweils ein gefügtes Werk errichtet ward. Solches Teilwerk umschließt auch alle Teilgeister und die ihnen zufließenden Machtströme, so daß in dieser Hinsicht 'eine Fülle der Gottheit' gesehen werden kann.

5. Kein Teilgeist kann den ganzen UR durchdringen, weil er immer als Träger einer Einzelheit (Spezifisch) verbleibt. Hingegen ist der Kontakt, der sich auf die Ordnungswege innerhalb erstandener Werke stützt, ohne weiteres herzustellen, wodurch der Teilgeist nicht von URs Vollkommenheit erfaßt, sondern entsprechend seinem Eigenmaße nur von IHM durchdrungen wird. Dergestalt kann der Teilgeist ohne Verlust seiner Eigenpersönlichkeit eine Wohnung im UR-Geist haben.

6. Bei Abschluß eines Teilwerks folgt eine 'Wiederinbesitznahme' der UR-Wohnung = höchstmögliche Verbindung von Schöpfer und Geschöpf. Spürt der Teilgeist – zwar vom UR-Geist angeregt und mit Lebensstoff versorgt – dem nach, so folgt er nicht nur sinnbildlich URs allgewaltigem Schaffensdrang, der unzählbare Werke aneinanderfügt. Er erhält in größerer Erkenntnis die Offenbarung über Schaffungen, die eine fortgesetzte Folge bilden (wie die Tage eines Jahres).

7. Hat jeder Teilgeist, auch als Mensch, seinen Ursprung aus dem UR-Geist erhalten, weil er nirgendwo anders herkommen kann, so liegt die Befähigung aus der nie abreißenden Verbindung bereit, den geschöpflichen Kontakt herzustellen. Das erzeugt ein 'Einheits-Empfinden', das allgemein zum UR-Geist strebt und den Menschen mit dem Wort 'Gottheit' nahegebracht wird, das 'Gott-nicht-sehen-können' aufhebt und dem suchenden Teilgeist die kompakte Konzentration vermittelt: das 'Schauen von Angesicht zu Angesicht'! Hierin wurzelt eine heilige Tiefe, dem jetzt waltenden Werke zugeteilt.

8. UR gegenüberstehend haben im augenblicklichen Verlauf zwei Wesensformen Sonderstellung, die beide einen Teilgeist haben, persönlich geboren = geschaffen vom Ewig-Heiligen UR. Diese zwei Wesensformen sind 'Engel und Mensch'. Inwieweit sie unterschiedlich oder gleichzustellen sind, zeigt die Offenbarung. Besitzen beide aber, wenn auch nach der jeweils herrschenden Gesetzmäßigkeit ihres Pflanzbodens, eigenpersönliches Leben, das sich prinzipien- wie personenhaft ergibt, so kann UR nicht ohne Darstellung sein, weil ER immer das UR-Bild ist, alles Geschaffene das Spiegelbild! Siehe der Kontakt zwischen Makro- und Mikrokosmos, auch die unabänderliche Verbindung des UR-Geistes zum von Ihm gezeugten Teilgeist, wie umgekehrt letzterer von sich aus die Rückverbindung erstrebt und untrennbar haben will. Darin wurzelt die später aufgetane Folgerichtigkeit der Sieben, die nacheinander Vorherrschaft – jedoch ohne Rangunterschied – erhalten. Erst recht wird dadurch ihre volle Einheit offenbar. – Über diesem schwebt freilich eine Sonderbindung, die aber selbst nicht bei Vorherrschaft – einen Überrang besitzt. Denn UR ist in sich eins!!

9. Die Teilgeister sind somit als ein UR-Teil anzusehen, die bei ihrem Werden erst als Gedanken ohne persönliches Bewußtsein in der Gottheit verwahrt blieben. Um aus diesem Gedanken mit Lebensstoff behauchte Formen zu erzeugen, reihten sich in UR ungeheure Werke aneinander. Raum und Zeit in der UR-Ewigkeit waren grenzenlos; dennoch war das UR-Sein ihre Grenze. Alle Gestaltungen waren URs persönliche Angelegenheit, wenngleich in diesen Schaffungen der 'raumlosen Räume und zeitlosen Zeiten' Er nur Prinzip war, sein konnte und sein wollte.

*

10. Anders wurde es mit jenem Augenblick, da das Konzentrat von Gedanken zu gestaltlichen Formen weiterentwickelt wurde, zwar noch ohne eigenpersönliche Art. Doch wie ein Mensch sein Gedankenwerk zu modellieren sucht, um dann die gedachte Form plastisch darzustellen, so ähnlich geschah es in den beginnenden Formwerken. Wenn auch der Vergleich zwischen einem Menschen-Tun und URs Tun sehr mager ist, soll er doch zum besseren Verständnis als Beispiel dienen. Auf diesem Wege ist das zu Offenbarende leichter zu verstehen.

11. So modellierte UR Sein gedachtes Werk in einer 'viergeteilten Schöpfung'. Es wird nicht leicht sein zu erkennen; wer zunächst einfach folgt, wird den hohen Nutzen haben, nämlich jene Verbindung, die jedem Teilgeist vorbehalten bleibt. Der Vorbehalt ist freilich zeitbedingt, weil er – bisher ziemlich unbekannt – mit der Zeit des All-Heiligen einherzugehen hat. Alle geistigen Dinge lassen sich in UR-Lehre ohne weiteres erklären und richtigstellen, auch das, was der menschliche Verstand für unmöglich hält.

12. Denn sofern die UR-Ewigkeit in Raum und Zeit sich offenbart, fällt für die Geschöpfe das Überdimensionale weg, weil UR es durch die Werke deckt, die zugleich die Rückbrücke der vorerwähnten Verbindung sind. Hier hat das Wort seine Gültigkeit: «Und wird eine Herde und ein Hirte werden!» Die Wurzelzahl ist stets die -1-, UR, der Einige. Von der -2- ist schon gesprochen als Gegenüberstellung: UR und Sein Werk; oder die stehende und waltende Macht!

13. Woraus jedoch entspringt die -4- ? Ist sie willkürlich genannt, oder ruht in ihr ein Grundaufbau, den das Werk bestätigt? Ja, auch dieses Buch strahlt nach und nach das Licht darüber aus. Anfangs bedarf es des einen Zeichens, das nächst der Einheit und Dualität, die aus jeder Offenbarung leuchten, die -4- und -7- grundlegende Zahlen sind, den Menschen übergenug kundgetan. Das Hauptwerk zur Gotterkenntnis, die Bibel, bringt davon so viel, vom vierfachen Strom im Garten Eden bis zur siebenfachen Preisanbetung in der Johannesoffenbarung, daß kein williges Herz darüberweg gehen kann, ohne nicht auch da die Tiefe der Gottheit zu verspüren.

14. UR hebt Seine Einheit trotz Vielfältigkeit personenhafter Offenbarungen nicht auf. Die bedeutendsten äußerlich unterschiedlichen Personifikationen sind UR und JESUS CHRISTUS! Indem einen wird die dauernde Verbindung, in dem anderen die umfassende Erlösung kundgetan. Beide gelten daher stets zeitbedingt um eines Werkes willen unterschiedlich, niemals im UR-Prinzip! Wurde UR Christus, so lediglich zur Erfüllung eines Ziels. Und das war gewaltig, das war: die Einheit ohne Auflösung aller lebensbewußten Formgedanken!

15. Um die Einheit nicht allein auf machtgestelltem Willen zu erreichen, sondern auch vom Freiheitswillen her, standen UR unermeßliche Mittel zur Verfügung. Die Anwendung solcher Mittel bringt stets Erfüllung, gleichgültig ob im Unendlichen oder Endlichen. Die Endlichkeit kann von hohen Teilgeistern übersehen, doch nur stufenweise erlebt werden, weil Anfang und Ende derselben dem Unendlichen angehören.

16. Nachdem UR Sein Innenwerk zur gewollten Höhe erhoben hatte, schuf Er erstmals eine Endlichkeit. Das war die 'viergeteilte Schöpfung'. In ihr öffnete Er erstmals – keineswegs zum Selbstzweck – die vier Kammern Seines Herzens. Vorweggenommen, um den Irdischen den Fortgang zu erleichtern, sei bedeutet, daß UR Sein Herz in unbegreiflich hehrer Arbeit so gestaltet und auf dessen Wesensart die Werke zugeschnitten hat. Betrachtet ein Mensch von dieser Warte aus Umwelt und eigenes Leben, so stellt er staunend fest, in wieviel wichtigen Variationen dieses UR-Bild sich im Werksbild spiegelt.

17. Das Lebensprinzip, das durch Raum und Zeit jedes Werkes pulst, hat sein Symbol in der Blutlaufbahn gefunden: zwei Herzkammern geben ab, zwei nehmen auf! Und die vier Elemente, Winde, Jahreszeiten, Dimensionen, Altersstufen, Wochen eines Mondes und vieles mehr, stützen sich auf dieses erste UR-Geschaffene, worin ein kaum faßbarer Kreislauf sich offenbart, der im UR-Prinzip niemals gleiches, wohl aber am Impuls und an der Bahn seine stete Ordnungsfolge bringt.

18. Die viergeteilte Schöpfung war URs hochgesteigertes Werk: die anhaltende Dualität! Vordem war viel Heiliges erstanden, was höchste Engel vage ahnen, was kein Menschengeist erfassen kann. All das fand am werkbedachten Ende eine Auflösung in UR, der noch nichts 'Außer-Ihm-Seiendes' erschuf. Nun aber waren in eigener UR-Liebe, gestützt auf vorwaltende Grundlebensstrahlen, Gedanken zum Symbol geworden, die eine Dualität erhalten konnten, ohne die UR-Einheit im mindesten unterschiedlich zu zerspalten. Der UR-Geist hatte als Vollakt folgendes getan: er bildete dem Geschaffenen eine Gedanken-, eine Wort- und hernach eine Tatform; und gab – um das UR-Herz in gewaltiger Vorschau in Erscheinung treten zu lassen – die Folgeform hinzu. Wie erhaben die Folgeform gerade war, ist aus dem Buch zu entnehmen. UR stellte jedes Werden auf seine Ordnungsbahn, schuf die Jahre – Kreislauf, Lebensring, die Er mit Einzeltagen füllte. So ward die Dualität zum Grund, in der viergeteilten Schöpfung als Hochziel vorgeschaut. Dem gab UR einen Grenz-Anfang und ein Grenz-Ende, in deren Raum und Zeit jedes Werk in Aufbau, Richtung, Lauf und Ziel sein Vollenden haben sollte. Er nannte das den 'Ersten UR-Zyklus', dualistisch mit zweimal vier UR-Jahren ausgestattet, in denen Er – entsprechend Seinem Wesen – einmal Macht, Kraft, Gewalt und Stärke aus- und einatmete. Jede Zyklushälfte teilte Er in Gedanke, Wort, Tat und Folge ein. Im Ausatmen schenkte Er dem Werk Sein Ich, mit dem Einatmen sollte das Werk sich Ihm schenken. Das war ein ATMA! (der Atem Gottes)

19. Gedanke- und Wort-UR-Jahr im ersten Zyklus brachten fortgesetztes Hinausströmen, denn der gegrenzte Raum und seine Zeit waren leer; UR wollte sie mit Seinem Geiste segnen. Doch mit dem Tat-UR-Jahr sollte es erwiesen sein, ob das Hochziel jedes Werk einzuschließen fähig war. Es konnte und durfte mit einmaliger Hingabe an das Werk alles gegeben sein, um daraus das Vollendete zu erschauen:

DIE RÜCKGABE DES WERKES AUS DEM WERK

20. Auch hier vorweggenommen, daß schon in der ersten Tat-Jahr-Woche (nicht die dieser Schöpfung), in welcher einmal die sieben Eigenschaften wirkten, von denen jede einen Schöpfungstag zu führen hat, das Hochziel wohl erreichbar war, unabhängig davon, ob es gemäß der UR-Schau bereits umfassende Gestaltung fand. Ja, die Letztwilligkeit soll dem Folge-UR-Jahr vorbehalten bleiben; doch jede Seligkeit, die sich im vorhinein aus dem UR-Prinzip in ein Einzelwerk ergießt, sollte 'Ziel im Hochziel' sein.

21. Noch ein Weiteres bedachte UR, um schöpferisch segnend tätig zu sein. Sollten die an höchste Werkstelle zu rückenden Lebensgedanken aus freiheitlich erstrebter Verbindung zum UR-Geist den Dualismus beibehalten, so konnte ER in unschaubarem Prinzip wie in schaubarer Form sich nur allmählich offenbaren. Um Seine Fülle zu verdecken, hatte Er Sein UR-Herz in vier Kammern aufgeteilt und bildete aus einer jeden ein Lebensprinzip, einen Wesensteil von sich.

22. Da UR erst schaffend ist, Er könnte sonst nichts führen, erhalten und vollenden, nannte Er die erste Kammer SCHÖPFER. Zwar waltete hierin Seine Ordnung erststellig, doch zugedeckt im heiligen UR-Prinzip stand der Wille in der Vorherrschaft. Nie konnte eine andere Eigenschaft wirksam werden, wenn es keine Schaffung gab. Sollte Er sich selbst Geduld, Liebe und Barmherzigkeit erzeigen?! Im Gegenteil hob Er gerade diese Grundlebensstrahlen für die Nachwirkungen auf. Erst mußte es den Willen geben, mit dem UR das Ihm geschaute herrliche Dual zur selbstlebenden Gestalt erhob.

23. Die zweite Herzkammer, die den Lebensstoff weitergeben sollte, nannte URPRIESTER, das führende Prinzip. Dieses übergab Er Seiner Weisheit, die das gewordene Werk zu führen fähig war. Und wie Er schöpferisch die Ordnung mit dem Willen paarte, so priesterlich die Weisheit mit dem Ernst. Heilig war das Ziel! Konnte daher anderes dem Lichtweg beigegeben werden als der Ernst, den Er in das Werden fließen ließ und es damit speiste? So strömte Sein UR-Lebensstoff aus der zweiten Herzkammer in das Werk, in den Körper, den Er hatte werden lassen, und schenkte ihm Seines Reichtums Fülle. Es mußte sich nun zeigen, was das Werk mit diesem Lebensblut tat.

24. Es sei vermerkt, daß im Gedanke- und im Wort-UR-Jahr (schon bestanden und abgeschlossen), wenngleich beide in gewisser Hinsicht eine Vorschattung zur Tat gewesen sind, keine Abwegbahn erstand, was – wäre es an dem – zur Folge hätte haben müssen, daß der indessen im Ablauf des Tat-UR-Jahres wirklich eingetretene Fall ein 'vorgesehener' gewesen wäre. Das ist er nicht! Nie war er vorgeschattet, weil sonst das heilige Erlösungswerk seines höchsten Sieges beraubt werden würde! Als Priester, ja als Hochpriester wollte UR Seine Werke segnend führen. Und es geschah!

25. In gewaltigem Werden kommt mit dem Lebensstrom herbei, was unbedingt erhalten werden soll. Um das zu erzielen, gab UR der dritten Herzkammer Sein Wesen GOTT. Im Gedanke- und Wort-UR-Jahr die Vorfülle des Werdenden, im Tat-UR-Jahr – schon freiheitlich bestrahlt – das Seiende! Und wie überwältigend: Während dieses Teilablaufs im Zyklus ist UR als Gott auf den Plan getreten! Er läßt nicht die Macht im Vordergrund, nein – die Geduld repräsentiert in jener Schaffung, in der ein Abweg ward. Doch Geduld hätte Raum und Zeit unendlich dehnen können, ohne rechtzeitig im Sinne aller Grundlebensstrahlen dem Abweg das gerechte Ziel zu setzen. Und das tat die Liebe!!

26. Die Liebe erfüllt die aus Geduld kommende Erhaltung. So werden beide zur Vermittlung, zum Mittler zwischen dem lebensbewußten Werk und UR. Sie sind schon in der viergeteilten Schöpfung an diesem Platz wie die anderen Grundlebensstrahlen an dem ihren. Im Tat-UR-Jahr, das im Zyklus an dritter Stelle steht, ist daher 'Gott als dritte Wesenheit in Geduld und Liebe' vorherrschend tätig, was aber nicht bedeutet, daß sie den anderen Wesenheiten gegenüber eine wichtigere Stellung innehat. Jeder Teil ist an seine Ganzheit angebunden, auch wenn mit ihm UR zur Vollendung Seines Hochziels repräsentiert.

27. Im Verlauf des ersten Zyklus hat UR Sein einheitliches ICH in vier große Schlüsselstellungen eingeteilt und die sieben Eigenschaften in jeweilige Richtzeiten und -räume, die sich später als Schöpfungstage entpuppen werden. Im erhaltenden Prinzip liegt das erlösende, woraus sich ergibt, daß aus Geduld und Liebe der Erlöser kam. In diesem dritten Sein spiegelt sich die Tat: das UR-Opfer und Golgatha!

28. War auf dieser gewaltigen Basis das Werk aus den UR-Herzteilen als ‚Schöpfer‘ im Gedanke gestaltet, als ‚Priester‘ im Wort gesegnet und nun als ‚Gott‘ in der Tat erhalten worden, so bedurfte es noch eines Strahles, der das Ganze vollendet in das Hochziel gab. Das geschah vorbildend in der viergeteilten Schöpfung durch die Folge: die Vollendung, die Einvernahme ohne Wiederaufhebung persönlichen Lebens! Der zurückflutende Lebensstrom floß nun aus der dritten in die alles sammelnde vierte Herzkammer, von da aus auf geheimem Wege, der sich später als 'Heilige Schöpfungsnächte' enthüllt, in das Lebensurzentrumsgebiet, wo es mit neuer Kraft ausgestattet wurde und immer wird, um einen nächsten Kreislauf anzutreten und zu vollbringen.

29. Die letzte der vier Kammern nannte UR 'VATER' und gab sich – als Er am Ende der viergeteilten Schöpfung Sein Finale herrlich leuchtend setzen konnte – diesem Vater-Wesensteile hin. Es zeigt sich noch, in welcher Feinheit der Allerheilige eines zum andern kommen ließ, um gerade das Dual sowohl in der vierten Wesenheit ganz einzuhegen, als auch durch dasselbe »Sein unzugängliches Licht« zugänglich zu machen, das „Schauen von Angesicht zu Angesicht!“ Dazu nahm Er die Barmherzigkeit, die siebente Seiner Fackeln.

30. Mit diesem schönen Vorbild schloß UR die viergeteilte Schöpfung ab und nahm sie – wie alle vorausgegangenen Innenwerke – in einer UR-Nacht wieder in sich ein. In dieser Nacht erhielt das Neuwerdende jene Lebenskraftstoffe, die Er in besonderen Schaffungen erzielt hatte. Er schied auch diese UR-Nächte von den einzelnen Schöpfungsnächten. Das Mysterium wird offenbar.

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Kap. vor 2

 

Am Anfang, der Gedanke

 

«Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde, und die Erde war wüste und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser». (1°Mo. 1,1-2)

 

«Euch ist's gegeben,

daß Ihr das Geheimnis

des Himmelreichs versteht».

[Matt.13,11]

 

1 . Das erste UR-Jahr beginnt, ein Werk aus Vor-Werken ohne Zahl. Denn UR kennt in Sich keinen Anfang! Seine Gestaltungskräfte sind Sein Ich. Die in der viergeteilten Schöpfung vorgebauten Gestaltungen erhalten ihre Grenzung aus der Ur-Ewigkeit. Nun beginnt erstmalig ein allerdings zusammengefaßter UR Zyklus. Sein Anfang ist nicht zu offenbaren; auch er bleibt ein Äon mal Äon! Darum:

«UR-EWIGKEIT IN RAUM UND ZEIT!»

2. Das Unermeßliche meßbar gemacht – wer kann es begreifen? Es ist die Gleichung: 'In Ihm wohnte die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig!' (Kol.2,9) Auch hier das Unermeßliche in einer kleinen Form (Jesus). Für ein überaus herrliches Werk ließ UR Seine Unermeßlichkeit gestaltlich werden, sonst gäbe es auch keine Kinder. So begann das UR-Jahr, angefüllt mit Gedankenweg und -werk, die in Sternenzahlen zu errechnen sind. Im großen Rahmen in der viergeteilten Schöpfung vorgeschaut, nun aber plastisch gedacht, auch ausgedacht (= erfunden). (Kol.2,9)

3. Mit Ihm gestaltet sich gedanklich, doch in vollständig sinnfälliger Form, das Dual aus Seiner Einheit: «…der HIMMEL und die ERDE!» Nicht der Himmel seliger Kinder, nicht die Erde gesunkener Menschen – das ist ein späteres Werk. Dies war der erste Himmel = URs eigene Gestaltung, für kommende Kinder zu erschauen. Dies war die erste ERDE = Raum und Zeit, für die Kinder zubereitet. Darum war die «Erde wüst und leer» – ohne Kindwerk, ohne Gestaltung; war es «…noch finster auf der Tiefe» – Raum und Zeit, der heiligen Tiefe schaffende UR-Macht entnommen, trugen noch keine Lebewesen außerhalb von UR.

4. Nun «…schwebt Gottes Geist aber auf dem Wasser», die Gedanken werden vom Leben = Wasser behaucht und von Gottes Geist beschattet. Damit nimmt das UR-Jahr seinen schöpferischen Anfang. Vier Enden bildet UR. Je ein gedanklich Inneres und ein gedanken-persönlich Äußeres fügt Er zu einer Einheit zusammen, ohne jedoch eine Verschmelzung herbeizuführen; denn keines soll und darf seine Eigenheit verlieren. Auf das erste Ende setzt Er den Herzteil 'Schöpfer' und überstrahlt mit ihm das ganze Jahr des Gedankens (Gedanke-UR-Jahr). Damit bleibt das Schöpferprinzip in jeder Folge Urheber des personhaften Seins und Lebens, unabhängig davon, daß die drei anderen Herzteile die drei weiteren UR-Jahre dominierend überstrahlen.

5. Aus dem Schöpferprinzip kristallisiert sich die Macht. Sie muß der Grund, die 'Heilige Tiefe' bleiben, weil ohne grundsätzliche Machtstellung das vorbedachte Hochziel nicht erreichbar wäre. Würde UR die schöpferische Machtmäßigkeit nicht fortdauernd an erster Stelle belassen haben, wahrlich, das später zu Recht erhobene freie Willensgesetz hätte die Erfüllung eines Löseopfers unmöglich gemacht (Golgatha).

6. Das Schöpfertum, das Machtprinzip, untermauert UR durch die zwei hochgesetzten Eigenschaften Ordnung und Wille; denn die Gedankengestaltung ist ohnehin ein auf das allerengste mit Ihm Verbundenes, noch pures UR-Sein, wenn gleich bereits dualistisch hergestellt. Es ist die UR-dung! Diese Gedankendualität gestaltlich aufzubauen, dem Äußeren nach von Ihm getrennt, bedurfte es des Einsatzes Seines Willens. Augenblickes, da Er im Verlauf des sich herrlich entwickelnden Gedanke-UR-Jahres die mit Machtkräften ausgestattete Dualität her anwachsen sieht, will Er das Dual erhalten und darüber hinaus Seinem eigenen Sein anpassen, sich zum Ebenbilde schaffen.

7. Damit tritt der Schöpferwille nach geheimer Vorwaltung nun wie ein Zweites an die Seite der Schöpferordnung und erfüllt allmählich «die leere, wüste ERDE» = den begrenzten RAUM und seine ZEIT. Die Teilgeister beginnen ihr persönliches Leben! Zwar auch hier noch im Gedanke-Sein, ihr eigenpersönliches Sein nur gedanklich erlebend. Es genügt aber, um eine dem Werk angepaßte Vollendung zu erzielen.

8. Einer weiteren Steigerung innerhalb des Gedanke-UR-Jahres bedarf es nicht; denn die Teilgeister sind an die dem Schöpfermachtprinzip angebundene Vollendungsgrenze angelangt und haben als eigenbewußte Persönlichkeiten die Wiedervereinigung mit dem UR-Geist gedanklich erreicht. Ist das zum Teil auch machtmäßig aus der ersten Schaffung hergeleitet, so wirken doch gemäß des gewordenen Duals eigene Kräfte der Teilgeister mit. Selbst kleinste abgesonderte Gedanken – zum eigenbewußten Leben angeleitet – tragen so viel in sich, daß sie ihre 'Ursubstanz' zur höchstmöglichen Kraftanwendung gebrauchen werden.

9. Diesen Punkt erreicht, schließt UR das Gedankenwerk ab, weil eine weitere zwar mögliche Steigerung die Urkeime zum UR-Kern rückbilden würden, wodurch die Teilgeister ihre erst erhaltene Persönlichkeit verlieren müßten. Das Gegenteil hat UR aber vorbedacht. Er besitzt so viel an Raum und Zeit für reichste Zyklen – ein einziger Stern, eine kleine Welt des jetzigen Kosmos, entspricht im Verhältnis einem solchen Zyklus gegenüber den Myriaden Sternen, Sonnen und Welten. Ja, wie ein Milchstraßensystem als 'kleine einsame Insel' im Ozean der Schöpfung schwimmt, so ein UR-Zyklus in der Ur-Ewigkeit!

10. Nicht für umsonst aber ward den Menschen zuerst von einem Himmel und einer Erde kundgetan (Moses 1,1), vom Inneren und Äußeren, in die der Raum gegrenzt und die Zeit in Einzelabschnitte aufgeteilt ward. Schon dieses erste Ur-Jahr wies entsprechend den Tagen eines Erdenjahres Einzelschaffungen auf, ein stufenmäßiges Sich-auf-und-vorwärts-Bewegen. Die große Zeiteinteilung kam aus den vier Herzkammern; und so wurde dieses UR-Jahr in vier Hauptzeitfolgen unterteilt .

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Kap. vor 3

 

Das erst Wort

 

«Und GOTT sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht». (1° Mo. 1,3)

«Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch:

wer Mein Wort hört und glaubt dem,

 der Mich gesandt hat,

 der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht,

 sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen».

[(Joh.5,24]

 

1 . „Wie und wohin ist das Gedanke-Werk gebettet worden? Aus welcher Wiege nimmt UR das neue Jahr heraus?“ Zuerst genügt der Hinweis, daß der Ewig-Heilige UR in Seiner Macht einen um den anderen Teilgedanken löst, um kraft dieser Lösung mit ihnen zu fraternisieren und einen heiligen Bund zu schließen. Das war gelungen! Er sah: «…Es war gut!»

2. Aus der Vollendung des Gedanke-UR-Jahres hebt Er das Werdende heraus: das Wort UR-Jahr. In ihm geschieht, was dem ersten Werk noch vorenthalten blieb. Wohl wurde wieder aus der Schöpfermacht Raum und Zeit durch Ordnung und Wille grundiert; da es jedoch umfassend geschehen war, brauchte dieser Grund – wie in allen Folgen – eben wieder auf den Plan gestellt werden, freilich gemäß der zweiten hochheiligen Herzkammer 'Priester' mit deren Eigenschaften Weisheit und Ernst in werkgebundener Steigerung.

3. UR spricht die ersten Worte an Sein Werk: "Ich habe Meine Gedanken in Mir erschaut und eingeordnet nach Größe und Zahl aus der Macht Meines Schaffens in Meiner Inner-Wesenheit, sowie in Hinsicht Meiner Ich-Person auch gestaltlich werden lassen. Sie leben! Noch aber sind sie aus dem ersten Jahr mit Mir verbunden wie ein Embryo, wenngleich schon wachsende Gestalt und Persönlichkeit besitzend. Dieses 'neue Jahr' soll sie zur Geburt ausreifen, ja, Mein nächstes Werk wird sie gebären! Welche Fülle in dieser kommenden Geburt!!

4. Nun pulst Meine Kraft als zweiter Strom durch Raum und Zeit und wird das Werdende, behaucht und gestärkt, von Mir geführt. Jetzt schon soll das Kindwerk Meine Sprache hören, und Meine Lebensregungen sollen Meinem Embryo die Speise sein. Mit Meiner Weisheit will Ich ihn ernähren und mit Meinem Ernste wachsen lassen; denn bald drängt die Geburt! Ich will mit jedem Einzelgeist des Meine Erhabenheit ehrende Embryo Zwiesprache führen; denn sie sind Geist von Meinem Geist, Kraft von Meiner Kraft, bis sie im Nachkommenden selbst-gestaltlich sich als das ersehen, was Ich von Meinem UR-Leben her aus ihnen machte und sie von sich aus zu Mir, dem UR-Geist, zurückfinden zu meiner Freude und zu ihrer höchstgeheiligten Seligkeit.

Du heiliges Jahr vom Wort,

nimm Besitz von Meiner führenden Kraft!

Es werde Licht!

5. Meine Weisheit ist dein Strahl, Mein Ernst das Geschenk, das dir aus Meinem heiligen Sein die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gibt! Schaffend war und bleibe Ich, führend bin und bleibe Ich, erhaltend und vollendend werde Ich sein und ewig bleiben! Das geschehe also!"

6. UR legt Sein Herz priesterlich auf einen heiligweißen Stein . Diese Bildung ist die erste. Er umflutet sie mit Seinem Licht, und Seine Weisheit wird ein Dom. Den behaucht Er mit Seinem Odem, und Sein Ernst gibt ihm die Sichtbarkeit. Auf dem Stein facht Er ein Feuer an; da wird daraus der Heilige Herd, aufgebaut zur Anbetung, zum Dienst, zum Opfer und als Hochaltar. Sein Herz gibt Er ins Feuer, bis die Teile einzeln werden, wie Er bei Beginn des UR-Zyklus in heiliger Vierwesenheit durch die vier Tore der Gedankenmacht geschritten war. Alle Teile legt Er auf die vier Ecken des Heiligen Herdes, behaucht sie dreimal zum Zeichen, daß in jedem auch die anderen Teile leben und die Teilung keine Spaltung, sondern eine Segnung ist.

7. Aus den vier Ecken, je aus der Mitte der Herzkammern, entnimmt Er Fackeln, in Seinem schaffenden Prinzip die Eigenschaften. Er vereint Seine Einheit, das Dual und die vier Kammern zu sieben Grundlebensstrahlen. Er entzündet sie am Feuer, deckt sie aber wieder zu bis zur Kindgeburt. Danach legt Er Seine vier Wesensteile abermals ins Feuer, woselbst sie zum herrlichen UR-Herz verschmolzen werden. Da sieht UR: ‚Auch dieses Jahr wird zur Vollendung reifen!‘

8. Er segnet das Werk und gibt Sein Herz zurück in Seine Brust für alle Zeit. UR und Sein Werk haben gemäß der priesterlichen Kraft das 'Jahrs soll' erfüllt'. Und das nicht allein aus der Machtmäßigkeit, sondern aus der 'Triebkraft Seines Herzens', da es in vier Teilen außerhalb von Ihm gelegen hatte. Also werden alle Teilgedanken, selbst wenn einmal von Ihm entfernt, ihre festgefügte Einheit haben, wie Sein viergeteiltes Herz im Prüfungsfeuer Seine Einigkeit bewies.

9. Nun steht nichts im Wege, den durch Sein ATMA aufgeteilten Raum und seine Zeit je einer Wesenheit, in weiterer Unterteilung auch je einem Grundlebensstrahl zu überlassen. Er weiß: Jede Wesenheit, jede Eigenschaft, wird nicht ohne die andere wirksam sein. Damit bestätigt Er sich selbst in Seiner einen Göttlichkeit!

10. In der Fülle Seines positiven Kraftbewußtseins spricht Er noch einmal Sein heiliges: «Es werde Licht». Das ist keine Wiederholung. Das erste Wort galt dem Himmel = sich selbst, das zweite gilt der Erde = dem Kind-Werk. In dieses ergießen sich bei dem Wort in Kraft unzählbare Lichtbäche. Sie stürzen wie Kaskaden aus der Höhe Seines Priestertums – geboren im Opferfeuer Seines Herzens – in die Tiefe Seiner schöpferischen Macht. Und sie dringen als unmeßbare Gewalt in die Weite des Raumes und der Zeit, beide berstend füllend mit der ihnen überlassenen Göttlichkeit. Die Grenzen einhegend, so branden die Lichtbäche in der Stärke ihres erworbenen Reichtums zurück zur Nähe Seines Herzens. Da nennt UR die Nähe wie die vierte Herzkammer = 'VATER', verbindet mit ihr das Heil der Teilgedanken und sieht voraus: Jeder soll aus Seinem Lichtquell einen Lichtball haben, der ihn von sich aus zurück zum Vaterherzteil bringt, wodurch die letztwillige Verbindung mit Ihm, dem UR, erstehen kann.

11. Er läßt die Lichtbäche fließen, ohne sie gleich an die Teilgeister anzuheften, wenn diese auch als Embryo in der großen Zeit des Wort-UR-Jahres fast austragreif geworden sind. Das Wort gibt den Lichtbächen Aufbau, Richtung, Lauf und Ziel; sie werden 'Lichtreflexe'.

12. Die Jahrmillionen Lichter füllen in der Kraft von Konzentrationen den Raum und die Zeit des Wort-UR-Jahres in den vier Dimensionen. Des Priesters Weisheit ordnet große Lichttriebkräfte zu harmonischer Gemeinsamkeit und bildet aus je zwei Lichtern einen einheitlichen Strahl, ohne beide ihrer Eigenwesenheit zu berauben. Er versinnbildlicht darin das wunderherrliche Schöpfungsdual und gibt in das eine Licht von Seinem positiven, in das andere von Seinem negativen Kraftbewußtsein, hier schon erkenntlich wie zwei Pole.

13. Obgleich so die Schaffung im Hinblick der gewordenen Lichttriebkräfte nun wortmäßige Gestaltung hat, ist dennoch nichts von Seiner UR-Wesenheit getrennt. Die gestellte Zeit wurde in Seiner UR-Zeit, der gegrenzte Raum in Seinem UR-Raum, die erschaffenen Lichttriebkräfte in Seiner UR-Priesterkraft! Es unterliegt alles einer Zweiheit, die göttlich, aber Einheit bleibt ohne jede Spaltung. Aus den geeinten positiven und negativen Kraftbewußtseinsformen entnimmt Er je wieder ein Drittel dieser Lichtstrahlung und formt sie in wunderbarster Einheit zum besonderen Lichtkomplex zusammen.

14. Dieser Lichtkomplex wird aus Seinem urhaften Machtimpuls Sein persönliches Negativ, auch formmäßig ein Erstes. Das schuf Er pur aus Seinem Ernst und konnte es aus diesem schaffen; denn die UR-Substanz zu diesem Werden war ja bereits aus Ordnung und Wille hervorgegangen, war schon von der Weisheit segnend geführt. Am Ende nimmt UR alle Lichter wieder ein in Sein eigenes großes Licht.

 


[index]

 

 

Kap. vor 4

 

Die Tat

 

«Und Gott sah, daß das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. (1.Mo.1,4-5)

 

«Siehe, ICH habe vor dir gegeben eine offene Tür,

und niemand kann sie zuschließen».

[Off.3,8]

 

1. Urheilige Nacht! Wer weiß von ihrem Weben, von den Triebkräften, die aus geheimnisvollem Dunkel zur leuchtend herrlichen Morgenröte leiten? Wer spürt den Schöpferhauch, der aus Gedanken neues Leben, kraftbewußtes Dasein weckt? Wer kennt die Allmachtshand, die in der Verborgenheit Zelle zu Zelle paart, aufbaut, ordnet, gestaltet, das Ende vorschaut, bis das Fertige dem Tag zur Waltung anzuvertrauen ist? Wer vernimmt den hehren Odem überreichen Lebens, der von hoher Mitternacht an das Werk beseelt, bis die Lebensimpulse der Triebkräfte sich regen? Bis sie – entfacht zur Kraftentfaltung – eigenbewußte Gestalt annehmen, ihre Vorausbestimmung ahnen, bis die 'Weihe' ihnen zugesprochen werden kann?

2. Wer ist nächtens am Waldquell gesessen, bis erste Morgenröte den Schatten aus den Bäumen nahm? Und wer hat die Wässer in der Tiefe raunen hören, ihr Murmeln verstanden, wer ist ihrer Sprache nachgegangen bis in den Grund, aus dem die Wässer kamen?! Welch ein Quell! Niemand kennt seinen Ursprung, niemand weiß, woher er schöpft. Und doch ist er bekannt; er lebt, zeugt Leben und erfüllt das ganze All.

DIESER QUELL IST UR!

3. Heilige Mitternacht! UR ruht als Schöpfer an Seinem Quell. Rückblickend schaut Er Sein Tun, voraus Morgen und Abend des Tat-UR-Jahres. Er sieht Äonen aus Seinem Quell erstehen, in dessen Grund äonenfaches Wirken liegt. Die Quelle spiegelt alle Wunder Seiner Werke: «…Alles war gut», ist gut und wird gut sein und bleiben.

4. Er taucht Seine Hände in den Quell der Mitternacht, teilt ihn und läßt vier Ströme daraus fließen, ewig gespeist aus den vier Kammern Seines Herzens. Die Ströme leitet Er zum Morgen, Mittag, Abend und zur Nacht und ihre Mündung wieder in den UR-Quell Seines Schöpfertums. An jeden Strom stellt Er einen Großgeist, die drei ersten mit je zwei Eigenschaften als Schöpfer, Priester und Gott, den vierten mit der Eigenschaft als Vater. Und diese Teilung ist sehr gut!

5. Das Gedanke-Jahr war in vier Vierteljahre aufgeteilt, das Wort-jahr weiter in zwölf Monate, und im Jahr der Tat teilt UR jeden Monat in vier Wochen und jede Woche – voraus schauend für die Folge – in sieben Tage ein. Letztere unterstellt Er den Trägern der Grundlebensstrahlen. Er ruft die Sieben vor die Vier, denn diese sind Sein Geheimnis, das dem Werk durch die Sieben offenbar werden soll, wie Er auch die Ordnung vor den Willen rückte.

6. Noch in sich, denn es ist Hoch-Mitternacht, wirken im Wunder des Zusammenspiels Macht, Kraft, Gewalt und Stärke. Darin entpuppen sich in unerhörter Vielgestaltigkeit alle Teilgedanken, die Teilgeister, bis fast zur Geburt. Es bedarf nur der ersten Morgenröte, und sie sind geboren. Wohl genügt ein Hauch des UR – und alles wäre gleich erfüllt. Das aber war nicht Sein Wille; denn so zu schaffen lag Unendliches schon hinter Ihm, zu gerechtem Selbstzweck geworden.

7. In der ersten Stunde nach Mitternacht gibt die Ordnung ihren Grund, der Wille den Impuls, daß die zum Eigenleben erkürten Teilgeister die Befähigung erhalten, nach ihrer Geburt auch zu gestalten. Schon offenbaren sich die Eigenschaften als Sinnbild innerheiliger Macht, derzufolge das gestaltete äußere Prinzip demselben angelehnt werden soll, ein 'Gleichmachen', das große Ebenbild. Damit ist das Maß der ersten Nachmitternachtsstunde an heiligem Tun gerüttelt voll. Die Quelle aber rauscht und raunt, sie drängt dem neuen Tage zu. Und nun rinnen ihre Wässer durch die priesterliche Hand.

8. Oh, nicht bloß allein aus Macht geworden, so erschaut der Heilige Sein Tun. Da fällt von Seinem Angesicht ein Hauch auf das Wasserbild, und sieh, das Werk nimmt Form und Wesen an Ihm gleich: Das Makro als das Unendliche, das UR-Sein; das Mikro nach Seiner Person geformt, mit dem edlen Bilde Seines Angesichtes als des Lichtes Sitz! Da gibt Er Seinem zweiten Wesensteil Priester einen zusätzlichen Namen und schreibt ihn auf den Quellengrund: Hochpriester Melchisedek! – Das bleibt Ihm ewig vorbehalten, der Himmel, in den zwar alle Gedanken eingehen, ihn besitzen können, nicht selber aber Himmel sind. Wie herrlich wird die Hochgabe Seiner Weisheit sich einst offenbaren. Und Sein Ernst ist die 'Pforte' zu dem Himmelreich! Wer will auch dieses Maß der zweiten Nach-mitternachts-stunde begreifen.

9. Als UR beim dritten Eintauchen Seiner Hände in den Quell verspürt, daß sich das Werdende in Seine Finger schmiegt, überbraust Ihn Seine Allmächtigkeit. Er sieht den Glanz der Herrlichkeit, in Seiner Brust loht der Jubel Seiner Schaffung! Da – Glanz und Jubel zusammengefaßt … und alles wäre vollendet! Er aber legt sich einen vierfachen Zügel an, entnommen dem Gottherzteil in Geduld und Liebe.

10. Keinen Selbstzweck, nein, ein Kind-Werk will Er haben, dem Er Seine Liebe schenkt. Der Zügel heißt, 'Güte, Gnade, Langmut, Sanftmut'. Noch ist nicht erkenntlich, was UR mit diesem Zügel tut, für oder an sich, für oder am Werk. Aber mit ihm leitet Er die Verbindung zu Seiner heiligen Vierwesenheit, an die Er das Werk in 'Freiheit' binden will. Das wird Er in der vierten Nach-mitternachts-stunde tun.

11. Sie beginnt mit den Wehen einer heiligen Geburt. UR wird Vater!! Da gibt Er auch diesem Wesensteil einen Sondernamen und schreibt auf die Spiegelfläche Seiner Quelle also: IMANUEL! Und das schenkt Er Seinem Werk. O UR, wie wundersam schaust Du voraus, ohne einen Willenshauch dieser Schau aufzuprägen! Wahrlich, nicht umsonst hast Du erst den vierfachen Zügel geschaffen und dann den Namen IMANUEL!!

12. Leise löst sich ein Tropfen von URs linker Hand; er fällt, will neben die Quelle hin. Er leitet ihn nicht durch seine Macht zurück, obwohl der Tropfen, wenn er einen Widerstand erfährt, zerschellen muß und nie wieder Tropfen werden kann. Soll das geschehen? Da legt UR Seine Rechte auf den Widerstand und fängt den Tropfen auf. Mit unsagbarer Gebärde läßt Er ihn ins Wasser gleiten. Und siehe, da spürt der Tropfen seinen Fall und stößt sich selbst bis auf den Quellengrund.

13. Oh, welch herrliches Leuchten strahlt auf dem ewigen Angesicht! Tief, tief versenkt UR beide Hände und hebt den Tropfen hoch, in die Mitte Seines Quells; und Er läßt Sein Licht gleich einer Sonne auf den Tropfen fallen. Da erstrahlt er auch im Licht der UR-Sonne, da spiegelt sich die UR-Sonne in dem Tropfen und durch ihn in allen Tropfen, die da Leben haben und als Bächlein aus dem UR-Quell in das neue Werden fließen, in das hehre Tat-UR-Jahr. –

*

14. UR öffnet die vierte Kammer Seines Herzens, sammelt darein alle Tropfen, den einen und die ungezählten, und trägt sie in Sein Heiligtum. Dabei klingt wunderbar, tief und feierlich die UR-Glocke zum ersten Mal. Sie beschließt die Nacht, und ihr letztes Heil grüßt das – Morgenrot.

Die sieben Schöpfungstage des – TAT-UR-JAHRES

15. Licht-Heilig! Licht-Heilig! Licht-Heilig!

16. Lichtstrahlbündel in zahllosen Myriaden. Sie kreuzen sich unter-, über-, neben- und ineinander. Sie bilden einen Zentralpunkt. Niemand mißt die erste Sekunde der Ewigkeit, in der das geschieht. Ein Ton klingt auf; niemand mißt die Macht des Tones. Der große Weckruf an den ersten Schöpfungstag ist gleich dem Wort: «Es werde Licht!»

17. Warum soll Licht werden? Ist der All-Heilige UR, der schon Wunderbarstes schuf, der aus jeder Schaffung Herrlichkeiten offenbart, nicht unbegrenztes Licht? Kann Licht werden, wenn es vordem keine UR-Substanz gewesen ist? Jene Substanz, aus der alles wird? Warum wird von der Finsternis gesprochen, die vom Licht geschieden ward? Wohnt sie neben einem Licht in UR? Gibt es demnach doch von Ewigkeiten her zwei Dinge? Gegensätzliches? Und wenn Licht die erste, oberste Substanz gewesen ist, was ist die Finsternis?

18. Das Werk wird die Kunde bringen. Im voraus gesagt: Es gab nicht zwei Dinge in der Werkfülle vergangener raumloser Räume und zeitloser Zeiten, im UR-Ewigen gebettet. Licht und Finsternis war eine höchst einheitliche UR-Substanz, und zwar war das Licht das Schaffende, Finsternis das Ruhende des Prinzips; sie kamen aus der rechten und linken Hand des Heiligen! Wer will den Tag höher schätzen als die Nacht? Die Nacht höher als den Tag? Die Nacht geht dem Tag voraus. Denn sie sammelt und bringt neue Kräfte; und sie ist's, die den Tag beschließt. Nicht die Nacht ist in den Tag, sondern der Tag zwischen die Nacht gegeben. Das Warum wird sich auch noch zeigen.

19. UR steht inmitten Seines Licht-Heiligtums, um die heilige Geburt aufzunehmen, sie zu bilden, zu erziehen und zu höchster Vollendung zu bringen. Was Äonen gaben, soll dem 'Kind-Werk' sichtbar werden. Bedurfte es Äonen bis zu dieser Kindgeburt, so stehen UR-Äonen zur Verfügung, ihr den ganzen Werkanteil Seines Wesens zu vermitteln. Wird die Kindgeburt Raum und Zeit unermeßlich finden, so ist das gerecht, denn sie ist in die Unermeßlichkeit gestellt. – In UR findet jede Schöpfung Raum und Zeit zu ihrer höchsten Segnung.

[index]

Der erste Schöpfungstag

 

(Tag der Bestellung)

 

Kap. 1

 

 

«Da ward aus Abend und Morgen, der erste Tag.» (1°Mo. 2,5)

 

«Ich bin das Alpha und das Omega,

der Erste und der Letzte,

 der Anfang und das Ende».

[Off.22,13]

 

1. Licht! – UR schaut zur Höhe auf. Die Sonne, die in gnadenvoller Nacht den einen Tropfen bestrahlt hatte, sich in ihm und allen Tropfen spiegelnd, schwebt im Heiligtum. Makellos im Glanze ihres Goldes.

2. Die erste höchstwichtige Sekunde der Tagzeit ist vorüber. Aus UR dringt unaufhörlich Licht um Licht, Strahl um Strahl, eine mächtige Erhabenheit ohne gleichen. Doch so unendlich auch die Sinfonie erklingt: nur eine Herzkammer hat sie geschaffen; und selbst diese ist nur halb am Werk beteiligt, sonst könnte nicht Sein Heiligtum als Hort = Hütte, Obhut sichtbar sein.

3. Hoch wölben sich die rötlich gefärbten Mauern aus Kristall. Zwölf Doppelsäulen reihen sich darum; sie tragen das weite, wuchtige Dach. Zwischen den Säulen befinden sich vier Tore und sieben Fenster, zwei Doppelsäulen inmitten der vier Tore. Der Innenraum, dessen Tiefe überwältigt, teilt sich ohne Grenzung in zwei Teile, in die Vorhalle und in das Zentrum. Steht man aber dort, so bilden beide Teile ein einheitliches Ganzes. Sieben Doppelsäulen, die bis zu des Doms wunderbarer Decke streben, flankieren die Innenmauern, die gläsern glänzen. Das Zentrum hat in seinem Mittelpunkt vier Doppelsäulen, deren Füße Löwenpranken sind. Sie stützen im Geviert die feierliche Kuppel, unter deren genauen Mitte die UR-Sonne frei schwebt.

4. Unter der UR-Sonne, im Zentral ihrer Strahlung, steht der Heilige Herd. Seine Herrlichkeit übertrifft jede vergangene Schaffung. Er ist rechteckig und ruht auf vier goldenen Löwenköpfen. Seine Platte ist Alabaster. Von ihr ausgehend hängen vier Läufer in den Farben Blau, Gelb, Rot und Weiß herab, die durch die vier Tore bis zur UR-Raumferne reichen. Mitten auf der Alabasterplatte steht ein silberner Teller; auf ihm brennt das ewige Feuer. Über diesem, zwischen ihm und der UR-Sonne, hängt an vier Goldketten eine dunkle Opferschale. Um das Herdfeuer sind sieben Leuchter mit je zwei Kerzen aufgestellt, aber noch nicht angebrannt. Vor jedem Leuchter, von silbernen Glocken verhüllt, ruht ein Zeichen, ebenso je ein großes und drei andere auf den vier Herdecken. Über jeder Glocke schwebt ein Sternenpaar.

5. Hinter dem Herd, vier Stufen erhöht, steht der hohe, erhabene Stuhl der Gottheit. Hoch reckt sich seine Lehne, und breit sind die Armstützen. Seine Füße sind gleich zwei gekreuzten Löwen. Rot ist die Farbe des Stuhls, weiß der Baldachin, die Seiten blau und gelb einmal gestreift. Die vier Farben der UR-Ewigkeit. –

6. Auf dem Heiligen Herd vor dem Stuhl liegt das mit sieben Siegeln verschlossene Schöpfungsbuch. Seine vier Ecken haben die Form eines doppelt gekreuzten Herzens. Vor dem Herd innerhalb des Vier-Säulen-Raumes steht ein Thronsessel in den Farben des Stuhls, im Halbkreis dahinter sieben Thronstühle, der mittlere in Weiß, rechts und links je zwei in Rot, Gelb und Blau. Ein zweiter Halbkreis von vierundzwanzig Stühlen ist hinter den sieben gebildet. Rechts und links, an den Schmalseiten des Heiligen Herdes, stehen noch vier große Stühle, je in einer Farbe. Offensichtlich wird durch diese Thronstuhlreihen das Allerheiligste vom übrigen Raum isoliert, ohne jedoch Trennung sein zu wollen. Viele Herrlichkeiten schmücken das Heiligtum, noch ruhend wie unter feinem Nebel. Nur der Glanz bricht schon hindurch.

7. Die zweite Sekunde ist vorüber, randvoll gefüllt mit einer Gottheitsgabe. Werden die Kinder, die zu ihrer erstbewußten Geburt erwachen sollen, all dessen würdig sein? Vier Glockentöne trägt die Ewigkeit: Sekunde, Minute, Stunde, Tag. Sie sind in den vier Grundtonoktaven abgestuft. Im Verlaufe werden sie ab und zu erwähnt; aber jede Glocke klingt zu ihrer Zeit an allen Schöpfungstagen.

8. Mit dem aus Seinem Quell gehobenen Lebenstropfen ging UR in der ersten Sekunde einmal durch den Raum des ersten Tages Seiner Tat, während der zweiten Sekunde durch dessen Zeit. Als nun eine helle Glocke die dritte Sekunde kündet, öffnen sich die vier Tore des Heiligtums, und UR kommt herein: denn die Kindgeburt (des ersten) ist da!!

9. Wer kann Ihn in Seinem feierlich erhabenen Glanz beschreiben? – Laß, o Herz, das Höchste fühlen, und nur der unterste Saum Seiner Herrlichkeit ist zu erahnen. Könnte auch ein Engel künden: weiß, in makelloser Reinheit, strahlt Sein faltenreiches Kleid, dessen drei Säume die drei Schöpfungsfarben haben. Seine Augen gleichen Feuerbränden; Sein Haar dem Kernlicht Seiner Sonne; die Siebenzackenkrone der unerhört majestätischen Macht, die bis über jede Grenze des gemachten Tages von goldenen Sandalen hinterlassen wurde. Sonnenstoff ist Sein königlicher Mantel, der vorn bis zu den Knien, am Rücken bis hinab zum Grunde fällt. Und Sein Antlitz? Nein, kein Engel könnte es in Menschensprache sagen, wollte er es schon vermitteln.

10. UR nimmt Seinen Stuhl ein. Im Augenblick, da Er sich setzt, wird das UR-Sonnenlicht flammendes Leben. Auch das Feuer des silbernen Tellers loht empor, bis die Opferschale in Schwingung gerät. Morgennebel wallen auseinander, und das Morgenrot leuchtet durch die sieben Fenster hinaus und herein. URs heilige Wesenheit füllt Raum und Zeit des Tages, Seine Augen ruhen auf dem Schöpfungsbuch, schauen einmal durch das Kommende und bleiben abermals am Werkbuch haften. In Seinem Blick funkelt schon das 'Ist und wird sein'! Nun spricht Er an das Werk:

11. "Es geschehe! Du erster Tag des Tat-UR-Jahres, habe deinen Anfang in der Sichtbarkeit! Was Ich in Mir formte, soll außer Mir Bestimmung sein. Ich, UR, Schöpfer, Priester, Gott und Vater, will nun haben, daß ihr, die zu eigenbewußten Kindern vorbedachten Gedanken, zu eurer Zeit zum Leben erwachen sollt. Alle Mittel und Wege stehen euch zur Verfügung; denn Höchstvollendung sei das Tagesende! Dann sollst du, Mein Werk, Mich loben und Mir danken ewiglich!

12. Langsam schenke Ich Mein Werk den Kindern, daß sie – heilig reifend – ewig ihre Freude haben. Mir verbleibe die gerecht gestellten Bedingungen; aber du, Werk, gebäre ein Zweites: den freien Willen für die Kinder! In den sieben ersten Tagen soll die Macht der Bedingungen und des freien Willens sich erproben. Doch der sechste Abend soll enthüllen, ob das Jahr die Krone tragen kann, jene nämlich:

13. Meine Kinder sollen aus sich selbst Mich lieben in der Freiheit ihres Willens und in der Anerkenntnis Meiner Macht. Aus ihrer Lebenstiefe sollen sie in Meine Höhe steigen, aus ihrer Höhe aber in den Grund. Aus der Weite treibe sie die Sehnsucht heim, daß am Ende dieser ersten Tat-Jahr-Woche sie in Mir die ewige Vereinigung erlangen. Und Ich will sie in der Kammer Meines Vaterherzens hüten, damit sie neue Stärkung haben. Dann gehen sie zum zweiten Male aus zu weit herrlicherer, heiligerer, freier Tat!

14. Ich will den Triebkräften die Bewährung setzen. Es sei das freie Willensgesetz, ihr eigenes Schöpfungsfundament, aber aus seiner Inanspruchnahme sollen sie die Mir vorbehaltenen gerecht gestellten Bedingungen über ihren freien Willen als Symbol und Tribut erheben. Erreicht der sechste Schaffenstag nicht das vorgeschaute Soll, so fließt das Tat-UR-Jahr in das Unbegrenzte Meiner Wesenheit zurück.

 15. Selbst bringe Ich ein höchstes Opfer, sollte dadurch die Erfüllung möglich sein. Die Bewährungskrone ist die Macht als Grund Meiner Herrlichkeit, die Kraft als Höhe Meines Hauses, die Gewalt als Weite Meiner Wesenheit und die Stärke als das Wunder Meiner Heiligkeit!!

Und so beginne Ich Mein Tagewerk!"

16. UR erhebt sich. In heiliger Hand hält Er das Buch. Er bläst in das Feuer auf silbernem Teller, bis es über die Opferschale lodert und den Strahlenkranz der UR-Sonne trifft. Einmal! Dann sinkt es zurück und brennt als reine Flamme weiter, deren Wärme die Opferschale berührt und in steten Schwingungen erhält, im ewigen Kreisrhythmus der Schöpfungstage. Ihr entsteigt balsamhafter Weihrauch, der die Stätte der Gottheit, den Sitz ihrer Majestät erfüllt.

17. Als die Opferschale den ersten Kreis beendet hat, öffnet UR das Buch, nicht aber schon ein Siegel. Seine Rechte legt Er darauf und behaucht viermal das Buch, das Feuer, den Herd und die Opferschale. Diese Symbolik trägt den Sinn des Werkes: höchstes Leben! Alsbald bilden sich außerhalb des Heiligtums viele Formen, noch keimhaft im letzten Nebel einer hehren Nacht. Es soll ja erst die Offenbarung haben, wenn das Kind-Werk den Tag besitzen wird.

18. Aus dem Feuer flammt weißer Rauch; er verdichtet sich vor dem Herd durch des Schöpfers Hand. UR spricht: "Ich will! Sein Leben!!" Ruht nicht auf dem Thronsessel, UR gegenüber, eine hauchfeine Gestalt? wie eine Elfe? – Die Menschensprache hat die Worte nicht, um zu vergleichen. Auch genügt zu offenbaren, was da wird. URs Mund berührt die Stirne des Gebildes. Ein Schöpferkuß! Der erste, der einem Lebewesen wird. Um den ungeheuren Titanenjubel, die Macht Seiner Wesenheit zu dämmen, entringt sich Seiner Brust ein äonenfacher Freudenschrei. UR wiederholt den vierfachen Lebenshauch und ruft: "Erwache, erwache! Dein ist das Leben, du Gedanke aus Mir!!"

*

1/1 - die erste Tochter Sadhana

19. UR, UR, wer will Dich begreifen?! – Du rufst dich selbst aus Dir! Was in unzählbaren Raumzeiten in Dir war, aufs neue stets geboren und jedem Einzelwerk in stetiger Vervollkommnung geschenkt, das ruht vor Dir; kindgewordener Gedanke!! Ja, da strahlen Deine heiligen, sanftdunklen Augen hell; und alle zukünftigen Legionen Sonnen nehmen ihren Strahl daraus, den sie – Dich anbetend – Deinem ersten Kinde bringen. Bist Du gleichwohl Schöpfer an dem ersten Tag des Tat-UR-Jahres, so stehst Du schon als VATER für das Kind im Brennpunkt Deiner eigenen UR-Wesenheit. – Das hat den Titanenjubel ausgelöst.

20. In der zarten Gestalt ist viel Schöpfungsschönheit angesammelt. Ihre Augen, den Schöpferaugen ähnelnd, tun sich auf wie beim Erwachen eines Erdkindleins nach dessen ersten Lebensschlaf. UR verfolgt jede geringste innere und äußere Bewegung Seines Erst-Kindes, dem Er Geist und Seele gab. Er nennt Sein Geschöpf das »Kind der Schöpfung« und haucht über den Herd bis zum ersten Lebenswunder hin. Da wird ihm Sprache und Verstehen zuteil. Mit der ihm eingehauchten Kraft erhebt es sich und da – da sieht es UR. – Die kaum wahrgenommene Herrlichkeit ist versunken, der Raum und was drinnen ist. Es hört nicht, was All und UR-All durchbraust, nicht den hehren Glockenklang, der eine neue Ewigkeitssekunde kündet. Es sieht nur UR.

21. Spürt das kaum erwachte Kind die heilige Verbundenheit? Auf silbernen Sandalen schreitet es über den kostbaren weißen Raumteppich, der zwischen den vier Säulen über den vier Läufern liegt. Nun steht es – durch den Herd getrennt – UR gegenüber. Wie wundersam erwachen in dem Kindgeschöpf Gedanken und Gefühle. Es spürt seine Zugehörigkeit zu dem Seienden, aber auch das sich kristallisierende Bewußtsein des Gewordenen. Da beugt es beide Knie, da bettet es sein Haupt in beide Hände, die sich auf den weißen Teppich pressen.

22. UR! Bei keiner noch so wunderbarster Schaffung hattest Du jemals solch heiliges Gefühl unsagbarer Freude! So ist Sein Gedanke, Oh, Er möchte zu dem Kinde eilen, es an Seine Brust zu drücken. Aber Seine rechte Hand auf dem Buch hält sich zurück. Ein erstes Gedankenkind muß erzogen werden, damit es seine Bestimmung erlangt; sich IHM anzugleichen als gerechter zweiter Schöpfungspol. So will es Seine Ordnung! Und nun erstmals spricht Er so, daß Seine heilige Sprache einen Widerhall in einem personenhaften Wesen findet.

23. "Sadhana! Mein Geschöpf! Geist von Meinem Geist, Wesen von Meinem Wesen, Mein Kind!" – Sadhana hebt den Kopf, lauscht den Worten nach, die im Heiligtum stehenbleiben. Ihre Brust durchbebt ein beseligendes Gefühl. Sie möchte ihre Augen schließen und doch das hehre Antlitz unentwegt betrachten. Diese Anschauung füllt die vierte Sekunde aus. Dabei lernt Sadhana ihre eigene Sprache. Sie fragt: "Wer bist Du, Mächtiger und Erhabener, der Du auf einem großen Stuhle sitzt und mich gerufen hast?" Oh, wie lieblich ist die Stimme, wie demütig jedes Wort; sie treffen das Herz des Höchsten.

24. Er spricht: "Ich bin UR, der Raum- und Zeitlose. Ich bin Schöpfer und schaffe Meine Werke; Ich bin Priester und weihe meine Geister; Ich bin Gott und leite Meine Wesen; Ich bin Vater und erziehe meine Kinder." – "Wer und was bin ich?" – "Du bist Sadhana, Mein größter, schönster Gedanke. Dich trug Ich in Mir, als Ich in Meines Wesens Innerem die Werke schuf ohne Raum und Zeit und ohne jede Zahl; und jedes war vollkommen! In allen Schaffungen warst du Mein erster Gedanke. Also wurdest du Mein Negativ, an dem Ich Meine positive Macht, Kraft, Gewalt und Stärke verherrliche. Nun bist du Geschöpf aus Ordnung und Wille, Geist aus Weisheit und Ernst, Seele aus Geduld und Liebe und warst, bist und sollst werden ein Kind Meiner Barmherzigkeit."

25. Sadhana schweigt. Heilige Stille steht zwischen ihr und UR. Da – bittend streckt sie ihre Hände aus. "Wie kann ich wissen, was ich zuerst Dir werden soll? Dein Geschöpf? Ich fühle Deine Allmächtigkeit und liege unter ihr zu Deinen Füßen. Wie soll ich Dich erkennen? Deinem Geistanteil in mir wird zwar Deine erhabene Höhe bewußt, doch ich kann sie nicht erfassen. Als Seele erschauere ich vor der Unermeßlichkeit Deiner Weite. Darf ich wissen, Dein Kind zu sein, so spüre ich zwar seligst Deine Nähe – aber ach, wie unendlich erhaben ist sie! Du hast mich zur Persönlichkeit gemacht, Gedanke aus Deinem Gedanken und kann wohl auch Gedankliches in Vielzahl haben. Ich lebe außer Dir, nicht mehr in Deinem Sein. Du gabst mir Gestalt und hast Dir selbst eine Schaubarkeit geschaffen, um Dein Geschöpf vor einer Angst vor Deiner Allmacht zu bewahren. Ich aber spüre sie!

26. Ewigkeiten stehen zwischen Dir und mir; wie soll ich denn zu Dir gelangen? Du nennst Dich UR und bist heilig, überheilig. Sieh, aus Deinem Wortquell kommen meine Worte, und erst indem ich rede, spüre ich den Sinn. Du bist UR, alles – alles! Ich bin nichts vor Deiner Allgewalt. O UR, hilf mir!" fleht Sadhana. Höher reckt sie ihre Hände, denn sie erlebt ihr Werden.

27. Auch URs Vaterherz erbebt, doch herrscht in Ihm der Schöpfer vor; und das ist gut. Noch kann das Kind Seine volle Sprache nicht verstehen. Ein Blick aus der Tiefe Seiner Wesenheit – Sadhana umfassend – schenkt ihr aus den sieben Grundlebensstrahlen und der Vierwesenheit alles das, was zu ihrem Aufbau nötig ist. Ein Gedanke strömt durch ihr Herz; doch sie zögert, wozu sie es im Innern drängt.

28. Da ruft UR: "Sadhana!" Über das Feuer auf silbernem Teller springt ein Lebensfunke ihr entgegen, der jede demutsvolle Hemmung niederzwingt. Wie eine Blume erhebt sie sich, schreitet rechts um den Herd und steht zur Linken URs. Hier sinkt sie nieder, überwältigt von der unfaßbaren Nähe. Langsam neigt sie ihr Haupt, bis ihr Antlitz auf URs Knien ruht; sie schlingt ihre Arme um die Füße und beugt sich plötzlich, bis ihre Lippen sie berühren. Allein, schon fühlt sie sich von guten Händen hochgehoben, und bevor sie weiß, wie ihr geschieht, liegt sie am Herzen URs. Ist das Wirklichkeit? –

29. Und Er spricht: "Sadhana, Meine Liebliche! Das herrliche Kleinod aller Meiner Werke ist Deine Demut. Nie je ist Köstlicheres entstanden! Wie könntest du Mir also ferne sein? Behalte wohl die gerechte Ehrfurcht und Demut, denn beide vereinigt lehren dich die wahre Liebe zu Mir!

30. Aber weder du noch ein anderes Kind soll Meine Füße küssen! Dein erster Kuß sei getan für alle Zeit. Nur als Geschöpf kannst du Mich nicht sehen; auch als Geist wäre ewiglich gerecht, vor Mir zu knien. Kannst du dazu bewußt die Lebensseele wirken lassen, so magst du vor Mir knien oder stehen mit erhobenem Haupt. Nun bist du das alles und außerdem Mein Kind! Freiherrlich bist du geboren, freiherrlich sollst du und alle nachkommenden Kinder erzogen werden, um mit Mir, dem UR als Vater, im Vertrauen zu verkehren!

31. Der schönste Platz für ein Kind ist das Vaterherz; und an Meiner Vaterbrust ruhen dürfen ist der höchste Lohn für alle Dienstbarkeit. Ehrfurcht bringt Gehorsam, Demut die Erkenntnis. Paart das ein Kind, so geht es Meine Wege freibewußt. Prüfe ernstlich, ob du solchen Weg beschreiten willst. Denn müßte einmal ein Tag Meiner UR-Heiligkeit entrissen werden, an dem Kinder Meine Heiligkeit verletzen – dann wehe diesem Tag und seiner Zeit; viermal wehe aber solchem Kind!!

32. Sieh, zuerst hattest du Gedanken, nach denen sich die Worte formten. Auch Ich formte Meine Werke vom Gedanken her zum Wort. Nun ist daraus die Tat herangereift, die ihre Folge haben wird. Wie aber ein Gedanke das Wort prüft, was zu sprechen ist, so die Taten ihre Folgen, die ihnen das Gepräge geben. Ein Kind wird dann erst höchste Seligkeit genießen, wenn es Mich in Meiner Vollheit sehen kann, der Fähigkeit des Kindes angepaßt. In dir, Sadhana, Mein Widerhall, du gerechtes Negativ, soll die Schöpfung ihre hohe Folge finden!"

33. Der fruchtbare Herzboden des Schöpfungskindes, vom Himmelslandmann durch Äonen gut bestellt, nimmt den wunderbaren Samen auf. Heiligernstes Wort! Das "Wehe" ist der größte Samenkern, er fällt inmitten auf den Acker. – Sadhana fragt: "O heiliger UR, kann je geschehen, daß ein Gedanke aus Dir – in vorstelloser Gnade zum Kind geworden – Dich nicht ewig walten läßt?! Nie werde ich den urseligsten Augenblick vergessen, in dem ich das Dasein bewußt empfing und Du mich erhobest an Dein Herz! Nun bin ich zu Dir entbrannt; Du siehst es ja in Deinem Feuer. Laß bitte nie dies 'Wehe' sich erfüllen." – UR schlingt Seine Arme fester um das geliebte Kind, das schöne Haupt drückt Er an Seine Schulter; doch mit schattentiefem Ernst entgegnet Er:

34. "Meine Sadhana, unlösbar bist du mit Mir verbunden! Kein Gedanke trennt sich ewiglich von Mir. Vorübergehend zwar kann es zu einer Löse kommen; aber eine Spaltung gibt es nie! Daß es jedoch möglich ist, liegt im Gesetz des freien Willens, da Ich dem Tat-UR-Jahr als Maßstab zwischen Mir und Meinen Werken gab. Davon sollst du später hören. – Jetzt darfst du Mir helfen; denn KINDER sollen werden."

35. Sadhana denkt: "Was geht in UR vor? Wie kann ich helfen, selbst erst aus ungründbarer Macht geboren? Ist nicht aus IHM alles heilig, überheilig?" Ein Schauer überrinnt den zarten Leib. Oh, reine Wonne, die Sadhana eine süße Seligkeit verschafft.

36. "Setze dich auf deinen Stuhl", sagt UR, "und überlasse Mir dein Herz, so wirst du sehen, wie Ich dich zu Meinem Heilswerk brauchen kann." Eine Hand führt Sadhana, obwohl UR auf Seinem Throne sitzen bleibt. Er hat Sein Werkbuch wieder aufgenommen, siebenmal haucht Er ins Feuer Seines Herdes, so daß die Flamme heller loht und der Weihrauch aus der Opferschale die UR-Sonne wundersam umschwebt. Wie in zarte Schleier ist alles eingehüllt. Harfentöne dringen sanft aus urweiter Ferne. Wer ist der Harfenspieler? Hehre Glocken klingen, sieben Farben fallen nieder. Einen Chor hört Sadhana. Wer sind die Sänger? Was bedeutet das vielstimmige Lied? Und Chor und Glocken, Harfen und Farben verschmelzen zu unfaßbarer Harmonie.

*

1/2 - Die ersten sieben Erzengel-Fürsten

37. In Urferne schaut das Kind, die Mauern des Heiligtums sind letzte, ungekannte Grenzen. Da weiß es, daß das Heiligtum ein wunderbarster Kindzweck ist. Mehr unbewußt sieht Sadhana, wie UR zum zweiten Male siebenfach ins Feuer haucht und das erste Siegel Seines Buches löst. Feurigen Zungen gleich enteilen Seinen Augen ganze Strahlenbündel, wie wenn die Lichtgewalt der UR-Sonne in siebenfacher Teilung aus Seinem Innern bricht. Feuerlohen sind Seine Worte:

38. "Also geschehe es!! Meine Ordnung und Mein Wille tretet aus dem Schöpferstrom; Weisheit und Ernst aus dem Priesterstrom; Geduld und Liebe aus dem Gottesstrom; Barmherzigkeit aus dem Vaterstrom. Seid personifiziert eine jede Eigenschaft in zwei Gestalten, doch harmonisch gebunden, in eines durch den gerechten und schöpferischen Ausgleich der positiven und negativen Erscheinungsform.

39. In sieben Tagen sollt ihr für euch Macht, Kraft, Gewalt und Stärke durch jenes Gesetz erproben, das im ersten Siegel des Tat-UR-Jahres ist. Höre, Mein Werk! Ich bin der Ewig-Heilige UR, der Ewig-Einzige und Wahrhaftige! Das ist Mein Name der UR-Ewigkeit! Jedes Schaffen war in Meinem Quell verwahrt; nun leite Ich darum vier Ströme, auf daß die heiligen Gewässer es ganz umspülen. Was Ewigkeiten tranken – nun ist es Werk geworden! Darum nimm den Aufbruch Meines ersten Siegels hin als deines Lebens gesegneten Beginn. Höre, Mein Werk!!

40. Das freie Willensgesetz soll dem Tat-UR-Jahr zugunsten Meiner Kinder dienen, die Ich aus den vier Wesensströmen nähren, durch die sieben Grundlebensstrahlen lehren, lenken und vollenden will. Jeweils in Führung einer Wesenheit und einer Eigenschaft soll sich jeder Tag aus den Gesetzen der Bedingung und der Freiheit erproben, bis der siebente Tag seine höchstmögliche Vollkommenheit erreicht. Doch Ich erkläre das Gesetz als nichtig, wenn ein zur Schöpfungserfüllung etwa nötiges und von MIR gebrachtes Opfer einen von Kindern auf Grund des ihnen gegebenen freien Willens hervorgerufenen Übergriff nicht innerhalb eines Schöpfungstages zu beseitigen vermag.

41. Ich will als Schöpfer Ordnung und Wille, als Priester Ernst und Weisheit, als Gott Geduld und Liebe, als Vater die Barmherzigkeit dem Kind-Werk und dem Opfer weihen. Das Opfer soll die Grenzen aufheben oder festigen, je nachdem die Kinder freiherrlich Mich lieben oder sich in ungerechter Freiheit von Mir wenden. Wahrhaftig ist Mein Wille, gesiegelt ist Mein Wort und die Sprache an Mein Werk. – Ihr sieben Träger Meiner Eigenschaften, erwacht zum Leben und zur Spruchbarkeit des ersten Schöpfungssiegels! Steht auf, ihr Lichter; ihr Fackeln, nehmt euren Stuhl der Herrschaft ein! Mit Meiner Sadhana sollt ihr schaffen und wirken. Nun beginne unser erstes Tagewerk! !"

*

42. Sadhana ist aufs engste mit UR vereint; das sich regende Leben registriert ihr Herz. Durch das Feuer gleitet ein Kraftstrahl zu ihr hin. Aus Licht und Flamme gehen sieben Formen über die gewaltige Bogenbrücke, die das Kind-Werk an UR bindet. Wie sieben Ringe tauen sie herab, heilig überstrahlt vom Glanz der Sonne, schweben durch das Herdfeuer und stehen dann im Halbkreis vor dem Schöpfungsherd.

43. UR zündet die Kerzen der sieben Leuchter an der Herdflamme an, und die sieben Geräte werden einmal sichtbar, aber wieder zugedeckt; ein jedes hat ja seinen Tag. Oh, welche Herrlichkeit! Wieder loht in UR unmeßbarer Jubel auf, daß Er sich in Seinen vierfachen Zügel fallen muß. Und welches Entzücken für Sadhana! Sieben Gestalten werden sichtbar, dann neben ihnen je eine andere, in Form und Wesen ihr gleich. So eng aber ist die jeweilige Verbindung, daß man sie nur als Körper trennen kann. Die 'Sieben Geister des Ewig-Heiligen UR' haben ihre Ausdrucksform erhalten.

44. Der Weihrauch weht um die Opferschale; stetig brennt das Feuer; atmende Ruhe wohnt im Heiligtum. Freude, Dank, Jubel und Ehre legt Sadhana als stilles Opfer vor UR hin. Die 'Sieben' erhalten ihre erste Belehrung. Als sie der Sprache aus Erkenntnis mächtig werden, fallen sie in höchster Demut nieder. Viermal beugen sie ihr Haupt, kreuzen ihre Hände auf der Brust, das Antlitz bis zum weißen Raumteppich neigend. Ihr erstes "Heilig, Heilig, Heilig, Heilig" braust durch den Dom, das eine Schöpfung auf einmal ins Leben rufen, auf einmal in ein Nichts verwandeln kann.

45. URs Antlitz widerstrahlt den Ruf. Ernst und doch mit wunderbarem Lächeln blickt Er auf die Sieben nieder. Aufs Unnennbarste ist Seine Wesenheit fast überfüllt. Schäumend fließen die vier Ströme in Sein Herz. In hehrer Harmonie tönen alle schöpferischen Stimmen, und Er sieht das Tat-UR-Jahr im Glanze Seiner Sonne. Er legt das Werkbuch aufgeschlagen auf den Herd und führt jeden Seiner sieben Geister zu ihrem Throngestühl. Die Berührung gibt den Erwachten neues Licht. Noch ist's verwoben, dennoch spürten sie ihr Sein in den vergangenen Äonen. UR begibt sich wieder auf den Herrschaftsstuhl, berührt im Vorbeigehen am Heiligen Herd die Leuchter samt den Glocken, die die Geräte der ersten Schöpfungswoche decken. Und Er spricht:

46. "Meine Kinder! Ich bin UR, der Ewig-Heilige, der Ewig-Einzige und Wahrhaftige. Alles, was da ist, was Form und Wesenheit erhält, kommt aus Meines Reichtums Fülle. Da ruhte es, und Unendlichkeiten ruhen noch darin. Ich bin der Ewig-Mächtige und Ewig-Kraft, der das Sicht- und Unsichtbare formt; Meine Ewig-Gewalt und Ewig-Stärke leiten bis zur Höchstvollendung jedes Werk. Dieses ist Mein Name!

47. Mancher wird noch offenbar; aber jedem Werk enthüllt Sich Meine Vielfalt anders. Doch der Name 'UR' bleibt der höchste, weil in ihm Mein Reichtum eingeschlossen ist. Wollt ihr Mich erkennen, bedarf es der Erkennung der geheimen wie der offenbarten Dinge. Seid ihr auch Meine Kinder, so bleibe Ich doch euer UR! Denn die UR-Wesenheit hat euch gezeugt. Meine Gedanken wurden zur erhabenen Ordnungsbahn, ursächlich in der Dienstbarkeit des Willens. Beide sind der Aufbau eines jeden Werkes. In Ordnung und in Wille bin Ich Schöpfer, denn aus Meinem UR-Reichtum schöpfte Ich zuerst das Werden. In der Sammlung dieser Lebensquelle ist die Schöpfer-Wesenheit der erste Strom, der das Werdende durchfließt. Er kommt aus Meines Herzens erster Kammer, die als Teil des Grundquells ihn für alle Werke speist. Um eines Kindwerkes willen Meine Allmacht so zu teilen, war nicht leicht; denn ewig war, bin und bleibe Ich der einzige, der Ewig-Untrennbare UR!! Und doch soll Mein schönstes Werk die reife Frucht erhalten.

48. Ich bestrahlte dieses Vorbild mit dem Lichte Meiner Weisheit und wollte urbedingt die plastische und selbständige Persönlichkeit der Kindgedanken. Also wirkte Ich in Meinem Ernst, und alsbald stand in und außer Meiner Schöpferwesenheit die herrlichste Gestaltung da. Meine Heiligkeit spürte es wie eine Weihe. Da nannte Ich den Wesensteil, der aus Weisheit und aus Ernst das Gewordene zu Mir erhob, den Priester, und ließ dessen segensvolle Fluten – abgezweigt als Meinen zweiten Lebensstrom – durch die zweite Kammer Meines Herzens pulsen. Mit ihm erhielt das aufgebaute Werk seine Richtung. Als es damit seine Kraft empfing, trug es in sich selber schon den Rücktrieb in Mein Ich. Ein Jubel aus Äonen war Mein Lohn, und Ich bezähmte Mich, damit nicht einfach alles fertig vor Mir stand. Das hatte nie Mein Wille vorgesehen und lag nicht im Bauplan Meiner Ordnung; auch nicht in Meiner Weisheit noch in Meinem Ernst.

49. Hätte Ich das Werk aus einem UR-Gedanken also fertig hingestellt, so hätte Ich ja auch den Jubel haben können, aber nie das Kindwerk, wie es im UR-Zyklus vornehmlich im dritten Jahr der Tat vorgesehen war. Da galt allein Geduld als Heilsplan für das Werk! Allmählich mußte jeder Kindgedanke sich vollenden aus der Vollendungsgabe, die ihm durch die Art Meiner Offenbarung überkam. Ich liebte sie über alle Maßen, erschloß den Großteil Meines Herzens mit dem dritten Strom, den Ich eben aus Geduld und Liebe allen Kindgedanken gab. Das offenbarte Meine dritte Herzkammer als Gott, weil Ich das Gute dieses Werdens sah. In Geduld führte Ich die Gesamtheit wie auch jedes Einzel an der Hand und verschenkte so im vorhinein die Liebe.

50. Geduld und Liebe gaben nun den Lauf, daraus die Möglichkeit, aus sich selber Mich zu lieben, durch welche Gegenseitigkeit die Vollendung zu erreichen war. Das Gute des von Mir Gelenkten trat in Erscheinung, und Meine Liebe, wunderbarst auf die vorher waltenden Grundlebensstrahlen gestützt, erglühte immer mehr. Ich sah ja alles! Kein Kind vermag in dessen Tiefe jemals einzudringen; und das ist gut. – Hatten Schöpfer- und Priester-UR-Teile der Geduld und Liebe solchen festen Grund geschaffen, so löste nun Mein Gott-UR-Teil dafür das Höchste ein: den Lauf des Kindwerkes zurück zum ganzen UR-Sein in der Freiheit seiner bleibenden Persönlichkeit!

51. Da erforschte Ich noch einmal jenes Auf und Ab, und Ich sah, daß auf solchem Weg Mein UR-Ich niemals ernstlich anzutasten war, wenngleich ein Viertel des Gedankenreichtums auf den Kinderteil entfiel. Ich sah aber auch, daß ihm noch ein Viertes Meines Seins gegeben werden müßte, wodurch freilich weder die Gedanken reicher noch Ich selber ärmer wurden. Die Grenzen, von Ordnung und Wille gebildet, änderten sich dadurch nicht! Das Vierte war nach jedem Teil-werk-ende eine Rückkehrmöglichkeit, die auf der Basis eines Hoheits-, so des freien Willensgesetzes bereitzustellen war. Auf diese Weise stand die Rückkehr für ausgesandte wie auch nötigenfalls für sich einmal abgetrennte Kinder zu Mir immer offen.

52. Das durchbebte Meine vierte Herzkammer gleich einem starken Strom, und Ich belehnte sie mit der siebenten Eigenschaft Barmherzigkeit, die in ihr die Alleinherrschaft besaß. Dieses nannte Ich nun Vater. Wohl sah Ich voraus, daß das freie Willensgesetz einen zweiten Pfad hervorrufen konnte, obwohl dafür keine geringste Substanz in Meinem UR-Sein vorhanden ist. Die Möglichkeit der Abwandlung kann aus dem Zwischenraum und seiner Zeit geschehen, die Ich als "Isoliergrenze" jedem Einzelwerk verlieh, damit das Kind-Werk zur höchstmöglichen Entfaltung kam. Denn an sich ist alles von Mir urabhängig. Ich selbst aber bin höchst frei! Von Meiner Freiheit sollen nun die Kinder ihren werkgerechten Anteil haben. Hatte Ich Mein heiliges Gedankengut aber auf die freie Willensbahn gebracht, so mußte Ich auf gleichem Wege Rechtfertigung und Genugtuung bereithalten, so es nötig war.

53. Das – Meinem Vaterherzteil entsprungen – gab der Barmherzigkeit in allen Dingen letztwillige Entscheidung. Sie sollte der verankerte Pol sein, an dem das Kind-Werk die Erfüllung, notfalls seine Rettung fand. Das war als vierter Punkt Mein Ziel! Damit war Meine gewaltige Vorschau, die eine viergeteilte Schöpfung baute, beendet, und Ich formte sie. Dreimal zwei Tage sollten Meinem Schöpfer-, Priester- und Gottherzteil zur Waltung übergeben werden, ein siebenter Tag Meinem Vatertum. Und sehet, jetzt beginnt der erste Schöpfungstag des Tat-UR-Jahres, und Meine Gedanken werden Werk!

54. Das Innere geht durch die äußere Gestaltung nicht verloren. Auch habe Ich die geschöpflichen Gedanken zu je einem körperlich positiven und negativen Kind gezeugt, ausgestattet mit innerem und äußerem Kraftbewußtsein und soll man beide männlich und weiblich heißen. Ich bin das einheitliche Positiv; das Werk in seiner Gesamtheit ist die Personifikation als Mein Negativ. Wie Ich jedoch trotz innerem urewigem Positiv Mich in äußerer Gestalt enthülle, so empfing das Werk auch diese Darstellung. Das ist Meine Sadhana, das Schöpfungskind." UR zeigt auf sie, die sich bei diesen Worten demutsvoll verneigt.

55. "Das bleibt aber nicht die einzige Gestaltung der Polarisation. Jede Einzelheit hat sich darin zu offenbaren. Ich habe euch die in Meine Vierwesenheit aufgeteilten sieben Grundlebensstrahlen anvertraut; sie sind Meine urpersönlichen Sinneskräfte. Auch sie haben ihre Darstellung erhalten, denn gerade auf sie ist jeder Fortschritt aufgebaut. Ihr sieben Kindeinheiten, die Ihr in Ehrfurcht Meinen Worten lauscht, seid die Träger dieser Sinneskräfte jeweils in einem Positiv und einem Negativ. Ihr seid die Engelsfürsten Meines Reiches.

56. Wie nun Ich, die positive Innerheit in Gestalt, Mir mein Gegenüber in der Sadhana erschuf, die mit Mir des Werkes wegen höchste Einheit bilden soll, nicht anders Meine Eigenschaften in euch Engelsfürsten. Auch ihr seid zwei Wesen im Sinnbild Meiner positiven Schaffensmacht und des Werkes als ihr negatives Gegenüber. Ihr geltet stets als Einheit. Nur sieben werden vor Meinem Angesicht genannt als Träger und Erfüller Meiner Eigenschaften. Als Kinder aber ist ein jedes in Meinem Vaterherzteil eingeschrieben und mache Ich keinen noch so geringsten Unterschied zwischen positiven und negativen Kindern; denn beide Arten sind Mein einheitliches Schöpferwerk!

57. Ihr sieben Kinderpaare sollt nebst Sadhana mit Mir in engster Gemeinschaft tätig sein und als Meine Engelsfürsten die Weihe haben." – Die Engel erheben sich, gehen bis zur Mitte zwischen dem Heiligen Herd und Sadhanas Sitz vor und bleiben mit über der Brust gekreuzten Armen stehen. Auf ihren Angesichtern liegt heiligheller Schein.

58. Ist das ein Strahl aus UR, der sie trifft, oder schon ein Widerleuchten ihrer Eigenheit? Sadhana sieht es mit Verwunderung, denn sie ging an die rechte Herdseite. Sie hat aus erstem Willensimpuls selbst gehandelt und den besten Ort gewählt. Gütig ruht URs Blick auf ihr, ein sanftes Lächeln liegt auf dem ewigen Gesicht. Segnend breitet Er Seine Hände aus. Die Kinder spüren Seine Segnung, sie möchten sich gern niederwerfen. Aber UR hält sie zurück.

59. Er spricht: "Meine Lichtfürsten! Ursprung Meiner Allmacht ist Mein Herz in ungeteilter Heiligkeit. Soll sich etwas offenbaren, steigt es zu Meinem Haupte auf. Sadhana ist der Widerstrahl Meines Herzens, ihr seid jener Meines Hauptes, Sitz der sieben Sinneskräfte. Was werden soll, ersteht aus Meinem Herzen; Mein Haupt gibt die Gestalt dazu. So offenbart sich Inneres und Äußeres zu urgewollter Einheit!

60. Zu allem, was Mein Wille denkt, legt sich die Ordnung ihren Weg zurecht. Der Wille läßt es werden, die Weisheit strahlt es aus, der Ernst segnet es, die Geduld hört auf seinen Herzschlag, die Liebe öffnet ihm die Tür, die die Barmherzigkeit wieder schließt, damit Schöpfer und Geschöpf, Priester und Geist, Gott und Seele, Vater und Kind allezeit vereinigt bleiben. Das soll schon der Anfang Meines Tat-UR-Jahres bringen. So merket wohl: Herz und Haupt sind aufeinander abzustimmen, eines muß des andern Träger und Erfüller sein!

61. Nun habt ihr euer Amt erhalten. Ich als Hochpriester Melchisedek weihe euch Meinem Schöpfungswerk. Sechs UR-Jahre liegen vor euch, in denen ihr bleiben sollt, was ihr geworden seid. Auch der folgende UR-Wendepunkt kann euch euer Dasein und eure Bestimmung erhalten in der dann erreichten weiteren Fülle Meiner Taten. Mit euch öffne Ich die Einzeltage, durch euch lasse Ich sie auch beschließen.

62. Zum zweiten weihe Ich euch als Meine Geheiligten, zum dritten als Cherubim und Seraphim. Damit seid ihr Träger Meiner unantastbaren Heiligkeit. Würde diese je verletzt, habt ihr Recht wie Pflicht, ihr alsbald Sühne zu verschaffen. Und wahrlich, was ihr als Sühneopfer an Meinem Heiligen Herd verlangen würdet, dazu soll euch Macht, Kraft, Gewalt und Stärke gegeben sein. Ich, UR, werde eures Rates achten.

63. Viertens weihe Ich euch als erste Kinder. Auf euch errichte Ich Mein Vaterhaus, aus euch soll das Reich erstehen. Vier Kinderpaare bleiben Meiner Sadhana geschenkt, von denen die drei ersten in eure erste Aufbaugruppe eingegliedert werden. Aber aus dem vierten Paar sollen drei erwachen, die dann zusammen das verkörpern werden, was vor Meinen sieben Grundlebensstrahlen steht, Ich des Werkes wegen aber nach diesen offenbare. Eure viermalige Weihe soll auf das gesamte Kindwerk kommen bis zum siebenten Schöpfungstag.

64. Wie die sieben Tage so gehört auch ihr, Meine Lichtfürsten, zusammen. Einer ist vom andern abhängig, aber keiner kann den anderen ersetzen; denn jeder hat seine eigene Waltung. Sieben Tage sind eine Woche und vier Wochen ein Monat, ein Großwerk. Zwölf von ihnen bilden dann das Jahr, die UR-Schöpfung genannt. Acht UR-Jahre sind ein UR-Zyklus. Ihr werdet noch die Wunder dieser Einteilung erfahren.

65. Jeder Tag hat eine Eigenschaft als Dominant unter Führung einer Wesenheit; und jeder wird von einer Nacht umhüllt, wie Ich in Meinem Herzen Meine Kinder hege. Am Morgen sollen sie erwachen und am Abend ihre reiche Heimkehr haben. Der Tag wird arbeitsschwer, die Nacht voll guter Ruhe sein. Nicht gleich wird jeder Morgen die Vergangenheit erkennen lassen. Doch die eigene Erkenntnissteigerung wirft das Licht zurück und auch voraus. Das 'Zurück' wird freilich zugunsten der Kinder stärker sein als jenes des 'Voraus', weil Ich allein, UR, der All-Heilige, die gesamte Vorschau habe!

66. Das ist eure erste Lehre. Ich will sehen, wie sie in euch Gestalt gewinnt. Durch Weihe und Segnung könnt ihr handeln." – Die Engelsfürsten treten an den Herd, indem UR ein verhülltes Zeichen in die Opferschale legt, die Rechte auf das Schöpfungsbuch gestützt. Der Weihrauch steigt zum Domdach auf, und die ersten Kinder rufen laut:

67. "Heilig, heilig, heilig, heilig ist UR, der Ewig-Heilige, Ewig-Einzige und Wahrhaftige! Gelobet sei Dein Name! Dein Wort lehrte uns, daß wir unlösbar mit Dir verbunden sind. Segnung und Weihe zeigen uns den Weg; und niemals wollen wir von Deinem Herzen scheiden. Du Hochpriester Melchisedek, künde uns, was uns Dir nahebringt. Enthülle die gerecht gestellten, Dir vorbehaltenen Bedingungen, damit wir ihre Träger werden. Offenbare auch das freie Willensgesetz, siehe, wir wollen es – Dich ehrend opfern. Zu Engelsfürsten hast Du uns erkoren, und wir ahnen, daß Du von uns alle Hingabe unseres Seins und Wesens verlangen kannst. Ordnung und Wille wollen wir bewahren.

68. Die Erkenntnis ist erwacht! Du allein bist heilig! Sind wir aber Dein Gedankengut, so tragen wir gewiß den Abglanz Deiner Heiligkeit in uns und können segensvoll geheiligt sein. Selbstheilig bleibst Du ewiglich! Als Geheiligte tragen wir die Weisheit und den Ernst in Raum und Zeit. Wir ahnen, das wir als Cherubim und Seraphim die Wächter Deiner Wahrheit sind. Und wir wollen die vier Tore Deines Heiligtums hüten und bewachen. Bloß Reine und Geläuterte sollen Einlaß finden. Geduld und Liebe wollen wir auf alle Kinderpfade streuen, die auf Deiner Bahn zu diesen Pforten münden.

69. Wir dürfen Deine Kinder sein und sehen: In den drei ersten Gaben sind wir neben Dich gestellt in Amt und Würde als Repräsentanten, aber auch als Garanten für die Heiligkeit, die Du uns anvertraust. Die vierte Gabe läßt uns in Deinem Herzen wohnen, wie Du selber auch in uns den Stuhl Deiner Herrschaft aufgerichtet hast. Deine Güte macht uns reich und selig; daraus wollen wir die Barmherzigkeit als Deines Wesens schönsten Teil den Kindern bringen.

70. Jedem von uns gabst Du einen Tag; und wie die Tage in eins gefügt, so sind auch wir ein Haupt in der Einheit Deines Wesens, wie Du sagtest. Und ein Ziel erstreben wir: Dir in Demut und in Ehrfurcht immer dienstbar sein! Aus Deiner Endlosigkeit müssen wir das lernen; aber sieh, O UR, wir stehen erst im Morgendämmern eines ersten Tages wie auch unseres Lebens. Darum führe Du uns in Dein Tagwerk ein, in die Wunder Deiner Wege, daß wir uns nach Deinem ewigbesten Ratschluß richten! Heilig, heilig, heilig – heilig ist unser UR!"

71. Gleich lohenden Flammen braust der Schrei gewaltig durch das All; mit schaffender Gewalt kehrt er zurück und schwebt eine Ewigkeitssekunde lang im Heiligtum als hehre Stille. Ein Glockenhall tönt in unmeßbarer Höhe über dieser Zeit, in der UR wortlos zu Seinen ersten Kindern spricht. Sie verstehen Seine heilig-stille Rede; verneigen sich in unerhörter Andacht, und Raum und Zeit trinken die gesegnete Sekunde. – Da hebt UR Seine Rechte auf, höher steigt die Lebensflamme, die Opferschale schwingt in großen Kreisen, der Weihrauch verdichtet sich, und die UR-Sonne strahlt ganz hell. Alles erhält größere Lebendigkeit. Die Kinder empfinden es und fragen im Herzen, wie das geschieht. Liegt nicht alles Leben in UR allein?

72. "Meine Ersten! Aus der Weihe und dem Segen habt ihr Mein stilles Wort erkannt und mit Mir auf eigenem Wege die Verbindung hergestellt. Damit seid ihr wahrlich wie zurückgekehrt, obwohl kaum dem ersten Tag geschenkt. Habt ihr einmal das freie Willensgesetz erkannt, dann werdet ihr die Macht des Bandes spüren, das euch durch eure Erkenntnis in der ersten Frühe Meines Tat-UR-Jahres an Mich schloß. Und doch hebt eure Arbeit für euch selbst, für das Werk erst an. Sorgt euch aber nicht, ob ihr jederzeit das Soll erreicht; denn seht, ICH bin der ewige Erfüller!

73. Dennoch kann Ich euch einen Großteil übertragen, auch vorausverkünden, ohne daß ihr Zweck und Ziel eher merkt, als bis es an euch selbst Erfüllung wird. Solches schrittweise Erkennen bringt größere Seligkeit als ein Voraus, was um des Werkes willen zu geschehen hat. Ihr sollt vor allem Kinder werden und als solche wahre Repräsentanten und Garanten Meines Reiches. Befleißigt euch, Mich zu verstehen, Mir zur Freude schaffen, zur Ehre handeln und aus dem allen eng mit Mir verbunden sein, so werden die Geheimnisse der Schöpfung euch alle Meine Herrlichkeit enthüllen und eigenmäßig überlassen.

74. Was ihr Mir nun dargebracht, lege Ich als Gabe auf den Schöpfungsherd, und alle Kinder sollen daran ihren Anteil haben. Welches Kind wie ihr die Einheit Meiner hochgesetzten Siebenfältigkeit erstrebt, wird entsprechend seiner Reinheit große Wunder Meines Vater-, Gottes-, Priester- und Schöpfertums erkennen. Ja, wahrlich: wer also durch die Pforte Meines Schöpferstroms gedrungen ist, der wird von da aus seinen Weg zurück zur innersten Vaternähe finden, daß er ob aller ungeahnten Wirklichkeit zu träumen glaubt.

75. Zuerst sind freilich Meine Kinder als Geschöpfe zu regieren, bis sie sich als Geist erkennen und dadurch zur Lebensseele werden, aus welchem Fortgang dann ein wahres Kind ersteht. Ihr habt das in einer Ewigkeitssekunde erreicht! Werden aber auch spätere Kinder einer längeren Zeit bedürfen, so doch kaum mehr als eine Tagesstunde.

76. Dann gehen sie freibewußt lebend ihren eigenen Weg, der im Prinzip Meiner Bedingungen und des freien Willens vorgesehen ist. Dieser führt das Kind zum Geschöpf, nämlich zur gewollten Demut und von das aus zu des Kindes Höhe und herrlichen Vollendung. Erst in der Tiefe solcher Demut findet ein Kind als Geschöpf den Schlüssel, der zu allen Toren Meiner Wesenheiten paßt! – Der Demutsschlüssel öffnet jene Freiherrlichkeiten, durch die ein Kind 'sein Hochtum' erreicht. Von diesem Hochtum aber wird ein anderer Tag die Offenbarung geben.

77. Wer das eine oder andere erwerben will, wird es auch erreichen. Das Ganze jedoch in der Fülle Meines Reichtums vorbedacht, wird so nicht erlangt. Nicht umsonst sind die sieben ersten Tat-Jahr-Tage eine Einheit, wie ihr Sieben nicht ohne Absicht gemeinsam ins Leben eingetreten seid und Ich euch gemeinsam segnete.

78. Manches bleibt Mir ewig vorbehalten; nicht alles kann oben auf dem Tagbewußtsein treiben. Und das ist gut! – Ich bin UR, Ich sitze stets im Regiment, Ich allein bildete das Universum und erhalte es, auch seine Einzelheit. Ich bin der Hochpriester Meines Werkes, das Mir zum Opfer dient, dem Ich selbst 'Mich opfernd' offenbare als König Meines Reichs! Wer sich an Meinem UR-Vorbehalt vergreifen würde, der hat seinen Lohn verspielt. Die Geheimnisse meines Schöpfertums sind ahnend, nicht tatsächlich zu erkennen, denn das Schöpfertum ist Mein erster Vorbehalt. Gebe ich den Kindern schöpferische Fähigkeit, so bleibt diese stets Mein Grundeigentum; alles andere kann von ihnen eigenpersönlich und bewußt erworben werden. Welches Kind das anerkennt, steht Meinem Schöpfertum am nächsten.

79. Deine Herzensfrage, Meine Sadhana, warum die Barmherzigkeit den Kindern die Erfüllung bringen wird, während ursächlich Ich die Werke auf die Ordnung stützte, wird bei guter Aufmerksamkeit gleich eine Tiefe offenbaren. Seht, der Grundaufbau bleibt urhaft bestehen, denn wo nicht die Ordnung aus Meinem UR-Willen zuerst auftritt, hat kein Werk Bestand, führt kein Weg zum vorgesteckten Ziel. Trotzdem steht die Ordnung über keinem anderen Strahl, wie auch nicht etwa Meine Schöpferwesenheit stärker als die anderen Wesenheiten ist. Es gibt viele Dinge, wo Ich als Priester, Gott oder Vater alleinig dominiere im Lichtstrahl einer Eigenschaft. Allein, alle Werke nehmen ihren inneren, keinem Kind ersichtlichen Bauanfang in Meinem innersten Wesenszentrum; und da bin ich UR, der Schaffende, der das willensmäßig zu Gestaltende durch Seine Ordnung werden läßt.

80. Einem Nur-Geschöpf kann Meine Schöpferwesenheit wenig verständlich sein, außer Ich würde ihm die Erkenntnis hierfür unabänderlich einpflanzen. Doch unnötig wäre dadurch die 'persönliche Arbeit' der Kinder und die Aufrichtung des Freiheitsgesetzes. Es genügte dann, daß Ich als Schöpfer wirke. Aber Meine einmalige Werkfreude, die Ich Mir aus dieser Kindschaffung erwerben will, die hohe Seligkeit, die den Kindern werden soll – beides bliebe unaufgebrochen in Meinem UR-Sein ruhen. Soll Meine Freude und der Kinder Seligkeit erstehen, so muß es bei dem vorgenannten Weg verbleiben, daß aus den Geschöpfen Kinder werden sollen. Eine einzige gute Erkenntnis mit der ihr angehefteten guten Tat läßt solches leicht erreichen.

81. Der Grundstock zum Kindwerk ist Meinem ganzen UR-Ich entnommen. Demnach ist jedes Geschöpf aus Mir gleichzeitig auch ein Geist, eine Seele und ein Kind, wie Ich in EINEM Schöpfer, Priester, Gott und Vater bin! Das seid ihr von Mir aus. Ob ihr auch von euch aus dieses alles seid, seht, das liegt nun an euch. Aus persönlichem Erkennen sollt ihr den Schöpfungsweg beschreiten. Das gelingt am besten vom Kind-Sein zum Geschöpf und zurück zum Kind-Werden bis zur jeweiligen Vollendung. Mein Soll, Mir selbst gestellt, ist euer Haben; und das ist euer Kind-Sein ohne eigenes Können und Vollbringen. Steht aber das Werk auf Gegenseitigkeit, so müßt ihr von diesem gesetzten Anfang an ausgehend euer Soll erfüllen, und das ist dann Mein Haben! Das wirkliche Ende erreicht ihr daher auch aus der Ordnung zurück zur Barmherzigkeit; denn: Aus dem Grund erlernt ihr euer Wesen!!

82. Der erste Eigenweg vom Kind zum Geschöpf wird von Mir überstrahlt. Wer dann aus der Demut seiner Kleinheit, aus großer Sehnsucht nach ewiger Verbindung bewußt, aufwärts strebt, wird Kind aus sich! Und das, Meine Ersten, ist der reine Endzweck dieser unendlich heiligen Erschaffung. Nur Meine Tiefe zu erforschen trachten, bringt wenig Segen und Erfolg. Dagegen auf dem Wege vom Geschöpf zum Kind erlernt jedes nahezu von selbst Meiner Wege Wunder, damit auch die Wunder Meines Wesens. Und Tiefe, Höhe, Weite, Nähe tun sich allerherrlichst auf. Also Kind geworden, ist vollste eigene Vereinigung mit Mir, dem UR, unter völliger Belassung des personenhaften Wesens. Hierüber herrscht nun keine Unklarheit in euch.

83. Nicht anders ist es in Hinsicht der sieben Grundlebensstrahlen und Meiner Vierwesenheit. Das Werk hat sieben Vollkommenheiten und vier Vollendungsgrade für die Kinder, aber stets eine Grundverbindung mit Mir, weil ich UR, der Einige bin. Letztere wird durch Erstrebung der Vollkommenheiten und Vollendungsgrade erlangt. Die Zwischenstufen bringen je ein Auf und Ab. Darum habe Ich – wie vorbemerkt – sieben Tage zu einer Schöpfungswoche vereint und vier Zeitwochen zu einem Großwerk, dem Schöpfungsmonat. Daß sich außerdem ein Monat zwölfmal wiederholt, ist eines Meiner UR-Geheimnisse.

84. Mit der Werkzunahme wird auch eure Erkenntnis wachsen. Die Grundverbindung habe ich der Kinder wegen unabhängig von der Werkfolge gemacht. Es kann jeder Einzeltag sein Ziel erreichen, aber trotz Wesenheits- und Eigenschaftsdominant (von diesem Tag), ohne Meine Gesamtheit niemals ganz vollendet sein; hingegen kann jeder Tag den Kindern eine einmalige, sogar bleibende Grundverbindung bringen, wenn es den von Mir vorgezeichneten Weg des Tages unaufhaltsam unter seine Füße nimmt.

85. Ewig bleibt die Grundreihenfolge zu Recht, unabhängig davon, daß um der Kinder willen die Einzelwerke ihre Sonderführung haben. In Mir bleibt alles unverrückbar bestehen! Welche Wesenheit und somit Eigenschaft den ersten Tat-Jahr-Tag regieren wird, werdet ihr alsbald erfahren. Merket aber gut: Wenn auch eine Eigenschaft aus einer Wesenheit den Tag beherrscht, so ist die Gleichberechtigung und Einheit aller anderen nicht annulliert! Ihr sollt zum leichteren Erlernen Meines UR-Wesens euch während dieses Tages vornehmlich mit seinem Dominant befassen. Ihr sollt in jeder Hinsicht 'Meine Kinder' sein! Zu Meinem Ebenbild erhoben!!

86. Zum Tagwerk berufe Ich euch alle, auch schon kommende Kinder; zum Dominant wird einer erwählt. Das ist das Symbol dessen, daß Ich, der Eine, alles in Meinen Händen halte! Ihr fragt: Was ist Berufung, was Erwählung? Den Unterschied zu erkennen kann euch die erste Morgenstunde noch nicht völlig bringen. Ein Grundhinweis sei euch jedoch gesagt.

87. Berufen werden alle Geschöpfe zu bewußtem Dasein, und daß sie als Geister zur Erkenntnis kommen, als Seelen sich den Werken unterstellen, um auf solchem Wege die 'eigene Kindschaft' zu erreichen. Das ist ein Grundzweck Meiner Arbeit und wird jedem zugängig gemacht. Eine Ausnahme in bestimmter Hinsicht bilden Meine Sadhana, ihr Lichtfürsten sowie noch zwei nächste Kindergruppen, während dann die vierte eine Zwischenstellung einzunehmen hat, teils wie ihr, teils wie alle Kinder; doch wird sie euch als Stuhlgruppe angeschlossen sein. Jedes Werk bedarf aber eines Fundaments. Ein Fundament setzt sich nicht selbst; es wird gesetzt! Also habe Ich euch auch fundamental gesetzt, richtiger gesagt: eingesetzt.

88. Ob das Fundament die Belastung aushält, liegt nun am Kind-Werk; und darin seid ihr allen anderen gleich. Ihr seid in eurer Sonderstellung das Fundament, die Belastung aber müßt ihr als Kinder tragen. Daß ihr jedoch jetzt schon mit eurer Berufung die Erwählung habt, ist eine sehr große Kraftprobe, die an euch zu stellen ist. Doch wenn ihr sie nach der Mittagszeit des Tages aus euch selbst erreicht, geschieht es noch aus Gnade. Sollt und wollt ihr aber Meine Mitträger sein, so müßt ihr als Fundament zuerst gestaltet werden, und manches mehr. Denn nicht gleich werden alle Kindgedanken wie ihr zu Form und Leben gelangen können. Seid ihr als Schöpfungsträger berufen und erwählt, so stützt sich Mein Werk von Anbeginn auch auf euch; und es wird sich zeigen, ob ihr der Gewaltprobe standhalten könnt.

89. Du, Meine Sadhana, erhieltest in der viergeteilten Schöpfung Meinen Ruf und deine Wahl; doch dir bewußt, berufe Ich dich für den Tag als Mein gerechtes Negativ, als äußeres Kraftbewußtsein vor Meinem Herd. Also tritt vor Meinen Heiligen Herd, Mir im Angesichte gegenüber."

*

1/3 - Es werde Licht

90. Sadhana befolgt die Aufforderung. UR erhebt sich, hält die Kerzen in das Feuer, und sie werden nun den Ersten sichtbar in herrlichem Schein, den sie sanft und stark verbreiten. Jeder Leuchter trägt zwei Kerzen als Symbol des heiligen Dual. Aus einer Lade des Herdes entnimmt Er neues Weihkraut, gibt es in die Opferschale, und alsbald füllt der aufsteigende Rauch die Kuppel des Heiligtums. Die UR-Sonne sendet einen Lichtring auf Sadhana, sieben Strahlen auf die Engel nieder, und UR nimmt das heilige Buch in beide Hände.

91. Er spricht: "Licht werde Meinem ersten Schöpfungstag! Was Ich aus Meinem UR-Zentrum, aus der Allheit Meines Herzens vorbereitet habe, gestaltet sich nach außen durch Meinen Lichtträger und Meine sieben Fackeln! Es werde Licht! Der Tag, der da ist und ewig sein soll die Tätigkeit, das Schaffende; Licht, das Belebende der Sichtbarkeit. Ich bin das UR-Licht, sichtbar und unsichtbar! Was aber aus Mir nun erstrahlen soll, aus diesem Licht, das soll 'Tag' heißen, soll Form und Gestalt gewinnen. Und Mein Werk ist gut!!

92. Erst war das Licht in Mir allein. Diese Zeit war Meine Heilige Nacht! Dann setzte Ich das Licht in Mir als Nacht und außer Mir als Tag. Hinfort sei die Nacht die Zeit der Ruhe, ohne eine äußere Gestaltung, der Tag aber die Zeit der tätigen Lebendigkeit. So diene denn die Nacht zum Kräftesammeln, der Tag zum Kräfteeinsatz. Jeder Schöpfungstag wird von einer Nacht eingehüllt, denn die Nacht trägt das stärkende Element! Aber Ich allein, der Ich aus Heiliger Nacht Meiner Innerwesenheit herausgetreten bin, bleibe Wächter Meiner UR-Ewigkeit und damit aller Zeiten!! Die Nächte bringen das Geheimnis der Vollendung.

93. Tag und Nacht sind einer Schöpfung zubedachtes Positiv und Negativ, das innere und äußere Kraftbewußtsein. Zum Tagwerk setze Ich Meine Mithelfer als Bauleute ein, in der Nacht treffe Ich als Bauherr die Vorbereitungen zur nächsten Lichtenthüllung; denn die den Kindern als Finsternis genannte Nacht leuchtet in Mir heller als ein Tag!" (Ps.139)

94. UR legt das Buch auf den Herd zurück und begibt sich unmittelbar vor Sadhana hin. Indem Er Seine Hände hebt, fällt sie auf ihre Knie, überhaucht mit Schauern in heiliger Versenkung. Ein Strom schöpferischen Lebens gibt ihr fühlhaft die Verbindung zwischen URs und ihrem Herzen. Ja, ein sichtbares Band weben Weihrauch und Licht um das Kind. Auf dem göttlichen Angesicht leuchtet ein wundersames Lächeln, es trifft die ersten Kinder wie ein Strahl von Morgenrot.

95. "Meine liebliche Sadhana, Mein auserlesenster Gedanke! Was dir die Weihestunde bringt, was Mein Geist in dich, Mein Werk in deine Hände gibt, ist groß und schwer. Ein UR-Jahr ist von deiner Erkenntnis, persönlichen Führung, von der Einstellung Mir und dem Werke gegenüber abhängig, sofern du nach der Berufung auf vier Fragen Antwort geben kannst, was deine Weihe dann zur Folge haben wird.

96. Mit dieser Weihe ist des Tat-UR-Jahres Aufbau, Richtung, Lauf und Ziel besiegelt. Ein Kampf Meiner sieben Sinneskräfte – ausgeführt von Meinen Engelsfürsten – kann Richtung und Vollendung geben, falls du dich nicht jederzeit kraft des freien Willens unter die Mir vorbehaltenen gerecht gestellten Bedingungen beugst. Denn wisse: Nur diese Beugung läßt die Herrschaft über das Gesetz erlangen! und erfüllt das vor der viergeteilten Schöpfung schon bedachte Ziel.

97. Wie du handelst, Mein Kind, so hat die Schöpfung ihren Widerhall. Das sichtbare Werk sollst du – von Mir beraten und liebevollst gelenkt – erfüllen. Wie du Mir gegenüberstehst, so dir gegenüber Mein Werk. Meine Arbeit muß Bedingungen stellen, notfalls durch sie allein das Ziel erreichen. Diese Bedingungen heben die persönliche Willensfreiheit nicht auf, im Gegenteil, sie sind ihr Garant.

98. Ihr könnt die Räume und die Zeiten nie messen, die bisher Träger vieler Werke waren, Meiner Hände Arbeit soll nie durch einen winzig kleinen Schöpfungstag oder durch ein Kind zunichte werden, etwa deshalb, weil Ich, euch zur Seligkeit und Freude, dem Tat-UR-Jahr den freien Willen gab. Aus Äonen Schaffungen steht Mir der UR-Lohn zu, den einzuheimsen Mir höchst eigenes Recht gestattet, das Recht aus Meiner Mühe, die am Ende jedes Jahres die Vollendung bringt. Aber habe Ich Mich selbst an das Gesetz gebunden, auch Meinen Kindern einen Lohn zu geben, so muß Ich als Lohnherr zuvor Meinen eigenen, wohlberechtigten Verdienst bedenken. Wie sollte Ich sonst löhnen?! Meine Bedingungen sichern den Reichtum Meines Hauses und dadurch den gerechten Lohn für die gedingten Arbeitsleute.

99. Das freie Willensgesetz gestattet euch, kraft erhaltener Begabung, Fähigkeit und der daraus zu erwerbenden Erkenntnis Gedanken zu verwirklichen, schöpferische Taten zu vollbringen. Dem gegenüber steht Meine Bedingung: Jedes Werk, es sei klein oder groß, muß zum Nutzen des Gesamten, mindestens des jeweiligen Schöpfungstages gestaltet werden. Tut es das nicht, fällt Meine Allmacht einer voreiligen oder falschen Tat in den Arm! Raum und Zeit spielen dabei keine Rolle.

100. Das Ablösen einer etwa 'ordnungswidrigen Arbeit' kann nicht nur lange Zeit, sondern sogar höchste Opfer kosten, weil ein einmal in Szene gesetztes Werk nicht plötzlich umzuwandeln ist. Eine solche Aufhebung würde das freie Willensgesetz verletzen und Meinen Grundaufbau erschüttern. Ihr sollt zur Mitarbeit erzogen werden. Das erfordert auch selbständiges Handeln. Würde ein unreifer Gedanke Leben gewinnen, wie käme er trotzdem zu seiner Schöpfungsreife? Ihr könntet ihn auch nach Erkenntnis nicht auflösen, denn – Niemand darf über das Leben eines kindgewordenen Gedankens verfügen als Ich allein, der Herr des Lebens! Und Ich vernichte kein Leben, auch nicht das unreifste, sondern leite alles in die Wege, es der vorbedachten Werkreife zuzuführen! Das ist Meine grundsätzliche Bedingung!!

101. Eine unzeitige Tat wieder gerecht zu machen, bedürfte außerdem der Hingabe an eine Wiedergutmachung. Solches ist eine Unumstößlichkeit, an die Ich das freie Willensgesetz gebunden habe. Nicht aber habe Ich Bedingung und Gesetz an Raum und Zeit geknüpft. Jedoch ist auch das Bedingung, daß innerhalb eines Tages jede unzeitige Tat wieder gutgemacht werden muß. Sehe Ich jedoch, daß ein Kind gemäß der Wiedergutmachung Mir selbe zuführen will, dann setze Ich weder Raum noch Zeit eine Grenze; im Gegenteil, Ich selbst werde helfend eingreifen, geheim oder offensichtlich, um alles auf jene freie Bahn zu schieben, die das Werk an die Wiedergutmachung heftet.

102. Eine Falschtat könnte auch von andern Kindern, die sie nicht begangen haben, wieder gutgemacht werden, mindestens einen Großteil dazu beitragen. Das bedingt dann ein bewußtes Opfer, was aber auch wieder eine Bedingung in sich trägt, nämlich jene, daß der Falschtäter das gebrachte Opfer sühnt. Davon nun genug als erste Lehre.

103. Zwei Wege hat das freie Willensgesetz erhalten. Eine stets zu erfüllende Bedingung liegt in der Unlösbarkeit eines Gedankens von Mir. Habe Ich aber Meinen Kindgedanken eigene Wesenheit vermacht, so wäre es ja widersinnig, sie mittels Meiner UR-Macht an ein vorbedachtes Ziel zu binden. Das geschah äonenmal vor der viergeteilten Schöpfung, wo eins das andere an Vollendung überstrahlte. Doch – es stand in Mir, restlos in Meiner Macht, Kraft, Gewalt und Stärke.

104. Die letzte Ewigkeit vor jener gewaltigen Wendeschöpfung hatte einen derartigen Höhepunkt erreicht, daß gemäß der Werkmethode es keine Steigerung mehr gab, außer Ich hätte UR-gedacht! Damit hätte Ich erzielt, daß dasselbe Panorama an Meinen UR-Augen vorübergezogen wäre mit jenem sinnestäuschenden Unterschied, Mich an Meiner Mir selbst vorgespielten Machtentfaltung zu erfreuen.

105. Wohl befriedigten Mich Meine Werke, die zuerst einmal ein Selbstzweck waren. Doch in Meinem mannigfaltigsten Reichtum regte sich mehr und mehr ein Werkzweck, denn Mein Schaffen kannte keine Grenze. Jedes Ende war ein neuer Anfang. Meinen Werken ist kein Maß zu setzen! Setze Ich aber ein Maß an Raum und Zeit, ob eines Tages oder eines gewaltigen UR-Zyklus, so ruht darin der Keim zu neuem Tun. Mein Born bricht auf, gewaltig rauschen seine Ströme; sie durchfluten Mein UR-Sein und jede Regung Meines Willens.

106. Die vier Ströme sind die ständig gebenden Lebensimpulse; aber – sie sind auch Nehmer, in die jede Werkentwicklung fließt. Die positive Kraft des Wassers reinigt und erneuert. Gehen an einem Werkabend alle Daseinssubstanzen in das Stromgebiet zurück, so werden sie von der 'Last der Arbeit' gereinigt, erhalten neue Lebensfähigkeit und steigen also 'neu geboren' aus Meinem UR-Born auf zum heiligen Schmucke eines neuen Schöpfungsmorgens. Das ist ein unaufhörlicher Kreislauf; und doch sieht niemand, wie sich Bahn an Bahn aneinanderreiht, wie niemals gleiche Bahnen wiederkehren. Sind vier UR-Jahre vergangen, so gelangt ein UR-Zyklus an seine weiteste Grenze, im Sinne der Bestimmung an die Höchstentfaltungsmöglichkeit. Die vier weiteren UR-Jahre, die Mein Einatmen sind, führen den Lauf in Mein eigenes Ich zurück. Der Abschluß ist ein UR-Wendepunkt. Von ihm kann kein Kind hören.

107. Von gutwilligen Kindern ist ein Jahr zu begreifen dahingehend, daß alles neu geworden ist, auch das, was Ich ihretwegen aus Meinem Sein dem Werke über ließ. Erreicht daher das Tat-UR-Jahr die vorbedachte Vollendung durch Meine Kinder, so werde Ich am letzten Abend also sprechen: 'Seht, was Meinem Werke galt, floß ihm zu und ist mit ihm und durch dasselbe neu geworden. Ihr habt durch euren Gehorsam gerechten Anteil an der herrlichen Vollendung, ihr sollt auch am neuen Jahr beteiligt sein, in, neben und außer Mir, derzufolge ihr ein anvertrautes Teilwerk nach eurer Art gestalten könnt.'

108. Allein, das ist euch nur zu übergeben, wenn in den ersten sieben Tat-Jahr-Tagen – zur Erprobung des freien Willensgesetzes ihm unterstellt – Meine Kinder die große Schöpfungsfreiheitsprobe bestehen, zumal du, liebliche Sadhana, ihr Lichtfürsten und die Stuhlersten, weil dergestalt die Mir vorbehaltenen gerecht gestellten Bedingungen in der Bewährung beweisen, daß der freie Wille einem aus Mir geborenen Teilgeist höchste Entfaltung bringen kann. Erhält bzw. erreicht er sie, so hat auch das Werk seine Vollreife gefunden.

109. Es ist Meiner ewig nicht würdig, sollte Ich zu einem Kinde sagen: 'Siehe, dein Weg!‘ Und würde es so angebunden lenken, daß es weder rechts noch links schauen, geschweige je selbständig gehen könnte.' Damit hätte Ich ein Ziehkind geschaffen, und Meine Freude gipfelte in der unbegrenzt ausgeführten Macht. Hingegen würde Mich Meine hoheitliche Machtvollkommenheit in einen UR-Jubel sondersgleichen versetzen, wenn die Mir selbst geborenen Kinder auf Grund des freien Willens zur Vollkommenheit gelangen.

110. Es besagt nichts, wenn sie sich infolge ungenügend erprobter Willenskraft hie und da verirren. Meine Gegenwart wird sie liebevollst belehren und auf den rechten Pfad verweisen. Kommt ein Kind dann zur Erkenntnis, so ist das freie Willensgesetz wie auch Meine Freude gut bewährt. Euch Ersten sollte es unschwer sein, aus eigenem Willen jederzeit auf dem besten Weg zu bleiben. Ich werde euch während der vier ersten Schöpfungstage in allen Dingen helfen und beraten, seid ihr ja des Werkes festes Fundament. Dessen seid stets eingedenk."

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1/4 - Sadhana wurde zum Negativen Gottes gewählt, als Mitarbeiter und Erfüllungsgehilfen des Tat-UR-Jahres

111. Während der Rede hafteten die Augen der stehenden Engel und der knienden Sadhana unverwandt auf dem heiligen Gesicht. Das Wort ist ihnen wie ein Quell, obgleich das Ursächliche noch nicht begriffen werden kann. Ein Abweichen von dem gezeigten Weg ist ihnen völlig fremd. Liebkosend gleiten URs Hände über Sadhanas Haupt; aus Seinem Blick bricht sanftes Lächeln. Ernst aber sind Seine Worte:

112. "Meine Sadhana! Ich berufe Dich als Mein erstes Kind zu Meinem Schöpfungswerk, zweitens zu Meinem geheiligten Negativ, drittens zur getreuen Mitarbeit an den sieben Tagen und zum vierten zur Erfüllung des Tat-UR-Jahres. In deiner Hand, an deiner Erkenntnis liegt die Vollendung kommender Geschöpfe. Es ist dir anheimgegeben. Das 'Vollkommen' liegt bei Mir! Nun, Kind Meines Herzens, Widerschein des Morgenstrahls der Ewigkeit, willst du die Berufung anerkennen?

113. Ich weise dich auf die ungeheure Kraftanstrengung hin, die dafür nötig ist. Die erste Stunde dieses Tages ist noch lange nicht vorüber, und ich gab sie frei zu deiner und der Fürsten Belehrung. Dünkt einem von euch der Weg zu schwer, so ist noch Zeit Mich zu bitten, vom freien Willenswege abzulassen. Dann rechne Ich der vergangenen Nacht die Stunde an und werde euch eine andere Arbeit schenken.

114. Denn wisse Sadhana: Nach eigenem Ermessen handeln zu können und dennoch für das Werk sich Meinem Willen unterzuordnen, das ist ein Schöpfungssoll, das vollste Beherrschung des eigenen Ich erfordert! Ich bemesse nämlich jeden Lohn allein nach der Arbeit und stelle Meine Forderungen dem vorbedachten Ziel gleich. Geringe Arbeit und hoher Lohn passen nicht zusammen. Ich lasse euch Zeit zur reiflichen Überlegung und Prüfung euer selbst; denn seht, die Schöpfung kann von eurer freien Willensentscheidung abhängig sein."

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1/5 - Die zwölf Schläge

115. Die erste Frage an ein freigeborenes Kind! Lastet sie nicht zu sehr auf den feinen Schultern, daß sich das Haupt darunter beugen muß? Sadhana fühlt die Last und – eine Hand, die sich zwischen Last und Schulter schiebt. Ach, wie ist ihr denn? Strömt nicht aus der empfundenen Bürde hehre Harmonie in Ihr Herz? Sie schaut auf, und – sie ist allein, in Weihrauch eingehüllt. Nur einen breiten Lichtstrahl nimmt sie wahr. URs Worte hallen in ihr nach, dazu die Frage bang und schwer und doch unendlich beglückend.

116. Sie hört sechs dunkelsanfte Schläge einer feierlichen Glocke. Jeder Schlag zerreißt die Stille des unsichtbaren Raumes, schiebt Ungesehenes zur Seite und schenkt größere Erkenntnis. Glühend vor Erzittern formen ihre Lippen im Hauch den Namen 'UR', überrinnt es ihren lieblichen Leib, denkt sie an ihr Kindsein und daran, daß UR ihr VATER ist. Und dieser Allheilige will Sein Werk in ihre Hände geben? Ist das nicht schon eine Probe? Darf sie in diesem Sinn das freie Willensgesetz in Anspruch nehmen? Ist es nicht Vermessenheit? O UR, hast Du Deinem ersten Kind nicht Unlösbares übergeben … ??!

117. Tiefer neigt sich das Haupt, bis fast zum Boden. Wenn UR selber die Entscheidung bitter nennt, wäre es nicht besser, um ein anderes Werk zu bitten? Was nützt der freie Wille, wenn dadurch das Kind den Weg verliert? 'O UR, wir – ich will bei dir bleiben, Vater meiner Liebe!' – Wie kommt ihr plötzlich dieses Wort? Hängt es mit ihrer augenblicklichen Empfindung zusammen, mit einem 'Nein'? Was würden die Engelsfürsten tun? Unaufhaltsam folgen innere Frage und Antwort.

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118. Der siebente Glockenhall legt sich beruhigend auf das aufgeregte Herz. Wie oft darf diese Glocke schlagen, bis sich jene Antwort formt, die – das Werk sicherstellend – UR befriedigt? Da blitzt das Erkennen auf: URs Titanenjubel! Wo würde dieser bleiben, wenn sie ein 'Nein' verlangt? Könnte sie Ihm nicht aus opfervoller Liebe dienen, indem sie beides, Bedingung und freien Willen, anerkennt?

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119. Der achte Ton ertönt. Ein Warner, oder – ein Kraftquell und Mutzusprecher? Immer mehr festigt sich's in Sadhana, daß das freie Willenswerk URs höchste Freude ist, auch ihr Dank, daß sie bewußt leben darf. Noch nie gab es das heilige Dual: Schöpfer und Geschöpf, Priester und Geist, Gott und Seele, Vater und Kind! Unterbleibt das freie Willenswerk, dann wird besonders 'Vater und Kind' unterbleiben müssen. Da durchzittert Sadhana ein sonderbarer Schmerz.

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120. Der neunte Hall steht wie gegossen da. Klang er nicht viel freundlicher? Ist sie auf dem rechten Weg? Oh, du bittere Entscheidung! – Als Geschöpf kann sie ohne schweres Gesetz ein Dasein haben. Ob aber mit UR innigst verbunden, wie es schon die erste Morgenstunde brachte …? Und als Geist? Für diesen gibt es die Vereinigung, wodurch sie reich begnadet ist, wird sie vom priesterlichen Wesen überstrahlt. Auch da gäbe es keine Trennung. Wie aber steht's mit der Verbindung zwischen Gott und Seele? Als solche kann sie wohl in UR beruhigt sein und leben. Nein, nicht leben, nur ruhen. Denn Leben heißt Steigerung! Ohne das freie Willensgesetz könnte kein Geschöpf, noch Geist oder Seele freibewußt leben, nicht Kind auch aus sich selber werden.

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121. Der zehnte Hall strömt förmlich durch die Stille. Da wird Sadhana sich bewußt, nun auf dem rechten Weg zu sein, und rasch folgt die Erkenntnis: Alle formgewordenen Gedanken bedürfen einer äußeren Entwicklung, will UR Sein Werk zur Höhe führen, die den Vater-Kind-Begriff erschafft. Oh, nicht leicht wird es sein, eigenen Willen zu besitzen und sich doch allzeit dem waltenden Schöpferwillen zu unterstellen, die zweckgebundenen Bedingungen anerkennen und …

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122. Besonders feierlich trifft der elfte Glockenschlag das einsam kämpfende Kind. Stellt UR nicht auch Seinen eigenen schöpfergewaltigen Willen hinter dieses freie Willensgesetz zurück? Ja, gibt Er nicht Seine heilig unfaßbare Arbeit aus Äonen Raum und Zeit den Kindern, die Er aus Geschöpf, Geist und Seele sich gebildet hat? Er opfert auch Sein Vatertum, den vierten Anteil Seines Wesens –! Elementar überflutet Er das Kind: "O UR, Ewig-Heiliger, mein Herz ist angefüllt von der ungeheuren Größe der Gedanken! Ich fühle sie, kann sie aber nicht erfassen. Zu mächtig lasten sie auf mir. Nimm sie von mir, ich will ja nur Dein Kind sein, will Dich beglücken, Dich nicht um Deinen Lohn, um Deinen Jubel bringen.

123. Schwer wird der Weg der Freiheit unter den Bedingungen sein. Sieh, dann bedarf ich fortgesetzter Hilfe, Fürsorge, Kraft und Anleitung, sonst kann ich Deine berechtigte Erwartung nicht erfüllen. O Schöpfer, hilf aus Ordnung und Wille Deinem Geschöpf; Du Priester, sorge für mich kleinen Geist nach der Weisheit und dem Ernst; o Gott, gib mir Wesen die Geduld und Liebe, daß ich eine Lebensseele werde; Vater, stehe Deinem Kinde in Barmherzigkeit, in Güte bei." – Ein innerster Herzteil ist aufgebrochen. Wonne, Schauer, Freude, Zaghaftigkeit erschüttern das Kind. Heiße Tränen, die es noch gar nicht kennt, netzen den weißen Teppich. So hört es den zwölften Ton der UR-Glocke nicht, sieht auch nicht, wie sich der Weihrauch teilt.

124. UR steht in herrlicher Majestät im Heiligtum. Wer aber möchte Ihn beschreiben? Sein leuchtendes Gesicht, die Strahlung Seiner Augen, in denen fernste Schöpfung in höchster Harmonie sich spiegeln? das gute Lächeln voll geheimnisvollster Wunder, alle flimmernde Pracht der Erhabenheit, des Gewandes, die Gebärde Seiner segnenden Hände? – Wer könnte es, auch wenn er tausend Male es gesehen hätte –?!

125. Eine Berührung weckt Sadhana aus der Versenkung. Sie erschrickt ob all des Feierlichen Glanzes, der sich offenbart. Ihr Schreck ist herzbrennender Jubel in großer, einmaliger Andacht, in gerechter Stille vor dem Herrn. Diese Stille zeigt ihr wonneschauernd an, daß sie schon oft seligkeitstrunken vor UR gekniet hatte. Sie weiß nicht das Wie und Wann; nur es war! Jedoch solche ungehemmte Freude, ein ihr Sein durchflutendes heilig-banges Gefühl ist ihr in keiner vergangenen Freudenschöpfung je bewußt geworden. Nun spürt sie die kommende Vollendung. Und diese köstliche Morgenstunde hat ihr den ersten Schritt dazu beschert. Selig, selig ist sie!!

126. Als aber URs Hände sie berühren, sieht sie ihn ganz hoheitsvoll, als göttliche Majestät vor sich. In beispielloser Ehrfurcht neigt sie sich, bis ihre Stirn auf Seinen Füßen liegt. – UR läßt Sein Kind gewähren; es ist gut, die Demut bis zur Neige auszukosten. Doch im Strahle Seiner Augen, im 'Sich-aufgehoben-fühlen' wird des Heiligtums Schönheit offenbar, auch die Engelsfürsten, deren glänzende Gesichter ihr rätselhaft erscheinen. Sie weiß nicht, daß auch diese sie wie ein Wunderbild bestaunen. Kann es anders sein? Sie erlebten ja ein Werkgeheimnis, dessen Sinn sie freilich erst allmählich kennenlernen werden. UR enthüllt es zum Teil, Seine Worte bleiben im Heiligtum stehen wie eine Personifikation.

127. Er spricht: "Meine Sadhana und Engelsfürsten, Kinder Meines Herzens. Die Zeit bleibt ungemessen, die Ich zum Bedenken der gestellten Frage gab, damit ihr eine gute Antwort geben könnt. Wohl sehe Ich die Entscheidung; jedoch wie Ich dem Werke Meine Sprache gab, so sollt auch ihr dasselbe tun. Ihr legt nicht nur vor Mir die Prüfung ab, sondern für euch selbst, vordringlich für alle Kinder. Und die Prüfung liegt in Meinen Händen wohlverwahrt. Öffnet eure Herzen und gebt dem ersten Tag des Tat-UR-Jahres das, was auch von euch aus ihn vollenden läßt."

128. Sadhana spürt nochmals die Verantwortung als Bürde. Doch dann sagt sie in sicherer Erkenntnis: "Ewig-Heiliger UR, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger, Du Güte in Deiner Macht, Kraft und Gewalt und Stärke, Du wahrer Friedensspender! Auf ewig bleibe ich dem angebunden, was die erste Morgenstunde dieses wonnesamsten Schaffenstages uns bereitgehalten hat, UR-Jahre sind davon mit Seligkeiten anzufüllen, wenn Deine Kinder den von Dir gezeigten Hochweg wandeln.

129. Ich anerkenne das freie Willensgesetz, erstmalig mit der lebensbewußten Geburt der Kindgedanken schöpfungswaltend aufgebaut. Ich anerkenne Deine gerecht gestellten Bedingungen, Deiner Allmächtigkeit und dem gerechten Ausgleich beider Fundamente vorbehalten. Gib mir Deinen Beistand, allgütiger UR, damit ich lebe und handle, wie Du es billigerweise von Deinem ersten Kind erwarten kannst. Du sagtest, die äußere sichtbare Gestaltung läge in meiner Hand. O UR, was tust Du Deinem Kinde, daß Du also sprichst?! In Deinen Händen ruht ganz allein Werk bei Werk; außer Dir ist Niemand, der sie herrlichst zu vollenden weiß. Ich vermag es nicht." Augenblicklang neigt Sadhana ihr Haupt, richtet sich aber wieder auf und redet weiter:

130. "All-Heiliger, Du bist der ewige Regierer! Soll sich jedoch Dein Wort an mir erfüllen, so verwahre mich in Dir, dann wird das Werk allein auf diese Art gekrönt und Deine hochheilige Grund-UR-Sache ist zu best beraten und gelenkt! Nie anders als in reiner Demut will ich vor Dir befunden sein; denn ich will, ich kann Dein Werk nicht gestalten, wohl aber Du Dein Werk an mir!

131. Kannst Du Deines Hochziels wegen mir nicht anders helfen, so rufe ich Deine Barmherzigkeit an, von der Du sagtest, sie habe als letzter Grundlebensstrahl in allen Dingen auch die letztwillige Entscheidung. Nimm mich in Deine väterliche Obhut auf und hilf mir nach Deinem Wohlgefallen. Amen." – Wo nimmt Sadhana diese Worte, wo das 'Amen' her? Sie wird selber davon überwältigt. Das Leuchten und das gute Lächeln eines hohen All-Vaters vermag sie nicht in seiner Grundtiefe zu erfassen. Und also spricht der Vater aus UR:

132. "Amen, Amen! so soll es auch geschehen! Halte dein Versprechen, siehe, Ich halte ganz gewiß Mein Amen!" – Die Engel verneigen sich tief. Sie tragen innerlich des Schöpfungskindes Antwort; dennoch ist sie anders, nicht mehr, nicht weniger. Sadhana als gerechtes Negativ ist jetzt völlig Kind, Empfangende; die Engel als Träger der sieben Sinneskräfte sind schon Gebende geworden. Beides ist werkgerecht. UR führt Sein Kind zum Thronsessel, die Fürsten folgen. Dann begibt Er Sich zu Seinem Stuhl, die rechte Hand legt Er auf das offene Buch.

133. "Meine Sadhana! Während du um die Entscheidung rangest, haben das Meine Fürsten auch getan; denn auch ihnen ist die Werkerfüllung übergeben. Nun, Meine Fürsten, kommet her, jeder für sich selbst. Jeder Sohn und jede Tochter lege seine Antwort auf den Heiligen Herd, damit hernach die andern Fragen folgen können. Jetzt ist es das Wort, das ihr Mir bringt; die Tat daraus muß sich während der vier ersten Arbeitstage zeigen. Was jedoch dem Ordnungstag gegeben ist, bleibt Grund des Werdenden." – Es tritt der erste Großgeist vor, Cherub und Seraph verneigen sich in unerhörter Andacht. Beide reden zugleich; aber eine Stimme trinkt der Raum, eine Antwort hört die Zeit.

134. "Allmächtiger, Ewig-Heiliger UR, Licht und Leben! Aus Deinem UR-Zentrum ist unser Werden glorreich aufgestiegen. Wir spüren die verborgene Macht, die hehre Größe Deiner Majestät. Doch würdest Du uns bis zum hohen Abend dieses Tages soviel Unmeßbares offenbaren, als wir mit Deiner Gnadenführung es ertragen könnten, sieh, die Allmacht Deiner Erhabenheit würden wir doch nie ergründen! – nicht an diesem Abend, nicht am Ende eines Jahres.

135. Doch die UR-Lichtflut ist gerade der stabile Grund, worauf Du alle Seligkeiten Deiner Kinder baust. Wir aber ebenfalls wollen Dir zum guten Grunde werden, damit jederzeit Deine Tagesrechnung stimmen kann. Wir bedürfen hierzu Deiner fortgesetzten Hilfe. Laß sie uns, göttliche Majestät, stets angedeihen! Möge nun die erste Antwort aus uns sieben eines Sinnes mit Deinem heiligen Ratschluß sein.

136. Ewige Allmacht! Du hast die Gesetze der Bedingung und des freien Willens Offenbart und als gewaltige Pole Deiner Autorität allen Schaffungen gesetzt. Gib Deine Bedingungen in unsere Hände; siehe, wir legen Dir dafür die Willensfreiheit in die Deinen. Du selbst als unser UR sei Mittler zwischen beiden. Es wird immer Deiner Ordnung vorbehalten sein, den Ausgleich beider Fundamente also zu enthüllen, daß jedes Kind Deiner hocherhabenen Gnade eingedenk bleibt. Aus mir unerkannten Allmachtstiefen hast Du mich zu Form und Wesen, zu einem Engelsfürsten geboren, zum Träger einer Deiner Sinneskräfte.

137. Da ich noch in Dir war, war ich ein Stück Du Selbst! Ein Strahl trifft mich: Jene Werke (ein strahlender Gedanke) waren ungeheuer vorbereitender Aufbau für den UR-Zyklus, in dem Du uns zum eigenen Ich, zu Geschöpf, Geist, Seele und Kind gestaltet hast. Einen Großteil Deiner Wesenheit gabst Du hin; dafür willst Du dieses wundersame Kind-Werk krönen, wie noch mit keinem Deiner Werke je geschah! Welche Wunderherrlichkeit!! Dennoch ahne ich, daß Tage kommen, wo das erhaben angelegte Kind-Werk unfaßliche Kraftproben bestehen muß. Noch weiß ich kein Wie, Warum und Wann; Du hast mir bloß zur Vorschau meine Augen aufgetan.

138. Erhabene Heiligkeit! Von Deinem Geist, von Deinem Wort, von Deiner Hände Arbeit hängt der Werklauf ab. Hast Du mich zum Träger einer Deiner Eigenschaften vorbedacht, so laß mich zuvor bitten: Gib mir aus Deiner Schöpfer-Herzkammer die Macht, daß ich die Ordnung dienstbar machen kann. Hast Du uns so Herrliches bereitgestellt, wer von uns, o gnadenreicher UR, mag Dich um Deinen Lohn betrügen?! Darum anerkenne ich das freie Willensgesetz neben Deinen heiligen Bedingungen in hochgerechtem Ausgleich als einzig wahren Ordnungsgrund! Nur so werden Deine Bedingungen das allgewaltige Ziel, wird auch das freie Willensgesetz die Krönung des Kindwerkes herbeiführen. Dann wird am Ende dieses Jahres Dein Jubel auch unser Jubel sein, wenn Du – Allmächtiger und All-Erhabener – im Glanze Deiner Herrlichkeit die Vollendung Deiner Tat-UR-Schöpfung fertig vor Dir siehst!!

139. Soll ich dem Werke dienen, so bitte ich Dich abermals: Wirke Du, mein UR, in mir, wie ich jederzeit in Deinem Herzen bleiben möchte. Stets bin ich ein Werksgehilfe, wie Du das von mir erwarten kannst. Gestaltung und Vollendung sind bei Dir! Der Du Deine Tage segnest, segne mich, daß ich in Ewigkeit bestehen mag. Trage mich, dann bin ich ein Träger Deiner Kräfte; führe mich, damit ich führen kann; erleuchte mich, daß ich als Lichtfürst eine wahrhaft helle Fackel werde; stehe Du mir bei, damit ich aus Berufung und Erwählung auch ein Beistand bin, so dieses nötig werden würde. –

140. Gelobet sei Dein Name, UR, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Alle Ehre Dir, Ewig-Heiliger, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger. An Deiner Seite will Dein erster Engel immer bleiben. Sprich auch zu mir das heilige 'Amen', das Deine liebliche Sadhana aus ihrem Herzen schöpfte und dem Du als Vater der Barmherzigkeit den tiefen Sinn gegeben hast. – Mein geliebter UR, laß Deine Herrlichkeit uns offenbar erkennen."

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141. Lichüberflutend und andächtig knien die Engel auf dem blauen Teppich nieder. Haben sie recht gesprochen? – Da klingen heilige Worte durch den Raum; geheimnisvolles Wehen berührt die Kinder, so daß sie alle erschauernd niedersinken. Und das ist es, was ihnen höchste Wonne und zugleich erschütterndes Verstehen bringt:

142. "Amen! Und noch dreimal Amen! Das soll wahrhaftig so geschehen!! Wahrlich, auf solche erste Fürsten Meine Arbeit abgestellt, ist das Fundament nicht zu zerstören! Mein Lichtfürst, Träger Meiner ersten Eigenschaft, du sollst an jener Pforte Wache halten, durch die die Kläger schreiten müßten, würden Meine Bedingungen und der freie Wille einst mißbraucht. Zugleich ist es die Pforte der Gesetzesträger mit den unwandelbaren Gesetzen, ohne welche kein Schaffenswerk erhalten bleibt. Der zweite Engelsfürst wird mit dir wachen; denn zwei Wächter bestelle Ich, Meine Gesetze und ihre Einhaltung zu hüten. Jetzt könnt ihr die Größe der schöpferischen Aufgabe nicht ermessen, ihr ahnt sie nur. Doch die Zukunft lehrt sie euch. Nun sollen Meine andern Fürsten zeugen, damit der Tag seinen Fortgang hat."

143. UR selbst hebt Seine Kinder auf und nimmt Seinen Stuhl wieder ein. Nachdem alle bis auf den siebenten geredet haben, ergibt sich, daß der dritte und vierte Engel die zweite Pforte innehaben, durch die URs Bedingungen den Tagen zuzutragen sind; an der dritten Pforte stehen der fünfte und sechste Engel, über deren Schwelle die Gerechtigkeit – auf ehernen Tafeln als Gravur – zur Offenbarung an das Werk gelangen.

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144. Nun kniet der siebente Engel auf dem weißen Raumteppich. Es waren gewaltige Antworten vom Heiligtum gehört. UR hebt segnend Seine Hände hoch, feierlicher Glanz erleuchtet Sein Gesicht. Seine Größe, die heilige Erhabenheit ruhen fast fühlbar auf jedes Kindes Haupt. Sie fühlen sich in eine unbekannte Höhe wachsen, eine Höhe, auf der UR thront, wenn Er Sein Werk zur Mitternacht in Seinen Quell versenkt. Seine ehrfurchtgebietende Gestalt erstrahlt im Feuer Seiner Sonne: "O Ihr ersten Kinder aus dem Werk der Tat, selig seid ihr zu preisen, daß ihr das erlebt! Noch immer fällt die Pracht der frühen Morgenröte in den Raum, die die Kinder in Gottes Mantel hüllt; und ihr Wesen ruht trotz eigenem Leben in UR, dem Ewig-Einzigen.

145. Selig seid ihr zu nennen, liebliches Kind, starke Engel, die ihr schon an diesem Anfang vor dem Angesicht des Herrn verweilen dürft. Und zum dritten seid ihr selig, daß ihr Seines Mundes Rede hört und Ihm Antwort geben könnt. Also seid ihr viertens überselig, da ihr von Seinem Stuhl und Heiligen Herd zuerst berufen seid und sitzt auf euren Stühlen in der Herrlichkeit der Herrschaft. Eure Angesichter tragen Seines Feuerglanzes Widerschein. – Die Stille ist vorbei." UR legt Seine Hände auf das aufgeschlagene Buch. Neuer Lichtglanz, die UR-Sonne hat sich bewegt!

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1/6 - Bestätigung der Erfüllung, um das Ziel zu erreichen

146. Und der All-Heilige spricht also: "Meine Sadhana, ihr Fürsten! Ihr gleicht geöffneten Schalen, in die Ich nun den Samen legen kann. Ihr habt nicht nur jenen Entschluß gefaßt, der Mir viel Schöpferfreude brachte, sondern auch gerecht gesprochen, euer eigenes Leben Mir zu überlassen. Noch könnt ihr die Folge nicht ermessen; doch der Tag hat euer Tun schon segensreich erfaßt. Wir – Ich mit euch und ihr mit Mir – werden ihm das Ziel, zubereitet in der viergeteilten Schöpfung, spenden. Aber nicht allein das Ebene, sondern auch ein möglich Unebenes durch der Kinder Freiheit ist zu bedenken. Meine UR-Sonne aber hat es euch verkündet:

DAS HOCHZIEL WIRD ERREICHT!

147. Euch leitete der Gedanke an Mich. Das war der 'Garant' der Erfüllung. Ob darüber hinaus auch einmal sich ein Kind verirrt, in Unkenntnis der Folgen, die aus falschen Gedanken, unwahren Worten und einer eitlen Tat erstehen, so werden andere Kinder, die Mir in dieser Schöpfungsmorgenstunde ihr Willensopfer brachten, sich bald mit einem Panzer gürten und das Werk verteidigen. Dann bin Ich ihr stählerner Schild! Weder Schild noch Panzer werden je zerbrechen!!

148. Würde außerhalb einer Schutzwehr, die für Meine Getreuen zu errichten wäre, ein Widerstreit entstehen, ja selbst wenn ein Kampf gegen Mich entbrennt, würden Teile der äußeren Schöpfung im Feuerbrand verzehrt – so sei euch gesagt: Alles das wird vergeblich sein, so es geschieht!

Kein Kindgedanke, löst er sich gleich willkürlich von Mir ab,

kann jemals aus der Innerheit Meines UR-Wesens scheiden!

149. Nun ihr eure Entscheidung brachtet, ist auch Meine Entscheidung gefallen. Höret sie: Das Kind-Werk, durch Äonen erwogen, geprüft, erbaut und zur Vollendung zubereitet, in Meinem Schöpfer-, Priester-, Gott- und Vaterteil bis zur inneren Vollkommenheit geführt, wird nun im Tat-UR-Jahr innerlich und äußerlich sich bilden; und nichts vermag auch nur hemmend in das Rad Meiner Allmacht einzugreifen! Das sage Ich, der Ewig-Heilige UR, der Ewig-Einzige und Wahrhaftige!!

150. Zum Zeichen dessen sei euch offenbart, daß zwar während der ersten Tat-Jahr-Woche ein Stachel aufzurichten wäre kraft des freien Willens. Wer immer aber einen Stachel wachsen ließe – eine Erkenntnisstunde wäre jedem anberaumt um eurer herrlichen Entscheidung willen; und in derselben würde jener wohl erkennen müssen, daß er nicht Mich treffen, sondern selber bis zum Tode sich verletzen kann!

151. Mein Ziel bleibt unverrückbar bestehen! – Wie Ich euch jedoch zu eurer freien Entscheidung eine wie ungemessene Zeit überließ, so soll dann dem Tag, in dem solcherlei geschähe, innerhalb seiner Zeitgrenze in Gnaden auch eine wie ungemessene Zeit belassen sein, in der nach jedem Fall eine Erkenntnisstunde kommt. Für Meine Zeit wäre diese eine Sekunde, für Meinen Raum eine winzigkleine Zelle; für den Abgeirrten aber qualvollste Ewigkeit!"

152. UR begibt sich vor den Heiligen Herd. Weiß leuchtet Sein Gewand, mit breitem Goldsaum und silbernen Sternen ausgeschmückt. Goldene Schnüre hängen von den Schultern bis auf die Hüften nieder. Ein geflochtener Gürtel, wie ein Regenbogen blitzend, besetzt mit Saphiren, Topasen, Rubinen und Diamanten, hält das Kleid. Die KRONE gleißt, und auf der Brust leuchtet das Zeichen der UR-Sonne. So überaus herrlich angetan, unbeschreiblich in Seiner höchsten Majestät, steht Er vor dem siebenten Fürsten und spricht:

153. "Mein Lichtengel, Träger der siebenten Eigenschaft, du sollst am vierten Tore stehen, Hüter und Wächter Meiner ewigen Sanftmut, die als alles belebendes Wasser aus der Opferschale fließt. Durch Deine starken Hände soll der Strom geleitet sein. Wem du ihn gibst, der wird vor Meinem Angesicht bestehen; wem du ihn vorenthältst, wird Mich nicht schauen! Handle nach deinem Herzensgebot und lasse es nach Meinem Vatersinn sein Werk verrichten." Er wendet sich an alle:

154. "Meine Kinder, noch könnt ihr das Gesagte im erst angebrochenen UR-Jahr kaum begreifen, weil alles erst allmählich seine Steigerung erfährt. Dennoch ist euch die Ahnung eines Schöpfungsschicksals bewußt. Doch Ich sage euch: Jedes Schicksal liegt in Meiner Rechten, das seiende wie auch das künftige! Schmiedet sich ein Kind selbst ein törichtes Geschick, muß Ich darum auch sein Schicksal senden, so behalte Ich Mir trotzdem Meine Gnadenwaltung vor. Nun sollt ihr aber eure Berufung erhalten."

155. Er führt Sadhana rechts an den Heiligen Herd, gibt ihr sieben Weihrauchkräuter und heißt sie diese nacheinander ins Feuer des silbernen Tellers werfen, sobald Er die Engelsfürsten ruft. Welche Seligkeit für sie, erstmals heiligen Dienst zu tun. UR begibt sich auf die Herrschaftsseite des Herdes, rückt den ersten Leuchter in den Tellerkreis und läßt Sadhana eine silberne Glocke vor den Leuchter schieben. Er schlägt am Siegelbuch die erste Seite auf und winkt das erste Engelspaar herbei.

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1/7 - Der erste Erzengel: Uraniel-Urea, Träger des Ordens mit der Waage

156. "Es werde! Du erster Lebensgeist, beherrsche den Anfangstag des Tat-UR-Jahres durch Meine heilige Ordnung aus dem ersten Grundelement! Sei Dominant des Tages, damit das ganze UR-Jahr in gerechter Ordnung sich auf Meine Macht, Kraft, Gewalt und Stärke stützen kann. Im Zeichen des Feuers sollen Aufbau, Richtung, Lauf und Ziel den Kindern den Impuls des Wortes und der Tat erbringen, so daß aus diesem allen einst die herrliche Folge anzugliedern ist.

157. Streckt eure Hände aus über den Heiligen Herd. Du, Cherubim, bist Uraniel, der Ordnung Hoheitsträger aus Meinem Inneren des Schöpferherzteils; du, Seraphim, bist Urea, die Hoheitsträgerin nach dem äußeren Prinzip. Ihr seid eine Fackel bei Meinem Stuhl. Als Engelsfürst sende Ich euch aus, die Ordnung zu vertreten. Nehmt das Zeichen eurer Würde an." UR zieht unter der Silberglocke eine WAAGE vor, behaucht sie einmal, und zwei Händepaare nehmen sie in Empfang.

158. "Auf dieser Waage", sagt Er, "soll jedes Kind und jede Tat gewogen werden. Was ihr wiegt, das bleibt gewogen; was ihr wägt, das bleibt zurück, bis aus Raum und Zeit ein neuer Aufstieg kommt! Gewogen wird, was sich in Meine Ordnung fügt; gewägt, was sich dawider stellt. Seid Hüter Meiner unwandelbaren Gesetze, die durch euer Tor getragen werden. Prüfet auf der Waage auch die Kläger, sollten solche doch erstehen, um Mein Gericht herauszufordern. Stellt sie hin, wo sie für immer bleiben soll." – Tief sich neigend geben Uraniel und Urea die Waage an den gleichen Platz, wo sie vordem stand und antworten:

159. "O Ewig-Heiliger UR, Du bist der Heilig-Höchste! Aus Deiner Hand empfingen wir die Waage, an Deinen Ort geben wir sie gern zurück. Du hast uns berufen; sieh, unsere Arbeit an Deinem Werk sei unser Dank. Als Hoheitsträger Deiner Ordnung wollen wir die Hüter Deines Feuers, Deiner unwandelbaren Gesetze sein. Ehe aber jemals Kläger kämen, stehen wir durch Dich als ewige Erfüller Deiner Ordnung da. Und wir werden prüfen! Was der Wägung anheimfällt, soll Deine Stätte nicht betreten, als bis die Stunde der Erkenntnis schlägt. Doch dürfen wir vor Deinem Angesicht der erste Deiner Engelsfürsten sein, so bitten wir: Bleibe immer unser UR, unser ein und alles!" Wieder neigen sich die reinen Geister nieder und opfern kniend Lohn und Dank.

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1/8 - Eine großartige Lehre von UR

160. Als sie sich erheben, steht UR vor ihnen, heftet an die rechte Schulter ihrer Gewänder ein blaues Band, das sich an der linken Hüfte zu einem losen Knoten zusammenschlingt und bis auf den Kleidsaum fällt. Nach dem erhaltenen Segen schreiten sie zu ihrem Thronstuhl zurück, und es werden alle übrigen Engelspaare berufen entsprechend der ihnen anvertrauten Eigenschaft. In dieser Berufung liegt ihre große Gleichberechtigung, ihre einheitliche Mitarbeit. Die Tageswahl des ersten Fürsten berührt in keiner Weise diese Gleichheit. Das ist werkbedingt. – Nun folgt eine größere Belehrung, die allen gilt und deren Schluß lautet:

161. "Meine liebliche Sadhana, ihr Fürsten, Ich habe euch Mein Werk und das Werk euch anvertraut. Den Grundstein guter Erkenntnis bildet die in Meinem Sinn gerecht beantwortete Frage und die Annahme des freien Willensgesetzes. Damit sind eine ganze Reihe Bedingungen verknüpft, die sich erst auf diesem Weg einhalten lassen.

162. Ich sprach von den 'unwandelbaren Gesetzen'. Würden Raum und Zeit nur solche Art erhalten, so wäre von Anfang an das freie Willensgesetz überflüssig. Ich erschaffe aber kein Gesetz, das andere gleichfalls bestellte Gesetze annulliert. Beide Begriffe, unwandelbar und frei, sind zwei Gegensätze, deren Ineinanderfügen und gerechter Ausgleich höchsten Einsatz fordert, und zwar nicht allein von der Ordnung als dem Dominant des ersten Tages, sondern alle Grundlebensstrahlen und Sadhanas persönliches Bewußtsein müssen auf den Plan treten, ansonst kein Ausgleich für die Kinder möglich wird.

163. Wie leicht in Wahrheit beides, unwandelbar und frei, zur herrlichen Werkeinheit zu bringen ist, wird euch gezeigt. Seht, wie leicht sich Meine rechte und linke Hand ineinanderfügen, obwohl die Arme rechts und links am Körper angewachsen sind. Durch beide Hände wird eine vollwertige Tat erzielt! Dasselbe gilt der Tiefe und Höhe, Weite und Nähe Meiner UR-Wesenheit. Wer will sie als Raum zusammenfügen? Wer aber mit Meinem Geist und einzig um des Werkes willen aus der Tiefe zur Höhe, aus weitester Ferne in Meine innerste Herzensnähe strebt, der hat vollwahr in sich diese UR-Dimensionen vereinigt und gibt's hernach für ihn keine Trennung oder Gegensätzlichkeit.

164. Die Tage werden manches bringen, was den Anschein starker Gegensätzlichkeit erweckt. Dennoch werden die unwandelbaren Gesetze als Grundstock Meiner gerecht gestellten, Mir vorbehaltenen Bedingungen mit dem freien Willensgesetz, das als Grundstock die Wandelbarkeit besitzt, zu höchster Harmonie gelangen. Ja, ernstlich: Die fundamentalen Grundpfeiler der Vollendung des Tat-UR-Jahres sind

unwandelbares und wandelbares

Prinzip, Bedingung und Freiheit!

165. Dieser sich ausgleichende Gegensatz betrifft jedes Hauptwerk, ewig von MIR ausgehend für den Aufbau und das Ziel; und alles Nebenwerk, das die Beweglichkeit der Richtung und des Laufes erhält, ist von den Kindern frei auszuüben. Jedes Hauptwerk hat in seinem Aufbau das unwandelbare Gesetz, im Ziel die Bedingungen, während die Nebenwerke in der Richtung eine gesetzmäßige Wandelbarkeit tragen, der Lauf hingegen dem freien Willen unterworfen ist.

166. Ein durch Kinder freiherrlich gebildetes Teilwerk trägt aber auch Aufbau und Ziel in sich insofern, als im Kinde sich weit eher Gedanke und Folge zusammenfügen, während Wort und Tat erst allmählich werkgemäß erstehen. Das geschieht aus Meiner Hilfe, zwar geheim Meinem UR-Sein entsprungen; sie wurzelt größtenteils in den wandelbaren Gesetzen, weil durch sie ein Kind leichter zur Vollendung heranzubilden ist, ohne es seiner Willensfreiheit zu berauben.

167. Ihr fragt, was wandelbare Gesetze sind und wie sie in Meiner UR-Ordnungsbahn einzugliedern wären. Nun seht: Aus einem puren Nichts kommt freilich nichts; und ohne Gedanke, Wort und Tat gibt es keine Offenbarung. Hat aber jemand einen Gedanken gefaßt, so bildet er ihn notgedrungen aus und spricht: So will ich's tun! Er kann auch mit einem andern Kind gemeinsam schaffen, oder kann – was das Beste ist – Mich um Hilfe bitten und obwohl sein Gedanke richtig sei. Die Entscheidung beruht schon auf einer Wandelbarkeit, wenn das Kind mit einem anderen oder bewußt mit Mir zur guten Tätigkeit gelangt. Ausschlaggebend ist immer der Gedanke, weniger die Begleitumstände. Ein im Herzen geprüfter Gedanke kann beste Früchte bringen.

168. Diesem liegt das Gesetz der Vollständigkeit zur Grunde. Nun kommt es aber darauf an, ob der kleine Werkmeister auch Richtung und Lauf bestens überprüft. Hätte Ich dem Werkgedanken allein ein gutes Soll als unwandelbares Gesetz gegeben, so wäre die freie Kindarbeit daran gebunden, und es käme die Bedingung mit dem freien Willen in Konflikt. Macht das Kind aber schon bei seinen Plänen Fehler, so stellt ein wandelbares Gesetz die Ausführung in Abhängigkeit; das heißt, der kleine Werkmeister muß nun selber sehen, wie er seinem Werk die nicht selten innerlich geschaute Schönheit angedeihen lassen kann.

169. Hier zeigen wandelbare Gesetze eine unbegrenzte Güte an. Raum und Zeit sind Mein! Überlasse Ich beide den Kindern auf längere Sicht, so bringt mancher Umweg dennoch Nutzen, indem das Werdende so oft umwandelt wird, bis es das gedachte Ziel erreicht. Daß ein Umweg zweckdienlich erfolgt, ist Meiner Fürsorge überlassen. Nur völlig falsche Werke fordern Bedingung und Unwandelbarkeit heraus. Ob aber solches überhaupt geschieht? Wäre das mit der UR-Gesetzmäßigkeit zu vereinigen? Oder: Was könnte den Lauf eines Schöpfungstages ungefährdet und ungehemmt gestalten? Durch eure Anerkenntnis hat das freie Willensgesetz volle Gültigkeit. Eine zwangsläufige Führung oder Rückbildung ungerechter Werke sind an sich ausgeschlossen.

170. Dabei rücken die drei weiteren Fragen näher. Ich sprach von einer Möglichkeit, daß sich durch willkürliche Inanspruchnahme des freien Willens eine ordnungswidrige Tat ergibt, aber solchen Falles weder Tat noch Kind zwangsläufig umgeändert oder etwa aufgelöst werden brauchen, sondern durch Erschließung neuer Wege das Kind samt Tat der Schöpfung, im Vollernst also MIR, erhalten werden kann.

171. Aus dem Werkraum ist nichts herauszunehmen und außerhalb hinzustellen; dennoch würde eine Falschtat das Kind von Meinem inneren Wesen lösen, weil es die Verbindung aufgehoben hätte. So würde es in eine sonderbare Konstellation geraten. Nämlich: Im Augenblick, wo es sich von Meinem Wesen löst, ist es unfrei geworden, ist an seine schöpfungswidrige Tat gefesselt, als Gefangener seiner selbst. Das ist eine bittere Haft, weil solcherart die Einsicht fehlt, die erst durch unbedingte Führung hergeleitet werden muß.

172. Auf die eigene Erkenntnis kommt es aber dabei an. Würde hingegen ein Abweichen bis hart auf die letzte Daseinsgrenze erfolgen, dann werde Ich als Schöpfer keinesfalls nur des Gesetzes freien Willen und dessen Wandelbarkeit dulden, weil so dem Werk Gewalt geschähe. Das darf nicht sein! Ich werde das zur freien Entfaltung gegebene Willensgesetz aufs höchste beachten, doch auf dieses die Bedingungen zu einer restlosen Wiedergutmachung begründen.

173. Eine Wiedergutmachung kann große, sogar ein höchstes Opfer nach sich ziehen, und es bliebe zu erwägen, ob eine Vollerlösung möglich sei. Dazu nun die drei angekündigten Fragen, und zwar: Soll eine Wiedergutmachung durch das freie Willensgesetz oder nur aus den Mir vorbehaltenen Bedingungen geschehen?Zweitens: Können Einzelopfer, die eines Werktages Zeit ungebührlich überlasten, eine Wiedergutmachung erstellen, oder wäre ein einmaliges UR-Opfer aufzubringen, das sowohl die Bedingungen wie auch das freie Willensgesetz rechtfertigen? – Und drittens: Darf ein höchstes Opfer eine Vollerlösung innerhalb von sieben Tagen folgen, oder sollte so ein Kind – nach Erkenntnis zwar begnadigt – vier Schöpfungswochen fern von Meinem Herzen leben müssen, damit es lange spürt, was es Mir und Meinem Werke tat? – Diese Fragen sind genau zu prüfen, den euer Werden hängt mit davon ab. Auf einiges will Ich euch verweisen:

174. Die Wiedergutmachung besäße zwei Wege, einen, der das Kind beträfe, und einen, der durch andere Kinder einen Ausgleich brächte. Welcher Weg müßte wohl der erste sein? Wäre einer vom anderen abhängig zu machen? Weiter: Käme schon das genannte UR-Opfer in Betracht, so würde dieses einen Opfersinn, wenn auch als heiligen Schatten, über alle Kinder werfen. Wäre das gerecht, so sie Mir ihre Treue hielten? Aus welchem Grunde sollten sie die etwa folgenden Kindopfer auf sich nehmen? Warum unverschuldete Last tragen?

175. Wie aber, wenn nicht nur aus Unkenntnis, sondern aus bösem Willen abstrakt gehandelt würde? Müßte aus Gerechtigkeit nicht mindestens die Zahl aller Opfer und deren Zeitverlust ertragen werden, um dergestalt eine Vollerlösung zu erlangen? Denn Meine Gerechtigkeit ist das oberste unwandelbare Gesetz! – Würde aber so der letzte Erlösungsakt nicht bis zu einem Jahresende hinausgeschoben sein? Ihr Kinder könnt die Zeiten und Wege nicht ermessen, nicht die Last der Opfer wiegen, die aufzubringen wären, wenn eine Falschtat aus bösem Willen käme! Geschähe aber schon aus freiem Wiedergutmachungswillen der Schöpfungsausgleich durch einen Heils- und Erlösungsplan, wer – so frage Ich – möchte jenes große, heilige einmalige Opfer freiwillig auf sich nehmen? Wer brächte das zuwege?

176. O Meine Kinder, bei allem kommen keine willkürlichen Lenkungen in Betracht, weil Ich Mich nicht um Meinen Lohn betrügen will! – Doch zunächst genug davon; der Verlauf der ersten Schöpfungstage wird euch die Fragen noch erhellen. – Folgt Mir daher, denn bisher habt ihr nur Mein Heiligtum gesehen. Aber Herrlichkeiten warten ja auf euch; und viel Schönes ist zu erschaffen, wobei ihr als Meine Helfer Mir zur Seite stehen dürft."

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1/9 - Von Licht zu Licht, eine Wand aus Licht

177. UR schreitet über den blauen Teppich durch das erste Tor, gefolgt von Sadhana und Seinen sieben Fürsten. Draußen bleiben die Kinder staunend stehen. Die Tiefe eines Raumes, von dem ein Teil wie von einer Mauer eingehegt ist, tut sich ihnen auf. Dahinter sehen sie unermeßliche Lichtfelder. Vor den Toren des Heiligtums befindet sich ein Quell, aus dem vier Wasser strömen, das Heiligtum einmal umfließen und jedes eine den Kindern noch unbekannte Richtung nimmt.

178. Um den Quell stehen vier Lebensbäume. UR erklärt ihnen die Gebilde. Die Lichtfelder erweisen sich als sieben aneinandergereihte Sphären. Nebelhafte Dinge sehen sie darin, die noch der Anrührung bedürfen, um offenbar zu werden. Eine Hochflut schöpferischer Harmonie erwacht, unfaßbar in ihrer Herrlichkeit. Die Kinder sind im Anblick all dessen tief versunken. UR läßt ihnen Zeit, ist ja ihre Freude Sein reichster Lohn. In Seinem UR-Herzen schlagen ihre Herzen bang-selig wider.

179. Endlich deutet Er voraus und sagt: "Kommt, wir wandern durch das Licht! Nehmt es in euch auf, es ist urewiges Leben, was ihr genießt. Ja, Mein Leben gibt euch Kraft, um Schöpfungstaten zu vollbringen; hört, Meine Glocke verkündet eine Tagesstunde." UR schreitet zur Lichtmauer. – Da folgt neues Staunen. Denn alles bisher erlebte Licht war weich, fließend, es drang durch ihre Körper, sie fühlten es innen ebenso wie außen. Nun aber? – Ehrfurchtsvoll und scheu berühren sie die Mauer; sie ist konstant. Sie probieren, ob sie wie das Licht im Heiligtum wandeln können, doch die Mauer bleibt Substanz.

180. UR tritt an den Mauerteil, der der Quelle gegenüberliegt, schlägt mit der rechten Hand dagegen und ruft: "Hephata!" – Alsbald wird ein sich öffnendes gewaltiges Tor sichtbar, und ein Lichtweg führt hinaus. Langsam schreitet UR voran, Seine Kinder sollen alle Herrlichkeit genießen. Wohin führt UR? Welch sonderbare Fragen‘, die Uraniel bedenkt. Kommt Er nicht vom Licht und führt allein ins Licht? – Da wendet UR sich um, beruft Uraniel und Urea an Seine linke, Sadhana an Seine rechte Seite; dicht folgen die andern Fürsten.

181. Er sagt: "Dein Gedanke war gut, Mein Erster, ja, Ich komme aus dem Licht, bin es selbst und führe in das Licht! – Wer an Meiner Seite bleibt, wer Mir dicht folgt, der kommt und geht vom Licht zum Licht! – Nun aber seht voraus!" Die Kinder tun es. In einiger Entfernung erhebt sich ein Hügel. – "Willst Du, liebevollster UR, uns dahin führen?" Sadhana blickt, von kindlicher Liebe beseelt, zu Ihm auf.

182. "Ja, Meine Sadhana, denn viel müßt ihr erlernen, damit Mein Werk an euch vollkommen wird." Auf der Höhe versammelt UR alle um sich und deutet hinüber zum Heiligtum. Da sehn die Kinder auf hohem Berg das »Haus des Herrn« in seiner unerhörten Pracht. Lichtwelle auf Lichtwelle strömt heraus, eine die andere bis zu des Tages Raum- und Zeitufer drängend. Sie erinnern sich, daß des Hauses Mauern auch kompakt sind wie jene der Lichtmauer, in die URs "Hephata" die Pforte schlug. Nun schimmert's ihnen wie Kristall entgegen. Sie erkennen sogar jede Einzelheit vom Innersten. Fast befremdet sehen sie auf UR, keines wagt zu fragen.

183. Liebfreundlich sagt Er zu ihnen: "Meine Kinder, diese Schau soll für euch eine Sonderlehre sein. Ihr sollt Mich gedächtnishaft in euch tragen, wie Ich euch von jeher in Mir trug. Es wundert euch, von hier aus das Innere des Heiligtums zu sehen; doch ist's kein Wunder. Wie möglich aber könnt ihr das Innere erblicken, obwohl es feste Mauern hat?" – Die Kinder denken nach. Sadhana sagt, das käme daher, weil alles URs Licht sei und weil sie mit ihren Augen es durchdringen dürften.

184. "Du hast recht Sadhana. Doch ein Weiteres, warum das Innere des Heiligtums von hier aus zu erkennen ist." UR wendet sich an Uraniel und Urea. "Mein Engelsfürst, wir befinden uns auf dem Ordnungshügel, der dir übergeben wird. So meine Ich, du kannst das zweite wissen“.

185. Uraniel (auch Urea) verneigt sich, sieht zum schönen Wunderbild hinüber, dann auf UR, und seine Augen strahlen auf. Er ruft: "O UR, wie herrlich – und wie einfach! Du bist ja selber Deines Heiligtums Inneres! Bist Du bei uns, so auch Dein Allerheiligstes! Obwohl die sichtbare Gestaltung Deiner Kinder wegen jenen herrlich hohen Platz erhalten hat, wird doch das Innerste da zu finden sein, wo Du, All-Heiliger, gerade weilst. Wir sehen es in der Ferne, weil wir Dich ganz nahe bei uns haben." Alle freuen sich über diese Antwort, und UR legt segnend Seine Hand auf des Ersten Haupt.

186. "Gut gedacht und ausgeführt, Mein Erster! Aber nun merke auf: Ich gehe jetzt für eine kurze Zeit von euch, dann sehet zu, daß euch das Innerste des Heiligtums nicht versinkt." Bei diesem Wort ist UR entrückt; die Kinder sahen nicht wohin. Sie wenden sich zum hohen Berge um, doch das Bild bleibt offenbar. Wie kommt das? Zum ersten Mal beraten sie sich selbst. Viel ist zu bedenken und zu sagen.

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1/10 - Das Haus-heiligtum von Uraniel-Urea auf dem ersten Hügel

187. Als der siebente Fürst äußert, das Allerheiligste würde nur dann unsichtbar sein, wenn sie UR nicht gedächtnishaft im Herzen trügen, wie Er will, aber alles gegenwärtig bliebe in der bewußt anerkannten Allgegenwart des UR, steht Er wieder mitten unter ihnen, liebkost sie und sagt: "Liebe Kinder, ihr habt Mich erfreut! Ja, wer Meine Allgegenwart im Herzen trägt, dem bin Ich auch wahrhaftig nahe und überschütte ihn mit Meinen Gaben. Bei solchen Kindern bin Ich jederzeit, ob sie Mich sehen oder nicht. Es seien euch beide Antworten aber auch ein Zeichen: Ordnung und Barmherzigkeit gleichen eine Gegensätzlichkeit der vorerwähnten beiden Schöpfungsfundamente urgerechtest aus.

188. Nun aber ist anderes zu werken. Seht, der Hügel gehört Uraniel und Urea, und die Ordnung dominiert an diesem Tag. Was aber soll der Ort, an dem so gut wie nichts ersichtlich ist? Gewiß habe Ich ihn werden lassen; doch das Sinnbild zu enthüllen bleibt euch überlassen. Nun, Uraniel und Urea, was soll mit ihm geschehen?"

189. Sagt Urea: "O UR, dieser Hügel gleicht sehr unserm Inneren. Nun wir jedoch bewußtes Leben haben, liegt es an uns, wie wir das verwerten Dank Deiner großen Güte konnten wir schon viel erkennen, auch Dein Heiligtum von hier aus äußerlich und innerlich beschauen. Das betrifft aber mehr das Äußere bei uns, während das Innere noch armer Acker ist, sonst müßte dieser Ordnungshügel bei kleinem Besseres ergeben. Hilf uns, damit unser Inneres Dir bald zur rechten Freude dient und unser Hügel ein wahrhaftiger der unwandelbaren Ordnung wird."

190. "Ich muß dich loben, Meine Urea…", sagt UR, "…du hast das Sinnbild wahr erfaßt. Ja, was euch gegeben wird, ist ein Vergleich mit einem Werk, dazu ein Hinweis, Mein Wesenhaftes in euch lebendig und vollkommen zu gestalten. Meine Hilfe ist euch allezeit gewiß! – Nun aber noch Zweck und Ziel. Warum wurde dieser Hügel und wird der Ordnung übergeben? Prüft genau; des Tages reiche Zeit gab euch genügend Geisteskraft, zur Erkenntnis zu gelangen." – Da sehen die Kinder eine herrliche Strahlung zwischen UR und Heiligtum hin und her fluten.

191. Dabei kommt Uraniel auf eine Idee, und er sagt: "O heiligster UR, laß mich in dieser Gnadenstunde Dich 'Vater' nennen. Du willst ja vom freien Willensgesetz her uns ein Vater sein. Nun sieh, der Zweck des Hügels wird darin bestehen, daß ein Platz vor Deinem Heiligtum den kommenden Kindern dienen soll. Hier sind die Grundlebensproben abzulegen, hier ist das große Ziel, wo alle trotz unfaßbarer Erhabenheit Dein heiliges Wesen in der Vaterherzkammer suchen lernen. Und hier werden sie es finden! Vater, sprich, habe ich es recht erkannt?" Uraniel streckt zaghaft seine Hände aus und kann doch nicht anders, als von sich aus die heiligen Hände zu erfassen; er klammert sich an ihnen fest.

192. Da sagt UR: "Wohl dir, Mein Ordnungsfürst! Du hast erkannt, was Ich dem Schöpfungstage bin, ja dem ganzen Tat-UR-Jahr! Ich bleibe ewig Schöpfer, Priester, Gott! Aber über diese Jahrzeit will Ich allen Wesen vornehmlich der VATER sein! Doch kennen, erkennen muß Mich jedes Kind. Wer das Vertrauen hat wie du, wer aus sich nach Meinen Händen faßt, der hat ein Werk vollbracht nicht bloß für sich, sondern für den ganzen Tag und dessen Kinder!

193. Nun du so recht ins Werken kamst, so arbeite auch weiter. Der Raum soll keine leere Hülle bleiben. Sieh dir Mein Heiligtum auf hohem Berge an, vielleicht sendet dir die UR-Sonne einen weiteren Erkenntnisstrahl." – Sie schauen alle angestrengt hinüber und bemerken bald aus dem Zentrum der UR-Sonne eine Strahlung flimmern. Wie aber die Schöpfung Raum und Zeit bedarf, das flutende Licht aufzunehmen, genauso auch die Kinder, bis es in ihnen Personifikation gewinnt. Darum erläutert UR noch manches Zweckdienliche aus vergangenen und künftigen Werken, um sie zur ersten Schöpfungstat heranzureifen.

194. Nach der Belehrung sagt (Uraniel) der erste Engel: "Allheiliger UR, aus Deiner herrlichen Enthüllung erkenne ich Dich als den großen Bildner, und wir dürfen in freier Schaffenskraft die Nachbildner sein. Meine erste Erkenntnis war also richtig. Es würde aber keinem Kinde, so es hier eine Grundlebensprobe ablegen und gewogen werden müßte, etwas helfen, fände es einen kahlen Lichthügel vor. Du sprachst auch von der inneren und äußeren Gestaltung Deiner Werkgedanken. Also bitte ich Dich, heiliger Vater, laß auf diesem Hügel ein gutes äußeres Spiegelbild Deines Heiligtums erstehen, in welchem ich als Dein Ordnungsträger des von Dir zu heiligenden Amtes walten darf, im Sinne auch des Hoheitszeichens, Deiner Waage."

195. "Das kann geschehen", entgegnet UR. "Doch wenn du meinst, daß es richtig sei, auf diesem Hügel ein Meinem Heiligtum getreues Spiegelbild zu schaffen, so meine Ich, du tust es selbst und bedarf es nicht, daß Ich einen Finger dabei rühre." – Darob erschrickt Uraniel. Hat er falsch geredet? Nein, sein Herz ist ruhig und – er sieht die Freundlichkeit der sanftdunklen Augen URs. Da greift er zum zweiten Male nach den gnadenvollen Händen und sagt: "O Du mein UR, wäre ich auch tausend Male fähig, solches zu vollbringen – ohne Dich will ich es nimmermehr errichten und niemals etwas tun, wo DU nicht mit am Werke wärest! Überlasse mir bitte Deine Schöpferhände und sieh, von diesen festgehalten, will ich mit Deinem heiligen Wort und Tat gestalten, wie sie gedanklich in mir fertig steht."

196. Kaum hat Uraniel ausgesprochen, erhebt sich auf der Hügelspitze eine, wenn auch kleinere Wiedergabe des Heiligtums. Den Kindern wird bewußt, wie ein Werk entsteht, wenn sie auch die Zeit des Werdens noch nicht messen können. Ihre Freude ist sehr groß; aber keines hat Verlangen, hinzueilen. Sie bleiben um UR geschart, der lobend sagt:

197. "Du bist ein guter Baumeister; laß uns nun dein Haus besehen." Er deutet auf die beiden Tempelpforten. – "O UR…", entgegnet demütig der Engel, "…nennst Du mich einen Baumeister, wo Du doch ganz allein der höchste Bauherr bist?! Sieh, ich war nur Dein Gehilfe." Der Fürst kniet vor seinem König, es hat ihn überwältigt. – Auch die andern. UR segnet sie ob ihrer Demut. Dann heißt Er Uraniel-Urea vorangehen. – Sie tun es, warten aber an den Türen, und Uraniel sagt: "Heiliger UR, in mein Haus tritt Du zuerst, damit Dein Segen, Frieden, Leben und Dein Licht die erste Einkehr haben. Auch sind zwei Eingänge da, und ich weiß nicht, welchen ich Dir öffnen darf."

198. "Ist das so schwer zu raten?" fragt UR. – Da sagt Sadhana: "O Vater, die vier Pforten Deines Hauses stellen Deine hochheilige Vierwesenheit dar. Diese beiden Türen aber sollen Sinnbild unserer guten Worte und möglichst noch besseren Taten sein. Durch welche Du freilich Einkehr halten willst, weiß ich nicht." – "Richtig erkannt, Meine Sadhana! Habt stets zwei Tore, die ins Inwendigste führen; und laßt beide offen stehen, besonders jene guter Taten. Merket auf:

199. Durch die Tür des reinen Wortes kehre Ich mit Meinem Frieden immer bei euch ein; durch die Tür der guten Taten trage Ich euer selbsterworbenes Eigentum als Segen in den ganzen Tag! Damit bringe Ich euch als gerechtes Opfer Meinem Reiche dar." Über diesen Hinweis sind die Kinder hoch erfreut. Wieder scharen sie sich dicht um UR, und von Ihm geführt, treten sie ins Haus der Ordnung ein.

200. Welch Jubel, als sich auch das Innere dem Heiligtum angeglichen zeigt. Ein Thron für UR, ein Altarherd, das Gestühl, Geräte und vor allem – Licht! Dürfen sie nicht annehmen, daß sie sich während der vergangenen Tageszeit dem Ziel näherten? – Als sie alles beschauen, finden sie auf dem Altar die Waage vor. Wie kommt das heilige Tageszeichen hierher? Uraniel fragt innerlich den Vater. Für ihn steht fest: Die Waage gehört auf den Heiligen Herd!

201. UR sagt lächelnd: "Seid unbesorgt! Was in Meinem Heiligtum errichtet ist, bleibt dort! Welches Kind mit Mir die Bindung hält, mag leben, wo es will, so ist es, und sein Eigentum bei Mir verwahrt. Das vereint das Kind mit Mir zur heilig-unlösbaren Ehe! Raum und Zeit ergeben keine Hindernisse, wenn ein Herz in Meinem schlägt und Mein Anbild in des Kindes Herzen wohnt. Belasse darum diese Waage hier, Uraniel, sie steht daselbst am rechten Platz."

202. UR begibt sich auf den Thron, heißt die Kinder, sich in ihre Stühle setzen, die dem Altar näher stehen als im Heiligtum dem Herd. Und nun erhalten sie im Ordnungshaus eine weitgehendste Belehrung über die Entstehung eines Werkes, über Lichtzufluß, Lebenseinfluß, über unsichtbare und sichtbare Waltungen. Sie wandern, ohne das Haus zu verlassen, durch den Raum, erleben kaum vorstellbare Zeiten und lernen sehen, daß dieses für sie ungeheure Taggebilde eine einzige sehr kleine Zelle in der UR-Ewigkeit ist.

203. Ahnend schauen sie die Aneinanderreihung ungezählter Schöpfungszellen. Dabei füllt sich der Tag mehr und mehr mit Lebendigkeit; und das Werden macht die Kinder schauern. In einer Pause, die ihnen zur Verarbeitung des Erhaltenen gelassen werden muß, scharen sie sich einmütig um den Thron. Hier feiert URs Vaterherz seinen ersten schönsten Sieg der Tat. Die Kinder kehren wie aus ferner Fremde heim. Als UR sie segnend berührt, haben sie nahezu den ersten Schöpfungstag nach dem bekannten doch kaum erkannten Wort "Es werde Licht" erlebt. – Nun wandeln alle herrlichst erstandenen Gebilde dem sich nahenden Schöpfungsabend zu.

204. UR spricht: "Meine Kinder, die ihr aus Meinem heiligen Wesen geboren seid, die Ich urewig in Mir trug und tragen werde ohne Grenze, ohne Zeit, ihr habt mit Mir fast einen Schöpfungstag vollendet, und der Feierabend bricht herein. In der letzten Abendstunde sollt ihr jene Befähigung erhalten, die euch am zweiten Tag zu neuem, herrlicherem Werk erwachen läßt. Ich habe dich, liebliche Sadhana, berufen und erwählt, Mir zu zeigen, den Werken das Dual zu sein, und dich, Meinen ersten Engelsfürsten dazu, dem Ordnungstag Mein Grundfundament in äußerer Gestalt zu bringen. Für das 'Es werde' öffnete Ich die erste Herzkammer Meiner UR-Wesenheit und ließ den Schöpferstrom heraus.

205. Das nächste Werk verlangt schon eine Zweiheit, darum muß der zweite Fürst Meines Reiches mit dem Ordnungsträger die Türen schließen, hinter der das Tagewerk und seine Kinder neue Kräfte sammeln können. Tretet beide vor." – Die Lichtfürsten folgen dem Gebot. – "Vereinigt eure Hände und empfanget für die Abendarbeit eure Weihe." Da knien sie nieder, und auch die andern neigen sich in Demut und in Anbetung. Aus URs ATMA weht es durch den Raum des Hauses, und durch die Fenster flutet das UR-Sonnenlicht in goldigroter Pracht.

206. "Trotz Beendigung des Tages…", spricht UR weiter, "…bleibt ihr fortan Meine Ersten, wie auch alle noch aus euch zu erweckenden Geschöpfe Meine Kinder werden sollen. Das entnahm Ich Meinem Quell, habe es jedoch durch euer Wesen dargestellt. Dessen seid durch schöpfungsgute Tat stets eingedenk. Habt immer in der einen Hand die Mir vorbehaltenen gerecht gestellten Bedingungen, in der anderen das euch gegebene freie Willensgesetz, und gleicht unwandelbare und wandelbare Gesetze aus. Auf diese Weise wird Mein Tat-UR-Jahr gekrönt!"

*

1/11 - Sadhanas erste Frage

207. Die Engel – von UR gesegnet – berühren ihre Waage. Sadhana kniet bis zuletzt. Bittend streckt sie ihre Hände aus und sagt: "O Vater, Du hast von Deinen sieben Ersten gesprochen, von künftigen Lebewesen und was sie werden sollen. Was aber, o UR, bin ich?" Die Frage ist gerecht und hat den Stempel demutsvoller Liebe.

208. Also antwortet UR: "Meine Sadhana, die Tage werden es dich lehren! Ich habe dich zu Meinem Negativ erkoren, zur Trägerin des heiligen Dual, Sinn- und Spiegelbild Meiner Mir gegenüberstehenden Tätigkeit. Lerne daraus und erkenne, was du sein sollst; das Werdende wird dich lehren, was du bist! Die Engelsfürsten sind die Hoheitsträger Meiner Wesenheit, allein, auch sie sind erst recht als solche Meine Kinder! Du jedoch, Liebling Meines Herzens, bist der UR-Schöpfung Kind!!

209. Einmal, wenn deine Hauptprüfung vorüber ist, wirst du wissen, was das alles zu bedeuten hat. Da du unter allen Kindern das geschöpflich Höchste und somit Schwerste trägst, gebe Ich dir ein Gefühl, demnach du stets ahnen kannst, was es heißt: Kind der UR-Schöpfung zu sein. – Behalte dieses Wort im Herzen, es soll dir immer neu erwachen. Das ist an dich der Abendsegen Meines ersten Tat-Jahr-Tages!

210. Nun kommt! Die letzte Stunde neigt sich ihrem Ende zu, und da sollt ihr im Heiligtum zu Hause sein. Denn darin sollt ihr ruhen, bis neue Morgenröte einen neuen Tag verheißt." UR erhebt sich, schreitet voran durch die zweite Pforte des Ordnungshauses, hinauf nach Licht-Heilig. Schaffensmüde folgen Ihm die Kinder. Hinter ihnen sinken Werk und Lichtgebilde in die Nacht. Über den blauen Teppich führt UR sorglich Seine Kinder heim.  Auf dem Weg haben Uraniel und Urea sich nach ihrem Haus umgesehen. – Ein freundlich ernster Schein war über das Ewige Gesicht geglitten. Einmal noch versammelt UR die Seinen um den Heiligen Herd und spricht:

211. "Meine Kinder, ihr habt alles, Weg und Werk, vom ersten Ordnungstag der Tat erlebt. Blicket ihr zurück, um sie zu zählen, so würde euch das nie gelingen. Nach einer Offenbarung könnt ihr euch am Abend wenden, und das bin Ich allein! Ich bin euer Weg vom Morgen bis zum Abend, die Bahn, die euch gerechte Rückschau gibt, das Werk, das euch bis zur letzten Stunde eures Tageslebens offenkundig bleibt.

212. Ihr, Uraniel und Urea, habt euch nicht nach der vollbrachten Arbeit umgesehen, sondern wolltet einen letzten Blick auf eine Gabe werfen, die euch aus Meiner Macht geworden war. Es war eine lobenswerte Rückschau! Damit ist Meine letzte Belehrung an diesem Tag verbunden: Laßt Meine Hände allzeit mit euch schaffen, denn ICH bin der höchste Schaffer ganz allein! So getan, wird euer Inneres und Äußeres in Mir den festen Ankergrund besitzen. Dann vereinigt sich Meine Schöpferfreude und eure ewig gesegnete Seligkeit, daraus ein jeder Schöpfungstag sein herrliches 'Vollendet' haben wird. Doch hört! die UR-Glocke schlägt."

213. Acht wundersame Töne; ihr Hall verklingt erst an der Tagesgrenze von Raum und Zeit. Während dem gibt UR den zwei ersten Fürsten einen goldenen Schlüssel und heißt die Pforten zuzumachen. Sie können aber nur drei Tore schließen, das erste beim blauen Teppich hat ein anderes Schloß, eilend kehren sie zurück und melden es.

214. UR fragt: "Muß das nicht so sein? Oder wollt ihr einen andern Schlüssel?" – Nach Besinnen verneigt sich Uraniel tief und sagt: "Ewig-Heiliger UR, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger! Du hast Herrliches an uns getan! Nun erkenne ich: Das erste Tor gilt Deinem Schöpferwesen, aus dem Deine Werke werden. Kein Kind, und sei es höchstvollendet nach dem Ratschluß der Allmächtigkeit, vermöchte diese Pforte zuzuschließen.

215. Du kannst wohl die Herzkammern Deiner Vater-, Gott- und Priester-Wesensteile schließen; aber Deiner Werke wegen muß die Schöpferherzkammer auch in den uns völlig unbekannten UR-Nächten offen sein. Denn Du bist UR! Deine Nächte sind in Dir das Licht der Ruhe, in der die Kinder und die Werke für den nächsten Tag gesegnet und entfaltet werden. Aber Du, All-Heiliger, ruhst nie!! In der Nacht entwickelst Du die größte schöpferische Tätigkeit. Im Dunkel Deiner Gnade bereitest Du die Herrlichkeit des neuen Schöpfungstages, einer ewigen Offenbarung vor!

216. Darum hat die Schöpferpforte keinen Schlüssel; ewig bleibt sie offen, wie ewig DU UR SELBER bist! Das Herrlichste von allem Herrlichen hast Du uns als letzte Gabe Deines überreichen Tages aufbewahrt. Darum sei Du hoch gelobet und gepriesen, Ehre Dir und unser Dank, Ruhm, Gebet und Anbetung. Du hast alle Macht, Kraft, Gewalt und Stärke. Heilig, heilig, heilig bist Du, Ewig-Heiliger, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger! Heilig bist Du, o UR!!" – Viermal donnert das 'Heilig, Heilig, Heilig, Heilig' durch den Raum, sein Hall vermengt sich mit dem letzten Glockenecho. Auf die Kinder sinkt ein wunderbares Dämmern. Seligkeiten ohne Ende nehmen sie in ihren Schöpfungsschlaf hinein. – Geheimnisvoller Schleier umhüllt das Heiligtum; selbst die UR-Sonne hat ihren Glanz bedeckt. Die Nacht ist aufgestiegen.

*

217. UR sitzt allein auf Seinem hocherhabenen Stuhl, um Ihn her die Herrlichkeiten aller eingebrachten Güter aus dem ersten Ordnungstag. Da breitet Er im Jubel segnend Seine Hände aus, über alle Kinder, über allen Reichtum, über all Sein Werk. – Und Er legt behütend alles in die Quelle Seiner Mitternacht und sagt zu sich selbst:

'Es ist alles gut geworden!

Mein Tagwerk ist vollbracht!'

 

[index]

 

Der zweite Schöpfungstag

 

(Tag des Willens)

 

Kap. 2

 

«Da ward aus Abend und Morgen, der zweite Tag.Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, und die sei ein Unterschied zwischen den Wassern. Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von den Wassern über der Feste. Und es geschah also. Und Gott nannte die Feste Himmel. Da ward aus Abend und Morgen, der dritte Tag.» (1°Mo. 1,6-8)

 

«Herr, DU bist würdig,

zu nehmen Preis und Ehre und Kraft;

denn Du hast alle Dinge geschaffen,

und durch Deinen Willen haben sie das Wesen

und sind geschaffen. Amen!»

[Off.4,11]

 

1. Heilige Mitternacht! – UR sitzt an Seinem Quell; Die Hände schöpfen aus der Tiefe eigenen Lebens, holen die Wässer heraus und leiten sie durch Raum und Zeit der UR-Ewigkeit zum neuen Werk. Aus dem Dunkel blitzt ein Licht, das auf die Ströme fällt. Licht und Wasser! Zwei heiligste Begriffe für das Leben! Zwar gelenkt und geleitet, fließen beide Kräfte des UR-Zentrums, des Universums, geheim und frei dem Kommenden entgegen.

2. Die vier Stunden nach der ersten Schöpfungsmitternacht des Tat-UR-Jahres sind vorüber. Zweifach sind sie angefüllt mit Licht und Wasser, hochquellend aus heiligster UR-Tiefe, aufsteigend zur UR-Höhe. Es drängt hinaus in die UR-Weite und kehrt zurück, voll bis oben hin. Es stürzt in die Quelle und nimmt aufs neue seinen Lauf, dem Tag Macht, Kraft, Gewalt und Stärke zu verleihen; und wieder Macht. Denn nun öffnet sich eine ganze Herzkammer des All-Heiligen.

3. Es steht der Steuermann auf Seinem Schiff. Am Horizont urgöttlicher Vollkommenheit leuchtet wundersames Morgenrot. Da lenkt der Allmächtige das Schiff in die Gewässer, da führt Er es im Lichte Seiner Sonne auf das freie Meer. Das ist der werdende Tag.

4. Wie am Morgen der Ordnung ersteht das Heiligtum; die All-Sonne erhält ihren vollen Glanz. Und es erwacht die Sadhana, von der UR sprach: 'Du bist der UR-Schöpfung Kind!' Es erwachen auch die sieben Engelsfürsten. Alle bedürfen der ersten Morgenstunde, um das neue Tagesleben zu erkennen, um einen Rückblick in das Vergangene zu tun.

5. Als sie soweit vorgebildet sind, braust ein "Halleluja" durch der Gottheit eigenen Raum. Sie scharen sich um den Heiligen Herd, recken ihre Hände hoch und beten an: "Heilig, Heilig, Heilig, Heilig!" So schließt die erste Stunde des zweiten Schöpfungstages, die den Kindern vorbehalten blieb, um sie dem gesteigerten Leben zuzuführen.

*

6. Die zweite Stunde bleibt UR allein; dann aber zeigt Er sich im Reichtum Seiner Majestät. Auf dem weißen Gewand trägt Er den blauen Überwurf als Schöpfer. Das Leuchten Seines Angesichts ist überaus erhaben; Seine Krone funkelt, und das Heiligtum ist wunderbarst mit Glanz geschmückt. Als Er das Werkbuch in die Hände nimmt, beugen sich die Kinder unter der 'Last der Herrlichkeit', die über sie hereingebrochen ist.

7. UR spricht: "Es werde eine Feste! – Mit Meinem Lichte schöpfte Ich aus Meinem Quell die Ströme, daß sie dem zweiten Tag des Tat-UR-Jahres Segen bringen. Ich lasse aber nun die Wässer – aus Meinem Innern zum Tagesäußeren fließend – unterschiedlich sein, auf daß alle Kinder einst erkennen, welches Meine heilige Quelle oder das geheiligte Wasser ist, das den Kindern und den Werken Leben bringt, während Meine Quelle UR-Stoff und UR-Grund alles Seins und Lebens bleibt.

8. Das gilt bis zum Ende des Tat-UR-Jahres als erkennbarer Unterschied zwischen Mir und Werk, dem inneren und äußeren Kraftbewußtsein, gleichzeitig zwischen Schöpfer und Geschöpf, Priester und Geist, Gott und Seele, Vater und Kind! Dabei sollen alle Licht- und Lebensgaben wie von oben her kommen und sich auf die Kinder senken gleich dem Lichte Meiner Sonne, das euch Seligkeit und Segen gibt.

9. Mein UR-Quell sei das Wasser über der Feste als bleibender Segen für das Tat-UR-Jahr, während nun die Wasserströme, die den Werken zugeleitet werden, sich unter der Feste sammeln sollen. Das geschehe also!" UR hat das Schöpfungsbuch noch in der Hand; das Feuer auf silbernem Teller – hellohend – versetzt die Opferschale in größere Schwingung, und viel Weihrauch steigt zur Kuppel unterm Domdach auf. Aus unendlicher Ferne dringen zu den Kindern heilige Chöre; die UR-Glocke gibt äonenfachen Widerhall; Farben überstrahlen das Heiligtum, und Sinfonien ohnegleichen durchbrausen Raum und Zeit.

10. In vermehrter Andacht schauen jetzt die Kinder auf. Lichtflut und Leben nehmen sie so vollbewußt wahr, daß sie die Allmacht dieses Schöpfungsakts in ihrer ungeheuren, einmaligen Großartigkeit erkennen. Da strömen ihre Herzen über, gleichfalls wie lebendiges Gewässer, in den Raum des Tages und in seine Zeit. Also sind sie mit dem Schöpfer eng verbunden. Und UR spricht weiter:

11. "Seid gesegnet, Sadhana und Meine Ersten, zur Vollendung dieses Tages; und abermals gesegnet, weil ihr euch Mir anvertraut und ist nichts in euch, das ferne von Mir wäre. Zum dritten seid gesegnet, denn ihr habt das Lebenswasser aus euch selber fließen lassen. Darum übergebe Ich den zweiten Tag dem heiligen Willen, der in Paarung mit der Ordnung Meinem Schöpferteil entspricht. Es soll Mein Wille walten!! Zum vierten Mal erhaltet ihr den Segen; und wer in diesem bleibt, stellt ihn auch selber dar. Das aber ist der Segen:

12. Es werde eine Feste! Das ist aus Raum und Zeit der Segen, der sich an euch und an den Kommenden erfüllen soll. Ich will die Feste 'Himmel' nennen, denn ihr seid nun willensfest geworden, Meine Werke mitzutragen und mir am Ende jedes Tages wieder einzubringen. Wo daher ihr Meine Kinder seid, soll auch der Himmel die unwandelbare Feste sein, ein Halt für alle Nachgeborenen. Wird der Himmel in euch fest, so seid ihr selber ein Stück Feste. Und das ist der vierte Segen, der euch zu Mir erhebt. Denn nicht eigentlich sollt ihr unter Mir stehen, sondern wahrhaft neben Mir, sollt eins mit Meinem Wesen sein. Doch aus dem UR-Quell sollt ihr das Wasser unter diese Feste leiten zum Segen des ganzen Tageswerkes und was hernach noch kommen wird."

13. Während UR Sadhana und den ersten Engelsfürsten, entsprechend dem Ordnungstag als bereits erwählt, auch die übrigen als Mithelfer in ihren Dienst einsetzt, zündet Er die Kerzen des ersten Leuchters an und enthüllt das erste Hoheitszeichen, die Waage.

*

2/1 - Der zweite Erzengel: Michael-Elya, Träger des Willens mit dem Schwert

14. Danach beruft Er den zweiten Geist vor den Herd und sagt: "Es sei ein Wächter an der Feste, daß keine ungerechte Tat, so je das zweite Fundament entwickeln könnte, Einlaß hat. Dazu berufe und erwähle Ich dich, Meinen zweiten Fürsten, zum Träger Meines Willens! Recke deine Hände aus über den Heiligen Herd. Dein Name, gewaltiger Cherub, sei Michael, und dein Name, sanfter Seraph, sei Elya. Beide seid ihr Träger des Willens aus dem inneren und äußeren Schöpfertum. Dem Werke gegenüber seid ihr eins, der zweite Engelsfürst am Herd, Meines Stuhles zweite Fackel. Als Fürst des Willens sende Ich euch in den Tag. Nehmt das Zeichen eurer Würde an." UR hebt die silberne Glocke weg, die vor dem zweiten nun auch brennenden Leuchter steht. Da liegt offen auf dem Herd ein SCHWERT, das im Licht der Sonne, im feierlichen Glanz des Heiligtums herrlich funkelt. UR übergibt das Schwert dem Engelsfürsten und offenbart:

15. "Das Schwert soll jedes Kind, jede Schöpfungsarbeit schützen, die der Vollendung aller Tage dienen. Was ihr mit ihm schützen könnt, bleibt innerhalb der Feste; was ihr jedoch schlagen müßt, bleibt geschlagen, bis ein neuer Tag den neuen Aufstieg bringt. Geschützt wird alles, was sich Meinem Willen unterstellt; geschlagen aber, was sich diesem widersetzt! Mit dem ersten Lichtfürsten sollt ihr Hüter Meines ersten Tores sein, durch das die unwandelbaren Gesetze in Raum und Zeit hinausgetragen werden. Diese sollt ihr schützen!

16. Aber auch gerechten Klägern, sollten solche jemals Mich zu einem Richter machen, gilt der Schutz. Hütet auch Mein Feuer; es ist das Grundelement Meines hochheiligen Schöpferwesens. Ungerechte Kläger und Willensbrecher aber schlagt, wo ihr sie trefft, bis sie statt ihrer Klägerschaft sich in Demut selber verklagen. – Nun legt das Schwert zurück an jenen Platz, allwo es ewig bleiben kann."

17. Tief verneigen sich die Gesegneten, sie beugen ihre Knie und legen das Schwert an seinen ersten Platz. Dort bleibt es unbedeckt. Dem, der in Macht auf Seinem Stuhle sitzt, rufen sie zu: "Heilig bist Du, Allmächtiger, heilig All-Erhabener! Du legst Dein Schwert in unsre Hände, Deinen Willen in unser Herz; sieh, so sollen Herz und Hände Dir zum Dienst gehorsam sein. Denn Du allein hast Macht, zu schützen oder auch zu schlagen! Dürfen wir es aber tun, so wolle Deine Hand uns ihre Macht verleihen, und aus Deinem Herzen werde uns Dein Wille kund. Denn DU hast alles werden lassen. Darin bist Du heilig, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger!

18. Du hast uns zu Deinem Himmel, zu Deiner Feste auserkoren? Wer will das begreifen! Sind wir aber Teil von Deinem heilighehren UR-Teil, so bist Du auch allein der Himmel und die Feste, das Symbol Deines unabänderlichen Willens. Darum sind wir Himmel nur in Deinem Himmel, Feste nur in Deiner Feste, und wahrlich", Michael greift zum Schwert, "die Hand, die aus Deinem Willen dieses Schwert empfing, wird es zu führen wissen, wenn es nötig ist!" – Er legt das Zeichen wieder hin.

19. "Wir bleiben das, was wir aus DIR geworden sind; doch Dich bitten wir: Bleibe uns, als was Du Dich in Gnaden offenbarst: Schöpfer, Priester, Gott und Vater, der allheilige UR! Herr, Du bist würdig, zu nehmen Preis, Ehre, Kraft und Macht! Denn Du hast alle Dinge geschaffen, und durch Deinen Willen haben sie das Wesen schon im uns unbekannten Anfang Deiner Werke! Heilig bist Du, o UR!" Sie beugen abermals die Knie. UR tritt vor den Heiligen Herd und gibt dem Fürsten das blaue Band, wie es Uraniel und Urea am ersten Tag erhielten. Es ist des Schöpfers Farbe, Sinnbild der hohen Himmelsfeste.

20. Nachdem alle Kinder ihre Stühle eingenommen haben, spricht UR: "Für die Freude und die Ehre, die ihr Mir bereitet habt, seid belohnt. Ihr sollt als Schmuck auf eurer Brust die Zeichen tragen, damit die künftigen Geschlechter sehen, wer ihr seid. – Doch in euch ist eine Frage aufgebrochen, wie möglich auf den Tagen nun der unabänderliche Wille liegt, obwohl den Kindern das freie Willensgesetz als höchste Gabe zubereitet ist. Ihr habt den herrlichen Aufbau des Tat-UR-Jahres vom Augenblick eures bewußten Lebens an miterlebt; ihr schaut Meine Macht und fühlt die Sinneskräfte Meines Wesens. Darum ist für euch das freie Willensgesetz schon keine Hauptsache mehr, sondern Mein Wille steht in euch allein im Vordergrund. Dem beugt ihr euch, dem ordnet ihr euch ein. Das ist gerecht und gut.

21. Wie konnte denn Mein Wille solchen festen Grund in euch erlangen? Trat eine gerecht gestellte Bedingung da in Kraft, derzufolge ihr nicht anders handeln könnt? Habe ich bestimmend eingegriffen? Welche Macht herrscht in euch vor: Meine unwandelbaren Gesetze, oder euer freier Wille, den Ich für euch Mir selber zugerichtet habe?

22. Meine Ersten, das ist gewissenhaft zu prüfen, ansonst der Willetag nicht durchzuführen ist. Auch ließen sich sonst nicht in Raum und Zeit die Ströme leiten, wie es doch geschehen muß. Darum sucht in euerm Innern nach der werkgerechten Antwort. Wohl könnte Ich in euch ein helles Licht entfachen; doch damit wäre euch sehr wenig, noch weniger dem Werk, am wenigsten aber MIR gedient. Laßt uns also wandern. Auf dem Weg zum Ordnungshügel, der am ersten Tag erstand, habt ihr Gelegenheit genug, darüber fleißig nachzudenken."

23. Sadhana tritt einen Schritt vor und sagt: "Heilig-guter, liebevollster Vater, wir wollen gern mit großem Fleiß die uns gestellte Aufgabe bewältigen. Allein, was würde alles Forschen nützen, wenn nicht durch Dich die Fackel des Verstandes in uns angezündet wird? Denn ohne Dich vermögen wir gar nichts; aber mit Dir alles!"

24. "Du hast wahr gesprochen, liebliche Sadhana. Ja, mit Mir vermögt ihr alles auf die rechte Bahn zu bringen. Doch wollte Ich euch schon geheim, dafür um so abhängiger durch unwandelbare Gesetze dahin leiten, daß ihr das Richtige erkennt, so wäre es eben Meine Arbeit, Mein Verdienst. Solchenfalls wäret ihr keine entfaltungsfähigen Lebewesen, sondern Ziehgedanken, die in Unfreiheit eine fortgesetzte Führung brauchen. Eine solche Entwicklung widerspricht jedoch dem Tat-UR-Jahr und dessen vorbedachtem hohem Ziel.

25. Das sollt ihr zum Ausgleich bringen: Mich allzeit voranstellen und frei von willkürlich gebundenen Mächten sein! – Sehet zu, daß ihr das Richtige erkennt." UR verläßt das Heiligtum, gefolgt von Sadhana und den Engeln. Draußen angelangt, deutet Er in den Raum, und sie sehen den bekannten Ordnungshügel, der sich vor der Lichtmauer wunderbar erhebt. UR sagt, sie möchten nun allein des Weges pilgern, zur rechten Zeit würde Er bei ihnen Einkehr halten.

*

26. Sollen sie das tun? Ist es eine Probe? Sie betrachten das heilige, ihnen schon vertraut und liebgewordene Angesicht des Herrn; und da überflutet sie die große Freude: Ja, sie haben sich bereits bewährt. Doch sie warten, um zu sehen, wohin UR Seine Schritte lenkt; aber – Er ist plötzlich wie entrückt. Sie merkten nicht, wohin Er ging. Sadhana, Uraniel und Urea gehen nun voraus, die andern folgen, Michael und Elya bilden den Schluß. An der Lichtmauer angekommen, finden sie das »Hephata« verschlossen. Wer wird, wer kann es öffnen? Die Fürsten bitten Sadhana darum, doch sie entscheidet, daß Uraniel öffnen soll, denn durch dieses Tor führe ja der Weg zu seinem Hügel.

27. Uraniel aber wendet sich an Michael und sagt: "Es ist dein Tag, Lichtbruder; ich bitte dich, walte deines Amtes." – Michael schaut sich wie suchend um. Noch sind sie innerhalb des Urzentrums und doch – wie nötig bedürften sie des Vaters Anweisung. Seine Demut ist so groß, daß ein voller Strahl der UR-Sonne auf ihn fällt. Da leuchtet es in seinen Augen auf und er ruft: "Oh, wie leicht ist die Entscheidung. UR allein vermag das Tor zu öffnen! Ist Er auch nicht sichtbar da, so aber doch in Seinem Wesen. Und wir dürfen Ihn, den Heiligen, im Gedächtnis in uns tragen. Also laßt uns gemeinsam die Hände an das Schloß des Tores legen; du aber, Sadhana, als erstes Kind, sprich das 'Hephata'." Wie freuen sie sich über diesen guten Spruch. Als sie danach handeln, sieh, da öffnet sich das schwere zweiflügelige Tor, und der Weg hinaus in Raum und Zeit, zum Lichthügel der Ordnung, liegt frei vor den Kindern da.

*

2/2 - Ein Test der Unterwerfung unter die Aufgabe

28. Auf dem Pfad bedenken und besprechen sie die Aufgabe. Zwar erst langsam, doch im Fortschritt mit der Tageszeit, steigert sich auch ihr Verstand. Sehr erstaunen sie, auf dem Hügel das Haus Uraniels vorzufinden, so wie die Rückerinnerung es ihnen zeigt. Nimmt UR die alten Werke jeweils in ein neues Schaffen mit hinein? Warum aber sind hernach die unzählbaren Lichtgebilde in der großen Ferne noch so nebelhaft, wie ohne Form? – Hierüber will erst keine rechte Klarheit kommen.

29. Da sagt Uraniel: "Tretet ein, vor dem Altar kommt am ehesten uns eine Offenbarung. Denn nicht außerhalb, vor der Pforte, sondern in des Hauses Altarraum wird und will uns UR begegnen." – Dem stimmen alle bei. Sie treten, wie einst mit UR, durch die rechte Pforte ein. – Uraniel läßt sie weit geöffnet, damit, 'wenn UR kommt, Er gleich zu ihnen eintreten kann'. Dann hält er Dienst am Altar, entfacht die kleine Flamme und gibt in die Opferschale ein Weihkraut, das ihrer guten Erkenntnis entspricht. Über die freie Entscheidung sagt er folgendes:

30. "Wir haben mit allen Gedanken bei UR zu sein, denn aus ihnen geht der Aufbau alles Werdenden hervor. Im Kreise des Ringes fügt sich dem Gedanken stets die Folge an, darin wir das unwandelbare Gesetz, die heilige Bedingung sehen, ohne welche nichts beständig ist. Wort und Tat zwischen Gedanke und Folge sind die Richtung und der Lauf. Sie beruhen auf wandelbaren Gesetzen, dem uns zum höchsten Nutzen überlassenen freien Willen. In UR also finden wir den Anfang und das Ende, zwischen welche alle Kinder gnadenvoll zu stellen sind. Das läßt erkennen, daß nur dann der freie Wille Segen bringt, wenn das Kind ihn – frei entscheidend – in, also zwischen Anfang und Ende, und unter die waltenden Bedingungen, URs unwandelbare Gesetze, stellt. Erheben wir uns neben UR, so verlieren wir den Segen; erheben wir uns über Ihn, dann verlieren wir das freie Leben. Beugen wir uns aber aus ganz freien Stücken unter Seine gute Führung, so werden Seine Hände uns zur rechten Zeit erheben. Darin ruht die geheiligte Freiheit unseres Daseins und des Lebens ewiglich."

*

31. Nach einem nachdenklichen Schweigen sagt Sadhana: "Bruder Uraniel, wie viel hast du schon erkannt; es ist fast so, als habe UR selbst geredet." – Die Fürsten bestätigen es. Der Erste beugt demütig sein Haupt: "War es gut, so ist es ja das heilige Wort; doch die Kraft der Rede schöpfte ich zugleich aus euren Herzen. Damit ist es die Erkenntnis der Gemeinschaft." – Da neigen sie sich alle, sie fühlen UR bei sich, wenngleich noch unschaubar. – Michael wirft die Frage auf, ob ihm auch ein Lichthügel gegeben würde, auf welchem er ein Haus errichten könnte. Sie besprechen alle erhaltenen Werkhinweise, bis am Ende wieder Uraniel, der noch rechts des Altars steht, sagt:

32. "Selbstredend wirst du Haus und Hügel haben, was schon daraus ersichtlich ist, da der zweite Tag uns die Werke aus dem ersten wieder schenkt. Aber du wirst sicherlich ein anderes Werk vollbringen müssen. Und da UR sagte, daß wir die heiligen Ströme Seiner Quelle unter die gewordene fest leiten sollen, wird in diesem Hinweis deine Arbeit ihren Grund besitzen." – Elya entgegnet: "Das bleibt UR vorbehalten; ER zeigt an, was zu geschehen hat." – Dem stimmen alle bei, und sie versenken sich, gewärtig jedes Augenblicks, da UR erscheinen wird.

*

33. Ein wundersames Wehen fällt in ihre Andacht. Als sie aufblicken, steht UR mit gütigem Antlitz hinter dem Hausaltar. Er segnet Seine Kinder und spricht: "Wohlgefällig schaue ich auf euch herab, und Meine Sehnsucht nach euch war nicht minder als die eure nach Mir. Aber seht den Unterschied! Jeder trägt für sich das Verlangen nach Mir; Ich trage für jedes Kind das Verlangen, es möge sich vollwahr mit Mir vereinigen. Daraus merket wohl, wie endlos Mein Herz sein muß, alle Kinder in Mir zu haben! Jedes Kind muß seiner Sehnsuchtsflamme Schmerzen spüren, Ich jedoch die Flammen aller Kinder, die in und außer Mir sind, die Ich werden lasse, ein jegliches nach seiner Art.

34. Ich trage auch das Sehnsuchtsfeuer nach Erfüllung Meiner Werke. Oh,, wieviel Flammen da Mein Herz durchglühen! Doch ehe ihr darüber zur Erkenntnis kommt, geht noch mancher Tag dahin. Erst am Ende des siebenten Schöpfungstages erkennt ihr das Wort: 'Wie Meine Sehnsucht nach euch das nährende Öl eurer Flamme ist, so will Ich in Güte eure Sehnsucht als ein nährend Öl für Mich betrachten.'

35. Die wichtige Frage, das Freiheitsgesetz mit Meinen UR-Bedingungen aus- und anzugleichen, habt ihr recht gut erkannt. Die weitere Tiefe, die noch fehlt, soll euch jetzt das in eure Hände gelegte Mitschaffen eröffnen. Du, Mein Michael, hast schon recht gehabt, daß dieser Tag ebenso eines Hügels samt Haus bedarf; nun mußt du alle führen." – Michael und Elya sehen UR an. Ist das ein unwandelbares Gesetz, das unverzüglich zu erfüllen wäre? Oder haben sie den freien Willen, UR zu bitten, als ihr oberster und bester Führer allezeit vorauszugehen? Michael tritt vor, legt die rechte Hand auf die Altardecke, auf den blauen Teppich, der – wie beim Heiligen Herd – von hier ausgehend bis an jene Stelle reicht, wo der Ordnungsweg sich mit der großen Schöpfungsbahn vereinigt.

36. Er spricht (Michael): "Ewig-Heiliger UR, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger! Sieh, ich habe Deine Worte in mein Herz getan. Die Sehnsucht lehrt, daß Du in dieser reichsten Gnadenstunde einzig und allein ein 'VATER' bist! Denn nur ein Vater kann dem Kinde solche Ehre tun. Du weißt, daß Dich meine Sehnsucht bitten möchte, selbst zu führen, weil wir Kinder niemals aus uns führend sind, dürften wir es auch aus Deinem Schöpfertum entlehnen. Nun Du Dein Werk aber weislich auf das innere und äußere Kraftbewußtsein stelltest, will ich dank Deiner Güte und auf Dein Geheiß den Wegbereiter machen. Darin erkenne ich die Wirkung eines unwandelbaren Gesetzes zum hohen Nutzen dieses Tages. Ich anerkenne die Bedingung und erfülle sie. Welch reichste Erkenntnis gibst Du uns damit! Jetzt kann ich beide Hände – sinnfällig als Bedingung und freier Wille – zusammenfügen. Solches zu vollbringen ist gar leicht, wenn die Wahrheit Deiner Worte unser Herz erfüllt.

37. Was besagt es aber, als Dein Willeträger äußerlich voranzugehen? Ewig schreitest DU voraus, willig wollen wir Dir folgen! Das Innere war Dein erstes höchstes Werk und wird Dein letztes sein, mit dem Du einen urheiligen Werkring schließt. Jederzeit also das Innere über das Äußere erheben, Dich über uns stellen, wirkt Deinen gerechten und liebevollsten Willen an Deinen Kindern aus. Amen! Es sei Dir unser aller Dank, Preis, Lob und Ruhm gebracht. Amen."

38. Michaels Erkenntnis ragt über die gegebene Zeit hinaus. Sadhana ist mit den Fürsten vorgetreten, sie legen ihre Hände auf den Altar wie zu einem Schwur; ein Sinn beseelt sie alle. UR steht inmitten Seiner Kinder, und jedes darf an Seinem Herzen ruhen. Da brausen viele Halleluja durch den Raum, dem werden den Tag zum Segen.

*

2/3 - Michaels Haus - Innen und Außen

39. Der Willefürst geht vor UR her. Öfter schaut er zum Heiligtum hinüber und merkt, wie die Strahlen der UR-Sonne mit ihnen wandern, weil er UR in seinem Herzen zum alleinigen Führer erkoren hat. Er sieht in Zukunft sieben Hügel dem Heiligtum vorgelagert, als Zentralleiter der Grundlebensstrahlen. Sinnbild auch der Engelsfürsten, die Träger dieser Eigenschaften sind. Als der Gedanke immer festere Formen in ihm gewinnt, bildet sich in der Ferne aus dem unbeschreiblichen Lichtmeer ein Hügel, dem der Ordnung gleich. Der Hügel des Willens! Dennoch fragt er erstaunt, sich zu UR umwendend:

40. "O allheiliger UR, Du Gnadenvater, woher tauchte plötzlich dieser Hügel auf? Ich hätte ihn längst sehen müssen. Wie Du befohlen hast, habe ich nur an Dein Werk gedacht, doch es wollte sich nicht zeigen. Ich bitte Dich, erkläre uns die Sache." – UR bleibt stehen, sogleich dicht umringt von Seinen Kindern. Er sagt freundlich:

41. "Ja, Michael, da muß Ich wohl Mein Wort hinzugeben, damit es euch erkenntlich wird. Das fleißige Bedenken nützt herzlich wenig, paart man es nicht mit einem festen Willen. Du hast das erstere geübt, des zweiten aber mehr vergessen. Zwar war hier die gute Demut jener Grund, denn du dachtest bei dir selbst: UR muß es tun, Er ist der Schaffer aller Dinge! Damit hast du Mir allein die Arbeit aufgebürdet. Frage aber, warum Ich dich zu Meinem Willensträger machte? Doch nicht etwa, daß du eben Meinen Willen nur zu tragen hast. Das wäre eine arme Angelegenheit! Das entspricht nicht der Mir innewohnenden schöpferischen Macht, derzufolge Ich Meine Kinder werden ließ. Sie haben von Meinem Wesen ihren Anteil erhalten, tragen Meine Licht- und Lebensfunken, sie sind 'Mir ganz gleich' gemacht.

42. Tat Ich dies, so sage Mir, Mein Engelsfürst: 'Wie dein Inneres beschaffen sein muß, um Meine großartige Schöpfungsidee plastisch zu verkörpern?' Soll aus Mir allein das Tat-UR-Jahr erstehen, zu welchem Zwecke hätte Ich euch denn geboren? Zu welchem Zwecke werden ungezählte Kinder noch erwachen? Ihr seid keine wesenlosen Puppen, die zwar äußerlich sehr gut gestaltet sind, doch innerlich bar Meines Widerhalles. Das wäre wahrlich eine schwache schöpferische Macht, mit der Ich so hausieren ginge; und Ich wäre einem Hohlraum gleich, in welchem nichts zu Hause ist denn irgendwelche Macht und Kraft!

43. Ihr seid aus Mir geboren, und das zu einem höchsten Schöpfungszweck. Darum muß ein gerechtes Quantum Meiner selbst in jedes Kind gegeben sein. Anders wäre es das traurige Ergebnis einer Laune. Ich habe euch hauptsächlich gezeugt, alles andere in Raum und Zeit – zwar wichtig – als ein Nebenwerk erschaffen; und alles soll euch dienstbar sein. Selbst Mein Tat-UR-Jahr, das euch Respekt einflößt, ist und bleibt ein Nebenwerk, um euretwillen hergestellt. Euch übergebe Ich das Werk, ihr sollt es aufbauen und einst vollendet einheimsen helfen. Daraus ersehet ihr, welche Hauptsache ihr Mir seid.

44. Sogar eine urgesetzliche Bedingung könnt ihr erfüllen, sobald ihr deren Unwandelbarkeit anerkennt. Die Grundursache jedes Gesetzes bleibt freilich Mir ewig vorbehalten; aber die persönliche Gesetzesfolge auszuleben ist Meinen Kindern übertragbar als Beweis, daß Ich sie MIR zu Meinem Ebenbilde schuf. Darum konnte der zweite Hügel erst sichtbar werden, als Michael seine Gedanken nicht auf den Willen, sondern mehr auf das Tätigsein des Willens lenkte. – Nun wollen wir weiter wandeln, denn die Zeit bleibt nicht stehen, und der Tag nimmt seinen Lauf. Dazu ist nötig, auf dem Willehügel eine nutzbringende Arbeit auszuführen."

45. Die Kinder sind hochbeglückt, weil sie um ein Bedeutendes mehr den scheinbar großen Konflikt zwischen wandelbaren und unwandelbaren Gesetzen beseitigen lernten. Aber über ihren Jubel, solch mächtigen Anteil am Mitschaffen zu besitzen, breiten sie den Demutsmantel aus. Er ist das Wissen; 'Wir sind trotz Befähigung URs Kinder und Geschöpfe. Ohne Ihn gelingt kein Werk und die mitschöpferische Tätigkeit mit Seiner heiligen Schöpferhand.' Bei dieser Erkenntnis langen sie auch schon am Fuß des Hügels an.

46. Auf dem Weg hinan sind Michael und Elya voller Pläne, wie sie ihr Haus erbauen wollen. Doch welch Erstaunen! Oben angelangt, finden sie das Haus schon fertig vor. Sie wissen, daß es nicht durch ihren Willensausdruck wurde. Wer hat es gebildet? UR? Nein, das widerspräche Seiner Lehre. Sollte Uraniel? – Auch nicht, denn alle Kinder sind nicht weniger erstaunt. Gäbe es in dieser Sphäre eine wenn auch demutsvolle Enttäuschung, es könnte so bezeichnet werden, was den zweiten Engelsfürsten befällt. Fragend schauen sie auf UR: 'Sollen, dürfen wir auf unserem Hügel denn nicht tätig sein?'

47. UR lächelt mild. Noch ist die dritte Tagesstunde nicht vorüber, Er kann von Seinen Erstgeborenen nicht mehr verlangen, als die Zeit zu geben braucht; und das ist schon ein gutes Teilchen mehr. Welch unermeßlich hohe Freude! 'Ja, sie werden, sie sind Meine Kinder!! Ich halte sie an Meiner Vaterhand, sie wissen, daß sie nur bei Mir das Beste finden.' Das ist ein Ewigkeitsjubel für UR; Er hat Seine Kinder frei auf höchste Flugbahn gesetzt, doch – sie nehmen ihren Kurs zu Ihm zurück!

48. – Da tritt Er an die rechte Hauspforte und fragt: "Willst du öffnen, Cherub Michael? Sieh, Ich stehe vor der Tür!" – Michael stürzt herzu. Vergessen sind alle unverstandenen Gedanken. UR will in das Haus einkehren! Nichts anderes beherrscht Michael und Elya; überselig öffnen sie die Pforte und stehen rechts und links, nun als Träger der Ehre des Herrn. Tief verneigen sie sich, als UR die Schwelle überschreitet. Über den blauen Teppich gehen sie als letzte ein. Am Altar dankt Michael, wie es die Schöpfung bisher noch nicht hörte. Von selbst loht das Feuer auf, werden die Geräte sichtbar; und wie im Heiligtum hört man ferne Chöre, Harfen- und ein Glockenspiel. Ja – zwar ist es äußerlich nicht das Heiligtum, aber UR ist bei ihnen, also muß auch hier Sein heiliges Werk sich offenbaren. Ihre Herzen ruhen vollkommen im heiligen Herz des Vaters. Selig und noch dreimal selig sind sie zu preisen!

49. Und UR? Heilig, hehr und hoch thront Er über ihnen und doch ganz als VATER. Schuf Er die Brücke der Verbindung? Oder Seine Kinder aus der innigen Verbundenheit mit Ihm? Beides ist wahr! UR errichtete die Pfeiler, die Kinder ihren Steg. Noch aber steht der Schöpfer im Vordergrund; also müssen Ihn die Ersten anerkennend ehren, weil auf dieser Straße die Vollendung aus URs Vollkommenheit erworben wird. Aber schon erstrahlt der Priester-, Gott- und Vaterteil im UR-Schöpferteil, denn die Kinder lernten UR in dieser Hinsicht lieben. Wie groß wird einst die Liebe sein, wenn sie dominiert? Jedes muß den Pfad durch die Vierwesenheit der Gottheit wandeln, weil die heilige Verbindung für die Kinder allmählich herzustellen ist. UR hat jedoch das einem andern Tag vorbehalten. Und das ist gut! Darum greift Er selbst nicht vor, sondern paßt die erste Belehrung im Haus des Willens dem Tag und seiner Stunde an.

50. Er sagt: "Meine Sadhana, Meine Lichtfürsten! Als der zweite Schöpfungstag begann, sprach Ich etwas, das euch unbegreiflich war. Das ist kein Fehler, weil die Worte sich erst jetzt erfüllen und ihr dabei mitwirken sollt. Ich sagte, daß Mein UR-Quell, Sinnbild des ewigen Lebensborns, unverrückbar über der Feste (kap.6,9) als bleibender Segen für das Tat-UR-Jahr zu setzen sei, dagegen die aus diesem Lebensborn geleiteten Wasserströme unter der Feste zu sammeln sind. Ich nannte die Feste Himmel; und ihr, Meine Eigenschaftsträger, sollt dieser Himmel sein. Darin liegen Geheimnisse, die von einem Kinde dann erkannt werden, wenn es sich Meinem Geist erschließt. So höret denn:

51. Ihr wißt, daß Ich der UR-Quell bin. Ob ihr an die vier Herzkammern denkt als die Vierwesenheit Schöpfer, Priester, Gott und Vater, oder an Meine sieben Sinneskräfte, die Grundlebensstrahlen, ob ihr einen Unterschied zwischen Meinem inneren und äußeren Sein und Werk machen wollt – immer bleibt Mein UR-Quell ungeteilt! Wer sich da zu Hause fühlen und sein eigenes Leben an Mich zurückgeben möchte, muß unwiderruflich MICH in Meiner Ganzheit kennen, erkennen und anerkennen lernen! In der Anerkenntnis als höchstgesteigerter Form wurzelt die einzig wahre, weil innerste Verbindung mit Mir!!

52. Wer einen Teil beschaut, wird Mich eben bloß in diesem kennenlernen und daher nur an jenem Segensteil Anspruch haben, der diesem Wesensteil entströmt. Ihr aber als Träger einer Ewigkeit sollt Mein UR-Sein ganz erkennen, soweit Ich selbst es jedem Tag offenbare. Dadurch seid ihr dann der Himmel, was nicht ausschließt, daß nachkommende Kinder gleichfalls himmelanteilig werden. Der Himmel als Feste hat zwei grundlegende Bedeutungen. Einmal gilt sie als die Scheidewand zwischen Meinem UR-Quell und den den Werken zufließenden Wassern, auch die Scheidung oder Erkenntnislinie zwischen innerem und äußerem Kraftbewußtsein. So unwahrscheinlich es auch klingt, ist andererseits die Feste die Verbindung, eine Pforte, die vom Äußeren zum Inneren führt; ja, sie wird einmal alle unter der Feste gesammelten Wasser wiederaufnehmen und zu ihrem UR-Stand heimwärts leiten.

53. Kein Spiel Meiner Schöpferlaune hat euch Sieben in zwei Formen werden lassen, noch weniger Meine Sadhana als des Lichtes Widerschein. Der Grundordnungsbahn des Tat-UR-Jahres sind vorbehaltene Bedingungen gestellt, derzufolge erst ein Geschöpf zum Kinde wird, und zwar zum freien Kinde aus sich selbst. Aber keines kann die geheimste Verbindung auch nur ahnen, die zwischen Mir als Person und Mir, dem Lebens-UR-Quell, besteht. Hingegen könnt ihr kraft eigenbewußten Willens Aufbau, Richtung, Lauf und Ziel der euch übergebenen Werke erkennen lernen.

54. Die selbständige Tätigkeit ist zu erzielen, damit die Feste keine Scheidung bleibt. Denn Ich habe sie nicht Meinetwegen so gesetzt, sondern zum höchsten Segen im Finale. Jeder Teilgeist behält in sich die Urzelle seiner Entstehung, seine Zugehörigkeit zum UR-Kern! Ein Teilgeist kann dieses Zugehörigkeitsgefühl zuschütten, wie man ein Rinnsal mit etwas Sand verdeckt. Aber seht, das Wasser selbst, der Teilgeist, wird darum nichts anderes sein als er war, und wenn ein Sonnenball voll Sand darauf geschüttet würde. Wohl bliebe er lange Zeit verborgen und könnte sich einst mühsam wieder an das Tageslicht emporarbeiten. Allein – das Wasser rinnt, es drängt voran!

55. Einmal kommt für solchen kleinen Wasserlauf die Stunde, wo er sich zu einem Durchbruch sammelt. Er durchbricht vielleicht an einem andern Ort die harte Kruste; dann aber spiegelt er sich wieder rein und klar im Licht der Himmelsfeste, die ihm alsbald zur Pforte wird, ein Weg zurück zum UR-Quell, zu Mir, dem UR. Das ist der unverrückbare Segen, der vom UR-Quell über der Feste allem Kindwerk zugesprochen ward in jenem Augenblick, als Ich den Segen dazu gab!

56. Erkennet aber auch das andere: 'Ich bin der Höchste, UR von Ewigkeit zu Ewigkeit, es gibt keinen anderen Geist! Damit hat jeder Teilgeist mit Mir Verbindung oder findet auch zu Mir zurück, sollte einer durch Mißbrauch des freien Willensgesetzes vom selbsthervorgerufenen Unrecht zugeschüttet werden.' Euch leuchtet daher ein, daß Ich diese Feste unmöglich als unüberbrückbare Scheidewand errichtete. Denn da müßte Ich ja Teile Meines Geistes ewig von Mir scheiden, sobald sie sich im Sand verlieren. Ich müßte die Urzellen vom UR-Kern lösen, und somit wäre praktisch alles Kind-Werk ein bloßes Gedankenspiel!

57. Das solches Meinem heiligen UR-Wesen widerspricht, seht ihr ein. Über die Zeit aber, die Verbindung oder Loslösung bedarf, wäre mehr zu sagen. Noch könnt ihr das nicht erfassen, weil ihr das Zeitempfinden noch nicht kennt. Ihr hört die Sekunden, Minuten, Stunden und den Tag ein- und ausläuten. Da ihr reichst gesegnet seid, ist euch alles Erleben kurzweilig. Doch an des Tages hohem Mittag tritt der Zeitbegriff allmählich näher, wenn ihr Rückschau halten könnt. Da werdet ihr erstaunen, wieviel hehre Werke sich aneinanderreihen. Freude, Arbeit, gute Mittätigkeit lassen die Zeit schnell vergehen.

58. Die ganz gleiche Zeit würde zu unheimlicher Last, sobald ein Kind dem Werk zuwider ist und aus Segen sich ein Fluch ergibt. Jede Art Zuwiderhandlung muß vom Teilgeist selber ausgeglichen werden, abgesehen von einem möglichen Schöpfungsopfer! Doch wird im Kind zufolge der Urzelle die ursprüngliche Erstehung und das Zugehörigkeitsgefühl wieder lebensvoll, so hält es nicht mehr schwer, ein falsches Werk auf die Ordnungsbahn zu stellen. Zwar möchte dann ein abgewendetes Kind das begangene Unrecht als ganz ungeschehen wünschen, was aber gerecht nicht möglich ist. Ich will euch die Bedingung zeigen.

59. Es wäre ungerecht, dürfte ein Gefallener, der Mir die ihm überlassenen Zeiten stiehlt, nach Erkenntnis seines Unrechts sich einfach an den Ort und in die Zeit zurückversetzen, wo er einst mit Mir, dem UR-Kern, rein verbunden war. Die Urzelle des Teilgeistes, der in das Geschöpf eingehüllte Kraftstoff Meines universellen Geistes, kann niemals fallen, sondern einzig das Geschöpf als Seelenwesen oder als das Kind in seiner freien Willensbefähigung.

60. Was an schweren Opfern in solcher Lossagezeit der treuen Kinder wegen aufzubringen wäre, könnte ewig nicht ohne Ausgleich bleiben! Darum müßte solcher Teilgeist die in seinen Lebenslauf eingefallenen Schmutzstoffe ausmerzen. Und das ist nicht so schnell getan. Es müßte Ort und Zeit gegeben werden, wo selbst ein Unrat aufzuspeichern wäre, bis eine Rückverwandlung vor sich gehen kann. Denn die Schöpfung nimmt nicht ohne weiteres ausgestoßenen Schmutzstoff an. Das Licht, in Kindern oder auch im Werk, brächte die Verwandlung auf. Doch solange es noch Reste gäbe, könnte solch ein Teilgeist Meine Feste nicht als eine Tür passieren.

61. Dann erlebte er eine lastenvolle Ewigkeit, selbst wenn die Gnade sie verkürzen würde. Dieses Ewigkeitsgefühl ist freilich keiner Tagwerkzeit entnommen, sondern immer gibt das Zeitgefühl die Last. Dieses wäre erst nach der Hälfte eines Rückweges der tatsächlichen Zeit anzupassen, was dann ein Werk der Gnade ist. Solcher Zeitverlust könnte mehrere Stunden eines Schaffenstages betreffen, aber auch nur Bruchteile einer Stunde. Das Gefühl lastender Ewigkeit hängt nicht davon ab. Aber alles würde dennoch Mein unverrückbarer Wortsegen, den Ich als Hochpriester dem Tat-UR-Jahr verlieh, beherrschen; und von diesem angefüllte Zeiten sind wahre Ewigkeiten.

62. Ehe ihr aber weiteren Einblick in die Gestaltung des Tagesablaufs nehmt, muß anderes geschehen. Das Äußere hat mit dem Inneren Schritt zu halten, sonst wird eine Seite zu stark belastet, die andere zu leicht erschlaffen. Auch dieser Hinweis ist kein nebensächliches Merkmal der Verbindung des inneren und äußeren Kraftbewußtseins. Denn ist die innere Erkenntnis rüstig ausgeschritten, so muß eine sichtbar fruchtbringende Tat ersprießen, sonst würde jede Art Erkenntnis wenig nützen, ja sogar zum Ballast werden, weil auch die Erkenntnis eine Bürde ist, die der Ausgleichung bedarf. Damit wächst beides gleichmäßig, das Innere und Äußere, wie Ich es vorgesehen habe.

63. Auch umgekehrt entsteht ein Mangel, bleibt ein Kind mehr äußerlich bestrebt. Viele Taten können hohlen Nüssen gleichen! Wer dazu noch sagt: Es kommt nur auf die Taten an, der ist ein Schalk, weil er versucht, Mich um die Arbeit zu betrügen! Ehe es das Äußerliche gab, war der innere Lebensgeist!! Bevor die Tat-UR-Schöpfung in das Blickfeld ihres Werdens rückte, erstand die innere Personifikation. Nicht zuerst die Teilgeister erhielten ihre Lebensform, sondern ICH war ewig UR-Licht im UR-Licht, UR-Sein im UR-Sein! Die äußere Gestaltung folgte nach dem Fertigen in Mir, gedacht und ausgesprochen! Keinem Teilgeist gelingen gute dem Gesamtwerk dienstbare Taten, wenn er nicht im voraus seiner Urzelle ihre von Mir eingeräumte hohe Herrschaft überläßt, was durch jeweilige Wechselfolge zwischen innerer Erkenntnis und der Tat geschieht. – So nun auch bei euch. Die Belehrung als innerer Samen kann etwas gestoppt werden, damit die Tat als Frucht zur Reife kommt, was seine Zeit bedarf.

64. Da steigt bei unserem Michael die vergessene Frage auf: Was soll ich bauen? Das Haus steht fertig da! – Ja, ja, da wird guter Rat wohl teuer sein. Am besten ist, wir begeben uns ins Freie; etwa hilft die UR-Sonne wieder, die Michael und Elya ein rechtes Sonnenlicht verleihen kann und der schöne Schöpfungstag des Willens nicht leer auszugehen braucht. Also führe uns ins Freie, Cherub Michael, weil du hier der Hausherr bist. Ich bin dein Gast." Andächtig lauschten die Kinder der Belehrung, die wie Wasser über aufnahmebereite Auen flutete. Ja, die Wasser! Es war doch wohl nicht früher an der Zeit, solche Lichtwahrheiten zu ertragen. –

65. Michael sagt: "O Ewig-Heiliger UR, Schöpfer, Priester, Gott und Vater! Wir stehen in Deinem Licht, inmitten der alles beseligenden Strahlung, in welcher Du Kulminationspunkt bist, wie die Lichtfunken, die ihre ewig geordnete Straße um Dich nehmen. Du hast uns Deinen Lebensborn in einer Weise aufgetan, daß es uns allmählich dämmert, wer und was Du eigentlich bist, aber auch, wer und was wir sein dürfen. Doch nimm zuerst den Dank von uns allen an als eine wohlgefällige Dich ehrende Anbetung. Dich preisen wir und beugen unsere Knie; denn ewig-heilig bist Du; ewig-heilig ist Dein Name! Das Wunder unseres Werdens wird uns selber nie vollkommen klar, dürfen wir auch bis ans Ende Deines heiligen Tat-UR-Jahres sehen. Es würde solch ein Blick wohl keine Seligkeit ergeben; denn wie eine Flut würde uns Dein Licht bedecken.

66. Du hast um unsertwillen das letzte Geheimnis einbehalten, in dem ja die Vollendung unseres Seins und Lebens liegt, und Dein höchstes Ziel: der Gottheitsbegriff Vater und Kind! O Herr, wunderbar ist diese Ordnung, hoch erhaben ist Dein Wille! Dich preisen wir und beten Dich an, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger. Du allein hast alle Macht, die Kraft der Gestaltung. Du hältst mit Deiner Allgewalt das Werk und lässest Deine Kinder unter Deiner Stärke wohnen. Uns sind die Wunder Deines Herzens offenbar geworden; o vernimm auch unsern Herzensschlag, der Dich anbetet ewiglich! Du bist heilig, o Herr, heilig, heilig und heilig bis in alle Ewigkeit! Amen!"

67. In die Anbetung stimmen alle ein; sie pflanzt sich fort, hallt wider und erscheint als leuchtende Sterne auf den Häuptern der Betenden. Als diese sehen und merken, daß die Sterne über ihnen bleiben, brechen sie in freudigsten Jubel aus. UR tritt mitten unter sie und läßt sich mit hoher Herzensfreude ihre zaghaften Liebkosungen gefallen. Nun steht Michael ernst und demütig vor Ihm und sagt:

68. "Allheiliger Vater, Du nanntest mich den Herrn des Hauses, Dich nanntest Du den Gast. Mir kommt das Verhältnis ungleich vor. Gewiß bist Du mir ewig der willkommenste Gast, sobald Du diese Schwelle überschreitest; doch möchte ich Dich bitten, nicht nur das Gastrecht, sondern das Eigentümerrecht zu übernehmen. Denn erst, wenn ich Dich als Grundeigentümer hier begrüßen kann, wird mir das Haus zum wahren Segen werden. Bin ich im Allerheiligsten, o mein UR, dann bin ich allerdings Dein Gast und will auch nichts anderes sein, weil Du urewiglich der Eigentümer aller Dinge bist! – Nun will ich aber Dein Gebot befolgen. Über das Eigentümer- und Gastrecht wolltest Du uns bitte noch belehren, denn mir fehlt das tiefere Verstehen."

69. "Du hast recht, Mein Michael. Doch gehen wir ins Freie, damit es bei euch gänzlich tagt, wie es das Werk verlangt." Auf dem freien Platze vor dem Haus erklärt UR viele Dinge. Oftmals gleicht es einer inneren Wanderung durch Raum und Zeit. – An einer terrassenförmigen Stelle setzt UR sich nieder, umringt von den Seinen.

*

2/4 - Das Wasser der vier Flüsse im Brunnen für die sieben Gänge

70. Er spricht: "Meine Kinder, zumal du, zweiter Fürst, betrachtet euch am Heiligtum den Platz vor den vier Toren und prüft, was von dort dem Tag als Willewerk gegeben werden kann. Die Feste und das Wasser darüber und darunter muß in allen Einzelheiten werden." Wie befleißigt sich der Engel, unterstützt von Elya und den anderen, bis allgemach das Wort über die UR-Quelle und Ströme, die Wasser und Wässerlein, zu innerer fester Form gelangt.

71. Freudig blickt Michael UR an: "O UR, jetzt hat Deine schönste Sonne mir ein rechtes Licht gebracht. Ja, Du hast im vorhinein gewußt: Stets der Gnadenstrahl Deines Sonnenlichtes vermag zu helfen. Du sprachst Dein urheiliges Wort: «Es sammle sich das Wasser!» Soll es aber nutzbar werden, ist es in Raum und Zeit zu leiten. Ich erkenne nun: Wie die Hügelhäuser vor Deinem Urzentrum als Auffang- und Weiterleitstelle des Lichtes zu errichten waren, so muß es mit dem Wasser auch geschehen. Jedes Haus braucht deshalb einen Brunnen, in dem Deines Lebensbornes Wasser gesammelt werden kann, weil es von hier aus allen Tagen wie auch allen Werken in den Tagen segensreich vermittelt werden muß.

72. Nun verstehe ich, warum mein Haus schon fertig war. Das Heiligtum erstand zuerst als höchstes Sinnbild Deines Lichtes, ein Ordnungswerk, ein konzentriertes Fundament für alle Tage! Die heiligen Wasserströme fließen ja nach Deinem Willen, und Du hast sie durch ihn werden lassen. Soll daher vor meinem Hause eine Teil-Lebensquelle sein, die das Wasser aus dem UR-Quell aufnimmt und zum Segen Deiner Schöpfung weiterleiten darf? Habe ich das recht erkannt?"

73. Da führt UR die Kinder in die Mitte des freien Platzes zurück und erwidert: "Du hast es gut erkannt, Mein Michael, ja, wie sollten denn die Wasser über der Feste zu den Örtern unterhalb derselben kommen, wenn nicht durch die Feste selbst? Sie ist weniger Scheidewand als weit mehr Verbindung, vom Inneren zum Äußeren, von Mir zum Kind und Werk und wieder zurück. So schöpfe aus Meinem urewigen Lebensborn, davon alle Durstigen zu laben sind. Bilde die Teilquelle als Brunnen des Willens vor deinem Haus und lasse seine Wasser durch die Schöpfungstage fließen! Mein Segen ist bei deinem Werk."

74. Der Dank ist groß, den UR entgegennehmen kann. – In schöner Erkenntnis sagt Elya: "O liebevollster Vater, laß Michael den Brunnen bauen an dem Platz, wo gerade Deine heiligen Füße stehen, denn da ist hochgesegnetes Land." – UR nimmt Elya an Sein Herz: "Mein Seraph, diese Bitte ist pur in dir entstanden, weil du in Mir dein Höchstes siehst! So will Ich dir und allen, die zu gleicher Erkenntnis kommen, einen reichen Rücksegen geben.

75. Achtet wohl darauf: Wenn Ich bei Kindern weile, die Mir ihre Herzen willig weihen, soll der Ort, wo Meine Füße stehen, der Kindesarbeit reiche Früchte bringen, desgleichen auch von da, wo ihr Kinder in einem von Mir geheiligten Dienste euch befindet für viele Kinder und deren Tagwerk! Nun will Ich zur Seite treten, auf daß unser Schöpfungs-Brunnenbauer sein Werk beginnen und vollenden kann." Sieben Schritte geht UR auf die Hauspforten zu, und die Kinder bilden mit ihm einen Kreis um den geweihten Platz. – Michael und Elya bleiben im Ring vor ihrem 'König von Salem'.

76. Michael ruft laut: "UR, der Ewig-Heilige, will Licht und Leben spenden. Schon hat das Licht in großer Fülle seinen Weg aus der UR-Ewigkeit zu Raum und Zeit genommen; nun soll das Wasser folgen. Wo URs Füße standen, da werde mir ein Brunnen, in dem sich das heilige UR-Quell-Wasser sammeln kann. Kraft des vom Höchsten Herrn gegebenen Lebensimpulses will ich es weiterleiten in den zweiten Schöpfungstag und in alle aus URs heiliger Hand gesegnete Tage des Tat-UR-Jahres. Es werde im heiligen gerechten Willen voll großer Güte und Gnade! Wasser: sammle dich am Ort, den UR gesegnet hat! Werde Brunnen und ströme siebenfach hinaus in Raum und Zeit der heiligen UR-Ewigkeit!"

77. Michael und Elya begeben sich an URs beide Seiten. – Alsbald hört man ein donnerartiges Geräusch, der Boden zittert, und an der gesegneten Stelle bricht ein Wasserstrahl hervor, gleich einer gewaltigen Fontäne, fällt aber bald zurück als sanfter, belebender Regen. Oh, welch ein Wunder! Ein fest ummauerter Brunnen wird sichtbar, und das Wasser sammelt sich darin. Aus sieben Öffnungen nehmen sieben Ströme ihren Lauf. UR geht hin und setzt sich auf den Brunnenrand;

78. Er spricht gütig zu den Kindern, die sich stehend um Ihn scharen: "Michael hat ja seinen Willen wirken lassen! Das Wasser drang bis zur siebenten Grenze hoch. Doch warum, Michael, hast du aus Meiner Vier-Strom Quelle einen siebenfachen Willensbrunnen werden lassen? Sieh, deine Lichtgeschwister sind im Zweifel, ob das Meinem Willen ganz entspricht. Der Brunnen vor dem Heiligtum läßt nur vier Ströme fließen; du jedoch beanspruchst sieben! Ja, ja, ein Baumeister soll im vorhinein bedenken, ob seine Arbeit dauernd Nutzen hat, was immer auf dem Ordnungsweg geschieht. Umbauen hat wenig Wert; denn das muß man tun, wenn das erste Bauwerk Fehler zeigt, oder der Erbauer nicht genügend inneres und äußeres Vermögen hat. Nun Michael, was kannst du erwidern?"

79. Michael erschrickt, denn URs Worte deuten falsches Wirken an. Doch wie mild ist Sein freundliches Gesicht; Er will in allem sie auf freie Bahn geleiten. Da entgegnet er: "Vater der Barmherzigkeit! Du sprachst zu mir, als sei ich beinah Deinesgleichen, was so unmöglich ist, wie unmöglich ein Schöpfungstag die Fülle eines UR-Jahres in sich tragen kann. Beging ich einen Fehler, so lege ihn Deinem Willefürsten nicht zur Last, All-Heiliger, denn mich beherrschte, Dein Lebenswasser, das Du uns im höchsten Maße schenktest, so reich fortzuleiten, wie es mir immer möglich ist.

80. Du bist ewig unteilbar, WAHRHAFTIG ist Dein Name! Um Dich aber so zu offenbaren, damit deine Kinder in Dir nicht nur ein heilig-unnahbares Licht erblicken müßten, sondern allezeit den guten Vater, Der sie voll Gnade an sich drücken will, gabst Du Dir selber vier Enthüllungsformen, unterschiedlich dargestellt, gleich vier Herzkammern zu einem einheitlichen Herzen urgebildet. Auf diese Weise gabst Du uns Dein Blut als Lebensquell, weil Deine UR-Einheit von keinem Kind ertragen werden kann. So bist Du Schöpfer, Priester, Gott und Vater und gibst von jedem ein Viertel, und – Deinem UR-Wesen entsprechend – wenn Du Dich uns offenbarst. Deshalb zeigtest Du im Sinnbild die vier Ströme, die die Tiefe, Höhe und Weite beleben und in Deine allheilige Nähe wiederkehren.

81. Du gabst den vier Enthüllungsformen Deine urewigen Sinneskräfte, die sieben Grundlebensstrahlen oder Eigenschaften. Diese hast Du in uns Fürsten werkgestaltet. Machtest Du uns aber nicht im Gnadenlicht zu Deiner Feste? So wollte ich Deine siebenfache hehre Strahlung symbolisieren, wie Du sie aus Deinen vier Herzkammern offenbartest. Nun, wie Du ewig UR wahrhaftig bist, so können Deine Kinder in der Gemeinschaft auch ein Ganzes bilden, nämlich den Brunnen vor dem Haus. Dürfte es demnach nicht rechtlich sein, aus den vier Strömen Deines UR-Herzens die großen sieben Wasserläufe auszusenden?

82. Da es Deine Feste und Dein Himmel ist, kann durch die Feste aus dem vierfachen Lebensquell ein siebenfacher Strom geleitet werden, der erst unter Deiner Feste sich in die Wasserläufe aufzuteilen hat. Das, heiliger UR, war mein Gedanke, der nicht ohne oder etwa wider Deine Ordnung gestaltet werden sollte. Und hätte nun mein Wille keinen Ordnungsgrund gehabt, konnten dann wir Kinder solch erhabenstes und schönstes Schöpfungswunder je erleben? Mein Haus stand fertig da und habe ich erkannt, daß man kein Ordnungswerk zu wiederholen braucht. Es ist! Also muß es auch dem Kommenden verbleiben. Die Ordnung schuf die Kraftzentren Deines Lichtes und habe ich damit nichts anderes zu tun, als es in Demut hinzunehmen. Doch soviel ich Lichtanteil besitzen darf, soll er diesem Haus zugute kommen sowie allem, was daraus dem Tag erstehen wird. Habe ich die Arbeit recht bedacht, dann will ich abermals – Dich lobend – mich in Demut neigen; denn Deine UR-Sonne hat mir das Verständnis zugesandt. – Sollte es dennoch nicht nach Deinem hochheiligen Willen gewesen sein, so bitte ich, lehre DU mich, ihn besser zu erkennen und ausüben."

83. Alle sind über Michaels lange Rede erstaunt, doch warten sie auf das hohe Urteil; denn sie nehmen nicht für sich in Anspruch, URs Gedankenbahnen richtig zu erfassen. Aber das heilige Angesicht kommt ihnen wie verändert vor, noch mehr von freundlichstem Licht und Güte überstrahlt. Dankbar erkennen sie: Michael handelte zu URs besonderer Schöpferfreude! – Dessen werden sie gewiß, als UR entgegnet:

84. "Michael, Mein Willeträger! Jetzt rede Ich zu dir als zu Meinem Willen selbst, darüber hinaus zu dir als Meinem Kind und also auch zu allen. Gewiß haben UR-Sonne und UR-Quell dir die beste Erkenntnis zugeleitet; doch würde Meine Sonne noch soviel des hellsten Lichtes geben, dazu Mein Quell das Lebenswasser und käme beides über euch gleich dem fortgesetzten Segensstrom, so wäre das doch wenig nütze, gäbe sich das Kind nicht willig dieser Segnung hin. Die Fülle bleibt euch ewig zubedacht; allein, das Gesetz des freien Willens ist den Kindern und nicht Mir gegeben. Darum liegt es meistens an den Kindern, ob sie der Segensflut teilhaftig werden oder nicht.

85. Du, Michael, verspürst diese Licht- und Wasserflut, hast sie aber aus pur eigenem Vermögen in dich eingehen lassen, sogar mit Willenskraft herbeigezogen und dir einverleibt. Wahrlich, weil du mit großer eigener Erkenntnis, wie Elya zuvor bei der Wahl des Brunnenplatzes, Mein Schöpferwort zur Tat gestaltet hast, soll einst geschehen: Würde der freie Wille ohne Einhaltung der gerecht gestellten Bedingungen wider Licht- und Lebensquell erhoben, so soll der Wille erster Wächter Meines Heiligtums sein! Das gilt bis ans Ziel des Tat-UR-Jahres!!

86. Ja, Meine Kinder, aus den vier Quellströmen sieben Hauptwasserläufe herzuleiten, geschah in vollster Ordnung. Selig seid ihr, wenn ihr siebenfach aufnehmt und siebenfach vergeltet, wie ihr erhalten habt! – Nun wollen wir einen Gang über den Hügel tun, um Michaels Arbeit zu bewundern. Dabei wird noch mancherlei zu lernen sein. Anschließend spreche Ich über das Eigentümer- und Gastrecht. Michael sieht Mich durchaus als Eigentümer seines Hauses an. Nun – wir werden sehen, wie wir beide übereinkommen, damit Gast und Eigentümer zum ganz eigentlichen Recht gelangen."

87. Der Hügel hat eine gewaltige Ausdehnung. Das Wunderbarste ist, daß von den sieben Wasserläufen nur einer den ganzen Hügel durcheilt, freilich in einer vielfachen Verästelung. Die übrigen sechs Hauptläufe haben ihren Weg nach verschiedenen Richtungen um das Allerheiligste genommen. "Warum ist das so?" fragt Sadhana.

88. UR antwortet: "Meine liebe Sadhana, das ist leicht zu erkennen. Siehe, um Mein Urzentrum lagern die Sieben als Vorhüter der Feste. Sie müssen untereinander gut verbunden sein, was durch die Hauptwasserläufe geschieht. Jeder Eigenschaftsträger muß seinen Strom den anderen zuleiten und jeder so viel kleine oder kleinste Bäche abzweigen, als in seinem Bereichsteil Werke werden, in späterer Zukunft besonders für eigenbewußt lebende Kinder, wie ihr welche seid.

89. Gerade sie müssen solchen Zufluß haben, denn Ich sagte euch ja von der dem Teilgeist anhaftenden Urzelle. Ob der Teilgeist sich einmal eine Scheidewand errichtet oder nicht – die Verbindung vom UR-Kern zur Urzelle ist niemals zu lösen! Zu all diesem, Meine Sadhana, dienen die vielen Wasseradern; in ihnen ruhen die den Urzellen zuzuführenden Nährstoffe, kommend aus dem UR-Kern, aus Mir! Nun erkennt ihr alle den Zweck und hohen Sinn dieser Gestaltung, und es herrscht in euch große Freude."

90. Da sagt der siebente Lichtfürst: "Oh, welche Barmherzigkeit, daß ein Kind auf diese gnadenreiche Verbindung immerdar zurückgreifen darf! Damit hast Du, Ewig-Heiliger UR, Dich als VATER offenbart. Denn Barmherzigkeit – gestützt auf Deine andern Eigenschaften – kann im voraus also handeln! Da gebührt Dir auch im voraus unser höchstmöglicher Dank; denn auch uns kommt das zugute. – Deine Gedanken, große wie kleine, sind Werke, die zu Deiner Zeit in Erscheinung treten. Du trägst nicht nur diesen einen Schöpfungstag vollendet in Dir, sondern das ganze Tat UR-Jahr und sicherlich alle Räume und Zeiten Deiner UR-Ewigkeit, weil Du der UR-Ewigkeitsträger selber bist! Nimm für diese Wunder unser aller Dank entgegen. Siehe, den bringen Dir unsere Herzen freudig dar."

91. "Gut, sehr gut gesprochen, Mein Lichtfürst", erwidert UR. "Euer Dank wird ein Segensstrahl. Ja es ist ein gnadenreiches Band, und weil du erkenntnisreich gewesen bist, soll die Barmherzigkeit als Segen allen Kindern werden. Bewahre ihn in deinem Innern für jenen Schöpfungstag, der dir zugedacht sein wird. Doch halte ihn für jeden andern Tag bereit, sollte er zuvor benötigt werden, ehe die Barmherzigkeit die Tagregentschaft übernimmt. Dann ist er über eine andere Eigenschaft zu spenden, bis ein Schöpfungssegen, etwa ein »Erlösungssegen«, daraus werden muß. – Wir kehren nun zurück zum Haus des Michael; der Hausherr brennt darauf, seine Gäste zu bewirten." UR lächelt, auch die Kinder, denn Michael schaut drein, als wolle er sagen: 'Den Wirt will ich gern machen, aber nicht als Eigentümer.'

*

2/5 - Ein Willensakt: die Becher von Elya

92. Sie gehen über weite lichtbestrahlte Gefilde. Zunehmend enthüllt sich alle Herrlichkeit des Hohen Hauses, je mehr UR Belehrungen über den Willen, über andere Strahlung und deren Verbindungen erteilt. Die Kinder sehen – obzwar erst bildlich – eine herrlich schöne Stadt. – Sadhana ruft: "O du Stadt mit goldenen Gassen!" Ja, sie hat recht, denn das goldene Licht der UR-Sonne flutet über die »Stätte« und hüllt sie wie in ein flimmerndes Gewebe ein. Wieder am Brunnen angelangt, gehen sie ins Haus. UR entfacht das Feuer, begibt sich auf den Thron, und nachdem die Kinder ihre Stühle eingenommen haben, die dem Altar näher stehen als im Heiligtum dem Schöpfungsherd, fragt Er zuerst den Michael:

93. "Mein Engelsfürst, wolltest du uns nicht bewirten? Sieh, auf dem weiten Weg haben wir viel uns aufgenommen. Das will getragen sein! Wir brauchen daher eine Stärkung, damit das geistig Genossene völlig verwertet wird." Michael entgegnet: "Unser heilig liebevollster Vater, für die angeforderte Stärkung will ich mit DIR rechte Sorge tragen. Dir, meinem UR, gilt als ein sicher wohlgefälliger Trunk mein Herz und meinen Lichtgeschwistern, was ich zu geben schuldig bin. Doch wie Du Inneres durch Äußeres verkörperst und das Außen durch das Innen segnest, so sollen meine Gaben äußerlich gestaltet sein. Ich bitte Dich daher, mich mit Elya einen Augenblick zu entlassen, und mit Deiner Hilfe bringen wir das Richtige herbei."

94. "Handelt nach eurer Erkenntnis, Michael, Elya; verlaßt euch aber nicht allein auf Meine Hilfe. Ihr sollt als freigeborene Kinder nicht immerzu an Meinem Kleide hängen. Wäre dies gegeben, Ich deutete es an, so genügten die Mir vorbehaltenen gerecht gestellten Bedingungen, und das freie Willensgesetz wäre dadurch überflüssig sowie völlig ohne Wert."

95. Michael verneigt sich. "Du gibst Seligkeiten, von denen eine die andere übertrifft. Dir danke ich, mein UR!" Er begibt sich mit Elya zum Brunnen. Sie wollen UR als Dankgabe Wasser bringen. Aber wie es schöpfen? – Sagt Elya: "Michael, laß mich Becher schaffen." – "Becher? wie meinst Du das?" – "Auf dem Heiligen Herd steht ein Gefäß zwischen Feuer und Schöpfungsbuch, in das sich Wasser füllen ließe. Denn schöpfst du es mit deinen Händen, kannst du wohl ein wenig trinken, aber so läßt sich's nicht weitertragen." – "Wie wahr, Elya! Gern überlasse ich dir dieses Werk." Elya fragt innerlich, ob sie das heilige Gerät als Vorbild nehmen dürfe. Sie erhält ein trostreiches Wort:

96. "Wer nach Meinen Dingen schaut und zur Freude anderer handelt, der tut nach Meinem Wohlgefallen!" – Da legt Elya ihre Hände auf den Brunnenrand und schafft neun Becher nach der Form des heiligen Symbols, einen großen für UR, acht kleine für die Kinder. Sie leuchten wie schimmerndes Kristall. Daß das Gerät des Heiligen Herdes einmal zum Opferkelch wird, ist dem Werk nicht offenbar. – Michael und Elya tragen jubelnd die gefüllten Becher in ihr Haus. UR belobt Elya, und als alle kosten, merken sie erstmals die Bedeutung: sie trinken vom Schöpfungsquell. Der Herr erklärt das neue Sinnbild und spricht anschließend über das Eigentümer- und Gastrecht.

97. Er sagt: "Meine Sadhana und Engelsfürsten! Die Verbindung zwischen Mir und euch ist eine einzige und eine doppelte. Ihr seid aus Mir gezeugt, aus Meinem Lebensgeist geboren. Das ist ewiglich die ursächliche Verbindung. Die doppelte wird aus der ersten hergeleitet, und zwar der Werke wegen. Im Aufbau Meines inneren Kraftbewußtseins bleibt die ursächliche Verbindung bestehen, wozu eurerseits es nichts bedarf, was zu mir führen müßte, weil in Mir kein Einzelbildnis lebt.

98. Äußerlich und im Sinne jeweiliger Werke findet die doppelte Verbindung als wechselseitiges Geben und Nehmen statt. Bin Ich zwar auch hier zuerst der Gebende, womit ein Sondersegen auf euch fällt, muß aber der Empfänger sofort Rückgeber werden, muß aus eigener Erkenntnis mit Ernst und großem Fleiße die Verbindung mit Mir wollen. Denn Ich habe sie mit hehrem Ernst und Gotteseifer angestrebt und kraft des vorerwähnten Sondersegens zu einer fortdauernden gemacht, was Ich bei der Erklärung über Urkern und Urzelle schon bewies.

99. Das Verhältnis der Doppelverbindung kann jedes Geschöpf zum vollendeten Kinde machen. Ich gab im vorhinein die Voraussetzung dazu. Letztere veranlaßt aber nicht bloß Mich, Weg und Steg offenzuhalten, Mich zu den Meinen zu begeben, sondern auch die Kinder sollen zu Mir gehen, was ganz bewußt und aus sich selbst mit eigener Anstrengung, aus gesteigerter Erkenntnis zu geschehen hat.

100. Ich verweise auf die dem Tat-Zyklus verliehenen Grundpfeiler, die zu Meinen Gunsten vorbehaltenen Bedingungen, den zu euren Gunsten gegebenen freien Willen. Hierin ruht die segensvollste Verbindung, ob ihr nun Geschöpfe, Geister, Seelenwesen oder alles in allem seid, was das Ziel jedes Einzeltages ist. Hinget ihr unentwegt von Meiner Hilfe ab, wahrlich, ihr wäret nur Geschöpfe und könntet euch unter derart magerer Bedingung nicht einmal zum freien Geist entfalten, viel weniger denn zum Seelenwesen oder gar zum Kind.

101. Gewiß bedarf es allenthalben Meiner Hände, die zu höchstmöglicher Vollendungsstufe helfen. Doch das untersteht der Erstverbindung, die ohne sichtbares Werk aus Mir die unwandelbare zwischen UR-Kern und Urzelle ist. Da es sich hier lediglich um Mein Geben handelt, hängt dieses weder mit den Bedingungen wie auch nicht mit dem Freiheitsgesetz zusammen, sondern ist eine rein innere UR-Angelegenheit. Damit ist diese Hilfe gleichfalls unabhängig von Meinem Schöpferwillen sowie auch von anderen Eigenschaften und bringt Meine freigeborenen Kinder in keiner Weise in irgendeine falsche Abhängigkeit.

102. Sobald nun jemand über Kenntnis und Erkenntnis zur Anerkennung alles dessen kommt, bedarf es einer sorgsam abgewogenen Führung, damit Bedingung und freier Wille gleiche Rechte, aber auch gleiche Pflichten haben. Da heißt's zuerst große Geduld aufzubringen, denn Mein Schaffens- und Vollendungsdrang ist ungeheuerlich. Trotzdem habe Ich Mir vorbehalten, in Macht, Kraft, Gewalt und Stärke das Tat-UR-Jahr zu keinem Selbstzweck, sondern für Meine Kinder zu gestalten. Ihnen soll Mein Reich und dessen Herrlichkeiten werden!!

103. Da verhalte Ich Mich oft wie unbeteiligt und lasse bloß die innere Hilfe wirken. Ein Kind, immer an der Hand geführt, verfehlt seines Daseins Zweck und Sinn. Sollte Ich, der Ich mit Meiner Macht auf dem Ordnung-Wille-Weg alles zur vorgesehenen Vollendung leiten kann, in der Tat armselige Teilgeister gezeugt haben, die vorwärts gehen können, wenn Ich allein bei allen Dingen im Kontakt direkter Hilfe Meine Kinder halte?! Das wäre Mir ein rechtes Armutszeugnis; denn so hätte Mein urewiger Geist unbefähigte Teilgeister gezeugt, die nicht aus sich den Weg noch das bedachte Ziel erreichten.

104. Oh, da wäre es windschief um Mein Haus bestellt, und es wäre besser, weiterhin gedanklich schaffen wie in Meiner zeitlosen Zeit vor der viergeteilten Schöpfung! – Darum ließ Ich Michael und Elya selber werken, räumte die aus der Doppelverbindung herzuleitende Hilfe hübsch beiseite, und ihr seht: Meine Kinder sind befähigt, kraft des erhaltenen Geistes selbständig zu handeln.

105. Wenn ihr etwas vollbringen wollt, so beachtet die ursächlich gegebene Hilfe. Freilich ist es dienlich, selber die Verbindung anzubahnen, die sich dann auch steigern läßt. Pflegt ihr sie, so erwächst euch die Erkenntnis, daß trotz Selbständigkeit ohne ursächliche Verbindung wenig zu erzielen ist. Das Zugehörigkeitsgefühl zu Mir muß in euch wesenhaftig werden. Habt ihr das erreicht, so genügt das Wissen, daß Ich jederzeit bei euch bin wie ihr bei Mir. Um Einzelkraft, um Einzelhilfe bitten, sagt Mir nicht zu.

106. Zu sagen: 'Ohne Deine Hilfe vermag ich nichts', ist keine Demut. Wer um diese unlösbare Verbindung weiß, trägt sie wie einen Schatz in sich, der nicht immer auf dem Markte feilgeboten werden darf. Wohl verschließe Ich Mich keiner Bitte eines Mir zugeneigten Herzens; allein, da läge keine innerste Verbindung vor, und Ich müßte manches Mal ganz anders helfen, was dann nicht verstanden wird.

107. Doch wer voll Glaubensmut aus vollem Herzen sagt: 'Sieh, o Vater, ich will mich ganz fest mit Dir verbinden, denn auf diese Weise kann ich ja mein Werk vollbringen', dem gelingt es auch. So macht er sich das zu eigen, was Ich ihm zu tragen gab. Das ist die ewige Verbindung zwischen Mir und dem Geschöpf als Geist und Seele, vornehmlich als Kind! Da bin Ich ihm dann Schöpfer, Priester, Gott und Vater und noch alles das, was Ich dem Tag und kommenden zu geben weiß.

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2/6 - Das Recht des Gastes und des Eigentümers

108. Nun komme Ich auf das Gast- und Eigentümer- bzw. Grundeigentümerrecht zu sprechen. Michael hat gut erkannt, daß Ich im Allerheiligsten als Meinem UR-Eigentum alleiniger Hausherr bin. Wer in dasselbe kommt, genießt Gastrecht und soll sich kein Kind über Meine Gastfreundschaft beschweren können. So ist auch jeder von euch Eigentümer seines Hauses. Nur rein schöpfungsmäßig bin Ich der Grundeigentümer, weil aller Baustoff Meinem Geist entstammt. Doch herrscht noch ein besonderes Verhältnis zwischen Eigentümer und Grundeigentümer vor, und zwar gemäß der Art von der einfachen und doppelten Verbindung.

109. Mir ist lieber, Michael betrachtet sich als Eigentümer und Mich als Darlehensgeber seines Hauses. Doch bliebe alles nur ein Darlehen, so wäre es alleinig Meine Arbeit. Wozu also Kinder? Bei den Werken kann wohl die Hälfte der nötigen Baustoffe vom Bauer selber aufzubringen sein; die andere Hälfte mag er sich gerne bei Mir leihen. Ich bin kein Geizhals! Habe Ich etwa die Hälftedarlehens mäßig zugesteuert, so will Ich dennoch keineswegs als Eigentümer eurer Werke gelten. Der Herr bleibt da der Bauer selbst! Es liegt an ihm, die Darlehenssumme rasch zurückzuzahlen, damit er baldigst schuldenfreier Eigentümer wird. Damit will Ich nichts anderes sagen als:

110. 'Nehmt das freie Willensgesetz und Meine Gaben voll in Anspruch, wirkt und schaffet auch aus euch'. So werdet ihr höchste Seligkeit und Ich höchste Schöpferfreude haben!! Und wahrlich, so seid ihr mit Mir Grundeigentümer des ganzen hochheiligen Schöpfungstages!

111. Nun ist das Gastrecht noch zu klären. Soweit ihr fähig seid, habe Ich euch manche Tiefe Meines Daseins offenbart, daß ihr nachgerade bald bei Mir zu Hause seid. Als pur Geschöpfe könntet ihr niemals im Allerheiligsten ein Hausrecht haben, sondern wäret Fremdlinge, denen notfalls Obdach zu gewähren ist. Auch nur als Geist käme mehr ein Obdach- denn ein Gastrecht in Betracht. Erst wenn aus Geschöpf und Geist kraft der Verbindung zu dem Schöpfer-, Priester- und Gott-Herzteil das Seelenwesen wird, sage Ich zu euch: 'Tretet ein, fühlt euch als liebe Gäste bei Mir zu Hause'; und Ich will euch auf das Freundlichste bewirten, solang es euch bei Mir gefällt. Ich werde niemals sagen: 'Es ist Zeit, lieber Freund, gehe; andere Gäste wollen Einkehr halten!' Immerhin wird das Verhältnis so sein, daß Ich den Gästen gegenüber mehr als Wirt erscheine denn als Vater.

112. Ganz anders aber ist's, wenn Kinder kommen, die ihr Kindsein aus ursächlicher Verbindung und eigener Willensanstrengung erwerben. Zu denen sage Ich: 'Tretet ein! Ihr habt ein Anrecht an des Vaters Haus wie Ich ein solches an dem euren.' Damit wird die schönste, weil einzig wahre und urewig bleibende Verbindung hergestellt, daraus die Kinder den gerechten Anteil schöpfen. So nehmen sie Mich in sich auf, wie Ich sie urewig in Mich aufgenommen habe!

113. Michael ist also Eigentümer seines Hauses und Ich des Meinen. Doch durch diese Verbindung haben wir ein gegenseitiges Eigentümeranrecht erlangt. Es ist das höchst Erreichbare, wenn ein Kind in Auswirkung des Rechts Mir in seinem Hause Anteilnehmerrecht gewährt und somit Anteilnehmer Meines Hauses wird. Nun saget, liebe Kinder, ob euch dieses Recht behagt und ob es so für alle Zukunft gelten soll. Als Mithelfer an Meinem Werk will Ich eure Zustimmung für Dinge haben, die beide betreffen, Mich und euch, das Innere und Äußere."

114. Da sind die Ersten sehr erstaunt, und die Allmachtsgüte überwältigt sie. Im Halbkreis knien sie vor dem Altar nieder; wortlos flammen ihre Herzen UR entgegen, bis die Sterne über ihren Häuptern sich vergrößern. URs Angesicht ist jetzt heller als das Licht der Sonnen. Allmählich ertragen die Ersten diese Strahlung, sie sind ja eins geworden mit ihrem UR. Ihre Andacht ist freie Willensgabe, denn sie unterstellen sich der Herrschaft URs. Seine Belehrungen sind in ihnen gleich den sieben Wasserläufen aus dem Wille-Brunnen lebenswahr geworden.

115. Nach der stillen Andacht segnet UR die Seinen, und von ihnen gefolgt geht Er zu Uraniels Hügel, auf dem Weg noch manches offenbarend. Dabei vergeht nahezu der Wille-Tag. Die Kinder können die Zeit nicht messen, wie auch nicht den Raum, durch den sie wandeln; und sind doch beide, Raum und Zeit, ein Bruchteil der UR-Ewigkeit.

116. Auf dem Hügel fragt Uraniel, ob er auch einen Brunnen bauen dürfe. UR verweist ihn an Michael: "Er ist der Schöpfungswassermeister, wende dich an ihn." – Auf Uraniels diesbezügliche Bitte sagt jener (Michael): "O Uraniel, du bist als Erster dem Werke vorgesetzt. Doch trotz geordneter Reihenfolge soll keiner von uns mehr oder weniger sein. Nun – du hast mir das Haus bereitet, und ich baue dir den Brunnen." Alsbald wird derselbe, auch auf URs Geheiß wie durch Elya die Becher. – UR belehrt im Haus noch weiterhin die Kinder über den 'unwiderruflichen Willen' und sagt am Ende:

117. "Euch scheint das ein Widerspruch zu sein, nachdem Ich doch vom freien Wirken sprach. Ich deute nochmals den Zusammenhang dahingehend, daß der unwiderrufliche Wille allein dort einzusetzen ist, wo es sich um die Gestaltung und Erhaltung Meiner Werke handelt, oder bei Mißbrauch des freien Willens. Allein, der unwiderrufliche Wille ist in ein großes Gnadentuch gehüllt, in die Erbarmung Meiner Liebe, die bei etwaigem Mißbrauch waltend wird, wie Ich's dem siebenten Lichtfürst anheimstellte, den Gnadensegen auch über eine andere Eigenschaft auszuteilen, sollte noch sein Tag verziehen. Darum braucht ihr euch in puncto unwiderruflichen Willen allein um die 'große Verbindung' mit Mir zu kümmern. Das andere könnt ihr MIR alleinig überlassen; es wird für Mich und euch gerecht verwaltet werden.

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2/7 - Das Firmament, das den Kindern durch das erste gegeben wurde

118. Noch etwas sei erklärt, dann wollen wir uns recht von Herzen über eine schöne Feierabendstunde freuen. So höret: Ich sagte, daß ihr, Meine Lichtträger, die Feste Meines Himmels seid. Habt ihr über die entsprechende Belehrung nachgedacht, so könnt ihr es bei kleinem selbst verspüren, welche Bewandtnis diese Feste in Verbindung mit euch hat. Zeugen ja die ungezählten Bäche, die aus euren Hauptwasserläufen kommen, von der Bedeutung ersten Ranges dieser Feste. Ja, erstrangig seid ihr eingesetzt und wird es nun noch weniger Kinder geben, die in dieser Hinsicht eurer Rangordnung anzugliedern sind.

119. Ihr habt im All die Feste als etwas Daseiendes gesehen und dabei bemerkt, daß sie an keinen eigentlichen Ort zu bannen war. Denn ob er oben oder unten, fern oder auf der Zinne Meines Berges – überall war Himmel! Ich will euch das Geheimnis lüften. Seht, Ich bin dem Worte nach mit euch durch das große Schöpfungsall gegangen, und ihr habt anhand eurer himmlischen Berufung überall den Himmel hingetragen.

120. Aber wo ihr selber standet, sahet ihr die Feste nicht, weil ihr sie an solchem Platze in euch tragt. Das leuchtet euch nun ein. Nur von der letzten Grenzraumwelle erschien der Himmel euch wie eine Winzigkeit in unermeßlicher Entfernung, worüber ihr noch rätselt.

121. Das sollte euch belehren, den Weg zu Mir aus euch zu finden, aber auch künftigen Kindern als Himmelspförtner die Pfade durch die Feste zu Mir aufzuzeigen. Das kann auch eine schwere Gasse werden, so daß Meine Herrlichkeit recht klein erscheint. Doch bei voller Sehnsucht wird – wie das festzustellen war – auf dem Rückweg diese anfänglich so kleine blaue Zelle riesengroß, sie wächst ins Unermeßliche. Das ist einer jener herrlichsten Herrlichkeiten, denn dann ist das Kind vom Himmel eingeschlossen, ist bei Mir im Heiligtum zu Haus!

122. Denkt ihr: 'Schon gut, wir sind durchaus zufrieden, daß Du, lieber UR, Alles in Allem bist. Aber inwiefern stellen wir die Feste dar?' Meine Kinder, denkt darüber nach, daß – wer Mein Wesen ganz erkennen will – jeder sich der sieben Lebensstrahlen zu bemächtigen hat, sonst erreicht er nicht des Himmels Zentrum! Erlangt auch in kommenden Schöpfungstagen Meine Feste eine sich steigernde Bedeutung, so bildet sie doch um Mein Urzentrum einen Ring, festgehalten in euren vorgelagerten Hügeln. Hier seid ihr Wächter Meiner Eigenschaften. – Wer nicht alle sieben Eigenschaften sich erwirbt, kommt schwerlich in das Innerste der Herrlichkeit. Darum nannte Ich euch den Himmel, der erstürmt sein will, daß ein Kind nächst der ursächlichen Verbindung aus der erläuterten Doppelverbindung selbst zum Kinde wird!

123. Ja, nun verstehet ihr, daß ihr selbstredend nicht gestaltlich die gesetzte Feste seid, aber sie als Meinen Himmel durch die euch anvertrauten Lebenswasser Raum und Zeit vornehmlich den künftigen Kindern zuzuleiten habt. Eine schöne, hehre Schöpfungsaufgabe, die euch geworden ist! Bleibet ihr stets eingedenk! – Nun erhaltet noch den Ordnungssegen. Der Abend naht, und ihr sollt vom Felde eurer Tätigkeit heimkehren können, bei Mir ausruhen und geborgen sein." – Nach dem Segen führt UR die Seinen über den blauen Teppich heim.

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2/8 - Die zweite Frage von Sadhana

124. Sadhana geht an URs rechter Seite, die Fürsten folgen. Und das erste Kind schmiegt sich an des Heiligen Schulter an, erfaßt Seine Hand und sagt: "O UR, mein Licht und Leben, wie überaus glücklich hast Du uns an diesem Tag gemacht! Eine Frage möchte ich noch stellen dürfen. Sieh, Du hast Deinen Engeln viel Arbeit anvertraut, die sie kraft ihrer Verbindung mit Dir selbständig ausführten. Mich hast Du zu Deinem Negativ, Deinem Widerschein gemacht, mit Dir besonders engverbunden. Wie kann denn das geschehen, wenn ich keinen Auftrag auszuführen habe, der auch zum gerechten Segen werden kann? Wie darf ich mich bewähren?! Mich würde sehr betrüben, wenn Du an mir, Deinem ersten Kinde, keine Schöpferfreude hättest."

125. "O Kind, dein Herz hat einen schönen Abglanz demutsvoller Liebe, Meine Sadhana," sagt UR, "sorge dich nur nicht, ob du hinter der Erkenntnis und schöpferischen Fähigkeit der Fürsten stehst. Das ist nicht der Fall! Siehe, am Abend des Ordnungstages fragtest du Mich um das Verhältnis, wie du zu Mir stündest, da Ich die Sieben Meine Kinder nannte. Weißt du Meine Antwort noch?" – "Ja, mein UR, Du erleuchtest mich, Du nanntest mich das 'Kind der ganzen UR Schöpfung'."

126. "Recht gesprochen! Ja, die zu eigenbewußten Leben erwachten Teilgeister sollen Meine Kinder sein; du aber jenes einer UR-Schöpfung! Du hast einst verstanden, was Ich dir an Höchstgesegnetem verlieh, nämlich: Du bist im gerechten Widerhall Mein Negativ; Ich schaffe mit dir und durch dich und du mit Mir und durch Mich! Alles, was in einer Schöpfung wird, geht aus Mir und somit auch aus dir hervor. Daran erkenne deine Mittäterschaft an den gewordenen Werken.

127. Ich gab dir das Herrlichste, was einem Kinde zu geben ist. Das berechtigt Mich, von dir ein Höchstes einzufordern; und billig ist zu verlangen, daß du dich allein in Mich begibst, also nicht persönlich selbsttätig bist wie Meine Engelsfürsten oder Kommende. Sie alle schaffen Einzelwerke mit; du schaffst mit Mir das Ganze eines Tages, denn du warst ein umfassender Werkgedanke, der in Mir seinen Raum besaß. Behalte daher nicht das Einzelne im Auge, sondern stets das Ganze gleich wie Ich. Wirst du ein Einzelwerk gestalten wollen, so wirst du einmal Meinem Herzen ferner stehen, als bei der Wanderung die blaue Himmelszelle in unmeßbarer Ferne blinkte.

128. Bleibe jederzeit an Meiner Hand, wie jetzt zu Meiner wahren Vaterfreude; und Ich halte Mein gegebenes Wort, demzufolge Ich in Deine Hand die Tage Meines Tat-UR-Jahres lege! Nun, erfüllt dich das nicht mehr, als wenn du Einzelwerke schaffen kannst? Siehe, jeder Engel trägt einen Teil in sich; du aber sollst sie allesamt in dir verwahren." – Voll Glück sieht Sadhana empor, schmiegt sich wieder an UR an und sagt: "Führe mich an Deiner heilig-guten Hand; Dein will ich sein und nicht mehr ich!" Die Fürsten wetteifern, dem UR-Kind von sich den besten Teil zu geben.

129. UR erwidert: "Gesegnet sei dein Wort, Meine Sadhana! In Mir bist du geboren, du bist Mein, dich trug Meine Innerheit! – Doch auf ins Heiligtum! seht, die UR-Sonne hat sich gewendet, bald läutet die Glocke den Feierabend ein." Die Kinder kehren vom Schöpfungsfeld ins Vaterhaus zurück. Ihr Wirken war sehr groß, und UR freut sich über ihren guten Willen. Im Allerheiligsten begibt Er sich auf Seinen Thron, Sadhana legt Weihkraut in die Opferschale, und das Feuer vom silbernen Teller loht hell auf.

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2/9 - Eine wichtige Frage - Michaels erste Antwort

130. UR ergreift Sein 'Arbeitsbuch' und sagt: "Meine Kinder, soweit der Tag des Willens eine Einheit mit Mir vorgesehen hat, habt ihr sie erreicht. Gesegnet könnt ihr ruhen in der zweiten Nacht, die gesteigerte Kräfte bringt, um den Morgen samt dem dritten Tage zu erleben. Aber eines liegt noch vor: Die vier ersten Arbeitstage verlangen vier Entscheidungen. Am Ordnungstag habt ihr zuerst die Anerkennung der Mir vorbehaltenen gerecht gestellten Bedingungen und des freien Willensgesetzes herbeigeführt.

131. Ich wies besonders darauf hin, das kraft des freien Willens wohl einmal ein Kind von sich aus die Verbindung lösen kann und die aufgehobene Verbindung schwierig wiederherzustellen sei. Deshalb kann es nicht bei der einen Entscheidung bleiben, die Meinen Bedingungen als unwandelbaren Gesetzen sowie dem freien Willen als wandelbaren Gesetzen gilt. Das erste ist Mein Grund, das zweite ist der Grund des Segens, der den Kindern zur freien Entwicklung gegeben ist. Ihr habt beides anerkannt, und Ich knüpfte eine 'Wiedergutmachungsfolge' an bei Mißbrauch des freien Willens zum Schaden einer Schöpfung. Die zweite Frage lautete:

132. 'Soll eine Wiedergutmachung durch das freie Willensgesetz oder durch die Mir vorbehaltenen Bedingungen geschehen?' Das ist noch zu entscheiden, dann mag der Tag zur Ruhe gehen, und Ich will euch in dieser heiligen Schöpfungsnacht sorgsamst tragen. – Michael, bringe als Dominant des Willetages die erste Antwort dar." UR gibt Sein Buch auf den Heiligen Herd zurück. – Die feierliche Stille läßt die Kinder die gewaltige Bedeutung dieser Frage ahnen. Ernsthaft ziehen sie alle gesammelten Erkenntnisse zu Rate. UR ist unsichtbar geworden. An der ruhig brennenden Flamme messen die Ersten ihre eigene Unruhe, die sie befallen hat. Doch die Flamme lehrt: 'Ihr seid nicht allein!' Aus dieser Lehre entnehmen sie auch die Entscheidung.

133. Doch schnell ist das nicht getan; davon hängt mehr als nur ein Tagwerk ab. Ein schwerer Ernst, verlagert auf das ganze Jahr, tritt an sie heran, und sie fühlen drückend eine Spannung zwischen den gerecht gestellten Bedingungen und dem Freiheitsgesetz. Hat UR das Tat-Werk nicht zum Selbstzweck, sondern zum Kindzweck geschaffen, dann müßte auch der freie Kindwille vorherrschend sein. Sind aber nicht zuvor unzählige Werke an innerheiliger Größe gewesen bis zur herrlichst vorgebauten viergeteilten Schöpfung, die den Tat-Zyklus geboren hat? Wie könnte also für das hehre Schöpferwerk das zugunsten der Kinder gegebene Freiheitsgesetz bestimmend sein? – Jede bisherige Schöpfungsfolge war ursächlich auf die Bedingungen gegründet und werkmäßig vollendet worden. Müßten also die Bedingungen nicht ausschlaggebend sein? –

134. Welche Fülle UR der Freiheit gab, haben sie genug verspürt. Daß sie dadurch je woanders hingelangen könnten, kommt ihnen gar nicht in den Sinn. UR sprach von Kommenden. Die Glocke schlägt die letzte Tagesstunde an; ihr Hall läßt Raum und Zeit erbeben. Michael und Elya gehen zum Heiligen Herd, und da ist UR wieder sichtbar. Sein hehres Antlitz ist von unnennbarer Güte überstrahlt, und der Glanz Seiner majestätischen Gestalt bricht sich an den kristallenen Mauern des Allerheiligsten.

135. Und also entscheidet der Fürst des Willens: "Hohe Macht und Kraft, Erhabener! Gewalt ist Dein Name, Stärke ist Dein Wesen! Wer sieht die Flügel, die über Deine Werke ausgebreitet sind, die alles tragen, unter denen alles ruht? Deine Füße sind der Grund; wer will ihn ergründen? Deine Augen spiegeln Deine Höhe; wer kann sie erreichen? Deine Hände formen jede Weite. O Heilig-Heilig, wer will sie messen, da man DICH nicht messen kann? Dein Herz als heiligvollste Nähe ist Unendlichkeit; kein Kind wird dessen ersten oder letzten Schlag vernehmen! Denn beim letzten Werkton streichen Ordnung und Wille in der Schöpferallmacht wie mit leisem Hauche über alle Werke hin, und es steht ein Neues auf, ungeahnt gewaltig!

136. Du bist das All und es kam aus Dir; Du ließest es zur Offenbarung Deiner Herrlichkeiten werden! Du, der Ewig-Heilige! Niemand kann von dieser Offenbarung als einer Halbscheid sagen: Siehe hier, siehe da! Ich weiß gewiß und bezeuge es kraft Erkenntnis und des Willens: 'O Heilig-Heilig, ewigwahr der Einige, es gibt nichts außer Dir! Nichts geschieht ohne Dich; alles ist Deine Grund-UR-Sache!'

137. Hast Du uns zur undenkbaren Freude und süßesten Seligkeit einen Schöpfungsrang eingeräumt, der Dir im Sinne eines Tages herrlich angeglichen ist, so gebührt Dir gleichfalls höchste Freude, die Dir als Dank durch Deine Kinder werden soll. Doch eben daraus kann sich das entwickeln, daß wir kraft des Freiheitsgesetzes, welches wir am Ordnungstag anerkannten, einen Weg und eine Richtung beibehalten müssen, ein Gebot befolgen, einem Willen dienstbar sind. Das muß in Deiner heiligen UR-Wesenheit verankert sein!

138. Du gabst, noch zugedeckt, dem zweiten Fundament zwei Richtungsarten. Die eine führt über Deine erhabene Tiefe, Höhe und Weite in Dein Herz, wie Du gesegnet vorgesehen hast; und die andere kann bodenloseste Tiefe und entfernteste Verirrung zeitigen. In beiden Möglichkeiten ruht die Allgewalt Deiner Offenbarung, der innigen, nie ergründbaren Hingabe an Dein Kindervolk! Ach Herr, All-Höchster und All-Heiliger, wer will das je begreifen?!

139. Vor der Macht Deiner ursächlichen Hingabe müßten auch wir vergehen, wenn wir ein kleines Ende davon schauen möchten. Allein, unter Deinem All-Segen geborgen sind diese Herrlichkeiten zu ertragen!

140. Dein höchster Schöpferjubel ist, uns neben und in Deine Herrlichkeit und hohe Heiligkeit zu stellen, um Anteilnehmer Deines wunderbaren Grundeigentums zu werden. O Ewig-Heiliger UR, laß mich jubeln und Dir danken bis in Ewigkeit, weil Du – kaum am Anfang Deines Tat-UR-Jahres – bereits krönend Deine Machtherrlichkeit enthüllst und uns hast werden lassen zu Deinem Grundeigentum, daß wir Dich bei uns haben dürfen als unsern schönsten und heiligsten Besitz!

141. Zufolge dieser urherrlichen Gaben, die Du mit dem Freiheitsgesetz als Brücke zur seligmachenden Verbindung mit Dir Deinen Kindern zukommen läßt, soll das freie Willensgesetz grundlegend eine Wiedergutmachung bei rechtloser Inanspruchnahme dieser Freiheit bringen, und die dem Gesetze innewohnende Freiheitsfülle soll die Umkehr und Umwandlung einer falschen Tat ergeben. Eine Wiedergutmachungsfolge aus den Dir vorbehaltenen gerecht gestellten Bedingungen kann Dir, Heiliger, keine Genugtuung sein. Du wärest dann auch der alleinige Vollbringer! O Herr, ewig hast Du recht, daß es Deiner unwürdig wäre, vollbrächten Deine freigeborenen Kinder nichts aus sich! –

142. Die Wiedergutmachung bestünde auf solchem Wege nur dem Namen nach, weil Du sie kraft der unwandelbaren Gesetze zuwege brächtest. Darum hätte sie von seiten jenes Kindes selbständig und freiwillig zu geschehen, dem sie zur Last zu legen wäre. Auch dann, wenn Du vielleicht einmal Dein ganzes Kindertum an eine Wiedergutmachungsfolge anschließen müßtest, soll sie freiwillig möglich sein.

143. Die ursächliche Verbindung zwischen UR-Kern und Urzelle wird ihren Anteil tragen müssen, denn sie ist unaufhebbar, weil der ihr innewohnende Schöpfungssegen Dein heilig-guter Werksegen ist. Es dürfte dieser auch alleinig sein, der den Wiedergutmachungswillen stärkt und das Gelingen dazu gibt. Gründe es, All-Heiliger UR, auf das freie Willensgesetz und lasse dabei Deinen Schöpfungssegen als Geheimverbindung walten. – Denn Dein ist der Raum, Dein ist die Zeit und Dein ist das Geschehen! 'Vollendung' heißt Dein Werk. Laß uns DICH preisen"

144. , alle stellen sich bei diesem Aufruf im Halbkreis vor dem Heiligen Herd auf, "laß uns Deinen Namen lobsingen; und Dir sei wohl gefällig unser Dank und unsere Anbetung. Heilig, heilig, heilig, heilig bist Du, o Herr und Höchster, Ewig-Heiliger UR, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger! Amen!"

145. Die Mauern, Säulen und Geräte des Heiligtums geben das mit großer Kraft gesprochene Wort zurück an Den, der mächtig auf Seinem Stuhle sitzt, dessen Name Wunderbar, Rat, Macht und Kraft, Ewig-Wahrhaftig, Hochpriester Melchisedek und König von Salem ist. Das Allerheiligste erstrahlt in erhabenem Schöpferglanz einer Tagvollendung.

*

146. Die Jubelnden halten ihren Atem an, denn feierliche Stille senkt sich nieder. Im hehren Schweigen sehen sie URs leuchtende Herrlichkeit. Ist Michaels Antwort so bedeutend, daß geschieht, als wenn UR Selbst entschieden hätte? Noch wissen es die Kinder nicht; selbst eine Antwort wird nur soviel vermitteln, als der Werkfortgang es nötig macht. Auch sie werden nie die Tiefe dieses Sinnes fassen können und die Tragik eines Geschehens erst erkennen, wenn eine Abwandlung geschehen ist. Aber bis dahin? Ach, UR sieht voraus, die Erbarmung deckt schon jetzt die Hände über ein Geheimnis, und Sein Herz ist bereit aufzunehmen, was am Boden einst zerschlagen liegt.

147. Doch es sind getreue Kinder Ihm zur Seite, und der Willefürst hat seine Arbeit gleichfalls gut vollendet wie am Tag vorher der Träger Seiner Ordnung. – So blicken Seine Augen freundlich auf die Kinder nieder, Er streckt über sie die Hände aus und erteilt den letzten Abendsegen. Dann öffnet Er das Herz, damit die Ersten in Ihm ruhen können. Noch einmal nimmt Er das Schöpfungsbuch zur Hand, das noch aufgeschlagen liegt, seit heiliger Frührotschein die verborgene Quelle traf, an der Er, der Höchste, den Tag aus Seinen heiligen Lebenswassern schöpfte.

148. Und Er spricht: "Amen! Und noch ein dem Werk geheiligtes Amen! Es soll der Wille über dem Gesetz und der Erfüllung walten, damit nicht anderes geschieht, als was Mein Willeträger angefordert hat. Wäre aus einer von Mir geleiteten Erkenntnis die Entscheidung gefallen, so könnte jederzeit ein unwandelbares Gesetz die Folge bringen. Doch kraft eurer Erkenntnis und freiem Willensentschluß

bleiben die wandelbaren Gesetze zum höchsten Segen Meiner Kinder

als Vollendungssymbol der Wiedergutmachung bestehen!

149. Ein Geheimnis behalte Ich MIR vor, über das ein anderer Tag die Frage und die Antwort geben soll. Nun naht die Nacht, die Zeit Meines ureigenen Schaffens, denn sie ist Mein inwendigster Tag und voll Meines Lichtes. Da erhaltet ihr – unbewußt des Lebens – frische Kraft, und der nächste Morgen schenkt euch seine Herrlichkeit. Die Nacht verwahrt in ihrem ersten Teil den abgelaufenen Tag und seine Güter. Ich allein bewirke, daß alle Tagesgüter zu neuem Aufbausegen für den neuen Tag umwandelt werden.

150. In vier Stunden bis zur Mitternacht wird alles bis zum höchstgesegneten Abschluß eingeordnet. Sendet dann die Mitternachtsglocke ihren letzten Ton durch die UR-Ewigkeit, so gestalte Ich in vier Stunden, in denen je ein Wesenszug Meines UR-Ichs wirkt, viermal vier Tagesstunden vor im Aufbau und im Ziel. Richtung und Lauf, die den Aufbau dem Ziel entgegentragen, bleiben dem Kindvolk überlassen. Sie werden von Mir mit dem Erfüllungssegen vorbedacht, damit der ganze Tag die Krönung durch das Ziel erreichen kann.

151. Nun nehmt den Abendsegen dieses reichgefüllten Tages hin. Meine Kinder, Ich als Schöpfer segne euch; denn beide Tage, die Meinem Schöpferwesen galten, sind vollbracht und – gut geworden! Alles ist gut, aus Mir und auch aus euch. Darum fließt der volle Segen euch aus Meiner Schöpferherzkammer zu. Werdet ihr aber einmal Meinen UR-Segen erhalten, nachdem ihr aus allen Meinen Wesensteilen in euch aufgenommen habt, dann – ja dann bricht ein Abend über euch herein, dessen Übermaß Ich euch mittragen helfen muß!

152. Doch schon jetzt sind eure Herzen bis zum Rand gefüllt, weil ihr Mir von eurem Leben soviel dargegeben habt, als euch in den zwei ersten Tagen des Tat-UR-Jahres möglich war. Darum kommt die Fülle eurer Darbringung als Abendsegen auf euch zurück. Eure Arbeit ist geheiligt, und so ist euch auch der Lohn gewiß, der den nächsten Tag erleben und vollenden hilft. Nun aber seid ihr schaffensmüde."

153. UR schreitet links um den Herd und begibt sich mitten unter Seine Kinder. In der linken Hand hält Er das Buch, mit der Rechten teilt Er Seinen Segen aus. Da sehen sie Ihn, ach, wie herrlich nah! Keine Stunde brachte ihnen je ein solches Maß glückseligsten Gefühls. Sie sind an der Vaterbrust geborgen. – Der Weihrauch löst sich aus der Opferschale, er hüllt die Szene ein. Die Gesegneten schließen ihre Augen, und UR schließt auch das Schöpfungsbuch, in dem der zweite Tag als 'heiliger Gewinn' verzeichnet steht. UR bettet sänftlich Seine Kinder in Sein Wesen ein. Am Herd bedeckt Er das Feuer mit Seiner Rechten, bis eine kleine stille Flamme brennt, ganz stetig und gewiß. Die Opferschale ruht, die Geräte werden eingehüllt. Nun ist das Heiligtum in der Gottheit und nicht mehr UR im Heiligen Haus wie während jedes Tages um der Kinder willen.

154. Heilige Einsamkeit umgibt den Höchsten. Diese Einsamkeit schafft einen neuen Tag.

 

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Der dritte Schöpfungstag

 

(Tag der Weisheit)

 

Kap. 3

 

«Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Örter, daß man das Trockene sehe. Und es geschah also. Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte Er Meer. Und Gott sah, daß es gut war. Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen, Gras und Kraut, das sich besame und fruchtbare Bäume und eine jeglicher Frucht trage und habe seinen eigenen Samen bei sich selbst auf Erden. Und es geschah also. Und die Erde ließ aufgehen Gras und Kraut, das sich besamte, ein jegliches nach seiner Art. Und Bäume, die da Frucht trugen und ihren eigenen Samen bei sich selbst hatten, ein jegliches nach seiner Art. Und Gott sah, daß es gut war.» [1°Mo. 19,13]

 

«Hier ist der Sinn,

zu dem Weisheit gehört.»

[Off.17,9]

 

1. Die dritte heilige Mitternacht zwischen dem Tage des Willens und dem Tag der Weisheit. UR sitzt am Borne Seiner Macht und Kraft, Gewalt und Stärke. Er legt Sein Herz hinein, daß die Wasser es umspülen. Da öffnet sich die zweite Kammer, da fließt aus ihrer Tiefe neues Leben, zur heiligen Höhe der All-Kraft emporgehoben. So vermählen sich Quellwasser und Herzstrom und werden leuchtendes Licht heiliger UR Ewigkeit.

2. In der ersten Stunde nach Mitternacht bedenkt UR einen Anfang und ein Ende. Aber beides gibt es nicht in Ihm; das Gewordene und was Seine Schöpferhände noch zu Werk und Wesen formen, ist vollkommen.

3. Den geheimen Lauf der zweiten Stunde wird kein Lebewesen je verstehen, dürfte es auch das Verborgene erschauen. Die Kraft steigt zu unmeßbarer Höhe hoch und bildet in herrlichster Entfaltung einen endlosen Baldachin, der die UR-Ewigkeit beschattet. Oben nimmt sie von dem Besitz, was ihr aus UR-Quell und Herzstrom zubereitet ist. Sie formt es zu einem Anfang und dessen Ende, die beide abermals den Ring zu neuem Raum, zu neuer Zeit zusammenschließen.

4. UR schaut zur Höhe, wo sich des Wesens Kraft entfaltet hat. Das ist ein Allmachtsspiel zwischen der Gottheit und dem neuen Werk. – O Heilig-Heilig, Du bist ja so erhaben! und weht doch nur ein winzigstes Gefühl aus Deinem UR-Sein auf die Welt herab. Es läßt sich zwar empfinden, aber – ach – nur mit mageren Worten schreiben. Doch es loht im Inneren, überwältigend, denn es kommt von Dir, o Heilig-Heilig! Das ist die dritte dreifach gesegnete Stunde nach der hohen Mitternacht. Das ausgebreitete Kraftwesen strömt unaufhaltsam nieder wie eine weiße Wolke für die kommende Kostbarkeit. Ist es ja der Geist der Höhe, der dem dritten Tag zu schenken weiß, was an Fülle zubereitet worden ist. Die weiße Wolke teilt sich; da wird der Geist sichtbar, der nach der geöffneten zweiten Herzkammer greift. Er läßt Quell und Strom darin vereinen, bis die dritte Stunde sich erfüllt.

5. Das sagt die Glocke. UR in Seiner herrlichen Geistgestalt gibt das Wasser zum heiligen Born zurück; es soll am Tage heimlich raunen und Verbindung schaffen zwischen Werkmeister und Werk. Aber der mächtige Strom entquillt der Herzenstür; seine Wogen wälzen sich, wunderbarst gelenkt, durch die Lande. An seinen Ufern steht die Kraft; sie leitet das Gewässer, das die Gestade segensvoll umspült. Das hat der Wille so geordnet, und nun kann der Weisheitstag beginnen. Viermal schlägt die Glocke an, und die Nacht versinkt hinter Morgenrot. Der Höchste hat Sein Werk bewacht, damit es dort aufs neue leben kann, wo zuvor der Abend ihm Vollendung brachte.

6. Aus weißem Nebel enthüllt sich das Heiligtum. Es ist herrlicher geworden. Aber wird vollkommener, was URs Vollkommenheit gestaltet hat? Oh, ihr Schöpfungsrätsel – und doch ist's zu erkennen! Nicht die Vollkommenheit nach Menschen wissen, sondern GOTT sagt euch die Wahrheit! Vollkommen ist UR, in und außer sich! Vollkommen sind auch Seine Werke, die geheimen und die ersichtlichen. Doch wenn ein Werk im anderen sich spiegelt, da steigt die Vollkommenheit in der Vollkommenheit und überbietet sich in ihrer Herrlichkeit! Das ist ein Strahlen hin und her, auf und ab, nach innen und nach außen, daß der erste Engel ruft: "Die Vollkommenheit wird abermals vollkommen!"

7. 'Wenn ein Werk im anderen sich spiegelt!' Hier ist der Sinn, zu dem Weisheit gehört! UR spiegelt sich in Seinen Kindern; sie sind Sein Ebenbild! – Und sie erwachen, an denen ER Sein Werk erprobt! Strahl ist bei Strahl, sich in Vollendung einend, daß die höchstmögliche Vollkommenheit jedem Tag zu bringen sei. Es spiegelt sich das erste Werk im zweiten, denn das Heiligtum sieht das Erwachen seiner Kinder, und diese sehen ihres Vaters herrlich-schönes Haus. Beide, Heiligtum und Kinder, messen sich; «…und auch das ist gut!»

8. Die erste Stunde des dritten Schöpfungstages lehrt die Ersten die Rückschau zu den vergangenen Tagen der Schöpferwesenheit. Erst die zweite Stunde schenkt ihnen die Sichtbarkeit des Höchsten. UR sitzt auf Seinem erhabenen Stuhl. Der Glanz Seines königlichen Kleides vermählt sich mit dem Licht der UR-Sonne. Über Seinen Schultern hängt der goldfarbene Überwurf, der Würdemantel des Hochpriesters, weil an diesem Tage Melchisedek von Licht-Heilig herrscht. Seine Krone, deren dritte Zacke zur Stirnmitte steht, leuchtet so hehr, daß die Kinder atemlos unter der strömenden Kraft verharren.

9. Vom silbernen Teller loht das Feuer hochauf, und die zuvor leicht schwingende Opferschale beginnt ihre großen Lebenskreise. UR schlägt die dritte Seite Seines Werkbuchs auf, den Tag der Weisheit. Auf inneren Anruf erheben sich die Ersten; stehend vernehmen sie, was der Schöpfung gelten soll. Und also spricht der Heilige:

10. "Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Örter, daß man das Trockene sehe! Des Willetages Wasser sollen in Richtung und Lauf durchfluten, was bisher wurde. Jedes Kind sei wie ein Bach, der seinen Weg aus freiem Willen zu Mir bahnt; und ein großes Wasser gleiche vielen Kindern, die aus Meinem Geiste eines Geistes sind, in die Ich Meine Weisheit senken will, wie sie aus Mir fließt, den Tag zu überstrahlen. Das geschehe! Meine Kraft bewirkt das Ziel, wie Ich es in Mir trage als Mein Werk. So soll der Kinder Werk – mit ihrem Geiste angefüllt – sich als Frucht des Tages offenbaren, daß es anzusehen sei wie Gras und Kraut und Bäume, die in sich selbst den Samen tragen. Jede gute Tat soll als Samen für die Kinder und Mein Werk ein Segensträger sein! Das geschehe also!

11. Ich will Meinem dritten Geist das 'Zeichen' geben, das die guten Früchte ernten, die anderen vernichten kann. Keinem Kinde wird es je möglich sein, segenslose Taten zu verbergen; denn die Dornen künden es. Die ausgesandten Schnitter merken in der Kraft, wo die Frucht aus Meinem Geiste herrscht oder wo die unbrauchbaren Früchte. Die Weisheit wird die Wahrheit wissen! Sie, der Strahl des hochheiligen Priestertums, birgt das wahrhaftige Wort in sich. Mein Wort wird zum Segen werden und als klarstes Licht erscheinen denen, die in seinem Strahle stehen. Selbst aus Meinem mitternächtigen Quell wird manches hehre Wesen, Wort und Werk den Kindern offenbar, die die Fruchtbarkeit aus Meinem Geiste in sich tragen. Das geschehe also!"

12. UR legt das Buch aufgeschlagen auf den Heiligen Herd. Ein Licht aus Ihm trifft die Ernsten, daß sie aufschauend den Priester erkennen, der heilig handelnd all Sein hohes Tun erfüllt. Auch hier eine Sinfonie aus Licht und Farbe, Glockenklang und geheimen Chor. Die UR-Sonne faßt Strahl und Klang zusammen, und Schöpfungsfriede kommt auf die begonnene Tat. Da neigen sich die Kinder vor der hohen Heiligkeit, wortlos bringen sie die erste Morgenandacht dar. Erst müssen sie hineinwachsen in den Tag, der ihnen aus dem Priestergeiste Worte reden lassen wird. Der Geist der weißen Wolke umhüllt ihr zartes Wesen. Aufs neue müssen sie im Sinne der dem Tage zugeteilten Eigenschaft aus Geschöpf, Geist und Seele sich das 'Kind' erringen. Denn erst nach siebenmaliger Lebensprobe sind sie vollkommene Kinder URs. Jetzt herrschen Tage; später werden es Taten sein, die zum Siebenfachen führen.

*

3/1 - Sadhana als Priester geweiht

13. Nun spricht UR: "Meine liebliche Sadhana und ihr Engelsfürsten, Träger Meiner Eigenschaften! Seht, den dritten Tag habe Ich zur Offenbarung Meiner hohen Herrlichkeit gemacht. Ihr sollt ihn mit MIR gestalten und als Meine freigeborenen Kinder an der Personifikation Meines Schöpferwortes mitwirkend tätig sein.

14. Aus Meiner Priesterherzkammer fließt der zweite Strom durch Raum und Zeit. Darum laßt in euch den erhaltenen aus Meinem Priestertum geweihten Teilgeist lebendig werden und empfangt hierzu die Berufung und die Weihe. Denn nun sich Meine Offenbarung für euch steigert, bedarf es auch für euch vermehrter Einsetzung, bis das Tat-UR-Jahr vollendet ist. Dir, Meine Sadhana, gebe Ich zuerst die Erwählung wieder in die Hand, wie auch den beiden ersten Fürsten. Die zweite Stunde sieht außerdem die Erwählung des dritten Lichtträgers vor."

15. Sadhana kniet vor dem Heiligen Herd, ihre Hände auf die goldene Herddecke legend, die von da aus durch die zweite Pforte des Heiligtums in unmeßbare Ferne wie ein Teppich rollt. Und sie sieht empor; ein urgewollter Werkfortgang, denn während der beiden ersten Schöpfungstage knieten sie mit geneigten Angesichtern. Nun können sie sie schon vom ersten Sehen an erheben. Damit ist die Kraft der Andacht gesteigert. War es ja der priesterliche Geist, der zur Höhe Seiner Allkraft stieg und als 'Segensstrom' sich auf das neue Tagwerk niederließ. Diese Anbetung gibt innerste Verbindung, nicht allein zwischen Schöpfer und Geschöpf, Geist und Teilgeist, sondern bringt bereits das Licht der Seele und dem Kind.

16. UR steht auf. Dem heiligen Gefäß, nach dessen Vorbild der Seraph Elya am Vortage die Becher schuf, entnimmt Er Wasser und sprengt es über das Herdfeuer, wonach sich köstlich weißer Rauch erhebt. Damit empfängt Sadhana die Weihe und des Priesters Weisheit. Und sie darf das Tagwerk überschauen, ohne daß das einzelne ihr plastisch wird; denn auch sie braucht freien Fortgang.

17. UR spricht: "Mit Licht und Wasser als Symbol fortdauernd erneuernden Lebens wird ursächlich jedes Werk bedacht. Sie übergießen zahllose Gefilde. Es gibt kein Werk, das nicht den Strahl der Kraft empfangen hat, der es zurück zu Licht und Wasser trägt, wodurch das Werk mit seinem Meister stets verbunden bleibt. Das gilt besonders euch, den frei geborenen Kindern, wie auch den Werdenden. Jeder muß durch eigene Aufnahme von Licht und Wasser selbst zum Strahle werden. Sendet er aus dieser Kraftentfaltung seinen Strahl zurück, so entsteht die Reflexion der ursächlich aus Mir kommenden Verbindung.

18. Durch diesen Strahl ist aus anfänglichem Wissen die Weisheit Meines UR-Geistes zu schöpfen. Diese Weisheit gibt Dir, Mein gerechtes Negativ, die heilige Weihe. Als Priester weihe Ich dich Mir, deiner eigenen Vollendung und der Vollendung des Tat-UR-Jahres! Und nichts, nicht einmal du selbst, wirst diese Weihe nichtig machen können! Löse deine Aufgabe und bleibe eingedenk: Du bist Mir ewiglich vermählt!" UR segnet Sadhana. Es ist nicht gegeben, einen lauten Dank darzubringen; dennoch hat UR Seinen Dank. Keine hohe Seligpreisung ist's, sondern das einfältige Lob eines Geistes, der den UR-Geist über sich verspürt. Das aber rechtfertigt die zweite Segensstunde. Auch die sieben Lichtträger werden dergestalt berufen und erhalten ihre Weihe.

19. Diesem Akt fügt UR hinzu: "Meine Kinder, ihr seid auch für den dritten Tag die Träger Meines Reichs geworden, und als Fürsten sollt ihr Mir in Meinem Heiligtum dienstbar sein! Doch erst der nächste Tag wird euch als Hüter Meiner Heiligkeit umfassend den Dienst enthüllen, wenn beide Eigenschaften Meines Priestertums dem Tat-UR-Jahr gegeben sind. Wohl könntet ihr – es euch jetzt lehrend – es schon erreichen, denn eure Herzen regen sich. Doch in jeder Hinsicht ist es besser, ihr wachst in euer Tun hinein. Es ist köstlicher, aus euch das Hüteramt zu erwerben.

20. Gleich meiner Sadhana erhaltet ihr die vierfache Weihe: Mir, dem Werk, euch selbst und der Vollendung des Tat-Zyklus. Und es gilt dasselbe Wort: Nichts hebt diese Weihe auf, sie bleibt im Hochamt Meines heilig-wahren Priestertums!! – Übernehmt die Tagesarbeit zu Meiner Freude, zum Segen dieses Tages, dann geht euer Ziel in Meine Hoheit ein! Bleibt eingedenk, daß Ich euch zu einem königlichen Werk berufen und erwählet habe."

*

3/2 - Uraniels Zeugnis über die Wesentlichkeit des Schöpfers

21. Die Fürsten erhalten ihren Segen. Auch sie danken erst im stillen Wort. – Hernach steht Uraniel zwischen Sadhanas Stuhl und Heiligem Herd und sagt: "Ewig Heiliger UR, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger! Du gabst der ersten Tagesstunde aus der Überfülle Deiner Macht, was sie zwischen Abend und Morgen als Gedankengut vorbedacht hatte. Du hast aus heiligem Nachtwerk Deines Wortes die Sichtbarkeit hervorgerufen, nun vom vollen Lichte Deiner Sonne überstrahlt. Und Du hast uns geweiht! Was aber, guter UR, wären wir, wenn nicht Du uns in DIR zubereitet hättest und kraft hochheiliger Weihe uns die innere und äußere Rückkehr sicherst? Was, königlicher Priester, frage ich, könnten wir entnehmen aus der Vielheit Deines reichen Segens, wenn nicht die Weihe uns auch die Befähigung dazu verleiht?

22. Diese Erkenntnis, als Gabe von uns allen auf den Heiligen Herd gelegt, hat zuerst Dein priesterlicher Geist in uns entzündet; aber sie ist auch aus uns geworden. Wir fühlen ja das Band zum Werk, das schon hinter uns vollendet liegt, das steigernd sich in Herrlichkeit vor uns enthüllt. Wir wollen Dir auch aus uns selbst die Gabe opfern; nimm sie an, Hochpriester Melchisedek, und opfere sie Deinem Werk! Laß es unsern ersten Dank am Tage Deiner Weisheit sein. Achte ihn in Güte und in Gnade wert; denn sieh: uns ist der Morgen kaum erwacht, wir stehen am Anfang seines neuen Werdens." Uraniel hat als erstes Wort der Kinder gut gesprochen.

23. UR belobt ihn und sagt: "Träger Meiner Ordnung, gerecht ist der Dank und gut die Gabe, Ich schreibe beides in Mein Priesterbuch. Ja, aus dem Kraftstrom Meiner Weisheit ist euch Erkenntnis zugeflossen; allein, nur die Substanz habt ihr von Mir direkt erhalten, den geheimen Antrieb aus dem Priesterherzen. Die Erkenntnis selber schöpftest du aus dir und Meinen Kindern. Darum opfere Ich die Dankesgabe unserem Tagewerk. Wird ein Opfer also angenommen, so bringt sein Rauch den Opfernden Segen und Frieden. Das leite Ich im Hochamt Meines Priestertums."

24. Darüber herrscht viel Freude, zugleich auch ein Nachdenken. Wie oft schon erhielten sie Segen und Frieden aus des Schöpfers Hand, und es ist nicht zu sagen, daß sie weniger empfingen, als ihnen nun geboten wird. Dennoch spüren sie, daß sich ihre Herzen voller füllen. Herrscht des Priesters Wesenheit in UR stärker vor als die des Schöpfers? Wem gebührt also größerer Dank: dem ersten oder zweiten Wesensteil? Das ist am Tagesanfang eine große Frage, die erst der Abend völlig lösen wird.

25. Die Kinder mühen sich darum, weil sie nicht nur alle Herrlichkeiten nehmen, sondern ganz bewußte Rückgeber werden wollen. Sadhana stellt die Frage, was nicht bloß für den Tag geschieht; vorausleitend ruht ein Verborgenes in Gottes Hand. Mit der Frage wird später Kommenden, deren Teilgeist nicht so groß wie der der ersten ist, ein gutes Licht gezeigt, damit sie sich von der Erkenntnisreife der vergangenen Tage frei führen lassen.

26. Darum antwortet auch UR: "Meine Sadhana und Kinder Meines Herzens! Wer sucht und um die Wahrheit ringt, dem wird sie sich von selber öffnen. Nehmen bringt viel Freude; aber Geben fördert ewigwahre Seligkeit! Und es bleibt sich gleich, ob ihr gegenseitig oder Mir gegenüber lieber Geber werden möchtet. Zwar bleibe Ich der UR-Geber aller Gaben, bin aber auch der UR-Nehmer dessen, was Mir Meine Kinder bieten. Bei den Mir dargebrachten Gaben messe Ich weder Stückzahl noch Gewicht, sondern stets die Freudigkeit des Herzens!

27. Erkennet das und höret weiter: Mit Recht nennt ihr Mich Ewig-Heiliger UR, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger, denn alles kommt aus Mir! Mit einer kleinen Unendlichkeit habe Ich euch ausgestattet, daß ihr die Tage überschauen könnt, auch über deren Abende hinaus. Dennoch seht ihr nicht den wahren Anfang noch das Ende eines Schöpfungstages, weil beides Ich allein in der Verborgenheit Meiner unerkannten Mitternacht erschaue. Das ist und bleibt Mein alleiniges, urheiligstes Recht!

28. Dennoch will Ich Mich euch offenbaren, wie es Meinem Herzen wohlgefällt. Ich gab Sadhana den dritten Teil des zweiten Poles, den Ich Mir als WERK erschuf, euch Sieben gemeinsam die zwei anderen Drittel. Wieviel ihr da erhalten habt, soviel könnt ihr von dem offenbarten UR-Teil sehen, der Meiner waltenden Macht entsprang. Der Teil der stehenden Macht bleibt verhüllt! Daran sollen Meine Kinder merken, daß sie aus MIR geworden sind. Der dem Werke zugeteilte UR-Teil ist vom Kinde nach der Größe seines Geistes völlig zu erkennen und gilt das gleiche Maß wie bei der Entgegennahme eurer Gaben.

29. Um euch dieses als persönlichen Besitz zu bieten, schied Ich in der zeitlosen Zeit Mein einheitliches Wesen in die Mir vorbehaltenden und dem Werke zugewendeten Teile. Aus letzterem nahm Ich die zweite Form, Mein HERZ, und bildete aus ihm vier Kammern. Auch diese unterzog Ich einer Grundaufteilung in die sieben Sinneskräfte, um Mich allmählich euch Großgeistern zu offenbaren. Die nächste Schöpfung bringt hierüber noch eine Sonderschau. Das gestaltete Ich nicht, weil Mir ohne die Zergliederung es sonst nicht möglich wäre, Meine Geschöpfe in ihrem Werden wieder mit dem UR-Ich zu vereinigen.

30. Das gilt einzig der Entwicklungsmöglichkeit der Kinder, deren Angleichung an Mein UR-Wesen. Ich bin ja ewig frei in Meinem Willen! Diese Angleichung nun auf dem Freiheitsweg herbeizuführen, bedurfte einer bis ins kleinste gehenden Vorbelastungsprobe, die ihr noch nicht ahnt und über die ein anderer Tag die 'Leuchte' fallenläßt. Allein, nun hat sich's schon gezeigt, daß selbst ein Letztgeborenes Mein Anbild ebenso verkörpern kann wie Ihr, Meine Ersten; denn es kommt hier allein aufs Herz des Kindes an.

31. Meine Allmacht wird es nicht erdrücken, es wird in Mir den Hort des Friedens und die Heimat haben. Dessentwillen teile Ich auch einen UR-Zyklus in Jahre, diese in Monate, Wochen und Tage ein. Daher ist jedes Kind befähigt, Mich vollkommen zu erkennen gemäß seiner vollkommenen und freien Rückgabe an Mich!

32. Ihr fragt, warum Ich Mich zuerst als Schöpfer offenbarte und ob diese Wesenheit höherrangig sei. Da kommt darauf an, welches Werk und in welchem Grade es im Vordergrunde steht, oder wie die Kinder zufolge ihrer Freiheit Mir gegenüber sich verhalten. Andererseits räumte euch Mein Priestertum ein Sonderrecht wegen eures Dankes ein, weshalb ihr nun der Ansicht seid, dieses wäre höher einzuschätzen als die übrigen drei Wesenheiten.

33. Keinesfalls liegt das an Meinem UR-Ich! Ihr nennt Mich den Ewig-Einzigen und Wahrhaftigen. Bin Ich das, wie wäre es denn möglich, daß ein Teil größeren Heiligkeitsanspruch habe als der andere?! Nichts geschieht Meinet-, sondern Meiner Kinder wegen, wie auch das Werk ein Kindwerk und kein Selbstzweck ist! Sie sollen durch Mein ganzes Wesen als Anteilnehmer eines Grundrechtes gehen!! Ich konnte Mich nicht kleiner machen, nur damit Ich euch auf einmal ganz verständlich wäre; euch wäre damit keinesfalls gedient. Beide, Ich und Meine Kinder, müßten sonst das Herrlichste entbehren!

34. Ebenso läßt sich Mein Wesen nicht vergrößern. Wäre das, so müßte Ich ein 'Embryo' gewesen sein und kraft Meiner Schöpfermacht ins Uferlose wachsen, so daß selbst ihr Ersten nie bei Mir zu Hause wäret. Ihr fragt weiter, ob in Mir dennoch eine Grenze herrscht und in welcher Weise Mein UR-Ich als solches anzuerkennen sei. – Ja, liebe Kinder, das ist eine bedenkliche Gewissensfrage an Mich, und noch seid ihr weder mit dem Wissen, viel weniger mit der Weisheit vertraut, um einen Hinweis zu verstehen. Wir heben uns die schwere Frage bis zum Abend auf, wo ihr dann für eine Antwort reifer seid.

35. Doch nun zurück zum Ursprung der Belehrung. Ursächlich bin und bleibe Ich der Schaffende, Zeugende, Gebärende, Erhaltende, der Schöpfer! Ich schöpfe aus Mir, Ich erhalte auch! Genauso schöpfte Ich Mein Priester-, Gott- und Vatertum aus Mir! Nie wären aus Meines Herzens UR-Einheit vier Kammern als die Schöpfer-, Priester-, Gott- und Vater-wesenheit entstanden, hätte Ich als UR das nicht mit Meiner Schaffensmacht getan! Vergesset nie: Nur das Werk und seine Hoheit haben Mich veranlaßt, Mich euch – wie gegeben – zu enthüllen, weil nur auf dieser Basis das euch angebotene Grund-Eigentümer-Anrecht zu erwerben ist! Und das allein bringt euch die Hochfreude aller Seligkeit, bringt Mir das Hochglück Meiner Schaffung!

36. Was daher auch für Einzelwesen in Erscheinung treten, so bin und bleibe Ich der UR, ewig-heilig, ewig-einzig und wahrhaftig! Darum mögen Meine Kinder Mir, dem Schöpfer aller Dinge, die Ehrerbietung zollen, die in andachtsvoller Scheu sich gibt; und Ich sage euch: Solche wahrhaft gerechte Scheu werde Ich in Meiner Liebe und Barmherzigkeit als höchste Preisung anerkennen! Daraus strömt die Segensfülle, die den Kindern das Schöpferwesen doch ertragen läßt, bis sie voll Seligkeit an Meine Vaterbrust gelangen.

37. Doch gerade diese Seligkeit ist durch eine Demutsschule zu erreichen. Da heißt es, scheu und andächtig dem Schöpfer die freien Willensgaben opfern. Zwar bedarf es dazu außerdem der Heiligung durch den priesterlichen Wesensteil. Denn der Schöpfer legt die geopferten Willensgaben dem Priester vor, der allein das 'Recht der Heiligung durch den Hochdienst' innehat, nicht nur im Allerheiligsten, nein, überall dort, wo sie gerechtfertigt in Anspruch genommen wird. Und das kann in jedem Kinderherzen sein.

38. Der Teilgeist muß freilich aus der doppelten Verbindung den Rückweg zum UR-Geist wollen, damit seine Urzelle mit dem UR-Kern in ununterbrochene Fraternisation gelangt. Danach erreicht er die Erkenntnis, daß er nicht absolut unter Mir in ständiger Kontrolle steht, sondern zu Mir erhoben ist als Sinnbild Meines Wesens gemäß dem inneren und äußeren Kraftbewußtsein. Hier öffnet sich die Pforte, durch die aus Geschöpf, Teilgeist und Wesensseele das Kind zum Vater gehen kann; und es tritt die vorerwähnte Seligkeit in Kraft.

39. Aus dieser Lehre ist ersichtlich, ob ein Teil Meines UR-Wesens mehr gilt als der andere. Es wäre gut, wenn der dritte Lichtgeist eine Antwort weiß, inwieweit ihr einen Blick in Mein urheiliges ICH geworfen habt. Anschließend werdet ihr als Meine Bauleute eingesetzt." Zunächst herrscht andächtiges Schweigen vor; auch will das Gehörte aufgenommen sein. UR läßt den Kindern Zeit, die der Werkzeit gegenüber nicht zu werten ist. – Allzulang besinnt sich der Engel nicht; er begibt sich an den Heiligen Herd und spricht:

40. "Heilig, Heilig, Heilig, Heilig, Allmächtiger, wahrhaft Ewig-Einziger UR! Über uns kommt der Reichtum Deines Lichtes und des Lebens, Deiner Herrlichkeit! Du sitzt auf einem Thron; Du offenbarst Dich als ein Wesen, ein Gesicht, das wir – hochbeseligt – sehen dürfen, und eine Urewigkeitsgnade leuchtet uns! Ja, nun wissen wir, Ewig-Heiliger UR, warum Du nicht Dich in Deinem ganzen Wesen offenbarst, denn kein Kind vermöchte sich Dir so zu nahen, um Dir zu dienen, Dich anzubeten, Dich zu lieben, um eins mit Dir zu sein! Geschähe dieses nun in Deiner Macht, dann wäre das freie Willensgesetz schlecht bestellt; niemals gäbe es eigenbewußt lebende Kinder, sondern ewiglich die Nur-Geschöpfe, die an Deiner All macht hingen.

41. Du schufst Dir aber keine Ziehgedanken, sondern Kinder Deines Herzens. Bildlich, nach der Offenbarung Deines Wesens, sind die unbewußten Werke aus Deinen Händen, Füßen, Brust, Leib und Lenden, aus Deinem Haupt erstanden; doch Deine Kinder, heiliger Herr und Hochpriester Melchisedek, die Du aus Deinem ganzen Wesen nahmst, damit sie Dir ganz anzugleichen wären, hast Du einzig und allein aus Deinem Herzen, aus dem UR-Quell alles Lebens hergestellt!

42. Bist Du also gar nichts anderes als pur Dein offenbartes Herz, so kann ewig keines Deiner Wesensteile vor- oder zurückstehen, und keinem gebührt ein höherer Dank. Dieses Wissen gibt uns weitere Seligkeit: denn DU schenktest Dich uns ganz! Käme daher einmal eine Schöpfungsstunde, in der etwa Kinder abseits gehen, so sehe ich schon jetzt das heilige Hochziel leuchten: Siehe, dann stellst Du Dich Deinem Werk vollkommen zur Verfügung, dann behältst Du Dir ein OPFER vor, welches die Geduld, Liebe und Erbarmung bringt!!

43. Das könnte nicht geschehen, wenn von einem vorgeschauten Anfang an Du Dein UR-Ich nicht als Schöpfer, Priester, Gott und Vater völlig hingegeben hättest. Darum DIR der Dank, Ewig-Heiliger UR, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger. Doch an diesem (dritte) Schöpfungstage steht Dein königliches Priestertum im Vordergrund; und so gilt dem Melchisedek vorzüglich unser Morgendank." Diese Erkenntnis hat einen Palmenzweig erstehen lassen, den der Engel vor dem Kelchbecher niederlegt. "Du siehst unsern Dank, Du weißt um unsere Bitte, daß wir Deiner Hände Werk vollenden helfen wollen nach dem Maße Deiner Gaben. O Heilig, Heilig, Heilig, Heilig Dir Herr, All-Erhabener, Allmächtiger!"

44. Der Dank, von allen Kindern angestimmt, braust durch den Tempel, strömt mit großer Kraft ins All hinaus, in vergangene Schöpfungstage und flutet wie ein Meer zurück zu Zeit und Raum, die das UR-Tum weiter offenbaren. Der Engelsfürst hat sich tief geneigt. – Und UR? Ist da nicht ein hehres Augenleuchten voll Geheimnistiefe aufgebrochen? Freude und abgrundtiefe Trauer, was die Kinder betrifft? Doch die heilige Trauer ist bedeckt im Augenblick, da UR sich erhebt, sonst würden ja Sadhana und die Engelsfürsten sie verspüren. UR hält den Palmenzweig über das Feuer, vier Atemzüge lang, taucht ihn in die Opferschale, bis einmal starker Weihrauch aufsteigt, und gibt ihn dann an jenen Platz zurück, wohin der Engel ihn gelegt hatte. Das ist Symbol! Hier ist der Sinn, zu dem Weisheit gehört.

45. UR spricht: "Mein Engelsfürst, das Zeugnis Meiner Herrlichkeit offenbart in euch Mein Werk, zumal Mein Wort, das Ich dem dritten Tag des Tat-UR-Jahres gab. Ja, Mir allein gebührt der Dank! Und sofern ihr diesen bei euch als gerechte Frucht erstehen laßt, werde Ich als UR weniger danach fragen, welchem Wesensteil er gilt. Hauptsache ist, ihr gebt ihn ungeteilt, wie Ich Mich ungeteilt euch offenbare! Einen Augenblick will Ich euch Meine Schöpferfreude merken lassen, was in Meinem UR-Sein vor sich geht zufolge des Mir dargebrachten Dankes."

*

3/3 - Zuriel und Helia wurden zu Fürsten der Weisheit gewählt

46. Oh, was geschieht denn jetzt? Wer erhebt sich allgewaltigst, über die Kuppel des Heiligtums hinaus, so daß Thron und Herd samt Geräten, Opferschale, UR-Sonne, UR-Glocke und unendliches mehr in dieser wachsenden Gestalt vereinigt wird? Zeigt sich da jene Höhe, in der zur dritten heiligen Mitternachtsstunde sich der Geist erhob, ausbreitete und dann allsegnend niederfuhr auf alles Werk? Was ist das für ein Ton, äonenfach in Stimmen ohne Zahl? Hat jede Zahl nicht eine Stimme, jede Stimme einen anderen Ton? Welch Schöpfersinfonie erschallt aus unerhörter Ferne und doch so lebensnah im Allerheiligsten! Und was für Strahlen, was für Glanz in herrlichstem Goldton eingehüllt, darin die Farben der UR-Ewigkeit sich spiegeln.

47. Das Bild versinkt. UR sitzt wieder auf dem Thron, gütig lächelnd über Seine Kinder, die, vom Bruchteil göttlicher Majestät getroffen, wie leblos sind. Doch sie sind nicht tot; ihre Herzen blieben in der Schauzeit stehen, und mit geschlossenen Augen halten sie in sich das UR-Bild fest. Nicht einmal Andacht können sie empfinden.

48. Da neigt der Priester sich voll königlicher Gnade, küßt sie auf die Stirnen, und das bewußte Leben kommt wieder über sie. An diesem Tag erwachen sie zum zweiten Mal. – Wenn aber jede Schöpfung Gottes Herrlichkeiten steigert, wohin dann mit der Seligkeit? wohin mit aller Freude, Jubel, Dank und dem, was das Herz wie trunken macht? Es ist gut, wenn die Kinder mit dem Werke wachsen, so können sie den Reichtum tragen. UR nimmt das Buch der Schöpfung auf und beruft Sadhana sowie die Engelsfürsten zu ihrem Tagesdienst. Es folgt die Weihe von Sadhana, Uraniel und Michael. Als das geschehen ist, ruft Er den dritten Engel an den Heiligen Herd.

49. Er spricht: "Ich erwähle dich zum Träger Meiner dritten Eigenschaft, der unumstößlichen Weisheit. Es gibt keine Wahrheit, die nicht als leuchtender Strahl Meines ureigenen inneren Kraftbewußtseins aus Meiner Weisheit kam! Wie jede Meiner hehren Eigenschaften eine Sonderkraft besitzt, so wird 'Meine Wahrheit in der Weisheit' zum festgefügten Ausdruck dessen, was aus ihrer Lichterfülle zu geschehen hat!

50. Strecke deine Hände aus über den Herd, Mein gewaltiger Cherubim, Mein sanfter Seraphim. Dein Name, Cherub, sei Zuriel, und dein Name, Seraph, sei Helia. Als Hoheitsträger Meiner Weisheit vertretet ihr Mein inneres und äußeres Priestertum. Dem Werke gegenüber seid ihr der dritte Engelsfürst, die dritte Fackel an Meinem Stuhl. Nehmt das Zeichen eurer Würde entgegen." UR hebt die silberne Glocke am dritten Leuchter weg, dessen Kerzen wie die der beiden ersten Leuchter seit dem Morgen brennen. Das UR-Sonnenlicht, der feierliche Glanz des Heiligtums, fällt auf eine SICHEL, die in ihrem Schimmer alle Strahlung ihrer Tageszeit zusammenfaßt.

51. Der Heilige gibt die Sichel dem erwählten Engel und sagt: "Diese Sichel ernte die Frucht Meiner Aussaat, den Lohn Meiner Arbeit, die Erfüllung Meines Ziels, auf dessen Reife Mein UR-Werk wartet! Was du erntest, bleibt als Frucht in Meiner Scheuer. Niemand kann sie je verderben, keiner kann sie Mir entwenden! Sollte aber einst ein Dieb die Ernte überfallen wollen, dann schwinge deine scharfe Sichel über das verdorrte Gras, das faule Kraut, die morschen Bäume, damit der Boden, der durch Mein Schöpferwort als 'ERDE' aus den Wassern stieg, gereinigt werde zu fruchtbarem Land für neues Schaffen! Ja, dann schneide mit der Sichel, bis ein neuer Tag uns seine Stunde dem Geernteten und dem Gemähten neuen Aufstieg bringt!

52. Geerntet wird ein Kind, das die Weisheit als höchsten Ausdruck der Heiligkeit und Offenbarung Meines Priestertums anerkennt. Gemäht wird, wer sich diesem widersetzt! Jede Schöpfung muß reich an heiligen Handlungen sein, die keineswegs zu entraten sind. Wer glaubt, Mein Priestertum sei etwa irgendeine Nebensache, der täuscht sich schwer; und ihm werden selbst die Früchte nicht viel helfen, daß er auch geerntet wird! Müßte Ich etwas aus alleiniger Gnade als brauchbar bezeichnen, so wird ein solches Kind kaum auf geradem Weg zu Mir ins Vaterhaus gelangen. Anteilnehmer des Grundeigentums wird niemand eher, als bis etwa Versäumtes nachgeholt worden ist.

53. Als Hüter setze Ich euch an der zweiten Pforte Meines Heiligtums ein. Auch durch sie gehen einst Gesetzesträger. Wie durch die erste Pforte die unwandelbaren Gesetze getragen werden, so sind es hier die wandelbaren für die Kinder. Gerade diese Gesetzesträger bringen auf dem Rückweg Meine gerecht gestellten Bedingungen herein, sobald selbe von Kindern nach Anerkenntnis wie der umgestoßen werden wollen. Prüft die Träger hinaus und herein; denn Meine Weisheit ist es, die sowohl die Bedingungen wie auch die wandelbaren Gesetze kraft ihrer Wahrheit prüfen, deuten und ausüben kann und wird.

54. Meine Weisheit dringt mit ihren Strahlen bis in das Verborgenste hinein. Von ihr bleibt nichts ungesehen! Darum ist sie ja die erste Eigenschaft des Priestertums und wird durch dich, Mein Fürst, als erster Hüter an die zweite Herzkammertür gestellt. In ihr ruht der gerechteste Ausgleich zwischen Bedingungen und wandelbaren Gesetzen. Sie verkörpert zum ersten Teil den Anwalt Meines Werkes, würde einmal ein Gericht herausgefordert; denn sie ist unbestechlich.

55. Sei ewiger Hüter Meines priesterlichen Lichtes und der ihr zufließenden Strahlenkraft. Mein Wort soll der Tatsegen für das UR-Jahr sein!" Danach knüpft UR das Band in der Farbe der priesterlichen Toga an Zuriel und Helia selber fest, und die Sichel funkelt silbern auf ihrer Brust. Dabei leuchten die im vorigen Schöpfungstag erhaltenen Sterne über den Kindern wieder auf.

56. UR gebietet: "Gib die Sichel an den Platz, Mein Engelsfürst, der dir recht erscheint, wo sie bis zur Vollendung des Tat-UR-Jahres bleiben soll." – Helia überläßt es Zuriel allein, nach dem Gebot zu handeln; und er tut, wie an den Vortagen die zwei Ersten taten. Weihrauch steigt auf, denn ein Teilwerk ist nach Ordnung, Wille und Weisheit fertig. Eine innere Zwiesprache zwischen UR und den Lichtgeborenen beherrscht die heilige Stille. Das UR-Bild aber, das die Kinder sehen durften, ist ihnen lebensnah geblieben.

*

3/4 - Über Weisheit im Haus des Ordens

57. . Im herrlichen Gewand begibt Melchisedek sich unter die Seinen, fordert sie auf und sagt: "Folgt Mir, liebe Kinder, denn an diesem Tag ist vielerlei zu tun. Des Inneren habt ihr zur Genüge nun erhalten, also muß das Äußere wieder an die Reihe kommen." Zu Seiner Rechten geht Sadhana, links Zuriel mit Helia, die andern folgen. Sie begeben sich durch das bekannte Tor 'Hephata' und wandeln auf dem gelben Priesterteppich, der vorläufig bis zum ersten Hügel hinausgerollt ist. Auf dem Wege dorthin erklärt UR manches aus der Weisheitsfolge und fügt am Ende des Lehrganges hinzu:

58. "Meine Kinder, was ihr seht, ist und bleibt mehr ein Sinnbild Meines UR-Inneren; ja manches hat mit einem Äußerlichen nicht sehr viel zu tun und wird immer zweckentsprechend zur Belehrung sichtbar, um euch mit Mir vertraut zu machen. Ihr wißt: Ordnung und Wille stellen das Element Feuer dar, die Weisheit und der Ernst das Element Wasser. Über das Feuer habt ihr öfter nachgedacht, da ihr es auf Meinem Heiligen Herde brennen seht und auch auf den Altären des Ordnungs- und Willehauses brannte. Aber als was so eigentlich das Feuer anzusehen ist, wißt ihr noch nicht; auch vom Wasser habt ihr noch keine richtige Erkenntnis erlangt.

59. Im heiligen Feuer waltet Meine Macht. Wer einmal aus der Ordnung und dem Willen recht schöpferisch tätig sein kann, der wird gleich einem Feuer überallhin leuchten, vollends dann, wenn es auf dem hohen Berge angezündet wird. Ein Berg entspricht der Weisheit, die über Tag und Nacht, ja bis ans Ende eines UR-Jahres ihre Strahlen wirft. Doch auch dann verlischt nicht eigentlich ein solches Feuer, sondern steht in anderer Form wieder auf, bestimmt jedoch als ein Teil bewußten und gestaltlichen Lebens. Das in tieferer Wahrheit euch zu offenbaren, überlasse Ich der Waltung der Barmherzigkeit.

60. Dasselbe gilt dem Wasser, Inhalt Meiner Kraft. Ihr werdet die Symbolik merken, wenn wir am Abend einen letzten Gang durch unser Tagwerk tun. Strengt euch also an, die gute Spiegelung der Weisheit zu erringen, die an diesem Tag mit ihrer Leuchtkraft dominiert." – Nun fragt Uraniel, was Weisheit eigentlich sei, da über ihre Wahrheit noch kein Belehrungswort gekommen wäre.

61. UR antwortet: "Mein Uraniel, Ich sagte schon, daß die Weisheit eine Denkkraft ist. Als Schöpfer lasse Ich die Dinge aus der Ordnung – von Meinem Willen vorgestaltet – zu ihrer Form gelangen. Als Ordnungsträger wirst du wohl erkennen, daß noch nichts damit fix und fertig sei, wie es Meine Denkkraft in sich trug. In dem Gedanke- und dem Wortzyklus (Gedanke- und Wort-UR-Jahr) war die Form dem Innern nach groß und reich geworden, denn da schufen Meine Eigenschaften in noch ungetrennter Einheit, weil es damals keine Teiloffenbarung Meines Wesens gab noch nötig war.

62. Im Tat-UR-Jahr hingegen teilte Ich Mein Inneres und stellte Meine Eigenschaften nacheinander in das Werk. Das hat zur Folge, daß Ich auch die Werke nicht wie in der Ganzheit Meines UR-Ichs erfassen lasse, sondern sie entsprechend in der Reihenfolge bilde, wie Ich Mein Wesen und die Grundlebensstrahlen der Reihe nach enthülle.

63. Habe Ich Mir also schöpferhaft ein Werk gestaltet, so muß Ich zusehen, was noch zu vollenden sei. Ich beleuchte es zuerst von allen Seiten mit dem Kraftstrahl Meiner Weisheit, ob es in inner- und außerschöpferischem Aufbau der Träger eines 'Lebenskeimes' ist. Dann schleift die Weisheit jedes Werk. Hernach tritt Mein Ernst in Funktion; doch darüber sage Ich euch mehr am vierten Schöpfungstag.

64. Sofern es pure Werke Meiner Allmacht sind, also abhängig von unwandelbaren Gesetzen und Bedingungen und des freien Willens nicht bedürfen, genügt der Elementaraufbau aus Ordnung, Wille, Weisheit und Ernst. Geduld, sich steigernde Liebe, im Höchstausdruck die Barmherzigkeit, brauchen dabei nicht zu wirken, weil sie in dieser Hinsicht sowieso in den bestimmenden Grundlebensstrahlen herrschen.

65. Doch für Geschöpfe, die je nach Entwicklung der Einzeltage Teilgeister, Seelen und hochentwicklungsfähige Kinder werden sollen, habe Ich zwei Werkabschnitte eingesetzt, und zwar den ersten wie bei den unbewußt lebenden Dingen, den zweiten aber auf Geduld, Liebe und Barmherzigkeit. Warum das so geschah, wird offenbar, wenn der Tag der Geduld euch genügend Fortschritt brachte.

66. Nun schauen wir, ob die Grundwerke unsrer Haus- und Wassermeister wohlgeraten waren und sich daher auch am dritten Tage zeigen." UR befiehlt dem ersten Fürsten, vorauszugehen, damit – wenn die Gäste kämen – auch das Haus in Ordnung sei. – UR freudig dankend, eilen Uraniel und Urea den Hügel hinan. Da steht das Haus, der Brunnen, in gleicher Vollkommenheit, wie sie es noch in Erinnerung haben. Doch merken sie, daß alles schöner geworden ist. Rührt das nun von ihrer Arbeit her oder vom All-Heiligen? Sie öffnen beide Pforten. Uraniel entfacht das verdeckt brennende Feuer des Hausaltars. – Urea zögert: '…müßte das nicht besser dem Hochpriester überlassen bleiben?'

67. "Gewiß…", sagt Uraniel, "…bisher hat es UR getan. Soll aber nun aus uns die Kraft der Weisheit fließen, so müssen wir als Träger Seiner Eigenschaften auch ein Werk vollbringen können. Es belehrte uns, nie nur zu warten, bis Er hilft. – Das ist gewiß: Würde ich für mich das heilige Werk des Feuers Seiner Hand entnehmen, so könnte ich es nicht entfachen, wenngleich wir die Opferschale bis zum Rand mit Weihrauch füllten. Oh, sieh das Zeichen: Das Feuer brennt! Nun kann der Priester kommen!"

68. Uraniel ordnet das Haus, und Urea glättet den Altarteppich; sie haben den gelben des Priesters ausgebreitet. Da werden schon die Stimmen vor dem Hause laut. Uraniel eilt hinaus, während Urea in schöner Erkenntnis am Altar, dem Sinnbild des Herdes, UR empfangen will. Der Hochpriester Melchisedek überschreitet die Schwelle des Ordnungshauses. Vor dem Altar bleibt

69. Er stehen und fragt: "Wer hat das Feuer angefacht, die Opferschale angerührt, so dem Raum die erste Weihe gebend, als hätte Ich es selber für das Ordnungshaus getan?" – Uraniel sagt mir starker Stimme: "Die Ordnung!" – Und UR: "Ist das im Sinne Meines heiligen Wesens gerechtfertigt, daß es ein Werk in allen Werken bleiben kann?" –  Urea sagt: "Es geschah im Namen des Ewig-Heiligen UR, des Ewig-Einzigen und Wahrhaftigen; Er rechtfertigt und heiligt es für alle Ewigkeit als unverrückbares Ordnungswerk." – Da wendet UR sich gütig zu den Kindern um, und kniend erhalten sie den hochpriesterlichen Segen. Er begibt sich auf den Thron, heißt auch die Ersten sich setzen und hebt an zu sprechen:

70. "Meine Kinder, Lichtträger der UR-Ewigkeit! Der erste Fürst hat aus aller Lehre und deren Anerkenntnis ein gutes Werk vollbracht. Meine Morgenworte an den Tag sind bereits ein großer Segensteil geworden. Ich hatte aus dem inneren Kraftbewußtsein Samen ausgestreut, daß er sich im äußeren Kraftbewußtsein nützlich offenbare. Denn Ich hatte in der dritten Heilsstunde der letzten Nacht Meinen Weisheitsgrad zum höchstmöglichen Höhenfeld gesandt und als gesegneten Samen wieder herabgelenkt. Er ist dem ersten Fürsten zuteil geworden; und als lebendige Fackel vor Meinem Heiligen Herd und Stuhl hat er durch sich den Segensteil zu einem Reichsgut werden lassen.

71. Somit hat die Ordnung Mir ihr Haus gar wohl bestellt, und Ich fühle Mich…", UR lächelt, "…ganz als Miteigentümer und Anteilnehmer. Eure Tat, Uraniel und Urea, wird ihren reichen Samen bis ans Ende des Tat-UR-Jahres bei sich selber tragen, weil ihr Mir in Meine Hände dient." UR erläutert diesen Segenssamen, der durch allein hervorgebrachte Taten gerechtfertigt wird, lehrt aber auch sorgsam achtzugeben, daß sich keine Vorwegnahme einstellen kann, und fügt hinzu:

72. "Das UR-Ich zu begreifen und in sich lebenswahr zu tragen, bis eine freigebrachte Tat im Blickfeld aller Eigenschaften die Gestalt erhält, dazu gehört sehr viel. Noch ist es nicht zu schwer, das Richtige zu tun, denn Ich hüte euch. Eure Erkenntnis und Meine Hut gehen Hand in Hand. In den nächsten Tagen, Wochen oder Monaten, wo jedes Kleinwerk verantwortlich zur 'Jahrgröße' führt, nimmt auch eure Erkenntnis entsprechend den Anforderungen der verantwortlichen Werkgestaltung zu. Doch genauso steigern sich allein vollbrachte Taten! Da gilt es sehr zu prüfen; und Ich erinnere daran, wie Ich jedes geschöpfte und gestellte Werk durch Meine Weisheit von allen Seiten schleifte, ehe es dem weiteren Fortgang anheimgegeben wird.

73. Sollte aber je ein Kind nach einer falschen Tat sich selber sagen: 'Ich habe es doch gutgemeint', und verstrickte sich in Ausflüchte aller Art, da flüchtete es wirklich von Mir fort. Erst wenn das Kind in aller Demut sich Mir wieder unterstellte, sobald der Fehler eingesehen wäre, würde solche ungerechte Tat von Mir bald gutgemacht. Dann erst würden Kind und Werk zu Mir erhoben, denn Rückgabe und Demut legten Ungerechtfertigtes oder Falsches in das Feuer Meines Herdes, wo es zu einem Schöpfungssegen wieder umzuwandeln ist.

74. Denkt nun deshalb nicht ängstlich: 'Oh, da wollen wir doch lieber alles Schöpfungswerk dem Heiligen alleinig überlassen, dann gerät es sicher ewig gut!' Gewiß, Meine Ersten, daß es da zum Besten wird, brauche Ich nicht zu bestätigen. Allein, Meine Kinder sollen Mir als gute Früchte reifen, um gleich Mir zum Besten tätig zu sein! Sofern das Herz voll jener Demut bleibt, die Kraft, Freude und das Vollbringen zeugt, gibt es kein Kind-Werk, das nicht zum Besten wäre oder würde. Es ist, wenn es die Rechtfertigung erhält; es wird, wenn man es Mir zur Richtigstellung übergibt! Uraniels Tat ist ein gutes Zeichen: Wer wie er handelt, handelt wie Ich! – Damit brechen wir die Belehrung ab und begeben uns zum Haus des Michael."

*

3/5 - Im Haus des Willens der Kreis des Schöpfers mit den unendlichen Zyklen

75. Auf dem Weg besprechen sich die Ersten schon recht gut. UR läßt sie gewähren; Er geht ihnen voran. Als Michael und Elya – auch vorausgesandt – die Pforten öffnen, blinkt ihnen das Altarfeuer hell entgegen. Wer hat es angezündet? Michael bleibt, im Herzen sinnend, davor stehen. Da überkommt ihn die Erkenntnis: 'Nicht gleiche Handlungen sind stets das gleiche!' Elya füllt die Becher und verharrt am Herd. Michael richtet UR den Thron; an alles legt er seine Hand. Dann wartet er vor den Pforten. Als er so steht, wirkt er wie die Verkörperung einer großen Kraft. – Die anderen spüren dies so deutlich, daß sie verwundert fragen: "Ist Michael mehr als wir?"

76. Er aber grüßt, sich tief verneigend, den 'heiligen Eigentümer' seines Hauses. Er grüßt die anderen und führt Sadhana an der Hand zu ihrem Sitz. – O Michael, völlig ohne Schau in eine schicksalsschwere Schöpfungszeit begehst du eine Handlung, die einmal zwischen dir und Sadhana den Ausschlag gibt, wenn das erste Kind des All-Heiligen sich dem höchsten Willen beugen lernen muß. Noch ahnen beide nichts, noch verbindet sie die Liebe. Ein gütig-ernstes Leuchten geht über URs Gesicht. Danach deutet Er auf den Altar und sagt:

77. "Wahrlich, Meine Kinder bereiten Mir allseits einen festlichen Empfang; da muß Ich wohl in Meinem Hause ihnen gleichfalls einen reichen Tisch bereiten. Meine innerste Bereitung sieht kein Kind, weil sie von Mir aus schon im vorhinein der Zeit gegeben ist, die erst noch kommt. Doch die Verbindung, von der Ich sprach, steigert ja die Schau, daß demnach beim Empfang der Gaben hohe Seligkeit zu spüren ist. Dabei ist das Herz so vollgeschöpft wie hier die Becher auf dem Altarherd des Willens, Mir und allen zum köstlichen Trunk bereitgestellt. Wollen wir uns also stärken, damit das Weitere gut aufgenommen und verwertet werden kann."

78. Michael reicht kniend dem All-Heiligen den großen Kelch. Auch das ist ein geheimes Bild, von dem er noch nichts ahnt, wie nicht, daß das Symbol einmal zwei Gesichter haben wird, eines voll unsagbarer Überwindung, das andere voll höchstem 'Gloria-in-jubilate!' Und als feiner Fürst des Himmels, ernst und ritterlich, gibt er Sadhana den nächsten Becher in die Hand. Als alle getrunken haben, beginnt UR mit einer neuen Lehre.

79. "Uraniel und Urea besahen sich erstaunt ihr Haus. Es dünkte sie schöner und größer, wußten aber nicht, ob das so tatsächlich war, mit dem Hausbau selbst oder nur mit MIR zusammenhinge. Und als Michael vor seiner Türe stand, glaubtet ihr anderen, er überrage euch um Bedenkliches. Nun, Meine Kinder, höret Mir gut zu!

80. Von Meinen Werken trägt jedes Einzel einen Teil Meiner Macht und Kraft; und Gewalt und Stärke bilden ihre Form. Sie werden also Teil um Teil aus dem Schaffer-UR-Prinzip hervorgebracht entsprechend den ihnen vorbestimmten Vollkommenheitsgraden. Wäre aber von vornherein ein solcher Vollkommenheitsgrad gemäß des zugeteilten Raumes und der Zeit wie auch der Entwicklung abgegrenzt, so stünde damit praktisch Mein Werk still, und es gäbe keinen wahren Aufbau, ewig keine Steigerung, erst recht kein Vollendungsziel, das allein zur Vollkommenheit zu führen weiß. Ich will euch das noch mehr erklären.

81. Seht, Ich ziehe hier aus Weihrauch einen Kreis." UR tut es, und das von heiliger Hand gezogene Gebilde bleibt unbewegt im Raume hängen. Nun formt UR innerhalb desselben viele kleine Ringe, die allmählich den Außenring völlig füllen. "Jeder kleine Ring", fährt Er in der Belehrung fort, "stellt ein UR-Jahr vor. Zu eurem besseren Verständnis nehme Ich einen heraus und zeichne innerhalb desselben noch die Schöpfungstage eines Jahres als kleine Pünktchen ein.

82. So", spricht UR weiter, nachdem die Ersten dieses 'Wunder' laut bestaunen, "nun sehen wir den großen Ring als Zyklussammler vieler Jahre an, die kleinen als ein Einzeljahr. Doch es würden alle Tage wie die Jahre sein, hätte Ich die Vollkommenheitsgrade der einzelnen Ringe im vorhinein nach Raum, Zeit und ihrer eigenen Vollendungsmöglichkeit gegrenzt. Das gäbe praktisch eine fortgesetzte Wiederholung, die kurz erfreut und man hernach als überlebt in eine Rinne wirft. Daß es bei MIR unmöglich solches Machtwerk geben kann, das spürt ihr selbst. Doch nun zeige Ich anhand desselben Bildes Meine Werkwahrheit, und ihr werdet ohne viel Worte euch ein rechtes Weisheitslicht erwerben, demzufolge mancher verborgene Tageswinkel heilst beleuchtet wird.

83. Ich streiche dieses Bild und zeichne noch einmal den großen Kreis. Nun wollen wir soviel Jahre hineinpraktizieren, als es solche – sagen wir – in Meinem kleinen rechten Finger gibt. Denkt dabei an die Unendlichkeit, an die Werke Meiner Macht." UR haucht in den Ring, doch ist nicht zu zählen, wie oft das geschieht. Auch kann kein Kindesauge die Geschwindigkeit erfassen. Die Ersten sehen aber deutlich, wie jeder Anhauch ein Pünktchen erzeugt, das eminent schnell wächst und sich an die Innenseite des großen, feststehenden Kreises schmiegt. Wie viele Pünktchen aber auch zum wachsenden Gebilde werden, bleibt dennoch der Innenraum des Hauptringes wie unausgefüllt, und er selbst wird auch nicht größer. Das ist allen unerklärlich.

84. UR deutet es: "Nun liebe Kinder, wie gefällt euch das? Seht, Zyklen, Jahre oder Tage – alles ist im 'Entstehen' einem Pünktchen gleich, in dem Ich aber Meine Macht, Kraft, Gewalt und Stärke – wenn auch jedem Einzel angepaßt – konzentriere. Wie mächtig diese Konzentration, die eine Zusammenballung unendlicher Schaffensenergien ist, sich auswirkt, sahet ihr am Wachsen jedes Pünktchens. Nun begreift ihr wohl, daß es in Mir nicht zu messende Vollendungsmöglichkeiten gibt.

85. Doch nicht leuchtet es euch ein, wieso der große Ring sich nicht erweiterte noch ausgefüllt ward, obwohl er eine Unzahl Pünktchen seiner Innenseite einverleibte. Ja, ja, da werde Ich wieder Meine UR-Sonne herleihen müssen, damit ihr das versteht." Es fällt durch die vier breiten Fenster, die den Pforten rechts und links angeschlossen sind, ein voller Strahl herein.

86. UR erläutert: "Mein pulsierendes Leben ist in sich grenzenlos schöpferfähig, ohne irgend woher Gestaltungskraft oder Gestaltungswille zu nehmen. Der große Kreis stellt das Schöpfer-Lebensprinzip dar. Ein Ring ist stets ein Ganzes, ohne Anfang, ohne Ende. Bin Ich selbst symbolisch dieser Ring, so enthält er alle UR-Substanz, die sichtbare und unsichtbare Werke schafft. Ich entnehme also dem Gesamtring jeden kleinen Lebenspunkt und verleihe ihm seinen Pol oder Werkanfang, der – entsprechend einem Schöpfungstag – beinah ein Nichts bedeutet. Logischerweise muß die UR-Substanz des Ringes die kleine Punktsubstanz an sich ziehen, denn sie ist der gewaltigste Lebensmagnet und läßt nichts von sich, was ihr entnommen ward. Jedes kleine Lebenspünktchen dehnt und erweitert sich durch die Bestrahlung der Ringsubstanz, wird von ihr magnetisch wieder angezogen und somit Teilsubstanz im UR-Raum, in der UR-Zeit, im UR-Leben! Darum blieb der Innenraum des großen Ringes sozusagen leer, ohne es jedoch zu sein.

87. Ja, Kinder, das sind Meine Wunderwerke, die aus dem Großmagnet, dem Gesamtprinzip Meiner Grundlebensstrahlen, sich offenbaren und dazu dienen, Mir Meinen Schöpferjubel, den Kindern die steigerungsfähige Schöpfungsseligkeit zuzusichern! Gerade das ist Mein Wesen, bin Ich, 'UR', der unbegreifliche Schöpfer, der an eigener Quelle ein um das andere herrliche Werk aus Ordnung und Wille schöpft! Das bin Ich, Priester, der in Weisheit und Ernst segnet; das bin Ich, Gott, der sich durch Geduld und Liebe magnetisch an sich zieht; und das bin noch einmal Ich, Vater, der sie durch Barmherzigkeit mit sich selber vereinigt! So schließt sich Ring an Ring – und alles, alles ruht in MIR, dem UR-Ring, dem Grundlebensprinzip!!

88. Nun staunet ihr, eure Augen strahlen Mir entgegen als gesegnete Pünktchen, die bald Raum und Zeit eines Tages restlos füllen werden. Auch erkennt ihr nun, warum der erste Fürst das Ordnungshaus größer vorzufinden wähnte. Alles gesegnete Werk wächst mit Meinem Werk zwar nicht formgemäß, was der Außenlebenssphäre eines Tages angepaßt sein muß, wohl aber nach der inneren Struktur, dem Vollendungsdrang.

89. Jedoch habt ihr das Wachstum wie äußerlich bei unserm Schöpfungswassermeister Michael erkannt. Nun seht, an anderen ein Wachstum festzustellen und darüber die eigennützige Freude haben, ist die gerechteste Demut und gilt bei Mir als eines der kostbarsten Kleinodien. Meine Kinder sollen nie ihr eigenes Größerwerden an sich erschauen oder messen, sondern immer an der Größe ihrer Nächsten.

90. Ihr habt es vermocht und inzwischen festgestellt, daß es weniger auf die sichtbare Größe ankommt, sondern auf das ausstrahlende Wesen, das als 'Seele' anzusprechen ist. Sie wächst aus dem Geist wie das Äußere aus dem Inneren; aber das Äußere ist im Tat-UR-Jahr der Ausdruck Meiner Verbindung zu den Kindern. So soll die Seele Ausdruck ihres Geistes sein. Ist sie das geworden, da sind beide im Verein mit dem Geschöpf das 'Kind'. Demut ist ein guter Schutz; denn es ist besser, wenn die Seele ihr Wachsen nicht fortgesetzt, sondern so von Zeit zu Zeit einmal sieht. Sie kann sich auch nicht wachsend machen, sie wächst von selbst, wenn sie die von Mir gereichte Speise annimmt und verwertet. Das wird euch am Tag der Kinder klarer werden, und dann kommt hohe Seligkeit und Freude über euch."

91. Selig sind sie schon, denn herrlich hat die UR-Sonne das Haus, weit mehr die Herzen hell gemacht. Müßten sie nicht eigentlich …? Ja, Michael beugt seine Knie vor dem All-Heiligen, flammenden Auges; dann nimmt er das Schwertzeichen zur Hand und hebt es hoch. Er steht da, wahrlich ein Fürst, wie des Lichtes Recke, der verteidigt, was ihm heilig wurde. Und er betet an:

92. "Ewig-Heiliger UR, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger! Groß sind alle Deine Werke, die der schöpfungsschönste Ausdruck Deiner Herrlichkeiten sind. Du hast uns am Ordnungs- und am Willetag eine Überfülle Deines Wesens offenbart, und am Weisheitstag bestrahlt uns unentwegt Dein UR-Sonnenlicht. Sage, o All-Heiliger, wie wir Dir zum Wohlgefallen danken sollen?! Willig folgten wir dem Wort, das uns das herrliche Wunder Deines UR-Ringes beschrieb. Wir kannten davon keine Frage, noch wußten wir, ob uns die Lehre Segen brächte oder nicht. Aber jetzt … O Vater!" jauchzt auf einmal laut des Himmels Fürst, und seine Stimme tönt hell und stark wie ein Posaunenton, "… Vater, was Du uns gibst, dient allezeit zu unserm Besten! Was Du uns lehrst, wird uns zum Eigentum, denn es ist Teil aus Deinem heilig-hohen UR-Teil; und es ist die schönste Gabe, die uns Deine Gnade schenkt. Nun aber unser Dank! Nimm ihn an, o Vater UR.

93. Vier Fenster bekamen unsere Häuser, ohne daß Uraniel, den Du in Güte den Schöpfungshausbauer nanntest, wußte, wie sein Werk sich formen würde; denn beim Bau bedachte er Dein Heiligtum wie ich die Quelle vor demselben. Die zwei Pforten hast Du uns erklärt, nicht aber die vier Fenster. Da Du diese reiche Gnadenstunde vorgesehen und unsern Dank nicht vorweggenommen hast, sind wir selig, weil wir selbst ein Licht ums andere anzünden dürfen dank Deiner freundlichen UR-Sonne, die soviel Licht verleiht, als wir immer haben möchten.

94. Unsere Fenster sind ein Spiegelbild der vier Herzkammern Deines hochheiligen Wesens. Wir wollen sie wie Deine Feste öffnen, damit durch jedes Fenster ein voller Strahl Deiner (vier) Wesenheiten fallen kann. Durch die gleichen Fenster wollen wir unsere Strahlen in steter Ausschau Dir entgegensenden. Und jubele ich Dir nun zu: Vater, Vater! so ist der Ruf gleichgeteilte Anbetung und Dank dem Schöpfer, Priester, Gott, Dir All-Heiligen und All-Gerechtesten! Dich allein, Ewig-Heiliger UR, anerkennen wir, Dich allein beten wir an, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger! Du, der große Ring, der UR-Sprung allen Seins und Werdens, hast Dein heiliges Kind-Werk aus Deinem mitternächtigen Quell geschöpft und zu Deiner UR-Sache gemacht!

95. Nun sieh mein Schwert, o UR, ich halte es dem Licht entgegen, daß es schön in Kraft erstrahlen kann. Ich erhebe es zum Schutz des Lichtes, ich führe es zum Schutze Deiner Werke; und ich, Michael, trage es zum Schutze für Geduld, Liebe und Barmherzigkeit!! Kommt, Brüder, Schwestern, jauchzt dem Herrn entgegen, frohlockt und singt, denn der heilige Hochpriester Melchisedek ist ja unser König. Wir schließen uns zu einem Ring zusammen und fügen uns in Seinen hochgesetzten UR-Ring ein. Er ist ewig unser Hort! Halleluja, Halleluja! Heilig, heilig, heilig, heilig bist Du, o Herr!"

96. Alle stimmen in den Dank- und Jubelruf des Willefürsten tosend ein. Im Halbkreis stehen sie vor dem Altarherd. Ihr Ruf brandet zum Allerheiligsten hin über und wirft gesegnet und äonenfach Licht und Strahl zurück. Wie Wogen wälzt sich das durch Raum und Zeit, bildet sich und lehnt auf einmal als ein Zeichen an der linken Altarseite. Sie hören 'Schild' und begreifen, daß er dem Schwerte beigegeben ist. Sie ahnen aber nicht, daß er aus Michaels Schutzgelöbnis ihm selber einst zum mächtigen Schutze werden wird. Auch UR bedeckt das Kommende; es darf ja keine Bestimmung sein. –

97. Unter Jauchzen aller heben Michael und Uraniel den schweren Schild auf und bitten UR, ihn zu weihen. Das geschieht. Drauf und dran sind die Ersten, den Thron zu stürmen. Da begibt UR Sich mitten unter sie. Deutlich wird empfunden: Es ist UR! Ehrfurchtsvoll schauen sie zum Schöpfer auf, empfangen aus des Priesters Hand den Segen, und es ist Gott, Der wie ein Magnet sie an sich zieht. Immer enger umringen sie Ihn. Am Ende aber ist's der 'Vater', denn Sadhana bricht den heiligen Bann und wirft sich Ihm an Seine Brust.

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98. Ach du schönstes Kind! Hat dein Herz gezittert, als aus dem Jubel vor dem All-Heiligen der Schild wie eine harte Wehr erstand?! War eine Bangnis über dich gekommen? Ja, unbekannte Angst, UR zu verlieren, hat Sadhana befallen. Darum heischt sie schutzsuchend Hilfe für etwas, was sie noch nicht kennt. UR soll ihr Schild sein gegen alles, notfalls gegen sich selbst. Er gönnt der Vorschau weder Raum noch Zeit, denn Sadhana ist Sein gerechter Widerhall. Er tut alles, um Seine Kinder über einstige Klippen des freien Willensgesetzes zurück zum Urschoß der Barmherzigkeit zu leiten.

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3/6 - In Richtung des dritten Hügels, auf Wasser und trockenem Land

99. Aus Seinem Vaterherzen strömt heilige Ruhe auf das Kind und auf die Engel, die mehr unbewußt Sadhanas unruhevolle Sorge spüren. In allen herrscht der eine Schrei: Bei UR bleiben, den Vater nicht verlieren! Mit einem Kuß nimmt Er alle Bangnis weg und geht nun dem dritten Hügel zu. Während des Ganges lehrt Er noch einiges über das Sammeln der Wasser und welche Tagesaufgabe darin liegt.

100. Er sagt: "Liebe Kinder, denkt an die Schöpfungsworte am Beginn des Tages vom 'Sammeln der Wasser' und vom 'Trockenen sehen'. Daß das Wasser als Mein Geist das Werk wie einen Lebensstrom durchpulst, ist euch bekannt. Es gibt zwei Stromarten. Seht, eure Hügel bedürfen auch des Lichtes und Wassers aus Mir, nicht aber jene UR-Substanz, die aus Meines Herzens Zentrum kommt. Jedes Werk muß laufend von Licht und Wasser genährt werden, soll es sein vorbestimmtes Ziel erreichen. Solche Vorbestimmung ist stets eine aus unwandelbaren Gesetzen heraus gegrenzte. Denn kann ein Hügel sprechen, hören oder sonstwas tun? Kann er etwas anderes werden, als was er nach ewigen Ordnungsgesetzen ist? Deshalb bedarf er bloß der mittelbaren Strahlung.

101. Eigenbewußt lebende Kinder, später auch zu mancherlei Zweck auftretende reine Geister oder Seelenwesen, selbst Geschöpfe bedürfen unmittelbarer Licht- und Lebensstrahlung, sollen sie auch aus sich vollkommen werden. Zwar ist das gleichfalls eine Vorbestimmung, doch die höchste, die nicht eng gegrenzt, sondern auf wandelbare Gesetze gegründet ist. Trotzdem entnahm Ich Meinem UR-Born für alle Dinge einen einzigen Licht- und Lebensstrahl.

102. Doch schon der ersten sichtbaren Spiegelung, dem Brunnen vor dem Heiligtum, entströmen vier Lebenswasser. Zwei von ihnen geben ab, zwei leiten zurück, und je einer von beiden Arten enthält eine mittelbare und unmittelbare Bestimmung. Auch in euren Brunnen sind die beiden Vorbestimmungswasser und fließen nach den Grundlebensstrahlen siebenfach heraus. Sie verkörpern aber einen gemeinschaftlichen Plan; denn wie es sich bei dem einen Werkteil gestalten soll, so wird es sich beim anderen zwangsläufig gestalten müssen.

103. Nun etwas vom Sammeln und vom Trocknen! Wenn unser Schöpfungswassermeister keine Brunnenmauer gebaut hätte, würde sich das Wasser überallhin ergießen, und wir müßten immer durch das Wasser gehen, was zwar möglich ist, aber Meinem Werkplan nicht entspricht. Es gliche dem, als wenn mein UR-Ich überfließen würde, womit ewig nicht an ein sichtbares Werk zu denken wäre. Ist's jedoch gesammelt, so bewegt es sich in den gesetzten Grenzen. Allein, gerade dadurch wird es zur konzentrierten Macht, die unendliche herrliche und bleibende Werke schafft! Entsprechend gilt dasselbe für das Licht, doch wird darüber euch der nächste Tag eine große Offenbarung bringen.

104. Zugleich geschieht mit diesem Sammeln nebst dem Aufbau auch die offenbarte Richtung. Damit ist des Wassers Lauf geordnet und gelangt gewiß an sein gesetztes Ziel. So auch sollen Meine Kinder Licht- und Lebenswasserstrahlen zu machtvoller Einheit sammeln und dann zweckmäßig hier- oder dorthin leiten, mit mehr oder weniger Inhalt, wie jedes Werk für sich bedarf. Wolltet ihr auf einmal alles schaffen, möchte manches euch gelingen; doch alles bliebe dann ein seichter Aufbau ohne schöpfungsmäßigen Bestand.

105. Nun versteht ihr, warum Ich als sogenanntes Hauptwerk am ersten Tage durch Uraniel nur den Hausbau vornehmen ließ, am zweiten Tag durch Michael den Brunnenbau, und ferner, daß solche Grundwerke von einem zum anderen Tag bestehenbleiben. Kleine Nebenwerke, die als Ausschmückung der Grundarbeiten anzusehen sind, beschneide Ich in nichts; da könnt ihr nach Belieben schaffen. Hauptsache, ihr tut alles mit Mir, das heißt mit dem bewußten Willen, dem Gesamtwerk zur weiteren Verherrlichung zu helfen. Allein durch Konzentration, durch das Sammeln, bildet sich das Bleibende!

106. Ein Schöpfungswerk, das auch mit von vielen Kindern zu vollbringen ist, braucht die Sammlung vieler Lebenswasser wie zu einem Meer, darein Meine Weisheit und über diesen Tag hinaus in gleich starkem Anfall alle Eigenschaften sich ergießen, wodurch die Zusammenballung schöpferischer Machtteile in solchen 'Kraftbecken' vor sich geht, das in der Lage ist, den entsprechenden Arbeitsanteil zu bewältigen.

107. Auch hier die zweifache Segnung; denn solches Lebenswassermeer ist zugleich eine Kraftzentrale für alle kleine und kleinste Kinderlebenswässerlein, die aus ihm ihren Zufluß haben, oder bei fast völligem Versiegen neu zu speisen und wiederherzustellen sind.

108. Im Sammeln der Gewässer liegt noch ein besonderes Symbol. Es bedeutet das alleinige Schauen auf Mich, auch auf Mein Schöpfungsziel, und daß alles andere als das 'Trockene' nicht im Vordergrund stehen soll. Letzteres aber außer acht zu lassen, wäre gänzlich falsch. Denn ein Land, durch das das Wasser in geregeltem Laufe sinnvoll fließt, ist als das Trockene nicht nur nützlich, sondern reichst gesegnet und selbst segnungsfähig. Denn auf ihm lassen sich die Früchte durch Licht und Wasser zu eurer Seligkeit und zu Meiner Freude reifen.

109. Wer nicht das Wasser sammelt, kann zwar Meine Wahrheit kennen, besitzt aber keinen Ordnungsgrund und ertrinkt im eigenen Nur-Wissen. Das heißt, die 'Wucht der Wahrheit' wird ihn zunächst einmal zu Grunde bringen. Ich erinnere an das vom Sandberg verdeckte Wasser. Und wer aus Lauheit es versickern läßt, hat ausgedorrtes Land, das keinen Früchten Nahrung gibt. Es ist daher zu beachten, alle Erkenntnisse zu Taten sammeln, damit fruchtbare Erde wird, wie auch Mein Heiligtum nicht auf der Quelle, sondern sichtbar neben ihr errichtet ist.

110. Ja, Meine Ersten, Werke zu gestalten, ist nicht schwer, ihnen aber nach der Schöpfungsordnung Dauerwert zu verleihen, dazu gehört viel Weisheit. Deshalb wollen wir uns ihr jetzt anvertrauen, wir haben ihren Hügel ja erreicht. Geht voraus, Zuriel und Helia, damit wir auch die richtige Weisheit finden." – Entgegnet Zuriel: "O heiliger und liebevollster UR, dazu bedürfte es von uns aus keines Schrittes, denn sie ist bei Dir, und Du bist bei uns! Wir wären demnach schon am besten Ort. Nun Du aber den Befehl gegeben hast, wird es sicher die ganz richtige Weisheit sein, die solches angeordnet hat." – "Gut gedacht, Zuriel…", bestätigt UR. "…Nichts geschieht bei Mir ohne heiligen Sinn und Zweck! Rüstet euch auf dem Wege, es wartet eurer eine große Arbeit."

*

3/7 - Im Haus des Fürsten der Weisheit, mit der Sense zum Gericht

111. Der Engelsfürst eilt voraus, im Abstand folgen UR und die übrigen. – Zuriel und Helia finden auf ihrem Hügel alles bisher Erschaffene vor. Ihre Freude ist derart groß, daß zunächst die Frage unterbleibt: Was wird unsre Arbeit sein? Den All-Heiligen zu erwarten als Grundeigentümer und Gast, daß Er ihr Haus nebst dem Brunnen segnet und dem Tagwerk übergibt, überflutet ihr Gemüt. O ihr Menschen, ihr könnt solche Seligkeit der Engel nicht ermessen, weil ihr den Lichtstrahl auf der Erde noch nicht habt, wie er im reinen Schaffensdom der Allmacht den Ersten dargeboten wurde.

112. Zuriel und Helia haben das Haus nicht betreten, auch am Brunnen nichts getan; denn UR weilte mit den Kindern noch nicht segnend hier. Doch im Lob und Dank haben sie den Hügel eingenommen. So sagt Zuriel, als UR fragt, warum sie ihre Stätte zum Empfang nicht zubereitet hätten. "O Wahrhaftiger, im Herzen durften wir das tun; Du siehst, ob am festlichen Empfang noch etwas mangelt. Wir sind ohne Gabe, mit der wir den Eigentümer- und Gasttisch wohl bestellen könnten, so nimm in Gnaden an, was unser Herz Dir bietet." Da zieht der Hochpriester Melchisedek mit segnend ausgebreiteten Händen in das Haus der Weisheit ein, von dem die Strahlen alle Werke hell beleuchten. Er segnet Haus und Brunnen, entfacht das Feuer, daß es ein Eigentum des dritten Schöpfungstages wird, und sagt:

113. "Meine Sadhana und Engelsfürsten Meines Herzens und Heiligtums! Jetzt seid ihr aus dem ersten Morgenwissen herausgetreten. Was ihr bisher hörtet, war die Anleitung zum neuen Tagewerk; was ihr vollbrachtet, war das Werk der Kinder, deren Hände der VATER führt. Aus den ersten Tagen blieb euch die Lebendigkeit, derzufolge Erkenntnis und Tat geschah. Dennoch schöpftet ihr mehr oder weniger aus fremder Quelle und nicht aus eurer. Zweimal habt ihr bewußt geschöpft aus Meiner wie aus eurer Quelle am Ordnungs- und am Willetag. Auch hier treten zwei Unterschiede auf, gemäß den Mir vorbehaltenen gerecht gestellten Bedingungen und dem freien Willensgesetz. Merkt gut auf!

114. Ich enthüllte schon, daß und aus welchem Grund die großen Hauptwerke nie aufs neue hervorgerufen werden brauchen. Sie sind! und wurden also auch als feststehendes Gut dem Tag der Weisheit einverleibt. Anders dagegen verhält es sich mit inneren Lebenswerken Meine Kinder. Gewiß bleibt einem Großwerk ihre Ursubstanz erhalten, muß aber von den Kindern an jedem Tage neu erkannt und bewußt wieder angeeignet werden, weil auf diesem in Meiner Weisheit gütig vorgesehenen Weg die höchste Vollendungsstufe zu erreichen ist, die in jenen Vollkommenheitsgrad mündet, der dem Ende einer UR-Schöpfung vorbehalten ist. Darin ist Mein heiligstes Ebenbild verkörpert!!

115. Weil nun jedem Tag, besonders den sieben ersten des Tat-UR-Jahres, als neue zusätzliche Strahlung Meine Eigenschaften unterstehen, um zu den vorgenannten wahren Ebenbilde für das Kindwerk zu gelangen, muß jedes freigeborene Kind aus jedem Tag den für sich neuen Aufbau entnehmen, womit es aus dem Zufluß jeden Tages auch den entsprechend höchstmöglichen Strahl entnimmt. Also schöpftet ihr an jedem Morgen zuerst einmal gehörig aus besagter Quelle, wie gerade in dieser schönsten Schöpfungsfrühe, in der Meine Weisheit als leuchtende Sonne euch am reinen Erkenntnishimmel aufgegangen ist.

116. Nun sollt ihr eure Quelle in das Tagwerk leiten, deren Grundwasser freilich kein anderes sein kann, soll noch darf als das aus Meinem Quell. Da gilt ebenfalls das Grundeigentümer-, Anteilnehmer-, Gast- und Herbergsrecht. Stets kommt es darauf an, welche dieser vier Verbindungen das Kind belebt, demnach sich der Zufluß Meines Quells zum eigenen oder nur entliehenen Besitz gestaltet. Deshalb ist es völlig in der Ordnung, wenn in den ersten Stunden der sieben hoch konzentrierten Tage des Tat-UR-Jahres, in der erstmals die Eigenschaften grundlegend wirken, Meine Kinder auch aus Mir allein erst schöpfen, hernach bewußt und mit freiem Willen alles Lebensgut erringen.

117. Dergestalt wächst mit jedem Tag die Arbeit und Verantwortung, und ihr begreift, warum am ersten Tag für solche Vorarbeit eine Stunde, am zweiten Tage deren zwei und am dritten Tage sogar drei benötigt waren, in denen der gewaltige Aufbau geschah. Jetzt liegen Richtung und Lauf offen vor euch, ungehemmt könnt ihr das Ziel erreichen, das ihr dann am Abend als eine gute, reife Frucht der Weisheit aus Ordnung und Wille Mir auf den Heiligen Herd legen könnt.

118. Doch darauf kommt es nicht bloß an. Seht, wie die Häusermauern, die Umfassung unserer Gewässer aus vielen Einzelteilen zur Ganzheit zusammengefügt sind, so wird jede Einzelarbeit in sich Aufbau, Richtung, Lauf und Ziel haben müssen, ansonst die Kinder frei aus sich es nicht erreichen. Jedes Einzelziel ist in euch Erstlingen schon so klargeworden, daß Ich Meine schönste Freude daran habe. Es ist ein heiliges Interesse am UR-Werk, daraus ihr beides schöpft: das 'Sichführenlassen' und das 'Selbergehen'! Damit habt ihr eine fortgeschrittene Doppelverbindung erreicht, und Ich will euch das am Warten Meines dritten Engelsfürsten vor dem Haus erklären.

119. Wäre in ihm die herübergenommene Erinnerung aus den Vortagen vorherrschend gewesen, noch dazu, da unsere beiden ersten Werktätigen vorausgesandt wurden, so lag der Gedanke, sogar das Recht nahe, daß auch er in sein Haus eintreten und tun konnte wie jene. Wenn ihr aber glaubt, Zuriel und Helia hätten sich nicht auf Mein Kommen vorbereitet, so täuscht ihr euch und der Weisheitsfürst am meisten! Das Gegenteil geschah! Nicht der bisherige Arbeitsgang leitete seine Erkenntnis an, sondern der gesteigerte Gedankenimpuls, sein Eigentum zum ersten Male von Mir zuerst betreten und weihen zu lassen. Diesen Selbstimpuls wendete er nutzbringend an. Das wird euch hernach ein Beispiel mehr enthüllen, wenn wir im Freien unsern Zuriel mit Helia aus vollem Herzen werken lassen, so daß es im Bereich der Weisheit bis zum Ende dieses Tat-UR-Jahres keinem Kind an etwas fehlen kann, wie Schönstes und Höchstes leicht zu erzielen ist.

120. Ich will daran eine weitere Lehre knüpfen, die – wie alles – nicht für euch nur gilt, sondern soviel Ewigkeiten, als das Tat-Jahr Tage hat. – Jedes Erstlingswerk soll stets mit Mir begonnen und vollendet werden und niemals völlig frei aus einem Kind! Gewiß, es geschieht nichts ohne Mich; doch bezieht sich das auf die erläuterte erste oder geheime Verbindung zwischen UR-Kern und Urzelle. Mit Beginn des ganz persönlichen Bewußtseins eines Kindes soll ein besagtes Erstlingswerk also ganz bewußt mit Mir getätigt werden. Denn auf die Erstlingswerke baute Ich Mein Tat-UR-Jahr!

121. Handelt ihr nach diesem Sinn, so braucht es euch nicht bange zu sein, ob sich unser Jahr bewährt. Dann wird es aus den freibewußten Regungen der Kinder sein Schöpfungssoll erreichen und darüber hinaus zur schönsten Herrlichkeit gelangen! Auch ergibt sich aus den Erstlingswerken alles Folgende wie von selbst; denn einmal Meine Hände grundordentlich erfaßt, bringt ein schöpfungsfestgefügtes Band!

122. Bisher habt ihr das befolgt, soweit die erlebten Einzelheiten ihr Möglichkeit dazu verlieh; besonders euer Herzenszustrom zu Meinem Herzen zeugt davon. Deshalb durften auch die beiden Häuser betreten werden, denn diese Erstlingswerke waren in sich festgefügt. Uraniel und Michael hätten, da ihr ja die Grundpfeiler Meiner Werke seid, aus der euch verliehenen Kraft wohl selber schaffen können; aber Erstlingswerke wären es dann nicht geworden. Doch ob eurer gerechtfertigten Arbeit kam die große Segensfülle über euch.

123. Mit dieser Lehre habt ihr allerhand in euch aufgenommen, und es ist an der Zeit, die Theorie in die Praxis umzusetzen. Darum auf ins Freie! Am Brunnen wartet schon die UR-Sonne auf uns, damit Zuriel und Helia das Weisheitslicht ordentlich aufgehen kann." Zuerst ist es wie immer still, doch dann bricht Jubel, Dank und Freude aus. – Und Zuriel sagt schlicht: "O UR, Spender hoher Gaben, wenn ich die Fülle Deiner Weisheit geschöpft haben werde, dann laß mich Dir mit Worten danken, um Dich gerecht und heilig anzubeten. Jetzt nimm meinen und unser aller Herzensdank entgegen. Deine heilige Freude an unserm Dank sei uns der Segen zu neuem Werk."

124. "Gut, außerordentlich gut gesprochen, Mein Zuriel! Das lasse Ich gelten! Meine Freude an eurem Dank wird sich aber baldigst als ein Segen offenbaren, an dem sich eure Arbeit steigern wird. Das ist das gerechte Fließen von Meinem UR-Quell zu eurem Brunnen und zurück. Und dieser Segen hat UR-Ewigkeitswert! Amen." – Das löst in den Ersten ein bisher ungeahntes Gefühl aus: Das UR-Wort, um dessen Erfüllung sie niemals besorgt sein brauchen! Still knien sie nieder; der gewaltige Segenshauch hat sie zutiefst berührt.

125. Am Brunnen spüren sie, als ob die UR-Sonne sich verändert habe, zwar nicht in ihrer Strahlkraft oder Form. Staunend betrachten sie das neue, wunderbare Licht- und Farbenpanorama. Tief atmen sie auf, ihre Augen leuchten; und es ist ja nicht das pur äußerliche Schauen, was hier vor sich geht. Nein, äonmal mehr geschieht! Das ist die geheiligte Zwiesprache zwischen Vater und Kind, hergeleitet aus der ursächlichen Verbindung zwischen Lichtquell und Lichtwerk, zwischen Schöpfer und Geschöpf, Priester und Geist, Gott und Seele.

126. Je mehr die Ersten, frei und losgelöst vom Äußerlichen, sich diesem Fluidum ergeben, um so intensiver werden sie vom Lichte überstrahlt, bis sie es vor lauter Seligkeit kaum aushalten können, und Uraniel schließlich sagt: "O Höchster, Erhabener, grundguter Vater! Was willst Du aus uns machen, wenn Deine heilige und unermeßlichst beseligende Licht- und Lebensstrahlung derart uns umhüllt? Sieh, unsere Herzen können keinen noch so kleinsten Strahl mehr aufnehmen, sie fließen über, fließen zu Dir hin. Ich glaube, Du mußt nun doch Deine schöne Sonne ein bißchen von uns wenden, sonst zerfließen wir in ihrem allgewaltigen Schein, und wir sind dann nicht mehr Deine Ersten, sondern Funken in dem Sonnenmeer. Damit hätte wohl der Schöpfungstag sein Ziel verfehlt. So wende bitte nun zu unserm Heil die Sonne etwas um, damit wir bleiben, zu dem DU uns in Deiner Machtvollkommenheit hast werden lassen."

127. UR sagt, "Schön und gut, doch nach welcher Seite, damit ihr nicht zerfließt, sondern getreue Helfer und liebe Kinder bleibt? Soll es nach jener Seite sein, auf welcher deine Bitte steht?" – "Oh, ja, das ist ja meine Bitte." ruft Uraniel – "Wir wollen es probieren!" UR streckt die rechte Hand aus, wendet sie nach der Seite zu, wo Uraniel sitzt, und alle sehen, wie sich der Lichtball dreht. Kaum geschehen, fühlen sie einen weit stärkeren Licht- und Lebensstrahl als vorher und schauen UR verwundert an. – Uraniel fragt bescheiden: "Herr, hast Du die Sonne nicht nach der falschen Seite umgedreht?" – Ein Lächeln geht über das heilige Gesicht.

128. Gütig antwortet UR: "O Ordnungsträger, wo ist die richtige oder falsche Seite Meiner Sonne? Damit du die richtige Antwort findest, will Ich als Schulbeispiel den Ring zeigen wie im Hause Michaels. Nun, er ist! Betrachte ihn genau und zeige Mir die richtige oder falsche Seite, worunter du an sich Anfang und Ende meinst. Dasselbe wenden wir hernach auf Meine Sonne an, der Ich aller Wahrscheinlichkeit nach noch nie eine falsche Seite gab! Jetzt, Mein Sohn, drehe du das Schöpfungsrad!" Verdutzt schaut Uraniel auf UR, auf den Ring und sagt kleinlaut:

129. "O UR, Du konntest Dich ja schlecht auf Deinen Ordnungsfürsten verlassen! Ja – weder dieser Ring, am wenigsten die wunderbare Sonne haben einen Anfang oder Ende und somit keine richtige noch falsche Seite. Aber sieh, das verstehe ich nun nicht, daß Licht und Strahlkraft zunahmen, da Du doch die Sonne nach meiner ganz bescheidenen Bitte hin gewendet hast. Du weißt, wie mein Wunsch beschaffen war."

130. "Da muß Ich freilich helfen, und zwar durch Meinen Weisheitsträger. Ist das geschehen, so werde Ich das 'Wunder' euch erklären. Auch steigt in Zuriel die berechtigte Frage auf, ob und was er dem Tage bringen soll. Häuser und Brunnen haben wir, denn unser Haus- und unser Wassermeister haben für die Ewigkeit gut vorgesorgt. Darum schaut euch um, Zuriel und Helia, und prüft, was die nächste Arbeit wäre, damit unsere Tagesfreude vollkommen wird." – Da stellen sich die beiden vor den Schöpfer aller Dinge hin, und Zuriel sagt:

131. "Heiliger Herr, höchster Priester Melchisedek! Die Sonnenkraft nimmt ständig machtvoll zu, daß auch ich den Gedanken fassen muß: Wie schützen wir uns denn, damit wir nicht vor lauter Wonne in Dir, in Deinem Licht zerfließen? Den noch lasse ich Dein UR-Licht noch eine Weile über mich ergehen, bis es mir den richtigen Gedanken schenkt. Eines weiß ich schon: Jetzt soll auch ein Erstlingswerk geschehen. Deshalb will ich fleißig nach Dir Ausschau halten und Deine heiligen Hände, die das Ruder aller Lebens- und Schöpfungsschiffe halten, zuerst werken lassen und hernach in Deinen heiligen UR-Quell so tief hineinlangen, als mir immer möglich ist. Dann will ich aus der mir anvertrauten Weisheit sagen: Es geschehe! und will warten, was geschieht. Ist es so recht? O Allgeliebter, Du All-Heiliger, laß auch dieses Werk den UR-Ewigkeitswert erlangen."

132. UR erwidert: "Du hast recht geredet, Zuriel; handle so, mit Helia vereint!" – Da sieht der Fürst hinüber zum Heiligtum auf hoher Zinne. Das Licht umhüllt nun weich und wundersam sein Wesen. Am inneren Auge, das auch hier als geistig zu bezeichnen ist, zieht das Schöpfungstageswort bildhaft vorbei. Anlaß bieten die vier Lebensbäume, die am Quell des Heiligtums stehen. Bewußt weitet er den Blick. Da zeigen sich Gefilde mit hohen, fruchtbeschwerten Bäumen, dehnen sich grüne Flächen, übersät mit Blumen von unendlicher Farben- und Formenvariation. Herrliche Haine geben dem Gedanken Raum, daß dort der Höchste andachtsvoll wie vor dem Altar eines Engelshauses anzubeten sei. Immer gestaltungsfähiger in lebendiger Triebkraft wird das Bild. Und wie Sadhana sieht auch er zwischen all den Herrlichkeiten eingebettet die Stadt der goldenen Gassen und sieht Scharen ihnen gleich, »kommende Kinder«, von denen UR sprach.

133. Sadhana und die sechs Fürsten bilden einen großen Kreis, während Zuriel und Helia nach URs Händen fassen. Dabei drängt es sie, das innere Bild zu gestalten. Sie rufen mit einer Stimme: "Also geschehe es! Alles Land unter des Schöpfers heiligen Füßen werde fruchtbar mit Bäumen, Gras, Kraut, Früchten, mit Blumen aller Art! Wie lebendige Taten sich selbst erfüllen, so trage jedes seinen 'lebendigen Samen' bei sich, befruchte und vermehre sich, soweit der Allmachtsarm des All-Heiligen dem UR-Jahr Raum und Zeit gegeben hat! Jeder Tag bringe dieses Erstlingswerk hervor, das Werk der Nahrung und der Freude, des Segens und der Gnade.

134. Würde je der Weisheit Lichtgesetz verletzt, so soll es sich an den 'verletzten Früchten' zeigen. Dann nähme einst die Weisheit die Sichel zur zweiten Arbeit in die Hand, und das UR-Wort wird erfüllt: an den Gesetzesverletzern und dem durch sie verletzten Segenswerk. So bleibe die Sichel das Zeichen bis zur Stunde, in der das freie Willensgesetz URs heiligstes Hochziel offenbart. Nun geschehe das Erstlingswerk der Weisheit! UR wolle als der Ewig-Heilige, Priester Melchisedek von Licht-Heilig, Sein AMEN dazu geben."

135. O hehre Weisheit, von den Menschen unverstanden, hier hast du deine Himmelskraft vollwahr aufgetan! Alle, der dritte Fürst nicht weniger, können kaum erst fassen, was sich ihnen zeigt. Herrlichst aufstrebende Palmen und Bäume, den Säulen des Heiligtums gleich, überschatten sie, denn sie befinden sich in einem Haine erster Ordnung. Das vordem noch allzu stark empfundene Sonnenlicht wird ihnen zum unaussprechlichen Genuß. Und alles ist geschehen aus Gedanke, Wort und Tat. Wahrlich, der Weisheitshügel ist zu einem Paradies geworden. Beseligt jauchzend drängen sich die Ersten um UR, und ihre Liebe überflutet Ihn in diesem gnadenreichen Schöpfungsakt. –

136. Als sich der Jubel etwas legt, spricht UR: "Meine lieben Kinder! Ihr danket Mir, wie es vollkommener kaum noch geschehen kann. Da muß ich aus Revanche das Erstlingswerk zu einem noch größeren Segen umwandeln. Doch wir wollen uns bei unserm paradiesischen Gärtnermeister bedanken, als welche Zuriel und Helia einzusetzen sind. Sie haben ein überaus herrliches Eden geschaffen. Mein Dritter hat die UR-Sonne mächtig in sich aufgenommen, und so gebührt ihm gerechterweise auch der Dank." – Die Engel, allen voran Sadhana, umringen Zuriel und Helia mit großer Liebe.

137. Zuriel aber sagt: "Wer trägt die Weisheit in sich als den Licht- und Lebensstrahl, aus dem das Werk geboren ward? Wer ließ die UR-Sonne als Mittelpunkt für jeden Tag, ja für Ewigkeiten werden? Das ist unser UR, ER allein hat es getan! Ich konnte wohl ein schönes Werk nach meiner Weisheit schaffen; ja ich ließ mich von URs Sonne fortgesetzt bestrahlen, damit nach Seinem Wort ein Ewigkeitswerk gestaltet wurde.

138. Allein, auch unsre allerbeste Sonne hat ihre Kraft vom Schöpfer, Der sie werden ließ; der All-Heilige UR, und nun im Übermaß einer uns ewig unbegreiflichen Fülle der gnadenvolle Hochpriester Melchisedek. Darum Ihm, dem Ursprung jeder Schaffung, allein der Dank. Denn vor Äonen, die wir nie bewußt erkennen werden, ruhte schon in Ihm der Same dieses Tages, uns zu ewiglichem Segen vorbedacht.

139. Kommt alle, schließt abermals den Ring um UR, damit Er als der heilige Mittelpunkt niemals mehr aus unsern Herzen geht. Von Ihm erhalten wir Macht, Kraft, Gewalt und Stärke, um nach Seinem ewigen Ordnungs- und Heilsplan die Tage auszufüllen. Wenden wir uns nie von diesem Mittelpunkt, so wird sich unsere Vollendung im Glanze der Vollkommenheit des Schöpfers, Priesters, Gottes und Vaters widerspiegeln. Dann schöpfen wir aus dem Ursprung die heilige UR-Sache, nämlich unsere Vollkommenheit, die von Ewigkeiten her die Heilssache unseres UR gewesen ist! Lasset uns Ihm danken, wie die Weisheit es befiehlt."

140. Da wird der Hain zum Tempel ewiger Majestät. Zuriel kniet feierlich nieder, die andern tun es nach. Grenzenlos offenbart sich das hehre Antlitz, die Herrlichkeit des Glanzes und der königlichen Pracht. Keines Wortes mächtig, sehen die Ersten unverwandt auf den erkorenen Mittelpunkt ihres Lebens, ihre Liebe, hochgereckt die Hände in schöpfungsschwerer Anbetung. So knien sie lange, bis endlich UR ihnen winkt, sich zu erheben. Er führt sie inmitten des Haines zu einem freien Platz, ganz mit moosartigem Gewächs bedeckt.

141. "Hier wollen wir nach der großen Arbeit ruhen und uns erlaben", sagt UR. "Dazu fehlen uns noch manche Dinge, und so muß der Gärtnermeister den Hausbauer um Hilfe bitten." – Zuriel befolgt die Aufforderung; Uraniel aber wendet sich an UR: "O Vater, meine Bitte wegen der Sonnendrehung war doch falsch, und so weiß ich nicht, ob ich nun Deinen mich ehrenden Auftrag ausführen kann." Uraniels Bescheidenheit ist so groß, daß sie sogleich herrlich zu belohnen ist. Es ist das erst Mal, daß UR in dieser Weise zu einem Kinde schreitet, ohne abzuwarten, daß es Ihm entgegeneilt. Die Demut war das Entgegenkommen.

142. Er nimmt Seinen ersten Befehlsträger an Seine Brust und sagt: "Mein Cherub, betrübe nicht dein Herz! Deine Bitte war berechtigt, und ihr erfahret noch, warum Meine Sonne stärker statt schwächer leuchtete. Nimm die Ehre und verwandle sie in Kraft, dann wirst du sehen, wie leicht etwas zu beschaffen ist. Zudem ist das Erstlingswerk mit Mir in Ordnungsfolge aus der Weisheit hervorgegangen. Nun kann Ich Meine Kinder wirken lassen, haben sie sich beim Hauptwerk ja prächtig bewährt; da gehen kleine Nebenwerke niemals fehl.

143. Zu allem Überfluß habt ihr Mich in eine Mitte gestellt, aus der Ich schwer herauskommen kann. Denn entsprechend Meiner Grundlebensstrahlen habt ihr einen Ring geformt, an den Ich Mein Tat-UR-Jahr ohne Sorge hängen kann. Das Ganzwerk wird nicht fallen. Würde auch ein Kind mit seinem freien Willen diesen Kreis verlassen – Mein euch jetzt gegebener Doppelsegen würde dann die Lücke füllen und außerdem dem Kinde seinen Platz erhalten – notfalls durch ein Opfer!! – Nun wieder auf zur Tat! Ich habe ja noch viel zu offenbaren."

144. Da mißt Uraniel den Hain nach dem Bau des Tempels ab, errichtet unter der höchsten Palme den erhabenen Stuhl, davor im Halbkreis Plätze für die Kinder. Wie von ungefähr hat jeder Stuhl eine schöne Palme. Nach Herzenslust werken beide Fürsten. Helia und Urea bauen einen Altar auf und schmücken ihn mit bunten Blumen, die im Haine wachsen. Das ist alles wunderbar geworden.

145. UR belobt die Ersten, als sie Ihm ihre Arbeit zeigen, nimmt auch gleich den Hauptstuhl ein und sagt: "Jedem Schöpfungsmorgen gebe Ich ein heiliges Wort. Das habt ihr noch nicht gehört, denn ihr erwacht erst durch das Wort zum bewußten Leben. Es durchtränkt Meine Nächte und führt die Werke ihren Tagen zu. In einer Nacht ist alles Werk heilig zugedeckt, denn da schlummert es in Meinem UR-Gedanken. Wie es allda ist, so schenke Ich es jedem Tage zur Gestalt. Die Gestaltung ist dann das Geheiligtsein!

146. Ihr fragt: 'Wie Ich in Mir vollendetes Gedankenwerk einem Tage überlassen kann, der doch selbst ein Teilwerk Meines Wesens ist.' Ganz recht, liebe Kinder; doch höret, und ihr werdet bald verstehen, was euch daran unklar ist. Ihr kennt ja schon den Unterschied von den Gedanke-, Wort- und Tat-UR-Jahren. Meine schönste, größte und Mir liebste Arbeit ist Mein 'Kind-Werk', das mit der Geburt des Tat-UR-Jahres in Mir seine eigene Gestalt bekam. In der Kraft Meines heiligen UR-Geistes sind die Kinder schon gezeugt und werden alle ausgeboren, wenn Meine dritte Herzkammer in vollste Tätigkeit gelangt. Diesem Kind-Werk widme Ich Mich selbst! Jede hochgesegnete Nacht benutze Ich für das Mir höchste Werk, wo Ich es zubereite zu Meinem Schöpferjubel, zur Schöpfungsseligkeit der Kinder!

147. Das Wort, das Ich meine, heißt: Es werde!! Ein kleines Wort aus Meinem Mund – und birgt doch alle Macht, Kraft, Gewalt und Stärke, die Überfülle Meiner Herrlichkeit und Vollkommenheit! Ja, in ihm offenbart sich Meine Größe! Ich vertraue Meinem Tat-Jahr an, daß aus Kleinstem auch das Größte werden soll. Den Zusammenhang könnt ihr freilich nicht erkennen und müssen erst noch ein paar Tage kommen, bis ihr in Mein Schöpferwort 'Es werde' hineingewachsen seid. Voll wird es erkenntlich, wenn das freie Willensgesetz durch Meine Kinder seine höchste Bewährung hat. Das ist Mein Hochziel in der ersten Tat-Jahr-Woche. Soweit der Fortgang jedes Tages von euch ein Verständnis heischt, werdet ihr es auch in Wort und Werk begreifen.

148. Kommt einst die Stunde der Bewährung, so muß in euch Meine Kraft verwurzelt sein, daß euer ganz eigenes 'Es werde' imstande ist, in den Werkverlauf nach Maßgabe Meiner Schöpfungsvorsehung mit einzugreifen, womit jedes Endziel gesichert ist. Alles muß werden: Mein Licht, aus ihm das Leben, aus diesem Meine Kinder und aus ihnen dann das Ziel! Das sind die vier Haupt-Werden! Alles andere ergibt sich stufenweise selbst. Die Kraft des Wortes muß in euch ein Leben sein, das im Sinne aller Tagesziele diese eure höchste Aufgabe erfüllt. Darin ruht die Vollendung und eine Mir im Ebenbilde gleichgemachte Vollkommenheit. Wer das Soll erreicht, erkennt Mich Meinem UR-Sein nach, den 'ICH-BIN', wie auch die 'Offenbarungskleider', die Ich zum Heil der Kinder angezogen habe. Aber ohne demutsvolles Streben gelingt keinem Kind, das 'Es werde' schöpfungswahr zu sprechen. Ja, jeder derartige Versuch würde schwerste Lasten mit sich bringen.

149. Wunderbar und leicht führe Ich euch diesem Lichtziel zu, denn eure Arbeit, zumal die Grundwerke, sind die beste und sicherste Lebensschule, die Ich eingerichtet habe. Wenn auch an jedem Tage – weil so nach Meinen Eigenschaften heilsamst vorgesehen – äußerlich nur einer ihrer Träger das Grundwerk tut, so seid ihr dennoch alle daran beteiligt, jeder nach seiner Art, Meine Sadhana als Spiegelsammelpunkt des Ganzen und Ich selbst als euer frei erkorener UR-Mittelpunkt.

150. Ich bin der Grundeigentümer aller Werke, will jedoch an jenen Werken Anteilnehmer sein, die ihr selber kraft der gegebenen Licht- und Lebensstrahlen schafft. Uraniel ist demnach der erste Mitgrundeigentümer der Häuser, Michael von den Brunnen und Zuriel derjenige aller paradiesischen Gefilde. Doch jedes Kind erwirbt sich sofort seinen Anteil an dem Mitgrundeigentümerrecht, sobald es ganz bewußt den vorerwähnten Weg sich wählt. Denn höret, Meine Ersten: Alle, die das befolgen, werden einmal Miteigentümer sein, weil sie Meine Kinder sind und ICH ihr rechter Vater bin!

151. Darüber nun nichts weiter; die Zeiten bringen euch das Geheimnis des 'Es werde' bestens nahe. – Erst muß Ich dem Uraniel die UR-Sonne vom Herzen nehmen, denn ein bißchen lastet sie immer noch auf ihm, das heißt: die falsche Seite." Ach, wie blickt der erste Fürst in die grundguten Augen, und wie geht eine Kraft auf gleichem Weg zurück, und dabei ein befreiter Atemzug.

152. UR fährt in Seiner Rede fort: "Meine Kinder, was ihr erhaltet, entnehme Ich jeweils einem Abschnitt: Tag, Stunde, auch der Minute oder nur Sekunde; weiß Ich ja allein, was der Fortgang jedem Einzel bringt, was noch an Vollendung fehlt, was Mir ferne oder nahe steht. Das ganz besonders in Hinsicht der freigeborenen Kinder. Denn würde Ich zuwenig geben, als was ihr tragen könnt, oder auch ein Mindestmaß zuviel, so wäre beides ohne jeden Nutzen. Freude und Last an der Mühe der Arbeit sind sehr genau zu wiegen, sollen sie dem ganzen Werk zum Segen sein.

153. Ihr waret der Ansicht, als ob die UR-Sonne allzu heftig schiene, beinah wie unerträglich. Doch ihr lebt, die Sonne hat euch sich nicht einverleibt. Das geschah, weil ihr zwar mit rechter Freude, aber auch fast unentwegt zur Sonne schauet und Mich, unter euch weilend, ein wenig übersehen hattet. Weil der Grund dieser Handlung Mir jedoch recht große Freude machen sollte, war es dennoch in der Ordnung und nichts dabei Meinem Werke hinderlich. Im gleichen Sinne haben wir Uraniels Bitte anzusehen, die UR-Sonne ein wenig abzuwenden.

154. Aber seht, wie sollte Ich denn Meinen Lichtspender drehen, da Ich – wie geschildert – sorgsamst wiege, was zu eurem Besten dient? Zuriel erbrachte den Beweis, daß die Sonne richtig stand und ihr Maß ein ordentliches war; denn er hielt sogar die verstärkten Strahlen aus. War aber eine von Uraniel gewünschte Drehung dennoch möglich, so stets nach der 'Vollkommenheitsseite' zu, weil es in Mir kein Ab im Sinne des Wortes gibt, sondern immerdar ein Auf! Darum nahm die Strahlung zu. Außerdem war Uraniels Bitte so mit Demut und Liebe angefüllt, daß Mein Vaterherz aus diesem ganz eigentlichen ersten Grund an keine Lichtabnahme dachte, sondern zusätzlich eine gehörige Portion zu euer aller Segen gab. Daran schließe Ich eine Mahnung, deren Beachtung jetzt und zu allen Zeiten fleißig anzustreben ist.

155. Meine lieben Kinder, bleibt eingedenk, daß jede Meiner Gaben ein gerechtes Maß besitzt! Jedes Maß, ob für ein unbewußtes Werk, erst recht für Meine Freigeborenen, wiege Ich selbst auf Meiner Ordnungswaage ab! Ich benutze aber nur ein Maß und einerlei Gewicht nach Meiner einen Grundgerechtigkeit, die ein Vollendungsziel erstrebt! Dieses eine Maß paßt sich jedem Grad und jeder Größe eines jeden Gefäßes an. Ich gebe gern ein vollgerüttelt Maß, Ich spare nicht, aber – Ich verschleudere auch nicht! Alles hat UR-Ewigkeitswert und ist Mein kostbares Eigentum. In der Verteilung Meiner Gaben die freiherrliche Grundgerechtigkeit anzuerkennen, bringt jedem Kind Vollkommenheit, zumal bei uneigennütziger Freude, wenn ein anderes mehr empfängt. Das 'Mehr' ist dann längst ausgeglichen und wird das vollendete Kind nicht anders Meiner Güte danken, als ihr vordem wortlos danktet. Anerkennt Meine Grundgerechtigkeit und lehret sie anerkennen jene, die nach euch kommen. Wer also handelt, gleicht sich selbst als 'Mein Ebenbild' Mir an, und der ist wahrhaft ein von Mir bestätigter Anteilnehmer Meines Grundeigentums!

156. Noch etwas habe Ich euch zugesagt im Hinblick darauf, daß Zuriel und Helia vor ihrem Hause Mich erwarteten. Tretet näher zu Mir heran! Sehet, rechts und links Meines Stuhls sind zwei schöne Bäumchen aufgeblüht, eines durch Uraniels Demut, das andere durch Zuriels gerechtes Warten. Wir wollen sie 'Rosen' nennen, und entspricht die rote rechts der Demut, die weiße links des Auf-Mich-Harrens. Zuriel hat sich als bester Gärtnermeister entpuppt, daß alles seinen Samen bei sich selber tragen soll. Denn die erste Vollrose an jedem Strauch trägt schon viele Knospen. Erfreuet euch von Herzen an dem schönen Werk. Auch solche Freude bringt euch Kraft.

157. In Zukunft soll nun jedes gute Wort und jede wahre Tat einer Rose gleichen. Und wer beidem Rechnung trägt, gleicht selber bald solch edlem Rosenstock. Sein Blütenduft soll einem Gebet entsprechen; und Andacht oder Anbetung soll Mir so entgegenströmen. Darum nenne ich sie unter ihresgleichen eine Königin. Und Ich sage euch: 'Bleibt vor Meiner Heiligkeit so lieblich wie dies köstliche Gewächs, und Ich will euch wie sie ins Innerste Meines Paradieses pflanzen, daß ihr darin eure Wurzeln schlagt.' Je tiefer ihr die Wurzeln in Mein heiliges Erdreich treibt, nämlich in Mein Herz, je fester seid ihr mit Mir verbunden. Dringt eure Hauptwurzel bis zu jener Tiefe vor, wo die Quelle Meiner Mitternacht ihr Rauschen hat, so bleibet ihr für jede Ewigkeit untrennbar Meine lieben Kinder!

158. Nun haben wir dem Weisheitshügel mit langem Dasein eine große Ehre angetan; der Tag schreitet weiter, und auch wir wollen weiter schreiten. Indem wir das tun, tragen wir das neue Werk in Raum und Zeit hinaus. Zwar wird es zuerst mehr innerlich geschehen, wie das stets das Grundlegendste ist. Die äußere Offenbarung bringt erst der nächste Tag, in welchem Meine Vollhöhe sich auf Meine Kinder senken wird. Während der zwei ersten Tage führte Ich euch sinngemäß in Meine Tiefe, denn die Ordnung und der Wille sind der Strom aus Meinem Grund. Nun müssen wir zur Höhe klimmen, weil von da aus erst die Weite übersehen werden kann. Diese sparen wir uns aber für die fünfte und die sechste Schaffung auf und beanspruchen sie heute nur insoweit, als es nötig ist. Die Heimkehr aber, zurück in Meine Nähe, in Mein Herz – seht, dies bleibt die höchste Hauptsache von allem aus der Tiefe, Höhe und Weite. Also laßt uns wandern."

*

159. UR geht voran, dennoch ist den Ersten der Weg zur Höhe unbekannt. Die Herrlichkeit des von ungeheurem Lichte überstrahlten Weisheitstages öffnet sich den Kindern immer mehr. Oft wandeln sie still hinter UR, Der ihnen diese Kostbarkeiten schenkt. In der Höhe Seines Priestertums läßt Er sie, soweit für sie ein vollgerüttelt Tagesmaß in Frage kommt, einen Blick in die zweite heilige Mitternachtsstunde tun, wo die Weisheit und in großer Vorschattung auch der Ernst als zweite Eigenschaft der priesterlichen Herzkammer sich segnend ausbreiteten und als Licht und Leben wieder auf das Kommende, das Werdende hernieder ging.

160. Viel sehen sie; noch mehr dürfen sie für den Tag zur Tatsache, für das Kommende in innerer heiliger Vorbereitung mithelfend sein. Dabei vergeht die Zeit wie ein Geringes, doch an Seligkeit und Freude mit unmeßbarem Reichtum angefüllt. Ja, sind die Vortage nun 'arm' zu nennen? Die Kinder spüren, wenn auch nicht vollwissend, daß es wie mit der richtigen und falschen Sonnenseite werden möchte, würden sie UR befragen. So schweigen sie. Er aber freut sich ihrer Liebe und erklärt, daß es bei Ihm keine reichen oder armen Tage gibt, sondern daß der erste Tag mit dem ganzen Jahresmaße trächtig war, daß aber Teil um Teil sich offenbart und daher eine Steigerung empfunden wird, weil ja jede Tagesoffenbarung in den folgenden sich zeigt, wie als Beispiel: Die Häuser in dem zweiten, diese und die Brunnen im dritten und alles mit dem Paradieswerk im vierten Tag.

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161. "Denn", sagt UR: "Die Urgrundform ist ja aus Mir, die Ausschmückung überlasse Ich den Kindern, zumal wenn sie verläßlich sind. Je mehr ein Kind die Wirksamkeit entfaltet, um so schöner wird sein Werk. Wie hoch eure Anleihe bei Mir ist, so reich seid ihr. Je höher eine Anleihe, desto besser, denn aus dieser könnt ihr pünktlichste Rückzahler werden! Und auch ICH werde dabei reicher; seid ihr doch nachgerade Meine besten Sachwalter wie einst jeder, der so handelt. Zuriels gärtnerische Hochleistung bestätigt für euch die Wahrheit dessen."

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3/8 - Eine kleine Prüfung verdient Flügel

162. Daran schließt sich noch so manche Schöpfungsschau. Allgemach naht der Abend. UR leitet Seine Kinder auf dem Rückweg in einen sehr fernen Raumteil. Von dort aus heißt Er sie allein heimzukehren. Ein Segenswort, und alsbald ist Er ihrem Blick entschwunden. Wer geht nun voran? "Unser UR soll ewig vor uns hergehen", sagt Sadhana, "auch wenn Er uns nicht sichtbar ist, Er läßt uns auf keinem unbekannten schweren Weg allein. Doch ihr, Zuriel und Uraniel, übernehmt die Führung, und Michael und ich gehen am Ende. Also werden auch wir am Ende ganz richtig beim Vater anlangen."

163. Das ist ein Wort! Die Engel umringen Sadhana; es kommt ihnen vor, als habe UR Sein kostbarstes Kleinod ihnen anvertraut. Darum sagt der siebente Fürst: "Nur du, Sadhana, vom Vater als die 'Liebliche' angesprochen, konntest also reden. Der Vater wird sich freuen! Lasse mich und meinen sechsten Bruder dich in unsere Mitte nehmen und hinter Uraniel und Zuriel heimgeleiten: sonst bleibe, wie du gesagt hast." Und sie ziehen heim, noch viele Herrlichkeiten auf dem Weg findend, bis sich der gelbe Teppich zeigt. Da wissen sie, daß sie recht gegangen sind. Doch bald führt eine Abzweigung auf Zuriels Hügel. Wohin sollen sie sich wenden? Gleich heim?

164. "Laßt uns zu meinem Hügel gehen," entscheidet Zuriel. "Auch an den Vortagen ging der Heimweg über diese Hügel. Vielleicht erwartet uns daselbst der Vater." Sie eilen vorwärts und merken auf einmal, daß sie immer schneller laufen. Am Hügel steht die hehre heilige Gestalt. Sie beschatten ihre Augen: Er ist es, ihr UR!! Da hemmt sie nichts; ihre Füße berühren kaum noch den Boden. Fliegen sie? Schneller als der sanfte Wind, der durch die Palmen streicht? Sie wissen's nicht. Doch die Sehnsucht spüren sie und daß die Zeit ohne UR unendlich länger für sie war als die Tagesstunden, in denen sie Ihn bei sich hatten.

165. Ein majestätischer, unaussprechlich hoheitsvoller Priester steht zum Empfang bereit; aber… Seine guten Vaterarme sind ausgebreitet. Jedes Kind ruht an Seiner Brust, und jedem ist, als ob sie gleichzeitig die Seligkeit genießen. Dank und Jubel will kein Ende finden. O Schöpfer, Du hast Dich als Vater Deiner Kinder unsagbar reich gemacht! Hier ist der Sinn, zu dem Weisheit gehört. UR läßt sie ihre Freude verausgaben, denn dadurch sind sie tausendfach gesegnet.

166. Doch dann sagt Er, daß sie ihren letzten Dank aufbewahren sollen, bis sie ganz zu Hause sind. Er befiehlt Zuriel und Helia vorauszugehen. Sie tun es, und da sehen die andern, daß die beiden 'Flügel' haben; so hören sie das Wort in sich. Ja, was ist das nun?! Und alle haben solche Flügel, mit denen sie sich ohne Füße fortbewegen können. Fragend schauen sie auf UR, und Er erklärt lächelnd:

167. "Meine Kinder, die Flügel sind eurer Sehnsucht Lohn. Auf dem Rückweg, eine Schöpfungsstunde lang allein, hatte euch die große Sehnsucht unentwegt beherrscht. Gedanke, Wort und Tat – wie geboten war und das Tagwerk es verlangte – galt dem Einen: Das war Ich! Und so kanntet ihr auch nur ein Ziel: Das war wieder Ich! Äußerlich zwar fern, waret ihr doch nicht von Mir getrennt. Den noch trieb es euch zu Mir, und eure Sehnsucht wuchs über euch weit hinaus.

168. So hoch Ich euch in Meine Höhe führte, so hoch stieg das Verlangen, das brennende Gefühl. Am Ende war das Heimbegehren nach Mir dergestalt, daß eure Herzen schon längst bei Mir angekommen waren, ehe dieses äußerlich geschah. Da stieg Meine Freude in eure Sehnsuchtshöhe auf, und was Gutes aus den Herzen zu Mir kam, floß tausendfach auf euch gesegnet nieder. Die Flügel befähigen euch im gewissen Sinn, Mich schneller wieder zu erreichen.

169. Freilich sind die Flügel ein Symbol; praktisch überlassen wir sie später anderen noch zu erschaffenden Lebewesen. Doch soll die schöne Gabe bildhaft bleiben, an der andere Kinder erkennen, welch große Kraft einem 'Engel' innewohnt, mit welcher Leichtigkeit er in Lichtschnelle Schöpfungsräume überwinden kann. Jetzt, mit Mir wandelnd, sind die Flügel verschwunden. Nur Zuriel und Helia, die uns vorauseilen, sind zu eurer Freude für den Hügelweg belassen.

170. In Meinem Lichtreich braucht ihr keine Flügel; Meine Freude hat sie euch gezeigt. Am nächsten Tage werdet ihr noch große Räume zu durcheilen haben. Dann gedenkt der Gabe, und ihr werdet wie mit Flügeln euch bewegen, rasch wie Wasser, schnell wie ein Gedanke, ja schneller als des Lichtes Strahl. Ihr bleibt befähigt, eure Flügel auch zu zeigen, sobald es ein Werk erforderlich macht. Aber wir sind angelangt, Zuriel erwartet uns als liebenswürdigster Gastgeber. Nun – da wollen wir uns recht beeilen."

171. Zuriel begrüßt den Hochpriester Melchisedek mit größter Ehrerbietung und bittet Ihn und seine Lichtgeschwister einzutreten. Helia wartet vor dem Altar. Oh, wie ist dieser und der Raum aufs schönste hergerichtet. Viele Blumen leuchten im hereinbrechenden Abendglanz der UR-Sonne, und am Thron zwei Rosenbäumchen, rot und weiß. Neben den Bechern stehen silberne Teller, angefüllt mit wunderbarsten Früchten.

172. Am reichsten ist URs Teller bedacht und mit einem Blumenkranz geschmückt. Die Ersten beherrscht große Freude, und am nächsten Schöpfungsmorgen wollen sie das Allerheiligste mit diesen Gaben zubereiten, für ihren UR! Der Priester belobt Zuriel und Helia sehr und erklärt den schönen Sinn, Blumen zur Freude zu verwenden.

173. Er sagt: "Seht, jede Blume ist das Gleichnis einer Nebengemeinschaft, die aus Meinen sieben UR-Lebensstrahlen kommen, keineswegs aber nebensächlich sind, sondern weitgehendst zur Vollendung mit verhelfen. Gerade Freude ist eine schöne Befähigung, somit als Nebeneigenschaft zu werten. Der Dank kann vornehmlich eine Haupteigenschaft im Kinde sich entwickeln lassen. Ferner die Gerechtigkeit, dann die Freundlichkeit, Güte, Milde, Sanftmut und vieles mehr sind nutzbringende Nebeneigenschaften, ohne welche kein Kind vorwärtskommt. Denn je mehr der Tage, um so reichlicher die Strahlung. Wie ein Hauptwerk in viele kleine Nebenwerke zerfällt, so auch Meine Haupteigenschaften in entsprechende Nebeneigenschaften; denn dadurch gelangen Meine Schöpfungstage in den höchsten Segensstand.

174. Nun lassen wir uns unseres Gärtnermeisters Gaben schmecken und sind diese kein Symbol, sondern ordentliche Wirklichkeit. Gewiß kommt auch hierbei ein Entsprechen in Betracht, da eure erlangten Fähigkeiten, euer Dienst in Meinem Allerheiligsten den guten Früchten, eure Liebe all den Blumen gleicht. Auch das unterstellte Ich dem inneren und äußeren Kraftbewußtsein; denn der Aufbau bei der Grundfundamente gab euch ja ein Inneres und Äußeres, jedem Fürsten zwei Gestalten, die positive und die negative, wie ICH jedem Werke gegenüber stets die Positive bin, Meine Sadhana hingegen das Negativ ergibt.

175. Alles Herrliche, das ihr in Meinem Lichtreich schaffen werdet, wird formgemäß ersichtlich sein, unabhängig davon, ob manches nur ein Gleichnis ist. Aber auch ein Gleichniswerk ersteht der Zukunft wegen, meist zur Erhaltung des Freiheitsgesetzes. Denn sollte es bei Symbolen bleiben, hätte die Gedankeschöpfung Mir genügt. Da ruhte ja in Mir das Ganzwerk gleich einem erhabenen Symbol! Denselben Stempel trug zum Großteil auch das Wort. Gedanke- und Wort-UR-Jahr waren überhaupt vorgeschattete Symbole für das Tat-UR-Jahr."

176. Die Früchte sind genossen. Nun kniet Zuriel inmitten der Ersten vor dem Altar nieder. Er streckt seine Hände UR entgegen und sagt: "O Allheiliger, Hochpriester Melchisedek, Du hast uns diesen Tag mit großer Freude angefüllt. Was wir aus Deiner Machtvollkommenheit an Werken schaffen durften, sei Dir der Ausdruck unseres Dankes und der Anbetung. O Ewig-Heiliger UR, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger, lasse uns aus echtem Dank die Kraft Deiner hohen Weisheit schöpfen, um zur Wahrheit zu gelangen. Du Heilig-Heilig bist die Wahrheit, und Dein Werk ist Wahrheit! Das Strahllicht Deiner schönen Sonne, das Quellgeheimnis Deiner Mitternacht, Dein Heiligtum ist Wahrheit und alles, was aus Deinen Dingen fließt. Deine heiligen Lebensimpulse sind Wahrheit, denn sie sind die Grundstrahlung Deiner UR-Wesenheit.

177. Du hast uns Tatsache und Symbol erklärt. Beides ist die Wahrheit, denn Du hast alles werden lassen. Wenn wir das erkennen, so haben wir Dich erkannt als die UR-Wahrheit! Aus ihr lasse uns am Abend die letzte Tagesgabe Deiner Weisheit nehmen, auf das wir vollendet mit der Vollendung Deiner Tagesschöpfung in Dich zur vorgesehenen Ruhe kommen. Du bist die Wahrheit, bist unser Leben, und wir sind Dein Leben; also sind wir Deine Wahrheit. Denn Du hast uns gezeugt und geboren aus der Fülle Deiner Grund-Wahrhaftigkeit!

178. Diese Anerkenntnis zu erlangen war die Hauptaufgabe des dritten wunderbaren Schöpfungstages. Niemand geht in Deine große Wahrheit ein, wer nicht die Weisheit zu erringen sucht! Dir danken wir wahrhaftig, denn DU bist der Wahrhaftige! Dir danken wir in Weisheit, weil Du die Fülle aller Weisheit bist! "Oh…", ruft Zuriel, indem er den anderen vom Altar Zweige reicht, "…kommt, laßt uns frohlocken, das neue Lied der Wahrheit singen, den Gesang der Weisheit!

179. 'Dir, Herr, sei Dank, Lob, Preis und Ehre, Dich beten wir an! Hochgelobt bist Du Schöpfer, Priester, Gott und Vater Ewig! Halleluja! Du König von Licht-Heilig! Vor Deine heiligen Füße breiten wir die Palmen aus; schreite darüber hin, siehe, das ist unsere Anbetung. In Deine heiligen Hände legen wir grüne Zweige; das sind unsere Herzen, Dir am Schöpfungsabend dargebracht. Und wir selbst bleiben ewig Dein Grundeigentum! Heilig, heilig, heilig, heilig bist Du, o Herr, Allmächtiger und All-Erhabener! Dich loben wir, Dich preisen wir, Dich beten wir an, Dir sagen wir Dank in Ewigkeit! Amen'."

180. Die Jubilate braust durch den Raum. UR tritt mitten unter Seine Ersten. Vor ihm breitet sich ein grüner Palmenteppich aus, und Seine Hände heben acht wunderbare grüne Zweige hoch. Er hält diese über das Feuer. Da sprossen aus ihnen ungezählte kleine Zweige und aus diesen wieder welche, fort und fort.

181. Er aber spricht: "Liebe Kinder! Jedes von euch gab Mir sein Herz; und in jedem liegen so viel schönste, stärkste Triebkräfte, daß aus einem Zweig unzählig neue wachsen. Was ihr im Hinblick eurer Jubilate in aller Zukunft tut, wird auch den Segenssamen bei sich haben, der eure Arbeit vollkommen macht. Hier, Ich gebe euch die Zweige wieder; legt sie auf jenen Platz, wo sie bleiben können, als würde Ich sie immerdar in Meiner Hand behalten. Nun habt ihr euch in aller Wahrheit in Mein Herz gesenkt, und das ist für ewig euer Vaterhaus! – Nun kommt! Die Glocke kündet bald die letzte Stunde an."

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3/9 - Weisheit beantwortet eine wichtige entscheidende Frage

182. Mit rührender Sorgfalt tragen die Kinder ihre Zweige heim. Kurz verweilen sie in den Häusern Michaels und Uraniels, wo UR noch manchen Hinweis gibt, wie jede Eigenschaft durch eine andere und wie Er selbst durch alle vereinten Grundlebensstrahlen sicher zu erringen ist.

183. Auch hier finden sich die schönen Haine vor, worüber große Freude herrscht. Allein, hinter Hephata biete sich ein noch viel wunderbareres Bild paradiesischer Gefilde. Die Stadt zeigt ihre Grundform an mit Gassen, von schlanken Palmen eingesäumt. Aber erst das Allerheiligste! In überreichen Schmuck prachtiert es, so daß die Ersten nicht einmal mehr jubeln können. Sie sind ganz freudenmüde. Still legen sie ihre Zweige um das Schöpfungsbuch, und ihre Augen fragen, ob das richtig sei und wer dem Heiligtum die Königspracht verliehen habe. UR entfacht die Tellerflamme für den Abend, legt des Tages letztes Weihkraut in die Opferschale und nimmt Seinen erhabenen Stuhl ein. Dann hebt Er an zu sprechen:

184. "Meine liebliche Sadhana und starke Fürsten! Den rechten Platz habt ihr gewählt, wo die grünen Zweige liegen können; sind ja eure Herzen Mein schönstes Tagewerk geworden, stehen in Meinem Buche eingeschrieben und kann Ich wohl dazu Mein 'Schöpfungs-Amen' setzen. Doch die 'Gewissensfrage' ist noch zu klären, die ihr an Mein UR-Ich stelltet: ‚Gibt es in Mir eine Grenze oder nicht?' Dem wäre eine zweite Frage anzugliedern: 'Gab Ich Mir etwa eine Grenze?!'

185. Wir beschäftigen uns zuerst mit der zweiten Frage, weil dabei die erste sich nahezu von selber löst. Außerdem habt ihr viel Weisheit geschöpft, nicht minder an Ordnung und Wille zugenommen; gehen doch die dominierend gewesenen Eigenschaften mit dem jeweiligen Tagesherrschaftsgrundstrahl Hand in Hand, wodurch die Vollendung und die daraus an Mich anzugleichende Vollkommenheit zu erreichen ist.

186. Das Einzelwerk hat seine Grenze, die Schöpfungstage ihren Morgen und den Abend; und selbst ihr, Meine höchstbefähigten Kinder, habt einen werkgerechten Lebensanfang und ein Lebensende. Allein – noch wißt ihr nicht, wie solche Grenze eigentlich beschaffen und von Mir gestaltet worden ist. Ich will euch anhand des bekannten Ringbildes das Wichtigste erläutern. Seht, der Ring hat weder Anfang noch Ende, wie man ihn auch drehen oder wenden mag. Nehmen wir nun an, es beginnt ein neuer Morgen. Da halte Ich ihn mit zwei Fingern, und wäre so die Stelle, wo Ich ihn halte, als ein Anfang anzusehen.

187. Meine Hände, selbst ein Stück UR-Ewigkeit, holen sich aus ihr den Ring, und Ich schenke ihn dem Werk. Ihr merkt nun schon, daß solch gesetzte Grenze nichts anderes ist als ein Punkt, der einen Satz beendet und zugleich dem neuen seinen Anfang gibt. Die Struktur der Grenze ist – zumal im Tat-UR-Jahr – kompakt, wirklich der Zuständigkeit von Raum und Zeit ganz angepaßt. Ich halte diese Grenzen ein, denn Ich habe sie geheiligt, wie jeglicher Gedanke, zu Tat und Wort geformt, auch seine Heiligung erhält, weil ICH heilig bin!

188. Meinen Kindern als Meinem schönsten Herzenswerk ist alles Abgegrenzte unterstellt; denn Ich schuf um ihretwillen. Darin liegt das Wie der Grenzen. Allerdings hängt allgemein jede Endlichkeit vom Fortschritt Meiner Kinder ab, richtiger: Ich leite sie von derselben her. Das geschieht freilich in den Nächten, weshalb ihr selbst bei bester Darstellung es eigentlich bloß ahnen könnt.

189. Wie sich das Erreichte Meiner Kinder kraft des freien Willensgesetzes am Ende eines Schöpfungstages zeigt, genauso gestaltet sich das Wie der Grenzung. In keiner Meiner Schöpfungen ist jemals eine Grenze trotz Kompaktheit starr und unbeweglich. Ich bin das urewige Leben, die Beweglichkeit; und so ist all Mein Tun beweglich, veränderlich im Augenblick, wo die Fortentwicklung Meiner Kinder es erheischt. Aber ein Geheimnis: Auch Meine Nächte haben Grenzen, obwohl da kein Werk offenbar gestaltet ist, auch Meine Kinder nur urbewußt in Mir als eingeatmeter Gedanke leben. Gerade der nachts schlummernden Kinder wegen grenzte Ich die Nächte ab, und zwar weit unbeweglicher als die kompakt gegrenzten Tage. Das deshalb – und hier kommen wir zur ersten Frage –‚ weil Ich, der Grenzenlose, Mir ursächlich keine Grenzen bauen kann. Alle Abgrenzungen haben einzig und allein im Werkgedanken ihren großen Grund!

190. Aber keine Grenze formte Ich, ob kompakt, wesenhaft, mit größerer oder minderer Dehnbarkeit ausgestattet, ohne nicht schon im Ursprung des Gedankenaufbaus die um des Fortschritts willen später nötig werdenden Außengrenzen berücksichtigt zu haben!

Die Unbegrenztheit Meiner Wesenheit ist damit bestätigt!

191. Andernfalls müßte Ich – wie schon angedeutet – ein Embryo gewesen sein. Die Fragen, woher der Embryo-UR-Gedanke kam und was vor diesem existierte, wären unvermeidlich. Aber sie sind müßig, denn sie treffen keine UR-Substanz! Folglich sind sie ohne Schöpfungsrecht!

192. Wichtig ist zu erkennen, daß Ich des Kindwerkes wegen Mich in eine Grenze selbst begehe! Ich nenne sie die 'UR-Grenze', wobei das Beispiel mit den ungezählten Ringen im UR-Ring und dem Ring in Meinen Fingern gilt. Gleich grundtief ist, daß alle Grenzen, auch die kompakten, frei beweglich werden, sobald das in ihnen sich abspielende Werk vollendet und die Zweckbestimmung erreicht worden ist. Das will Ich noch erläutern, soweit es jetzt offenbar werden kann.

193. Nehmt das Beispiel wahr: Bis zur dritten Tagesstunde sollte ein bestimmter Weisheitsteil erworben sein, mit dem das Tagwerk, nämlich die Erschaffung und Gestaltung der Bodensegnung, zu erfüllen war. Das ist Grenzbestimmung! Doch ihr habt nicht nur das Stundensoll erreicht, sondern ein Weisheitsmäßlein mehr geschöpft. Damit wurde die gezogene Grenze schon beweglich, denn ihr kamt Mir über sie entgegen. Ja, da mußte Ich von Mir aus die Grenze dehnen1, sonst wäret ihr um eine Seligkeit zu kurz gekommen. – Ob das aber auch den rechten Nutzen bringt, hängt weniger von Mir als von euch selber ab. (Jes.40,22)

194. Es liegt zum guten Teil an Meinen Kindern, ob die nach heiliger Ordnung fundierten Grenzen sich bewegen lassen. Je mehr ihr fortschreitet, um so tiefer offenbart sich Mein unbegrenztes UR-Wesen in und außer euch! Auf dem Heimweg hat sich die Beweglichkeit nach außen hin gezeigt, indem ihr den Raum 'überflügelt' habt, in Aufhebung dem Inneren nach in Mein UR-Herz geflogen seid. Zumal die letzte Stunde gab euch ein fast ungeheuerliches Maß an Seligkeit, weil ihr Mir ein 'Tagesübermaß' an Freude brachtet.

195. Damit sei folgendes gesagt: Wenn ihr den UR-Zentralpunkt zu erreichen trachtet und das Trennende überfliegt, ohne das Überflogene unbeachtet zu lassen, dann hebt ihr jegliche Begrenzung auf, dann seid ihr Ring im UR-Ring, Sein im UR-Sein, Leben im UR-Leben und vollkommen in der UR-Vollkommenheit! – Wie es in Mir den raumlosen Raum, die zeitlose Zeit gibt, so auch die grenzenlose Grenze: Als UR grenzenlos, als UR-Werk die selbstgesetzte Grenze! Das habt ihr nun verstanden. Je mehr das Tat-Jahr seine Tage bringt, werdet ihr euch um so größere Erkenntnis aus der Weisheitshöhe holen, bis ihr auch hierin Anteilnehmer Meines hochheiligen Grundeigentums seid.

196. Nun ist noch das praktische Ergebnis der Errungenschaft auf Meinen heiligen Herd zu legen. Das äußere Zeichen sind die grünen Zweige, das innere steht noch aus. Die Antwort auf die dritte Schöpfungsfrage wird es bringen. Ich weise auf die Vorfragen und Beantwortungen über das freie Willensgesetz, sowie über die Wiedergutmachung und deren anhaftende Wiedergutmachungsfolge hin. Die dritte Frage, die sich mit der zweiten auf die erste stützt, lautete:

197. 'Können Einzelopfer, die die Zeit eines Werktages ungebührlich überlasten, eine Wiedergutmachung erstellen, oder wäre ein einmaliges UR-Opfer aufzubringen, das sowohl die Bedingungen wie auch das freie Willensgesetz rechtfertigen?' Seht zu, daß die Antwort dieser schweren Frage alle Zukunft segnen kann. Ich lasse euch Zeit (reflektieren); noch braucht Meine UR-Sonne sieben Wenden, sieben Sekunden bis zur Nacht. Zu eurer Entscheidung segne Ich euch." UR erhebt sich. Sein Priesterkleid glänzt im Abendlicht wie Gold. Er amtiert am Heiligen Herd und ist entschwunden. – Die Ersten müssen nun allein die innere Straße gehen wie vordem die äußere. Schöpfungsschwer fällt auf sie im Schweigen nieder: die Mitverantwortung am großen Werke URs!

*

198. Wie lange währt eine Sekunde? Ist sie beweglich, ist sie festgegrenzt? Kommt es darauf an, wie schnell oder wie sicher sich eine Antwort finden läßt? – Feierlichkeit, heilige Stille um sie her. Alle tragen sie an beidem, an der Stille und an der Feierlichkeit. Beides aber hebt sie hoch hinauf in jene Höhe, die sie an diesem Tage zweimal sahen. Aus dieser Höhe holen sie sich auch die Antwort durch Anvermählung an den Hochpriester Melchisedek. Da teilt sich der Weihrauch, und UR wird sichtbar. – Ohne Jubel, bitterernst als Vorsymptom zum vierten Schöpfungstag, tritt Zuriel zum Heiligen Herd, hält seine Sichel über das Feuer auf silbernem Teller und sagt:

199. "Heiliger UR! Unfaßbar ist Dein hehres Wesen, unbegreiflich uns Ersten die UR-Ewigkeit, das Wunder Deiner Wahrheit, bis Deine hohe Allmacht sie uns spüren und erleben läßt. Ewig-Heiliger, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger, Du hast zahlreiche Herrlichkeiten aufgebaut! Vereinigst Du das Ausgesandte und das Wiederkehrende in Dir, sieh, so ist ein Neues da, was Du zu immer größerer Machtvollkommenheit verschmilzt. Kein Kind wird vollwahr Deine unbegrenzte Tiefe, Höhe, Weite und innerste Nähe begreifen lernen.

200. Erhaben war Dein Plan: aus eigenem Gedankengut 'Kinder' neben Dir zu eigener Vollendung zu erschaffen, bis sie im Vollkommenheitsgrad Dir angeglichen wären! Dazu bedurfte es der inneren Erprobung dieses Planes bis zur letzten feinsten Phase. Wer begreift, daß Du, Wahrhaftiger, dem Kindgedanken nebst machtgehaltenem Werk auch eigenbewußte UR-Substanz verliehen hast, damit die Kinder nicht allein ihr Hochziel in der Wieder-Einheit mit Dir finden, sondern im Wandel einzelner Schöpfungstage werkbefähigt die erhaltenen UR-Lebenssub-stanzen zu eigenem Kraft- und Wahrheitsgut machen können?

201. Das hast Du durch Äonen erst in Deiner Innerwesenheit bedacht, zweitens durch Dein heiliges Wort gesprochen, drittens in der Machtvollkommenheit des gnadenvollen Tat-UR-Jahres auf der Vollendungsbasis hergestellt. So sind wir geworden Geschöpfe, Teilgeister, Seelen und – dann 'Schöpferkinder', die mit Dir schaffen sollen! – Doch Deiner wäre es nicht würdig, so die Schöpferkinder allein durch von Dir gewollte Lenkung ihre Mitarbeit vollbrächten, abhängig von der Machtvollkommenheit. Da wären wir trotz äußerer Gestalt in Dir. Ewigkeitsmal hast Du recht: Wäre es an dem, Du hättest bei Gedanke-Werken stehen bleiben können; und alles Folgende in Wort und Tat hätte keinen Zweck, es bliebe ohne UR-würdiges Ziel!

202. Aber daß die Schöpferkinder zur Vollkommenheit Deines An- und Zweitbildes gelangen, darum schufst Du Dir das Tat-UR-Jahr mit seinen Fundamenten: die Dir vorbehaltenen gerecht gestellten Bedingungen als Dein eigenes Wesensbild und das freie Willensgesetz als ein Symbol des neben Dich gestellten Ebenbildes. Jede Entscheidung muß beide Grundfundamente zum rechtfertigenden Ausgleich haben.

203. Du weißt, daß wir keine Trennung von Dir wünschen. Dennoch hast Du diese Möglichkeit geheim vorausgeschaut. Du bestimmt sie nicht, sie liegt im Bereich des freien Willens und seiner restlosen oder rechtlosen Inanspruchnahme. Ja, ich erblicke jetzt: Weil Du aus den zu Kind gewordenen Gedanken Schöpferkinder bilden willst, die nicht allein in ursächlicher Abhängigkeit von Deiner Machthilfe tätig, sondern freibewußt schöpferisch befähigt wären, muß der freie Wille auch eine UR-Grenze haben, die in sich selber unbegrenzt sein kann.

204. Streifen wir die letzte Grenze unseres eigenen Willens, so wird in uns das Höchstvollkommene geboren! Freilich kann es hart hergehen; und auf dem hochgespannten Seil des freien Willens zeigt es sich, ob ein Kind herunterfällt, dann von sich selber abhängiger wird als von Deiner UR-Macht, oder seine 'Flügel' breitet, um von dieser hohen Freiheitswarte aus durch restlose Annahme Deines und unter Preisgabe des eigenen Willens in Dein UR-Licht aufzusteigen!

205. Die Antworten der ersten Fragen und deren Befolgung brachten die Verbindung zwischen Schöpfer und Geschöpf sowie zwischen Priester und Teilgeist. Daher wird die Antwort auf die dritte Frage und ihre Befolgung die gerechteste Verbindung zwischen Gott und Seele sein, weil Du ihren Bestand aus den Grundlebensstrahlen Geduld und Liebe Deines Gott-Wesensteils nahmst. Ja, Geduld wird zeugen, und Liebe wird gebären! – Sei gepriesen, denn wir durften Dir Palmen und grüne Zweige streuen als Symbol der letzten Entscheidung aus Deiner noch ausstehenden vierten Schöpfungsfrage.

206. Meine Antwort aber sei: Hast Du, allheiliger UR, Dein Gesamtwerk auf beide Grundfundamente abgestellt, so sind beide der Garant der Werkerfüllung. Sollte daher je ein Kind in seinen Willensabgrund stürzen, daß es weder aufstehen noch den Heimweg finden kann, dann sollen die bei Deinem Ordnungsweg verbliebenen Kinder in freier Dienstbarkeit und Opfern dem Gefallenen helfen. Denn das Gefallene könnte ja zufolge der Geheimverbindung zwischen UR-Kern und Urzelle sich von Dir und Deinem Werke niemals lösen.

207. Wohin sollte es geschleudert werden? Raum, Zeit und Grenze sind Deine alleinige UR-Sache, Ursprung aus Dir! Könnte solches Fall-Kind aber irgendwo verbleiben, so müßten auch der ihm gegebene Raum in Deinem UR-Raum, seine Zeit in Deiner UR-Zeit und die Grenze von Deiner UR-Grenze eingeschlossen sein. Nichts ist außerhalb von Dir!

208. Alle Kinderopfer, auch in fortgesetzter Folge, könnten keinen Schöpfungs-Abweg ganz bereinigen. Sie könnten helfen, Einzelteile in bitterem Kampfe abzuringen, um sie in Dein Heiligtum zu tragen, wo sie bis zur Rückkehr des Gefallenen gesammelt werden müßten.

209. O Heilig-Heilig, große Dinge müßten dann geschehen! Solche Opfer müßten unter höchster Berücksichtigung Deiner gerecht gestellten Bedingungen erfolgen, bis Du selber sie durch ein Eigenopfer für das freie Willensgesetz krönst. Denn nur solches Höchstopfer – Dir vorbehalten – bezwänge eines Kindes (gefallen) Herz! Die Teilopfer der Getreuen könnten aber wohl den ganzen Um- und Anhang eines Falles lösen.

210. Deine anderen Eigenschaften fragen, warum die Weisheit (Zuriel selbst) fordert, daß Deine erhabene Gott-Wesenheit ein Schöpfungsopfer bringen soll. Kannst Du Dich der Heiligkeit begeben, wo Du doch zu heischen sie berechtigt bist?! Wer kann Deiner Allmacht eine Bahn bestimmen, wolltest Du äonen Zeiten warten, bis sich ein Fall nach restloser Verausgabung zwangsläufig zu Dir wenden muß? Die Weisheit hat ihren Sitz in hehrer Höhe. Sie übersieht, daß dann ohne Opfer Werkmeister und Werk nur anzugleichen wären, womit sonst das Werk vollkommen würde. Du kannst warten; Äonen sind Sekunden der UR-Ewigkeit!

211. Deine Grundgerechtigkeit gedächte derer, die vor Deinem Throne und in Deinem Herzen blieben. Darum würdest Du dem Fall sehr harte Grenzen setzen. Das einmalige Opfer könnte ja kein vollendetes Kind auf sich nehmen, wenn das Fallkind größer wäre. Zwar würdest Du sein Opfer heiligen; doch immer bliebe es der Rahmen einer Wiedergutmachung, die die Rückführung eines verschleuderten Erbgutteils fertigbrächte. Wie lange die getreuen Kinder bis zur Heimkehr des Gefallenen harren müßten, um in höchster Seligkeit wieder geeint im Allerheiligsten einen Feierabend zu erleben, wäre niemals abzusehen. Denn über eine Nacht hinaus kann kein Kind ferne von Dir sein, weil Du pur UR in Deinem heiligen Nächten bist und allein auf dieser Basis jeder neue Tag Dein Tat-UR-Jahr zum Fortgang führt. Doch der Tag, an dem ein Fall geschehen würde, müßte auch den Opferweg vollendet sehen, die Herrlichkeiten Deines Ziels!

212. Wir aber, Hochpriester Melchisedek, bitten um die Segnung, die uns befähigt, kraft des freien Willens ein oder mehrere Opfer auf den Heiligen Herd zu legen. Die Einzelopfer füge dann zusammen als ein Mitopferteil Deines einmaligen UR-Opfers zu höchster Krönung Deines Tat-UR-Jahres. – Dann hast Du Dich selbst gekrönt; denn Dein UR-Opfer krönt uns, und unsere Opfer krönen Dich, da sich so bestätigt, was Du Deinem Tat-Werk vorbereitet hast! Also geschehe es!! –

213. Für den Segenstag sei Dir gedankt, allgeliebter UR! Du hast uns in Deinem hochpriesterlichen Wesen so viel Herrlichkeit geschenkt, ein vollgerüttelt Maß, so daß unsre Herzen an diesem Abend nichts mehr fassen können. Ja, Du gabst uns mehr als den Reichtum eines Tages! Nun sieh, o Herr und Meister von Raum und Zeit, nimm von uns alles das, was uns Dir zu geben möglich ist. Und das sind – wir selbst! Lasse uns zur heiligen Ruhe Deiner Nacht in Dir geborgen sein und einen neuen, für uns noch schöneren Lebenstag entgegenschlummern. Dich haben wir in unser Herz geschlossen, so behalte Du auch uns in Deinem Herzen der UR-Ewigkeit! Amen."

214. Feierliche Stille. – Der Spruch, das Wort, bildet bereits die anzufordernde Entscheidung, sobald sie in Kraft zu treten hätte:

Ein Schöpfungsopfer steht einem

Schöpfungsschicksal gegenüber!

215. UR erwartet von den Kindern ihren Volleinsatz, also muß Er selbst Seinen UR-Volleinsatz wagen! Und – Er wird es tun!

*

216. UR nimmt das Buch der Schöpfung in die Hand. Er schreibt den Tag in die aufgeschlagene Seite ein. Welch kostbares Ergebnis! UR kann sagen: "Siehe, es ist alles gut geworden!" Er segnet die Seinen mit dem priesterlichen Abendsegen und sagt, daß der Schmuck des Heiligtums, über den sie sich verwundert hatten, durch ihre Vollhingabe ihre Tat gewesen sei. Deshalb wolle Er den nächsten Tag mit Seinen Lichtern schmücken. Dreimal bläst Er über den silbernen Teller hin, und da sinkt Sein Feuer nieder, bis es wie ein trautes, kleines Licht im innersten Gemache eines Hauses friedlich glimmt. Die UR-Sonne deckt ihre Strahlen zu, die Opferschale hört auf zu schwingen. Auf leisen, ungesehenen Flügeln kommt die heilig-hehre Nacht. –

217. Der letzte Weihrauch, zur gewaltigen Kuppel des Domdaches aufgestiegen, senkt sich auf alles heilige Gerät herab; er hüllt die Kinder in ein sicheres Gehege ein. Da schließen sie schon unbewußt die Augen. Nun ruhen sie in UR – und haben doch ihr geheimnisvolles Leben. Wer will das erfassen?! Oh, die wundersüßen Heimlichkeiten in Dir, Ewig-Heiliger UR, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger! Du bettest Deine Kinder in den UR-Schoß Deiner Nacht und löst dennoch nicht die Lebenskraft. Vielmehr speisest Du sie dadurch ganz geheim, damit am nächsten Morgen sie gestärkt erwachen, um das bisher errungene Gut ebensooft steigern zu können, als ein Tag Sekunden hat. Hier ist der Sinn, zu dem Weisheit gehört! O Johannes, du hast viel gesehen und viel erkannt. –

218. „Heilig, Heilig“, so sangen die Engel, so jubelte Sadhana. "Heilig, heilig bist Du, o Herr!! Und heilig ist die neue Nacht, heilig das geheimnisvolle Werk am Quell der Mitternacht.

[index]

 

DER VIERTE SCHÖPFUNGSTAG

 

(Tag der Ernsthaftigkeit)

 

 


Kap. 4

 

«Und GOTT sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre und seien Lichter an der Feste des Himmels, daß sie scheinen auf Erden. Und es geschah also. Und Gott machte zwei große Lichter, ein großes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere, dazu auch Sterne. Und Gott setzte sie an die Feste des Himmels, daß sie schienen auf die Erde und den Tag und die Nacht regierten, und schieden Licht und Finsternis. Und GOTT sah, daß es gut war.» (1°Mo. 1,14-19)

 

«Und Er tritt die Kelter des Weins,

 des grimmigen Zornes Gottes,

des Allmächtigen.»

[Oft.19,15]

4/1 - Die sechs Stunden der Nacht: UR macht sich bereit

1. Dunkel! Urheilige Nacht! Keine Finsternis, in welcher sich die Menschen Fürchten; auch keine Nacht der Erde ohne Taggestirn; noch weniger die Nacht der Seele, ohne Glaube, ohne Licht aus Gottes Reich. Unerkanntes, in dem UR nach Seinem Wesen alle Seine Werke richtet: das Vergangene als erreichtes Ziel und eine neue Tat.

2. In der ersten Stunde (der Nacht) nach dem segensvollen dritten Tag überschaut Er noch einmal den Weg des freien Willens; denn der neue Tag bringt die vierte Entscheidung. Fällt sie nach Seinem Hochziel aus, wird der Kinder Weg Vollendung heißen, notfalls durch ein Schöpferopfer!

3. Die zweite Stunde fordert Ausgleich zwischen Wiedergutmachung und ihrer Folge; die dritte zwischen dem einmaligen UR-Opfer und den Kindern, die sogar unter Aufgabe ihres Himmels bereit sind, Sein persönliches Opfer mit heiligen zu helfen! Und gerade das verlangt den Ausgleich, den UR der Barmherzigkeit entnimmt.

4. Wer begreift in Demut, daß die Kindopfer das UR-Opfer mitheiligen können? Oh, noch breitet eine Nacht den Schleier drüberhin. Ja – noch bedarf es mancher Nächte, mancher Schöpfungstagesarbeit, bis ein Zipfel des Geheimnisses gelüftet werden kann, einer Sekunde des vollen Tat-UR-Jahres gleich. Dann werden alle Kinder vor höchster Seligkeit ins UR-Sein sinken als Teil des all-erhabenen UR Teiles, bis ein neuer, völlig ungeahnter Zyklus seine Bahnen zieht. Das bewirkt die dritte Stunde. – In der vierten webt UR Gedanken der Erlösung, falls der freie Wille ohne Anerkenntnis und Einhaltung gerecht gestellter Bedingungen beansprucht würde. Das abwägende, ernste Prüfen ist so schöpfungsschwer, daß die heilige Mitternacht sich in den UR-Quell senkt, bevor das Letzte ausgewogen ist.

5. Er sieht, was Seine Ordnung auszugleichen hätte; ja: Er trägt es bereits! Und wahrlich, nur weil Er jetzt schon Träger ist, wird Er einst Erfüller sein! Denn Er ist UR, der Ewig-Heilige, Ewig-Einzige und Wahrhaftige! Was könnte IHN denn daran hindern, in das seltsame Schöpfungsschachspiel einzugreifen und eine einzige Figur so zu setzen, daß es auch ohne Opfer zu gewinnen ist? Wäre das nicht schon ein Opfer, lenkte Er bewußt den Ablauf eines Werkes nach dem Maße einer einzigen Sekunde von acht Jahren eines UR-Zyklus?! Würde also, wenn Er im gleichen Verhältnis Seiner Macht eine Kindfigur nach Seinem Sinne rückte, das Kind es fühlen? Nein! – Könnte damit aber den Lichtkindern etwas genommen werden?

6. Die Prüfung spricht ein schweres "Ja!" – Er würde sich selbst etwas nehmen und dadurch Seinen Kindern, die Teil von Seinem UR-Teil sind. Die Brücke für Geschöpf und Kind würde wie zwischen jenen Herzkammern, den Wesensteilen Schöpfer und Vater, unterbrochen sein. Diese Gedanken füllen die erste Stunde nach hochheiliger Mitternacht in vorstelloser Machtvollkommenheit völlig an. Und diese Stunde sieht, wie ein Erlösungsausgleich zu geschehen hätte! – Da senkt UR Seine Hände tief hinab in Seinen Lebensborn und schöpft das Wasser hoch; Er haucht so lang hinein, bis es rot wird wie das Blut: Sein Herzblut! Er trinkt davon, den Rest läßt Er in die Quelle fließen. Das Blut sammelt sich oben auf in der Mitte und wird zu einem roten Herzen im klaren, weißleuchtenden Gewässer. Auch das Geheime löst sich erst, wenn sich das 'Mit-heiligen-Helfen' löst. Eher nicht! Denn das ist URs innerste, heiligste Herzensangelegenheit! –

7. In der zweiten Frühnachtstunde bedenkt Er den Tag der Geduld, in der dritten den der Liebe, in der vierten jenen der Barmherzigkeit, sinngemäß der ersten hochgeheiligten Entscheidungsstunde. Alsbald ist die Nacht vergangen; UR hat Sein Werk in sich vollbracht!

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4/2 - Muriel und Pargoa wurden zu Grundsätzen der Ernsthaftigkeit gewählt

8. Vier feierliche Glockenschläge. Ein Zeichen, ein erster UR-Laut des neuen Tages strömt durch Raum und Zeit. Sie steigen aus dem Quell und klingen tief in ihn hinab. Woher kommen sie? In tiefster Schau aus UR selbst. – Die vier Schöpfungsfarben leuchten, und vier Worte tönen: 'Es beginnt der Tag!' Vier Licht strahlen fließen aufeinander zu, ein KREUZ bildend, symbolhaft über der Quelle stehend. – Die erste Tagesstunde füllt sich mit dem, was die bisherigen Arbeitstage sichtbar brachten. Sadhana und die sieben Engelsfürsten erwachen im Allerheiligsten; sie erhalten belehrend die nötige Rückschau, bis sie anerkennen können, was die Lebensoffenbarung fordert.

9. Die zweite Stunde bringt ihnen die Berufung und die Weihe; denn das Nachtwerk drängt dem Tag entgegen, damit im eigentlichen Schaffen die Erwählung des vierten Engels. UR sitzt auf Seinem Stuhl. Viermal haucht Er über das Feuer des silbernen Tellers; die Flamme loht, bis die Opferschale schwingt und die UR-Sonne ihr schönstes Licht verbreitet. Von den grünen Zweigen, die am letzten Abend URs Erste als Sinnbild ihrer Herzen dargebracht hatten und – wie alles – wieder sichtbar sind, nimmt UR den vierten aus den sieben und legt ihn auf das geöffnete Buch. Dadurch ehrt Er ihre Gabe.

10. Er spricht: "Meine liebliche Sadhana, Meine Engelsfürsten! Der Tag hat schon viel Herrlichkeit gezeigt; und doch sind Meine neuen Gaben noch verhüllt. Für das Kommende habe Ich den vierten Zweig auf das Buch gelegt. Von nun an soll während eines jeden Tages stets ein grüner Zweig darauf als Sinnbild aller Herzen liegen, die Mir die Kinder aus ihrem freien Willen geben, ja zurückgeben. Jetzt verbinde Ich den Zweig des Ernstes mit dem der Ordnung, am Tage der Geduld diesen und der Weisheit, dem Liebeszweig wird jener des Willens beigegeben, und der siebente Tag trägt das grüne Reis der Barmherzigkeit."

11. Wenn UR von den sieben Zweigen spricht, wann wird Sadhanas schöner Zweig auf Seinem Buch zu sehen sein? Und warum sagt Er nichts davon? Sadhana prüft sich gewissenhaft, ob sie etwas in den noch nicht beendeten zwei Morgenstunden tat, weshalb UR ihrer nicht gedachte. Doch so sehr sie sich erforscht, nichts ist, was ein Schatten unter Gottes Sonne wäre. Da bescheidet sie sich still. UR wird wissen, warum es so und nicht anders ist. Und liegt nicht ihr Zweig oberhalb des Buches? Ist das nicht bereits die höchste Ehre, die ihr widerfahren kann? – Ja, ja ihr Gemüt ist nun ganz froh; UR hat ihren Herzenszweig auf keinen Fall vergessen.

12. O du erstes, schönstes Kind, einmal wirst du an diese heilige Stunde denken und die Tiefe dieser Tat begreifen. Dann kommt ein Schöpfungsfeiertag, ja ein jubelerfüllter Auferstehungstag, an dem dein 'wieder grün gewordener Zweig' auf beiden Seiten des Buches liegt, auf dem Zweig, aus dessen Eigenschaft der Schöpfungsjubeltag ersteht! Bis dahin, Kind größter Gnadensegnung, mußt du den freien Willen in dir zum Stillstand bringen, daß der dem Gesetz entnommene Lebensimpuls kein eigenes Ich mehr kennt, sondern das große, alleinige ICH der UR-Ewigkeit!! – Dieser Gedanke ruht jedoch in UR geheim, wie geheim das Walten einer Mitternacht in ihm. –

13. Der vierte Eigenschaftsträger wird erwählt. Beide Kinder beugen sich bis auf den gelben Teppich nieder und sehen dann mit höchster Andacht in URs göttliches Gesicht. UR sagt: "Du Engelsfürst, vierte Fackel vor Thron und Heiligem Herd, Ich rufe dich! Es ist ein hehrer Ruf, eine heilige Erwählung. Mit deinem Einsatz offenbart sich Meine zweite Herzkammer voll; und Ich als Hochpriester Melchisedek stehe nun als Brennpunkt der UR-Zentrale in Raum und Zeit der UR-Ewigkeit.

14. Heiligen Ernst lege Ich in deine Hände, in dein Herz, Haupt, in den Tat-Willen deines persönlichen Lebens. Noch wißt ihr nicht, was es bedeutet, wenn nächst dem Schöpfer der Priester erscheinlich wird und die Schöpfermacht die Vollkraft einsetzt, die die Heiligkeit des Ernstes trägt. Unberührbar bleibt Meine Heiligkeit! Mein Wesen kann, will und werde Ich aus dem zwingenden Muß der MIR SELBST gestellten Schöpfungsaufgabe dem Kind-Werk weihen, notfalls entblößen; nie aber Meine Heiligkeit! Das begreift ihr später erst.

15. Du aber, Hoheitsträger Meines Ernstes, mußt das jetzt, wenn auch unbewußt, schon in dir tragen. Mein Wort zündet dir die Fackel an, die der Heiligkeit in siebenfachem Strahl entspricht. Aus dir soll sie auf die übrigen Lichtträger übergehen." UR hebt die silberne Glocke am vierten Leuchter weg. Wie glühende Sonnensubstanz floß es in den vierten Engel ein und hat – soweit die zweite Tagesstunde Erkenntnis vermittelte – eine ungeheure Eruption hervorgerufen. Die Heiligkeit URs vor geringster Entblößung schützen, loht in ihm auf zum feurigen Fanal, das plötzlich siebenfältig sichtbar wird.

16. Hinter und um den Stuhl des Höchsten erheben sich sieben granitgleiche Säulen, oben mit tiefen Becken versehen, aus denen starke Fackeln brennen. Wer könnte je durch dieses Feuer kommen, ohne nicht sofort das Dasein zu verlieren? Erschüttert schauen die Ersten das heilige Mahnmal an. Wie kam es jählings zustande? Ist es nur eines Lichtträgers Werk? Und wenn ja, was würde dann geschehen, riefen alle sieben – geeint in einem Gedanken – Worte des Ewig-Heiligen UR zur Tat hervor? – Sie wissen es nicht.

17. Er aber sagt: "Meine Worte sind wahrhaftig, und was Ich zusage, das geschieht! Keine Zeit, die Mein Wort nicht offenbart; kein Raum, in dem nicht die Offenbarung sichtbar wird! Ich, Hochpriester Melchisedek, setze daher zum Schutz der Heiligkeit die sieben Fackeln ein. Sie sind zugleich eine Scheidewand aller Gegensätzlichkeit, die sich in der Lebensfreiheit bilden kann, ferner noch die Zeugen Meiner UR-Wesenheit und viertens Verkünder und Vollstrecker dessen, was die Heiligkeit zum Werkschutz fordert. Ewig sollen sie leuchten und soll das Tat-UR-Jahr keine Tage haben, an denen sie aufs neue anzuzünden wären. Sie bleiben in Meinem Heiligtum, wie ICH in ihm verbleibe. – Du aber, lichtgewaltiger Engelsfürst, hast sie selber angezündet.

18. Darum strecke deine Hände aus über Meinen Herd! Du, Cherub, heißt Muriel; und du, Seraphim, heißt Pargoa. Ihr seid der Hoheitsträger des Ernstes aus Meinem inneren und äußeren Priestertum. Als Fürst in geeinter Kraft sende Ich euch in Raum und Zeit, um dem Werk zu dienen. Im Element des Priesters, dem Wasser, liegt eure große Kraft und Erfüllung eurer Arbeit. Nehmt das Zeichen der Berufung, Würde, Weihe und Erwählung hin; Ich lege es in eure Hand." – Im vollen Ur-Sonnenlicht erglänzt das Zeichen, und in ihm spiegeln sich die Herdflamme, die Kerzen und die Fackeln. Eine KELTER, ein geheimnistiefes Zeichen! Schwerer zu verstehen als Waage, Schwert und Sichel; waltet doch URs Heiligkeit in ihm.

19. Seine Stimme flutet durch den Raum: "Ich gebe Meine Schöpfungstage in die Kelter. Aus ihr strömt das unbewußte Werk, Mir und euch zu einer Freude; doch in ihr wird das Kind samt seinem Tun gekeltert. Was der Heiligkeit entspricht, mußt du, Fürst des Ernstes, Mir zum Schöpferjubel, den Kindern zu Schöpfungsseligkeiten keltern als edlen Wein, der nie versiegt, der sich immer wieder selbst erneuert. Was aber Meinem HEILIG widersteht, das wirf hinein und stoße deine Kelter, bis sie überfließt, wie Blut, wenn geheiligte Erde das Kelterblut trinken muß! Dann soll aus dem zweiten Keltern noch einmal das erste gesegnete kommen. Und das, Ernstträger, das ist dein Schöpfungswerk!

20. Sei Mithüter an der zweiten Pforte, durch die Ich als Hochpriester Melchisedek den Morgen ins Allerheiligste und nach erfülltem Tagewerk Meine Teilgeister zur UR-Quelle bringe, woselbst sie dann in Meinem Unendlichkeitswesen ruhen und die Vorbereitung zum nächsten Tag erhalten. Auch du achte auf die Träger der wandelbaren Gesetze, die durch die Priesterpforte zugunsten aller Kinder hinausgetragen werden; und bedenke ihre Rückkehr mit den freiwillig anerkannten UR-Bedingungen. Die Weisheit ist der Prüfer all dessen, der Ernst ein Schützer Meiner Heiligkeit!

21. Erkenne: Besonders geführte Lichtkinder werden Gesetzesträger und empfangen zu diesem Amt einen Heiligkeitsanteil. Denn auch die wandelbaren Gesetze sind geheiligt, weil ohne dem sie keinem Kind zum Segen würden. Meine Bedingungen hingegen sind selbstheilig! – Jeder Heiligkeitsanteil bedarf des Schutzes, weil sehr wohl ein Kind das Freiheitsgesetz zur willkürlichen Lebensgestaltung in Anspruch nehmen kann, und Ich sagte zur Genüge, was für Folgen daraus kämen.

22. Ich nannte euch Sieben schon am ersten Tage Meine Fackeln. – Nun sind sie durch den Träger Meines hochpriesterlichen Ernstes auch entfacht und bleiben eine ewige Hut, von Meinen Ersten übernommen. Täte es einst not, dann nimm, geheiligter Ernstträger, deine Fackel; sieh, es genügt die eine, um sie als verzehrenden Brand durch eines Tages Raum und Zeit zu tragen, als ein Fanal an allen Enden Meiner sichtbar gewordenen Herrlichkeit, in der Tiefe, Höhe, Weite, in der Nähe Meines UR-Ichs! Es kann zweierlei Brand sein: Segen oder Fluch; der Sehnsucht, Friede, Freude und Erfüllung spendet oder zu Leid, Unrast, Friedlosigkeit und bitterem Tode treibt. Das erste erhält der, wer kraft der wandelbaren Gesetze den freien Willen aus Meinen Bedingungen herleitet; das zweite jener, der dawider lebt. Niemals ist des Ernstes Feuerwand zu durchbrechen, viel weniger alle sieben Fackeln! Denn unantastbar bleibt Meine Heiligkeit!!

23. Nun erhalte den Segen, Fürst Muriel-Pargoa. Zünde die Lichter an, die Ich im Walten dieses Tages über und an der Feste als leuchtende Segenszeichen setzte, daß Ich dem Kind-Werk, seinem Heiligkeitsanteil, nicht vorenthalte." – Der Ernstträger, umstanden von Sadhana und den anderen Lichtengeln, nimmt den Segen kniend in Empfang. Sein großer Dank ist eine heilig-ernste Sprache, deren Kraft im Heiligtume widerhallt. Da lohen alle Fackeln auf, es erglüht des Herdes Feuer. Der Weihrauch fällt von der herrlichen Kuppel fächerförmig in sieben Strahlen mit dem Licht der Sonne auf die Kinder nieder.

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4/3 - Uraniels Dank und Sadhanas Frage

24. Geheimnisvoll ist das Wort, vom Ewig-Heiligen UR ungesprochen, in den Kinderherzen aber deutlich spürbar in seiner feierlichen Ausdrucksfähigkeit. Das ist wahrhaftig ein Wort der UR-Gottheit, ganz unveränderlich und absolut, das keiner Steigerung bedarf, der Träger aller Macht, Kraft, Gewalt und Stärke. Es antworten auch die Kinder in geheimer Schöpfungssprache. – Nach der hehren Stille wird alles wieder regsam, es ist ja ein Schaffenstag, an dem das Wahrnehmbare dominiert. Und aus heimlicher Herzenszwiesprache ist's Uraniel, der eine erste Bitte an UR richtet; eine Frage auch an den Tag:

25. "All-Güte, Hochpriester Melchisedek nach heiliger Ordnung ewig! Schon in der Frühe Deines vierten Wundertages überhäufst Du uns mit unnennbarer Gnade, so daß wir billig fragen: 'Wohinein sammeln wir jene Schätze, die der Tag noch bringen wird?' Gib, o Vater, uns ein großes Herz, damit von all den Kostbarkeiten kein noch so kleinster Teil verlorengeht! Ja – kostbar ist das Gut der Ewigkeit; und wir wollen es gewißlich sorgsam hüten und bewahren, damit wir es zur rechten Zeit wieder Deinem UR-Sein bringen können. Das auszuführen, bedürfen wir besonders Deines Ernstes. Und so bitte ich, o unser heilig-liebevollster UR, zeige uns das Wesen Deines hehren Ernstes.

26. Wir wissen nun: er ist ein erster Hüter Deiner Heiligkeit, obwohl die übrigen Grundlebensstrahlen gleichanteilige Besitzer sind, weil von den sieben keiner größer als der andere ist. Gib uns die Offenbarung zum Sammeln aller Deiner guten Gaben." URs Antlitz überstrahlt ein heller Schein;

27. Gütig antwortet Er: "Meine Kinder, euren Fackeln entnahm Ich Mir die rechte Freude. Und du, Uraniel, hast die beste Bitte vorgebracht, die überhaupt zu stellen ist. Äonen Schöpfungen können in sich ihre Steigerung erfahren, was zu erfassen euch nicht möglich wird. Allein – niemals gibt es einen höheren Impuls als die Bitte um ein großes Herz, darein alle Meine guten Gaben, Mein kostbares Gut einzuheimsen sind.

28. Wahrlich, Ich sage euch: 'Einst werden Bitten und Gebete vor Meinen Heiligen Herd getragen, gerechte und ungerechte, die in ihrer Zahl fast Raum und Zeit eines Tages überfluten. Aber nichts, und sei es noch so sehr zu rechtfertigen, kommt der Bitte gleich, die Uraniel aus dem erkannten Sinn der Ordnung stellte. Sie bleibt ewig die erste Bitte, das höchste Gebet! Denn wer darauf bedacht ist, daß auch nicht ein kleinster Gabenteil verlorengehe, das kostbare Gut als UR-Ewigkeitssegnung in sich zu bergen, der ist mit Mir völlig eins, und er weiß, daß Ich ihn allezeit in Meinem Herzen trage!'

29. Gesegnet sollst du darum sein, Träger Meiner Ordnung, gesegnet durch deine Bitte alle Kinder, die desgleichen tun. Dieser Segen wirkt unwandelbar, auch für jene Kinder, die den heilig-tiefen Sinn noch nicht spüren, nicht so tatgestalten können wie ihr jetzt, Meine Ersten. Darum seid ihr nun die Ewigkeitsgesegneten, denn durch euch will Ich diesen Segen allen denen geben, die Sehnsucht nach Meinem köstlichen Reichtum haben. Mein Wort bleibt wahrhaftig bestehen, solang die Jahre durch Mein UR-Werk laufen.

30. Nun aber zur Frage nach dem Wesen Meines Ernstes. Seht, der Tag liegt ja noch vor euch, ihr könnt noch vieles lernen. Ihr habt erkannt, warum Ich einen großen Wert auf sichtbar zu gestaltende Werke lege, die dem Tat-UR-Jahr den Namen gaben. Äußeres steht keineswegs höher als das Innere, Unsichtbare; aber alles innere Manifest soll – dargestellt – des Tat-UR-Jahres Aufbau, Richtung, Lauf und Folge sein. Das Innere war zuerst und wird hauptbeherrschend bleiben.

31. Neben dieser Hauptherrschaft steht ausschlaggebend für die Tat-Schöpfung das äußere Gebilde. Darum wird wegen eines Werkzweckes das Innere dann als UR- Ewigkeitswert gezeigt, wenn es während eines Zeitwerkes innerlich gegründet bleibt und außerdem in äußerer Folge seinen Niederschlag in entsprechender Personifikation erlebt! Wenn die eigentliche Schöpfungsarbeit beginnt sobald sich das freie Willensgesetz zu bewähren hat –‚ nützt es nichts, ein Werk nur als Gedanke auszudrücken und zu sagen: 'Ich will helfen!' Damit bringt man keine Hilfe. Der Gedanke muß auch äußere Taten schaffen, soll der inwendige Wille dem Tat-UR-Jahr zu Nutz und Segen sein.

32. Darum laßt den Tag seinen Lauf nehmen; bildet das, was ihr in euch bewußt, zum Teil unbewußt tragt, zu schönen, schöpfungsgesegneten Werken aus, die wie Mein Heiligtum zu schauen sind, dann wird von selbst des Ernstes Wesen offenbar. Und was darüber hinaus noch fehlt – seht, Ich bin bereit mit Meinen Gaben, und der kommende Abend wird euren Reichtum ernten! Deshalb wollen wir uns in die Tätigkeit begeben. Die dritte Stunde zeigt aus den voraufgegangenen Zeiten, was an Wunderbarem schon erstanden ist." Uraniel spricht den Dank für alle aus. Beseligt folgen sie in allen Dingen ihrem UR. –

33. Zum viertenmal öffnet sich das Tor 'Hephata'. Eine Lichtbahn führt in eine für die Kinder unabsehbare Ferne. Der blaue Schöpferteppich ist vom gelben des Priesters überdeckt. Die Ersten besprechen sich. – Sadhana wendet sich an Muriel: "Sage mir, o Fürst des Tages, wie möglich durch dein Wort, das von großen Kräften in dir zeugt, die sieben Fackeln sichtbar werden konnten? Dazu die überaus herrlichen Säulen als Fundamente aller Zeiten! Warum aber – und das bewegt mich sehr – entstand für mich kein Brand?! Habe ich mich nicht genügend vorbereitet? Stehe ich so weit hinter euch Fürsten zurück? Hat UR mich nicht zuerst gezeugt und geboren als der ganzen UR-Schöpfung Kind? Sprich, woran es fehlt, daß ich nicht gleich euch sieben ein gerechtes, die Heiligkeit des All-Erhabenen hütendes Feuer habe?! – Siehe, das drückt und weiß doch nicht, woher es kommt."

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4/4 - Muriels Antwort wurde später durch die Lehre von UR bestätigt

34. Über dieses Fragen sind die Engel tiefst bekümmert, zumal Muriel. Was denkt URs lieblichstes Kind, daß es sich vor ihnen so erniedrigt? Wie soll er helfen, er, dem selber noch geholfen werden muß? – UR geht mit dem ersten und siebenten Lichtträger wenige Schritte voraus. Wird Er sich nicht helfend wenden? Nein, UR tut es nicht, und es ist nicht zu erkennen, welchen Zug jetzt Sein Priesterantlitz trägt. – Pargoa schlingt ihren Arm um Sadhanas Schultern. Das ist ein innerer Trost, der gegeben werden soll, und dem ein äußerer folgen kann.

35. Muriel sagt nach kurzem Besinnen: "Sadhana, UR nennt dich die Liebliche. Seine heiligen Güter legte Er zuerst in deinen Schoß und hat auch dein Herz zuerst erkoren. Du gehst den ersten Schritt an jedem Tag und bist jedem Werk zu einem Anfang und Ende gesetzt. Solltest du also keiner Fackel gleichen?! Deine Fragen sind berechtigt, ja, sie sind schöpfungsbedingt. Denn dein Wesen muß sich in großer Klarheit offenbaren. Doch siehe, sind wir sinnbildlich die sieben Fackeln, so bist du symbolisch das Feuer auf silbernem Teller. Wir können uns nicht in die Fackel begeben, ohne nicht aufgezehrt zu werden. Aber uns des Feuers zu bedienen, um URs heiligen Willen auszuführen, sieh, das können wir.

36. Das Herdfeuer aber, Sadhana, dessen ursächliches Symbol du bist und das du in dir tragen sollst, ist kein Schutz der Heiligkeit wie unsre Fackel, sondern – auch symbolhaft – die Heiligkeit selbst! Es bedarf darum für dich keiner Flamme, die neben, vor oder hinter des Höchsten Stuhl und Herd sichtbar wäre; sondern deine Bestimmung, die grundsätzlich die Schöpfung ausmacht, ist das Herdfeuer. Verlöschten einmal unsere Fackeln, so müßte auch des Herdes Feuer für die Tage sterben. Und würde UR, der Ewig-Einzige und Wahrhaftige, aus einem uns nie erkennbaren Schöpfungsgrund es löschen, von was hätten unsre sieben Fackeln dann ihr Licht?

37. Bekümmere dich also nicht, du Herzenskind des Höchsten. Erkenne in der ewigbrennenden Flamme, die das hohe Heiligtum widerstrahlt, deine Fackel, und du hast wie kein anderes Kind URs Anbild in dir! Nun bitte Ihn für uns alle, Seine Gnade möge geben, was uns an Erkenntnis mangelt." – Sadhana tut es. Oh, wie leuchten ihre Augen im reinen Glanze UR entgegen, Ihm, dem sie ihr Herz nicht weniger bereitet hat als Seine Fürsten. Und sie erhält die schönste Antwort:

38. "Meine Sadhana! Was Muriel dir sagte, ist ewig-hehrer Ernst. Ja, du Kind der Schöpfung bist auch ihr Licht und ihre Flamme! Freilich kommt erst noch der Tag, wo du samt Meinen Fürsten die schon euch gestellten Fragen beantworten und schöpfungsgerecht ausleben, besonders auch in der Tat zur höchsten Herrschaft bringen sollt.

39. Prüfe also stets, ob dein Herz in der Flamme des Heiligen Herdes enthalten ist, sogar die Tat aus eigenbefähigter Kraft daranzugeben, um dafür Mich restlos einzutauschen und den freien Willen Meinen gerechten Bedingungen aufzuopfern! Erreichst du das dann, Sadhana, wird erst für dich das tatsächliche Lebenswerk beginnen!

40. Es hat den Anschein, als wärest du zurückgesetzt. Aber sieh, will Ich das in dich gestellte Ziel erreichen, bedarf es einer Führung, die oft von jener andrer Kinder selbst Meiner Fürsten abwegig ist. Trotzdem sieht das eben äußerlich so aus. Innerlich besteht stets nur eine einzige Schule, und zwar die Grundlebensschule, derzufolge auch nur ein Fach gelehrt wird, und das ist: höchstmögliche Vollendung unter Angleichung Meiner eigenen hochheiligen Vollkommenheit! Zu Meinen Ebenbildern habe Ich euch gemacht und gewiß nicht bloß gestaltlich. Nein, auch hier ist das Innere das erste Grundelement; Ich habe euch Mir angeglichen, wie Ich selber innen anzuschauen und wirklich bin!

41. Bloß das äußere Anbild wäre fehl am Platze, bliebe euer Inneres Meinem Wesen fremd. Da stünde Mein Werk weit von Mir entfernt, wie ihr gestern einmal fern von Meinem Zentrum waret. Wäre es denn eine Ehre, wollte Ich Mein Werk entfernt betrachten einen um den anderen Schöpfungstag? – Oder habe Ich Mir nicht die Freude an den Werken vorbehalten! Will Ich Meine Schöpferlaune befriedigen oder mit Mir Selber spielen, nur um Meine Macht zu erproben?

42. Wahrlich, um das zu tun, hätte es keines Tat-Zyklus bedurft, auch nicht der viergeteilten Schöpfung! Vorher lebte Ich Mir selbst, da war in Mir Spiel für Spiel, bis die Tat sich im Aufbau zweier gewaltiger Pole kristallisierte. Im ersten Pol lag bereits Meine Schöpferfreude, die im Gelingen der vorgedachten, grandiosen Werke gipfelte; im andern Pol ruhte die euch verheißene Schöpfungsseligkeit, die Ich Meinen zu Kindern heranzuziehenden Teilgeistern zuerst als Geschenk, hernach auch als wohlverdienten Lohn bereitete.

43. Würde aus dem Geschenk kein Lohn, so wäre es ein Betrug gegen Mich. Das aber ist unmöglich! Um ein Geschenk ohne Willkür zum Lohne zu umwandeln, gab Ich den zwei Polen mehrere Positionen. Es blieb dem Werke überlassen, eines oder das andere anzuwenden. Darunter entfallen auch die euch längst bekannten unwandelbaren und wandelbaren Gesetze sowie die gerechten Bedingungen und der geschöpflich freie Wille. Noch ein Gegenspiel liegt vor, das ihr nur im Werkfortgang erleben könnt. Ein Hinweis: 'Es betrifft die von Mir ausgehende Heiligung und das von euch Kindern ausgehende Mit-heiligen-Helfen!'

44. Davon nun nichts weiter, denn andere Dinge liegen arbeitsnäher. Ihr sollt bei solchem Hinweis merken, daß ihr als wahre Ebenbilder Meiner UR-Persönlichkeit anzusehen seid. Damit, Meine Sadhana, hast du die völlige Bejahung dessen, was Muriel dir eben sagte.

45. Wir sind indessen am Ordnungshügel angelangt. An diesem Tage könnt ihr, Meine Engelsfürsten, nicht vorauseilen, um Mir die Stätte zu bereiten. Tut es jedoch innerlich; denn der Tag ist heilig-ernst und erfordert von euch wesentlich mehr, als bisher geschah. Ich werde in euren Häusern als Hochpriester Melchisedek amten. Das Warum könnt ihr teils erst am Abend, völlig am Ende jenes Tages, erfahren, an dem das freie Willensgesetz zur Bewährung gelangt. Seid fleißig! Aber nicht nur Uraniel-Urea; sondern jeder muß jedem bei dessen Herzenswerk behilflich sein." UR geht voraus, und die Kinder folgen Seinen Spuren. Ganz erfüllt handeln sie nach dem heiligen Gebot.

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4/5 - Im ersten Haus von Uraniel die ursprüngliche Essenz des Schöpfers

46. Am Hause Uraniels bleiben sie auf inneren Anruf vor den Pforten stehen. Was tut UR allein im Ordnungshaus? Die Kinder sehen nicht, sie spüren nur die Allgewalt eines neuen Werdens. Alsbald tritt Er unter die rechte Pforte, Seine Hände laden ein, das Haus zu betreten. Am Altar hält Er ein heiliges 'Hochamt'. Das Wort klingt vom Altarfeuer her. Was ist darunter zu verstehen? Und hat UR jemals so feierlich gehandelt wie jetzt? Tiefst beeindruckt ist es nicht allein ein Schauen, was sie erfüllt, sondern ein inneres Miterleben, ein Mithandeln. Alle Geräte segnet UR. Danach entnimmt Er den reichen Falten Seines priesterlichen Kleides ein Buch. Es hat den siebenten Teil Umfang vom Schöpfungsbuch und steht in goldenen Lettern darauf geschrieben: 'Werke Meiner Ordnung!' Das schlägt Er auf, winkt den Hausfürst vor den Altar hin, übergibt ihm das Buch und spricht:

47. "Ich leite jedes Werk von Meinem Wesen her; keines, das nicht ursächlich und urbedingt in Mir geschah! Auf dem Heiligen Herd liegt jenes Buch, in dem Mein Tun vom gesetzten Zyklusanfang eingetragen steht. Was vordem war, offenbart kein sichtbares Buch, sondern ICH SELBST bin die Schrift Meiner UR-Äonen! Nun trage Ich ein äußeres Gewand, das Mein heiliges UR-Wesen bedeckt, ohne es unkenntlich zu machen. Im Gegenteil zeige Ich Mich dadurch, wie Ich beschaffen bin.

48. So ist es auch mit Meiner Wesensschrift. Sie betrifft Mein UR-heitliches ICH! Allein, auch dieses sollte umhüllt sein. Dazu dient als erstes das Schöpfungsbuch auf dem Heiligen Herd. Niemals aber wird ein Kind das Heilig-Buch in seine Hände nehmen, darinnen lesen oder eine Schrift einsetzen können, es sei denn, Ich überlasse für den Bruchteil eines Augenblicks das Heilig-Buch einem Ersten, der die Macht erhält, es für Mich zu verwahren! (Golgatha)

49. Das aber erst, wenn ich im nötig werdenden Opfergang Mein Heiligtum verließe. Und das verlangt weit voraus eine höchste Schulung Meiner Erstlinge. Wer sich in der an euch gestellten ungeheuer schweren Anforderung bewährt, kann einmal – so es not tut – Verwahrer Meines Allerheiligsten, somit auch Meines Schöpferbuches sein!

50. Deshalb sollt ihr sieben Helfer je einen Teil Meines Werkbuches gewissermaßen als Duplum erhalten. Zieht ihr dann am Abend vom Tat-Feld heim, so geht jedesmal über eure Hügel und tragt das Ergebnis eines Tages für jeweils eure Eigenschaft in eure Bücher ein. Für jeden Grundlebensstrahl ist eines bestimmt. Auf die rechte Seite schreibt, was Ich dem Tage übergab und was ihr in gerechter Folge daraus schaffen konntet; auf die linke Seite, was dem Werk zuwider war. Nach der letzten Eintragung stimmt die Seiten ab, und das Endergebnis kündet Mir! Das schreibe Ich dann in Mein großes Rechnungs-, in das Soll-und-Haben-Buch des Tat-UR-Jahres ein.

51. Jedes Kind wird einst sein Büchlein haben, in das sein Tun und Lassen eingetragen wird. Alles ist gewissenhaft zu registrieren; denn seht: Ordnung ist das Grundfundament, worauf Ich Meine Werke stütze, und noch dreimal Ordnung für Richtung, Lauf und Ziel! Ohne Meine Heilsordnung vollzieht sich nichts! Auf andere Grundlebensstrahlen müßte Ich gemäß des puren Willens bauen; doch hätten sie ohne Ordnungsgrundgefüge keinen bleibenden Ewigkeitswert. Trotzdem gilt eine Eigenschaft soviel wie jede andere.

52. Betrachtet durch das erste Fenster Mein Heiligtum. Steht es einfach auf dem Boden, und ist dieser nur der Oberflächengrund? Oder streben Mauern, Pfeiler, Säulen und die starken Ecken unterhalb der sichtbaren Grundebene hervor, für Ewigkeiten fest gefügt, daß es niemals zu erschüttern ist?! Welche Entsprechung liegt dem zugrunde?

53. Meine Kinder, dieser 'Wurzelstock' entsprang Meinem UR-Sein und wird ewig dahin wachsen, unantastbar und darum auch unwiderruflich! – Freilich kann das Grundgefüge dieser Mauern kein Kind schauen, denn das ist Meiner Tiefe Verborgenheit, der mitternächtig-heilige Quell. Ferner: Hoch hinauf streben die herrlichen Pfeiler und Säulen, die das wuchtige Domdach samt der Kuppel tragen. Über allem seht ihr als Firmament den unendlichen Dom Meiner Schöpfermacht, geschmückt mit der blauen Schöpferfarbe. Ihr spürt des Firmaments Höhe, ohne sie in ihrem Ende zu erkennen. Die Spitze des sichtbaren Heiligtums ragt in diese allgewaltige Höhe hinein, während das Firmament gleichsam die und der Hut auf dem Dache Meines sichtbaren Heiligtums ist.

54. Der hohe Dom gleicht Meinem Innerwesen, obwohl er alles Äußere umschließt. Der andere, sichtbare, entspricht der Gestaltungsmacht, dem Gestaltungswillen Meines personaliten Wesens. Im kristallenen Dom manifestiere Ich Mich um euretwillen; von dort aus gehe Ich in die Tage, und dorthinein trage Ich das Ende jeder Werkarbeit. Den Unendlichkeitsdom jedoch, auf den Grund Meines erhabenen UR-Quells gestützt, seht ihr wohl, und an ihm werden bald die herrlichsten Zeichen leuchten. Dennoch ergründet selbst ihr Ersten niemals ganz dieses Schöpferhaus. Denn das Schöpferhaus bin ICH SELBST!

55. Ihr könnt auch ein guter Spiegel davon sein. Das geschieht, wenn ihr Mein Wesen in euch tragt und zu erfüllen sucht, was Ich euch an Mitarbeiten übergab. Jedes Werk gleicht dem sichtbaren Heiligtum, festgefügt auf den inwendigst geheimen Grund, der Ich gleichfalls bin! Eure Hügelhäuser sind der große Vorhof, der einst erst alle Kinder sammelt, bevor sie in Licht-Heilig einziehen." UR läßt den Ersten Zeit, das Gehörte aufzunehmen, daß ihnen daraus ein gesegnetes Eigentum erwachsen kann.

56. Nach längerer Stille betet Uraniel laut: "All-Heiliger Priester Melchisedek in ewiger Ordnung und Unwandelbarkeit! Dich nennen wir den 'Vater unserer Herzen', denn Du sollst in uns nun einen Dom ersehen, in welchem Du als Grundeigentümer unseres Wesens walten sollst. Dir danken wir! Ja – wie Dein Heiligtum aus Deinem UR-Grund aufgestiegen Golgatha war, also auch der Dank aus unserem Herzensgrund, der – zwar unser Eigentum – ein Großteil Deines herrlich-hehren Wesens ist. Und darauf stützen wir den Dank; er rage in Dein Wesensreich hinauf, wie Deines Heiligtums Spitze in den unermeßlich blauen Himmelsdom.

57. Du gabst mir zuerst einen Anteil Deines Heilig-Buches. Ich will auf die erste Seite Deinen Namen schreiben: 'Ewig-Heiliger UR, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger!' Und soll nichts anderes daselbst stehen als Dein hochgelobter Name! Denn in ihm liegt das All begründet, UR-Ewigkeit, Raum und Zeit, Dein Unendlichkeitsherz mit seinen vier Kammern, alle Deine Heilig-Namen und Wesenheiten! Und ich graviere Deine Ordnung als ein unverrückbares Grundfundament hinein, und nichts, nichts wird daran rütteln können!

58. Sollte einst das freie Willensgesetz rechtlos beansprucht werden, so würde dennoch diese Schrift nicht auszulöschen sein. Denn ich, Uraniel-Urea, Träger der heiligen Ordnung, würde Kind und Werk in meine Waage werfen, daß sie ihr Sein und Leben so lang verlieren, bis etwa gefallene Kinder selbst zu ihrer Schulderkenntnis kommen. – Hierin bleibt die Ordnung ewig souverän gleich Deinem Heiligtum. Du hast es uns von dieser Seite jetzt gezeigt, damit wir das erkennen sollten. Und sieh, wir haben es erkannt! Noch mehr: Wir anerkennen es in der Befolgung dessen, was Du uns in Auftrag gibst!

59. Du sagtest, daß wir einst während eines Schöpfungstages oft fern von Dir im Werke tätig und erst am Abend wieder bei Dir sein sollen. O UR, uns ist bang! Dennoch wird Dein Wille von uns ausgeführt. Doch dann gedenke unsrer Sehnsucht, Meister aller Ewigkeit! Du gabst uns Flügel, die uns in Lichtschnelle zu Dir tragen. Fern von Dir möchten wir die Flügel immerfort bewegen, um vor Deinem Heiligen Herd den Dienst zu tun und Dich anzubeten. Bitte, laß uns oft den Wink verspüren, daß wir vom Schöpfungsfelde zu Dir eilen dürfen. Achte unserer Bitte, liebevollster Vater, allgerechtester Gott und hochheiliger Priester, erhabener Schöpfer, Schaffer aller Dinge!" –

60. Wie gut bat Uraniel für alle. Ja, was könnte ihnen denn das Werk ohne Heiligtum bedeuten? Wirft schon eine dunkle Nacht ihre Schatten lang voraus, ehe sie zum Regiment gelangt? eine Nacht, die auch die Ersten ungut treffen kann? Doch steht UR nicht zwischen diesem Schatten und Seinem Volk in einer Majestät sondergleichen, die sie erschauern läßt? – Heilig, hehr, vollkonzentrierte Macht, den Raum beherrschend, hat sich UR erhoben. Breit, als wolle Er Sein eigenes All umfassen, so reckt Er Seine Arme aus, zu segnen, zu schützen und vor Schatten zu bewahren im Sinne der Bedingung und der Freiheit.

61. Er spricht: "Mein Uraniel, liebliche Sadhana, alle, ihr ersten Kinder Meines Wesens. Ihr habt die Belehrung wohl erwogen und ein Edelgut daraus geschöpft. Ja, in dieser Hinsicht wurdet ihr schon Schöpferkinder, die aus sich selber tätig sind. Haltet ihr an diesem Grunde fest, so mangelt es euch nicht an Macht, Kraft, Gewalt und Stärke nach dem Kindesmaß, bis ihr – innerlich und äußerlich vollkommen in eurer Vollendung – keine Trennung mehr von Mir erlebt.

62. Allein, bis dahin ist das Freiheitsgesetz gründlich zu erproben; und so müßt ihr alles, das Innere wie das Äußere, das Leben und das Werk, nach den Ordnungsregeln der jeweiligen Schöpfungstage richten, ansonst das Ziel daneben geht. Eurer Dank, den ihr wahrhaftig auf Mich selbst gegründet habt, hat die innige Verbindung mit eurem UR erweitert. Darum sage Ich euch: Diese Verbindung ist ebensowenig zu zerstören, wie wenig Mein Heiligtum um einen minimalsten Zoll von seinem Platze abzurücken wäre!"

63. UR hebt Seine Rechte hoch und sagt: "Kein Kind kann sich je dawider stellen; seine Machtlosigkeit würde sofort offenbar! – Ihr habt euch an diesem Tag im Glanz der Herrlichkeit mit Mir vermählt, und also gelangt der Tag aus erhabener Schöpfermacht und in hehrer Priesterschaft zu einem höchstmöglichen Stand! Wahrlich, die Heilsgüter – in Meinen sieben Grundlebensstrahlen manifestiert – werden für das Werk durch euch gehütet und bewahrt. Wohl euch, bleibt ihr immer dieser – zwar jetzt noch unerkennbaren – Verbindung eingedenk! Sie zeigt euch die Bahn des Tat-UR-Jahres an.

64. Eure Sehnsuchtsbitte liegt vor Mir ausgebreitet. Oh, was wollte ich lieber, als sie euch gleich gewähren! Nach beiden Grundgesetzen! Nun einen Anteil könnt ihr schon erhalten, sobald ihr auf eine werkbedingte Frage, die eurer Bitte ausgleichend gegenübersteht, eine werkgerechte Antwort geben könnt. So höret:

65. 'Ist den Werken besser von Meinem Heiligtum aus, oder von inmitten ihrer zugeschnittenen Räume die Vollendung zu bereiten? Dabei ist zweierlei zu bedenken: Aus Meinem Heiligtum allein sind die Kräfte zu entnehmen, die jedes Werk zu seiner vollen Tagesreife bringt – oder: dort, wo die Kraft benötigt wird, müßte sie zur Austragung gelangen?' – Treibt euch die Sehnsucht heim, so seid ihr zwar in Meiner euch beseligenden Nähe, nicht aber da, wo euer Einsatz segensreich geschehen soll. Befindet ihr euch jedoch dort, so steht ihr fern dem Quell, aus dem ihr eure Arbeitskräfte schöpfen könnt.

66. Welches wäre wohl das Beste, nicht nur für einen Schöpfungstag, sondern etwa für das ganze Tat-UR-Jahr? Prüfet die Frage eingehend; vielleicht hilft dies mal euch der Ernst, die Klarheit zu erkaufen. – Wir setzen daher unsre Straße fort, denn die dritte Tagesstunde verlangt noch viel von Mir, anteilig auch von euch. – Nehmt noch den Ordnungssegen hin, der euch gleichfalls eine große Hilfe bietet."

*

4/6 - Im Haus des Willens werden die vier ursprünglichen Wesensmerkmale erklärt

67. Auch den Willehügel weiht UR für den Tag des Ernstes. Nach dem Hochamt sagt Er: "Wie schon bedeutet, stellt die dritte Stunde an euch große Forderungen, denn die Arbeit der Vortage bedarf einer gewissen Wiederholung. Sie liegt nicht im Tatsächlichen, sie ist mehr wesenhaft bedingt, gelangt aber dadurch gemäß dem Verlauf des sie einrahmenden Großwerkes zur Endbestimmung. Es wird einst der letzte Tag des Tat-UR-Jahres alle Tagewerke zur Hochreife bringen, wie in einem früchteschweren Herbst. Ja, sie gelangen an ihm zur glorreichsten Auferstehung, wie das vorher auszudenken keinem Kinde möglich ist.

68. Zwar kommt schon eher ein Gedankenlicht, wann der freie Wille geprüft wird und sich bewährt. Das wird dann in jenen Kindern, die Mir dienstbar bleiben, eine große Glut entfachen. Und 'Mein Dienst' wird jenes Tages Siegel und an dessen Ende unfaßbar heilig sein.

69. Allein, die jeder Tat angeheftete Folge gleicht hernach kein kurzer Abend aus, nicht wandelbare, noch weniger unwandelbare Gesetze, sondern ist von Grund auf in den sich anreihenden Schöpfungen auszutragen, bis die dem UR-Jahr zusätzlich bereiteten vier Wochen – Symbol der viergeteilten Schöpfung – den hehrsten Werkzweck offenbaren. Bis zu diesem gnadenvollsten Ende, der Hochsegnung des Tat-UR-Jahres, muß und wird die ungeheuerliche Rechnung, die das Freiheitsgesetz Mir, dem Ewig-Heiligen UR, präsentiert, beglichen sein! Die Rechnungsvorlegung beruht somit auf gerechten wie etwa auch auf ungerechten Folgen der Inanspruchnahme des freien Willens.

70. Doch Ich habe all Mein Werk grundordentlich gesetzt nach den Bestimmungen der Tage, Eigenschaften und Elemente. Ihr möchtet wissen, was Element ist und warum Ich Ordnung und Wille dem Element 'Feuer' entnahm, obwohl dem Wille untrüglich das Zeichen des Wassers zugekommen ist. So höret denn einiges über die vier Elemente.

71. Mein Schöpfertum stellt das FEUER dar. Feuer ist sichtbar gewordene Macht, die mittels mehrerer Positionen innerlich und äußerlich gestaltet. Glaubt ja nicht, daß Mein UR-Quell in seiner UR-Essenz Wasser war. Im FEUER liegt der allerbeste UR-Anfang! Unendlich lange vor den abrollenden UR-Zyklen brandete in Mir das Feuer Meiner Macht. Unmöglich, euch nur andeutungsweise zu enthüllen, wie des Feuers UR-Essenz gestaltet war. Ich müßte sie in Meinem UR-Spruch künden, der aber keinen Wortlaut für Geschöpfe hat, sondern machtmäßige Geschehnisse, von denen ein offenbartes winzigstes Atom eine geschöpfliche Struktur wieder urformhaft umwandeln muß!

72. Dieses UR-Essenz-Feuer duldete keine einzige Gestaltung. Unterschiedlich an ihm waren aber Mein und Macht im urdynamischen Kampf! Aus einem 'Sichverzehren' bildete sich die gegenseitige Ergänzung für ein GESCHÖPF. Äonen bedurfte es, ehe beide Gegensätze Mein und Macht zur eruptiven Einheit kamen, zum ersten Final! Und das lautete dann: Meine Macht!!

73. Bisher war das Feuer UR-Regent. Ich nannte es den Schöpfer, hatte Ich Mir selbst doch erstmalig etwas geschaffen, aus dem Feuer geschöpft. Und das war eben 'Meine Macht', die sich in neuerlicher, weit größerer Konzentration in Mein UR-Wesen ergoß. Ganz anders als das zuerst dominierende UR-Essenz Feuer zeigte sich sein Ergießen. Nachgiebig und gerade so in unerhörter Standhaftigkeit die UR-Kraft aufbringend, erschütterte es das UR, hob es aus den Grundfesten hoch, so daß ich Mich in dieser 'Hochstellung' präsenziell besah.

74. Das war das zweite Element WASSER. Es stieg zur Höhe und floß zur Tiefe. In der Art des Elements ersah Ich den wohltätigen Ausgleich aller UR-Eruptionen. Auch hier dominierten zuerst getrennt Mein und Kraft. Beide formten aber nach Vereinigung ihrer gegensätzlichen Grundarten des Wassers Meine Kraft! Hatte erst das Sichvereinigen der Feuergrundarten den 'Schöpfer' gezeitigt, so entwuchs den Wassergrundarten der 'Priester'.

75. Als solcher entnahm Ich der zweiten Einheit ein zukünftiges, die vom Schöpferteil erzeugten Werke entweder frei, bewußt, gelenkt oder unfrei, unbewußt und bestimmt zu führen. Trotzdem konnte das nur führend geschehen. Das Priesterwesen übernahm den Ausgleich zwischen jedem Gegensatz, rückwirkend die des Elements Feuer, die eigene, wie vorausgreifend die von zwei in Mir noch gärenden Grundessenzen. Damit schuf Ich Mir im Priesterteil die segnende Regentschaft; und selbst noch embryohaft vorgeschaute Werke wurden vom Priesteranteil des hocherhabenen UR bereits führend übernommen.

76. Es wird euch hell, warum in den priesterlichen Schöpfungstagen besonders viel zu schaffen ist und nun auch im Tat-Zyklus der Ausgleich vom Vergangenen und Kommenden erfolgt. Das kann der Ernst, der stabil – alle Gegensätze nahebringt. Ist sein Tag vorüber, gibt es eine einzige, letztwillige Entscheidung. Darüber mehr bei Muriel.

77. Das zweite Element überführt auch ein Geschöpf zu einem Teilgeist. Als Mein Feuer in der UR-Essenz noch loderte, da gab es in ihm trotz Gegensatz allein eine Machtentfaltung. Und machtgemäß ist ein Geschöpf vom Schöpfer abhängig, wird unfrei, unbewußt und bestimmt regiert. Das besagt, daß der Schöpfer stets der gleiche bleibt, wie in jenen Zyklen Meiner Nur-Innerwesenheit. Würde das Tat-UR-Jahr vom Schöpferfeuer beherrscht – wahrlich, es gäbe außer Eventualitäten keine Teilgeister, Seelenwesen oder gar Kinder!

78. Ich konfrontierte die 'gewordene Führung' des Priesterprinzips ursächlich mit zu bildenden Werkgedanken und schuf so den Ausgleich ihrer Gegensätze wie erst recht ihre beste Einung. Ihre Abhängigkeit verschmolz Ich zur Dienstbarkeit. Ich machte, ehe die anderen Elemente werkhaft wirkten, Feuer und Wasser gemeinsam führend. Denn trotz hochkonzentrischen Kräfteausgleichs des Wassers war auf keinen Fall das Feuer zurückzudrängen oder auszuschalten. Im Gegenteil! – Im Element des Schöpferfeuers fungierte Ich zuerst, und das wird urewig also bleiben, unabhängig davon, ob zum höchstmöglichen Endergebnis eines Teilwerkes jeweils eine andere Wesenheit und demzufolge auch ein anderes Element und seine Eigenschaften dominieren.

79. Könnte es Geschöpfe geben, wenn nicht zuvor der UR-Ich-Schöpfer Gedanken zu freibewußt lebenden Geschöpfen formte? Darum sollt ihr Kinder auch stets zuerst den 'Schöpfer' in Mir ehren, weil Ich so als Erster alle Werke werden ließ. Daraus fällt es euch nicht schwer, Mich als 'Priester' wahrhaft anzubeten. Weiter werdet ihr dann fähig, die aus Meinem 'Gott'-Teil urgrundhaft gegebenen Gebote zu erfüllen, wodurch die Straße leichtest in Mein 'Vaterwesen' führt, und werdet ihr Mich lieben lernen, wie Ich euch als Geschöpfe, Geister, Seelen und als Kinder liebe! In dieser 'Vater-Kind-Liebe' erhält die Barmherzigkeit ihre herrlichste Enthüllung.

80. Nun sind noch die anderen Elemente zu beschauen. – Im Zusammenspiel von Feuer und Wasser folgten weitere eruptiv ähnliche Gebilde. Als nächstes trat das Element ERDE in den Vordergrund. Meine Ersten, verwechselt dieses UR-Element – wie keines – nicht mit einer äußerlich kompakten Masse. ERDE besitzt Gestaltungskräfte, die sich in doppelseitigen Gewalten äußert. Mein war die Fähigkeit und Gewalt die Gestaltung! Nicht sofort war der Ausgleich beider Teile urgeschaffen, sondern hier entspann sich auch der 'Heilige Krieg'! In Mir lag selbstverständlich urfordernd zuerst das 'MEIN' !!

81. Ich bin der HERR, der UR! Mir allein gehört die Macht, Kraft, Gewalt und Stärke; es ist alles Mein! Auch Mein ICH ist Mein! Die Gewaltteile errangen ihre Vorherrschaft in ihrer Einigung. Nach dem UR-Kampf stand über dem Element Erde 'Meine Gewalt'! Damit erhielt zunächst zwar innerlich – jedes aus den drei Elementskämpfen erworbene Sein eine personhafte Gestaltung. Ich schuf aber aus dem Abhängigkeitsprinzip das wirkende Unabhängigkeitsprinzip.

82. Hier setzte Ich den ersten UR-Wendepunkt, indem Ich Mir selber die unabhängige Gestalt verlieh, die Meinem primären UR-Ich gegenüberstand und je nach Werk, Raum und Zeit diese oder jene Wesenheit im ersterprobten Unabhängigkeitsprinzip zum Ausdruck bringen konnte. Darauf stützte Ich das Werden. Also ist das 'Element Erde' eine auch in Mir ursächlich gewordene Formung.

83. Erde hatte ursächlich wie Feuer und Wasser zwei Eigenheiten: es konnte lösen und binden. Davon hing ab, ob ein vom Schöpfer geschaffenes, vom Priester regiertes Werk an das UR-Sein zu binden oder von ihm zu lösen war. Die Lösung war die erste Möglichkeit, weil das Abhängigkeitsprinzip das Fundament der Rückbildung zum UR-Stoff ist.

84. Die Bindung lag – euch unerforschlich – im Unabhängigkeitsprinzip! Unabhängig vom Geschaffenen zum eigenwilligen Anschluß an den UR-Stoff zu gelangen, bringt die Bindung! In ihr dominiert die zweite Gott-Eigenschaft LIEBE, in welcher sich das Element Erde offenbart: die Tatsache, das Seiende, Ewig-Vereinende, das währende Prinzip!!

85. Nun will Ich erst noch einiges über die Eigenschaften der drei Elemente sagen. Im Feuer herrschen Ordnung und Wille. 'Mein' als erstes UR-Grundwesen gab Ich der Ordnung; in ihr wurzelt auch Mein Name UR! Der Wille als 'Macht' rief aus dem geordneten UR-Sein den Kampf Meines ersten Wesensteiles hervor. Ordnung ist das Bleibende, der Wille das Gestaltende. Beide vereint erzeugen die 'bleibende Schaffung'! Doch hier schon Wille hinter Ordnung gesetzt in hoher Vorschau der nunmehr erfolgten Kind-Schaffung!

86. Des Wassers 'Mein' ist Träger der Weisheit; die 'Kraft' gehört dem Ernst. Weisheit ist anschmiegsam, nachgiebig, nachgehend. Sie glättet das Werk, sie feilt es durch ungeheure Anpassungsfähigkeit. Doch wie das Feuer durch Einung von Ordnung und Wille seine Machtentfaltung errang, so das Element Wasser seine Kraft durch Weisheit und Ernst. Denn der Ernst als 'unnachsichtlicher, bestimmender Teil' stabilisiert die Kraft!

87. Jetzt seht ihr, warum gerade die Gegensätzlichkeiten in einem UR-Wesensteil zur ausgleichenden Arbeit eingesetzt sind. Weisheit und Ernst geeint ergeben eine Hochfülle der Entwicklung, die erst am Tat-Jahr-Ende seiner Fassung gemäß ersichtlich wird. Des Ernstes kraftvoll- unnachsichtliche Elementarbildung entnimmt ihren Stoff Meiner Heiligkeit. Diese Erklärung läßt euch nicht mehr fremd, warum ich den Ernst im besonderen zum Hüter Meiner Heiligkeit erkor.

88. Aus allem ist ersichtlich, daß das Schöpfungsprinzip im Element Feuer unbedingt im souveränen Vordergrund verblieb, demzufolge die Ehrung des Schöpfers den Kindern jede schöpfungsgesegneten Folgen bringt. Die Elementteile MEIN (Feuer, Wasser, Erde) waren vor den Ausgleichskämpfen urbestimmend in ihrer Einheit, während die Kampferzeuger Macht, Kraft, Gewalt und Stärke erst durch den Kampf zum einheitlichen Ziel gelangten. Darum koppelte Ich die herrschenden Eigenschaften: zuerst Wille und Ernst.

89. Dem Willen übergab Ich daher die Gestaltung des Wassers; dem Ernst hingegen jene des Feuers. Daraus erseht ihr gut, daß Meine vier Wesenheiten in ihrer UR-Tatsache keinerlei Sonderbildungen besaßen und bloß in der jetzigen 'Tat- Epoche' um der freiheitlich gezeugten Kinder willen sich unterschiedlich zeigen, damit Mein heiliges UR-Ich zu erkennen ist. Nur so bietet sich die Möglichkeit, Mich in sich zu tragen kraft der Ausgleichsbestimmungen an Mein UR!

90. Die Koppelung der vier ersten Eigenschaften in ihren Elementen wurde abgeschlossen, ohne der Grundeinigung mit den anderen Elementen und Eigenschaften im Wege zu sein. Doch entstanden diese Einungen unter nicht gleich obenauf liegendem Ur-Einfluß. Es genügt daher vorerst zu sagen, daß der Ausgleich stattgefunden hat.

91. Dem Element Erde war die mögliche Löse der Geduld übergeben, die ja Grundstoffe von Ordnung, Weisheit, Wille und Ernst besitzt. Das hängt mit der ihr anvertrauten Löseaufgabe zusammen. Wenn – gedacht – ein Werk durch Ordnung, Wille und Weisheit vorgesehen vollendet würde, nicht aber fortsetzend durch den Ernst, so müßten trotzdem die noch nicht dominierend gewesenen Eigenschaften erst ihr UR-Teil abgeben. Die nächste wäre die Geduld. Nach eurem Ermessen müßte sie, eingreifend, das Werk fortführen in der Erwartung, daß sie es dahin bringt, wohin es der Ablauf einer UR-Woche anfänglich steuerte?

92. Weit gefehlt, Meine Kinder! Die Geduld würde das Werk lösen von der Bahn, auf der es im Zeichen Ernst etwa kapitulierte. Niemals aber würde sie wie Ernst oder Wille in deren hochkonzentrierten Heiligkeit – mit Gewalt lösen, auf einmal etwas in den Grund Meiner UR-heit stürzen, sondern innerhalb eines noch verbleibenden Zeitabschnitts allmählich rückbilden, hernach aber aus dem UR-Grundbild der Elemente Feuer und Wasser ihre zweite große Begabung spielen lassen, nämlich die ursächlich aus Wille und Ernst erhaltene.

93. Dann würde sie mit der ihr zu Gebote stehenden Gewalt einen Neuaufbau fordern, unterstützt von Liebe und Barmherzigkeit, der die ersten Eigenschaften niemals widerständen. Ein 'Nichtwiderstehen' ergibt sich vornehmlich aus dem Ausgleich der sieben Eigenschaften und erst in zweiter Folge aus dem 'MEIN', dem einheitlichen UR-Ich! Die besagte Rückbildung wäre auch Meinem Wesen entsprechend ein das Werk vollendender Abschluß und nicht eine unmittelbare Auflösung.

94. Die Liebe besitzt nebst dem Gegensatz ihres souveränen Elements Erde auch jenen von Feuer und Wasser. Sie wird jederzeit mit ausgesprochener Konsequenz Bindungen herbeizuführen trachten, die sie – unterstützt von Geduld und einem Vorausstrahl der Barmherzigkeit – auch erreicht, zumal aus den UR-Dingen Meiner Wesenheit, und wird also fortlaufend gerechtlebende Werke erfüllen. Das Element Erde bietet daher, obgleich nicht grundsätzlich mit Feuer und Wasser gekoppelt, diesen beiden einen größten Tummelort, den 'Schauplatz der Schöpfungsgeschehnisse'! Denn erst auf dem Boden persönlicher Gestaltung leben sie ihren Sieg tatsächlich aus. So kam nicht nur aus dem Schöpfertum das 'Es werde', sondern gleichanteilig mit Feuer und Wasser aus der dem Element Erde inhaftenden Personifikation.

95. Wir gliedern noch das Element LUFT und die im Einzel herrschende Barmherzigkeit in den UR-Ring ein. Das vierte Element besitzt keine Gegensätze, es entstanden daher auch keine Kämpfe. Mein und Stärke waren in ihm ausgeglichen. Deshalb gelangte nur ein einheitlicher Wesenszug durch die Barmherzigkeit zur Manifestation und demgemäß die Gesamteinung aller Elemente und ihrer Eigenschaften.

96. Was ist Luft? Ihr atmet sie ein als essentiellen Lebensodem, dem Lichtreich angepaßt. Sie ist subtilgeistig. Obgleich ihr aber diese Luft als ewigständige Lebensnahrung braucht, könnt ihr sie weder sehen wie das Feuer als UR-Sinnbild des ersten Grundelements, noch genießen wie das Wasser als UR-Sinnbild des zweiten Grundelements.

97. Ferner: Ihr fühlt unter euren Füßen einen Boden als etwas ganz Verläßliches. Auch er ist geistige Substanz, sonst könntet ihr nicht auf ihm gehen als auf dem UR-Sinnbild des dritten Elements. Diese drei UR-Dinge sind völlig unterschiedlich vom vierten UR-Ding Luft, hat aber auch dieselbe Festigkeit wie Feuer, Wasser und Erde, weil es eine Formung all Meiner Grundstoffe gibt, wie Ich selber eine Formung bin und sie als höchst-heiliges UR-Ich offenbare!

98. Ihr seht Mich vor euch, könnt Mich wirklich anfassen, hört Meine Worte, und Ich bin sonach eine personhafte Substanz. Dennoch gleiche Ich am meisten Meinem vierten Element: Unfaßbar als UR, als Ewig-Heiliger, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger, was Ich euch besonders aus den Zeiten der primären Ausgleichskämpfe erläuterte. Ja, bloß UR könnt ihr ebensowenig in Händen halten, wie wenig ihr das mit der Luft vermögt, durch die ihr aber lebt und durch die ihr umschlossen seid. Insbesondere das letztere tut der Edelstoff dieses seltsamen Elements. Drum setzte Ich es wie zu einer Selbsterfüllung ein, als den alles umfassenden Grundlebenszug, in welchem alle Ausgleichskämpfe der drei Elemente ihre letztwillige Kulmination erhielten.

99. Das bedeutet: Die Gegensatzworte der Elemente strebten zur Macht, die freilich niemals die Mir innehaftenden Wesenszüge demolieren, sondern aus ihrer euch nicht erklärbaren 'Ruhestellung' herausheben und umfassend zusammen schließen wollte. Diesen höchsten Beschuß nannte Ich BARM-HERZIGEIT! Als Eigenschaft beendete sie alle UR-Kämpfe und wird folglich stets die letzte sein, die zur Tätigkeit gelangt. Als – stets symbolhafte Vollendung des Schöpfers ist sie auch Vollendungsträger der Geschöpfe und dominiert als Krone über allen Eigenschaften. Ihre Kronmacht gibt dem Geschöpf die Möglichkeit, das Element Luft sogar urgeistig ein- und auszuatmen, als:

Barmherzigkeit empfangen und ungeschmälert geben!

wodurch höchste Lebensfähigkeit erhalten wird.

100. So werde Ich alle Meine Werke krönen und habe sie bisher gekrönt in urgewaltiger Herrlichkeit und Machterhabenheit! Darum wird die TAT trotz 'erstmaliger Erprobung eines den Geschöpfen überlassenen Wille- Freiheitsgesetzes' zu einer Vollkommenheit gelangen, deren Endoffenbarung euch ersten und gewiß von Meinem UR-Sein reichst ausgestatteten Kindern so unfaßbar vorkommen wird, daß am letzten Abend dieses glorreichen Tat-Zyklus Meine euch anvertrauten Eigenschaftspotenzen in euch entbrennen werden wie einstmals in Mir das Feuer der ersten UR-Eruption!

101. Das wird euch in einem persönlich-bewußten Aufgehen mit Mir verbinden, wie ihr einst als ureigene Gedanken in Mir lebtet. Darüber hinaus euch mehr zu enthüllen, dient keinem Meiner Kinder. Nur das sei noch gesagt, daß keines mehr sein eigenbewußtes Leben verliert!

102. Wie umfassend die völlige Einhüllung Meines Kind-Werkes durch die Barmherzigkeit geschieht, kann sich erweisen, wenn einmal das freie Willensgesetz beansprucht würde. Da würdet ihr es merken, daß die Barmherzigkeit, als Hauptdominant eingesetzt, grundsätzlich alle Eigenschaften erst zu ihren wunderbarsten Tätigkeiten führt. – Davon wird euch ein anderer Tag vollsten Aufschluß geben.

103. An diese Belehrung schließe Ich die zweite Tagesfrage an. 'Welche Eigenschaft ist vordringlich den Werken, besonders den Kindern zukommen zu lassen: die Ordnung als Grund-UR-Sache aller Schöpfungen, der Ernst als Grund-UR-Essenz Meines hochheiligen Wesens, oder die Barmherzigkeit als Grund-UR-Erfüllung des inneren und äußeren Kind Werkes?' Ihr habt Zeit; vielleicht gelangt ihr im Haus des Ernstes zur besten Einsicht. Ich gebe euch den Wille-Segen, mit ihm dringt ihr zur Klarheit durch. – Jetzt kommt und folgt Mir nach."

*

4/7 - Im Haus der Weisheit, auf dem Träger des Opfers und auf der Auferstehung

104. Auf dem Weg zum dritten Hügel nähern sich die Ersten liebend ihrem UR. Von ihnen umgeben, wandelt der All-Heilige hochsegnend Seine Schöpferbahn. – Auch das Weisheitshaus richtet Er selber zu. Bei Erhalt des 'Buches der Weisheit' danken Zuriel-Helia in schönster Weise. Zuriel hebt die Sichel über das lodernde Altarfeuer. Und es folgt die dritte große Belehrung an diesem ernstheiligen Tag.

105. UR sagt: "Meine Sadhana und Engelsfürsten! Bei Michael sprach (kap. 4,67) Ich von der glorreichen Auferstehung, die den Schlußstein des Tat-UR-Jahres hoheitsvoll herbeiführen wird. Ihr habt darüber nachgedacht, was es mit jener Auferstehung für eine Bewandtnis habe. Mein Hinweis leitete euch zu einer großen Vorschau an, zu der auch alle bisherigen Belehrungen gehören. Denn wollt ihr wahrhaft Meine ersten Werkhelfer sein, so bedarf es einer Schulung, die sich auf euch persönlich, auf das Werk, besonders auf den oft erwähnten Ausgleich des freien Willens mit den gerecht gestellten, Mir vorbehaltenen Bedingungen bezieht. Es kann nicht unterbleiben, die zwei ursächlichen Grundfundamente des jetzigen UR-Zyklus immer wieder in den Vordergrund unserer Betrachtungen zu stellen und das Werk darauf auszurichten. Ein UR-Zyklus umfaßt acht Jahre, von denen vier einen Aufbau, vier einen Rückbau ergeben. In den ersten vier UR-Jahren atme Ich als UR einmal aus und in der zweiten Folge einmal ein.

106. Ihr glaubt, daß jeder erste UR-Zyklus-Teil Wiederholungen als etwaige Auferstehung zeitigte. Meine Kinder, eure Ansicht ist nicht ganz falsch, trifft aber nicht die Wahrheit. Werkwiederholungen in dieser Art wären ein in Mir sich abspiegelndes armseliges Panorama, das nach Zeitfolgen gleiche Bilder brächte. Dergestalt brauchte sich Mein Feuer-Element nicht aus seiner 'Ruhestellung' zu begeben, was allen UR-Wesensteilen den höchsten Einsatz abverlangte. Könnte Ich Mich an Mir selbst ergötzen? Wer traut Mir solches zu?

107. Ihr sagt ferner, daß in den erlebten Schöpfungstagen es manche Wiederholung gab: die Entstehung aller äußeren Gebilde, der Gang zu den Hügeln, sogar Belehrungen. Das könnt ihr denken, weil ihr noch nicht den Ablauf von sieben Schöpfungstagen kennt. Erst dann (am ende) werdet ihr die ungeheuren Unterschiede merken, die die Einzeltage fundamental beherrschen. Von eigentlichen Wiederholungen kann keine Rede sein, obwohl Mein Allerheiligstes stets erstand, dazu eure Hügel, und daß freilich jeweils etwas Neues hinzugetan wurde. Mit wenig oder viel Worten ist euch hierbei kaum geholfen; ein Einblick zeigt euch an, wie sich wirklich alles formt. Dann werdet ihr eure Ansicht über Wiederholungen gründlich revidieren. – Jetzt aber erst noch eine Lehre über Auferstehung.

108. Auferstehung heißt: Neuwerdung einer vergangenen Form! Das betrifft nicht bloß das Äußere, sondern umfaßt alle UR-Substanzen, soweit sie den am Tage einer Auferstehung in Vorherrschaft stehenden Gesetzen unterworfen sind. Es wird sich um kein Einzel-Formwerk handeln, sondern um den vollen Schöpfungstag, sobald die Vorherrschaft einer Auferstehungsfolge fordert. Ihr begreift das nicht, weil ihr die Auswirkung solcher Gesetze noch nicht kennt. Die Vorherrschaft kann in jedem Falle nur entweder die Mir vorbehaltenen Bedingungen oder das freie Willensgesetz haben. Gelangten einst, wann sich die zwei ehernen Fundamentsträger in letztwilliger Ausgleichung gegenüberstehen, Meine Bedingungen zur Vorherrschaft, würde die Auferstehung eine andere sein als bei der Vorherrschaft des freien Willens.

109. Ihr fragt nicht unberechtigt, wieso denn eine Auferstehung nötig sei, wenn doch jede Werkbedingung ganz gerecht zur Auswirkung gelangt. Oder müßte auch ein UR-Jahr auferstehen? Nun, Meine Kinder, allerdings wäre eine UR-Jahr Auferstehung unnötig, oder Ich müßte nachgerade aus Meinen Werken auferstehen, womit gegeben wäre, daß Ich Mich selber einer Neuwerdung zu unterziehen hätte.*

[*] – ('Laßt nicht außer acht: Stets besteht der Unterschied zwischen den in Mir gewordenen und den aus Mir herausgestellten werken! Kämen also die Bedingungen zur Vorherrschaft, so bestünde eine Auferstehung trotzdem nicht in Mir oder gar für Mich, sondern würde darin wurzeln, daß das dem freien Willensgesetz Unterstehende eine sichtbare Neuwerdung erfahren müßte.')

110. Damit verbunden wäre ein UR-Gedanke, den Ich – als etwa einen investierten Reichtum, der nie angegriffen werden darf – in Mir trage als Reservatio mentalis Meiner Macht, Kraft, Gewalt und Stärke! Diese UR-Reserve, die ihre außerordentliche Form immerfort behält, bedürfte dann der Offenbarung, sinngemäß also einer Auferstehung oder Außenformung für die Kinder, sobald diese durch restlose Anerkenntnis der Mir vorbehaltenen Bedingungen zur höchstmöglichen Angleichung an Mein UR-Ich sich herangebildet hätten!

111. Einmal kommt auch dieser Auferstehungstag, wo Mein investierter UR Gedanke eine sichtbare Neuwerdung erhält! Das möge euch genügen. – Aber über die andere kindbedingte Auferstehung läßt sich noch ein kurzer Hinweis geben. So höret zu:

112. Gelangt das Freiheitsgesetz zur Vorherrschaft, so wird das Werk eine grundlegende Veränderung erfahren, die jedoch nicht unbedingt, auch nicht überall äußere Veränderlichkeiten zeigt. Diese liegen nun in Richtung und Lauf des Werkes, während vorbehaltlos jeder Aufbau Meinen Bedingungen gehört und ein Äonenteilchen der vorbesprochenen UR-Reserve besitzt. Die sich gebildeten Veränderungen bedingten eine Neuwerdung, die allerdings mit einem Opfer zusammenhinge. Das Opfer brächte die Auferstehung des der Veränderung unterworfenen Werkes; der Opferträger aber wäre die Auferstehung!!

113. Um solches das Werk segnend zu enthüllen, müßte selbst das Äußere des Opferträgers die Auferstehung manifestieren. Damit wäre gleichzeitig allen Kindern, auch den noch nicht vollendeten, die sichtbare Neuwerdung ihrer dem Vergänglichen unterworfenen Gestalt gebracht; sie würden auferstehen, auch das freie Willensgesetz unter Angleichung an die Bedingungen; aber alles dennoch aus dem UR-Reservat, aus dem die heilige Essenz zur gesegneten Substanz geworden ist.

114. Beide Auferstehungen brächten aber bloß ein urgrundbedingtes Ziel, das schon bei den Elementskämpfen zur ersten Offenbarung kam. Die Vielgestaltigkeit des Zieles wird einmal ungeheuer sein, daß nicht einmal ein UR-Zyklus sie auch nur annähernd zu erschöpfen weiß! – Damit habe Ich ein Stück Meiner Großartigkeit enthüllt, was euch zum guten Fortschritt dient. Denkt an diese Offenbarung und ihr werdet inne, wie gewaltig, wie einmalig Mein heiliges UR-ICH ist! Bringt durch eure Liebe, die echt durch alle Eigenschaften wird, eine werkgerechte Anbetung Mir dar. Denn mit solcher Anbetung ist ein Mitschutz des Grundreichtums verbunden, den Ich absolut nicht für Mich allein verwahre, sondern ebenso für Meine Kinder!

115. Ich teile manchen Reichtum aus; auch das euch überlassene Freiheitsgesetz ist eine königliche Morgengabe, die an sich nicht zu überbieten ist. Doch muß der König den eigentlichen Kron- und Hausschatz selbst verwahren, oder er wäre zu einer Regentschaft schlecht befähigt. Übernimmt jedoch der 'SOHN' nach Bewährung die Mitherrschaft, dann legt der König auch den Kronschatz mit in dessen Hände, und der Reichtum bleibt dem Hohen Hause ewiglich erhalten.

116. Ich hüte Meinen königlichen Schöpfungsschatz, bis der Sohn – Mein Kind-Werk – die Befähigung als ein von Mir geführter Mitregent bewiesen hat. Dann wird der UR-Gedanke seine Auferstehung feiern; das heißt: Ich selbst hebe diesen Schatz als leuchtende Herrlichkeit des Bewährungstages aus Meines UR-Wesens Grund heraus und übergebe ihn dem Sohn, Meinem Kindervolk, zur Verwaltung und Vermehrung. Und das sei dann die andere Auferstehung!!

117. Nun will Ich euch den versprochenen Einblick gewähren, der – euch zur Belehrung – zwei Tage aus der viergeteilten Schöpfung in innerer Folge zeigt. Hernach könnt ihr eure Ansicht über einen sich wiederholenden Werkablauf des Tat-UR-Jahres aufrechterhalten, oder gründlichst revidieren; das liegt bei euch. Ich mache darüber keine Vorschriften. Um das angedeutete Ziel aber zu erreichen, müßt ihr euch freilich zu dem einen oder anderen entschließen. So schauet!"

118. UR legt viel Weihkraut in die kleine, schwingende Opferschale, haucht drei mal über das Altarfeuer hin, und alsbald sind die Kinder ihrer Wirklichkeit entrückt. Die geschauten UR-Geheimnisse lassen sich mit Erdworten nicht beschreiben; aber künftige Schöpfungstage werden sie erkennen lehren. Die Bildfolge wirkt nachhaltend auf die Ersten. Das zeigt Zuriels Dank an, den er für alle dem Hochpriester Melchisedek sagt.

*

119. Nach allgemeinem Lobgesang spricht Zuriel: "Nun erst können wir, die wir aus Geschöpfen Kinder wurden, Deinen Namen fassen: Ewig-Heiliger UR, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger! Er birgt Deines Reichtums unsagbare Fülle, ist Dein Ur-Sein selbst! Wir sind dagegen einem Wassertropfen Deines UR-Quells gleich. Jetzt verstehen wir auch Deine Offenbarung über die Auferstehung, Hochpriester Melchisedek. Ja, ein jeder Tag, den Du einem UR-Jahr schenkst, ist in sich schon auferstanden; denn da wird wahrhaftig jede Dir erdachte Form zur gesegneten Gestalt!

120. So ist allerdings an keine Wiederholung von Großem oder Kleinem je zu denken; alles trägt den UR-Keim einer Vielgestaltigkeit. Wir werden immerfort nur Teile tragen; aber schon ein Anteil macht uns göttergleich, bringt uns das echte Anbild Deines hehren Wesens. Alle Deine Kinder werden 'SOHN', dem der Kronschatz übergeben wird. Du aber, heiliger Herr, thronst Äon mal Äon über Deiner Hände Werk!

121. Doch wir müssen uns befleißigen, um Dein hohes Reich, das Reich-Tum entsprechend einem Tagesanteil zu erkennen. Siehe, laß uns zu Mitopferträgern im Hinblick einer Auferstehung werden, damit Du einen UR-Jubel über Dein Kind-Werk in unermeßlicher Fülle ernten kannst! Die Weisheit sieht (Zuriel): Dieser UR-Jubel ist Grundträger eines neuen großen Schaffens! Nimm bitte unsere Opferwilligkeit, die den Ausgleich beider das Tat-UR-Jahr entscheidenden Fundamentsträger fördern hilft, als Anbetung entgegen. Das sei von nun an unser Dank, das Gebet, und Preis und Ehre Deines gnadenvollen Namens UR."

122. URs Augen strahlen helles Feuer aus. Oh, das tut es oft, und man müßte meinen, es sei immer gleich. Ja, es bleibt immer dasselbe, aus Seinem unveränderlichen Sein genährt. Doch stets lohender, alles in sich einnehmend, was da ist, entzünden sich die Funken an dem Feuer der Geschöpfe, die hingegen allein bei UR ihre Nahrung finden. Das ist auch ein UR-Geheimnis! – Er aber hebt segnend Seine Hände hoch, daß die Ersten unter dem auf sie einwirkenden Kraftstrom auf die Knie fallen, DEN anzubeten, der diese Segnung gibt.

123. Er spricht: "Eine dritte Entscheidung ist euch vorzulegen. Seht, Ich sprach vom Opferträger, von einer Auferstehung, und daß es letztere nicht gäbe, wenn nicht das oder ein Opfer erfolgt. Es müßte EINER kommen, dessen Opfer die Auferstehung nach sich zieht, während Er die Auferstehung ist. In guter Einsicht dessen habt ihr euch freiwillig zu Mitopferträgern bekannt und wollt ein Teil der Auferstehung sein. Das kann geschehen! Ich werde Mich des freien Angebots ebenso bedienen, wie dann auch ihr berechtigt das Meinige verlangen könnt.

124. Zu bedenken sind beide Auferstehungsarten, je nachdem, welches Fundament die Vorherrschaft erhält. Der Opferträger nähme in beiden Fällen eine gleiche Opferlast auf sich, wenn sie und ihre Auswirkung auch so grundverschieden würden, wie Tag und Nacht es sind. Aber die Opfer-Erfüllung wäre in sich auch die gleiche wie die Last.

125. Anders, (vor) ihr Kinder, verhält es sich bei den Mitopferträgern. Für sie ist unterschiedlich: Opfer, Last, Tragbarkeit und Auswirkung. Die Erfüllung zwar wäre in jener des Opferträgers verankert. Auch würde alles aus der Vorherrschaft des zweiten Fundamentes im Gegensatz zum ersten für die Kinder schwerer sein. Euer freies Angebot binde Ich aber an keine Opfermöglichkeit; denn aus zunehmender Erkenntnis bleibt es euch überlassen, das Gelübde nötigenfalls später einzulösen. In beiden Fällen erhaltet ihr die höchste Segnung aus solchem Mitopfertum. Und wahrlich, UR-Jahre hindurch wird sie euch beseligen! Nun prüft: 'Welches Vorherrschaftsgesetz eure Schöpfungsgabe haben soll?' Das Licht der Weisheit soll euch erleuchten.

126. Wir können nun dem Ernst den eigentlichen Tagesablauf überlassen. Folgt Mir nach! Bald beginnt die vierte Stunde. Mit ihrem Schlage müssen wir auf dem Hügel des Ernstes sein." Auf diesem Wege läßt UR die Ersten hinter sich zurück; sie brauchen Zeit, um allen an sie gestellten Forderungen gerecht zu werden. Dann aber, als auf halber Höhe ihnen das Ernst-Haus im wunderbaren Licht der UR-Sonne entgegenblinkt, spürt der Tagesfürst den inneren Ruf, und Muriel-Pargoa schreiten den letzten Wegteil zu beiden Seiten ihres UR.

*

4/8 - Vor dem Haus des Ernstes stellt UR-Priest eine wichtige Frage

127. Als sie alles Herrliche auf ihrem Hügel sehen, sagt Muriel zu UR: "Dir danke ich!" Ein schlichtes Wort. Es greift in eine Wesenstiefe des All-Heiligen, demzufolge Er ein neues Gnadenfüllmaß schafft. Er segnet ohne Wort die Schlichtheit dieses Dankes. Und noch unbemerkt für die Kinder paart Er das feurig impulsive Wort des Zuriel mit der erkenntnistiefen Einfachheit des Muriel. Beides, die offenbare Lohe und das stille Licht, will Er als gerechten Dank betrachten. –

128. UR heißt den vierten Lichtträger die Pforten öffnen; erstmalig im Tat-UR-Jahr wird das Haus des Ernstes für die Schöpfung aufgetan. Doch allein betritt UR die Stätte höchster Bedeutung: Entscheidung des Ernstes in allen sieben Eigenschaften! Dann geleitet Er Seine Kinder mit unbeschreiblicher Sorgfalt in den Raum. O unsagbare Güte! O UR, Du gibst wahrlich eine um die andere Kostbarkeit! Mit Kleinodien Deines Reichtums schmückst Du Deine Lieben, und es ist Dein eigener Schmuck, Dein königlicher Kronschatz: Dein Vater-, Dein Herrschertum ohne Ende!! – UR beginnt Sein heiliges Hochamt:

129. "Meine Sadhana, Meine Lichtfürsten! Nun bricht die entscheidende Stunde an, in der Ich als Hochpriester Melchisedek Meine Heiligkeit zum schöpfungsgerechten Teil euch anheimgebe, wo ihr euch in einer Vorausnahme zu bewähren habt. Beides hat Hand in Hand zu gehen, soll es ewigen Bestand behalten. Eure Werkweihe bleibt im Hochamt des erhabenen Priestertums; und nichts, gar nichts macht diesen Urbesitz ungültig! Ob darüber hinaus ihr eure Weihe aber Mir belaßt, daß sie durch alle Zeiten unverhüllt Meinen Heiligen Herd bedeckt, ja, das liegt an eurer Bewährung und daran, wie ihr im Gegenspiel Meine Heiligkeit behaltet und eure Altäre unverhüllt damit schmückt.

130. Wer die Bewährung, hergeleitet aus der Vorherrschaft des zweiten Fundamentes, nicht besteht, wird bald die eigene Weihe und Meine Heiligkeit vergessen, so daß diese auf dem Kinderaltar, jene auf Meinem Herd verborgen werden müßte. Das würde ein Schöpfungsschicksal, den Opferträger und die zweite Auferstehung heraufbeschwören.

131. Eure Frage war berechtigt, ob Kinder Meine Heiligkeit mitschützen könnten, da Ich allein der All-Erhabene, der Höchste bin, dessen Allmächtigkeit die Schutzkraft selber ist, während ein Geschöpf ausschließlich die Beschützung braucht. Im Sinne großer Demut und gemäß äußerer Gestaltung der Eigenschaften habt ihr darin völlig recht. Oh, Ich bin selbstverständlich der Schutz Meiner selbst; und es wäre traurig um eine All-Gottheit bestellt, würden deren mit ungenügendem Schutz versehenen Werkteile den zu beschützenden Teilen unterstellt. Hier aber handelt es sich nicht um ein Beschützen im Sinne des Wortes, sondern um die Erhaltung dessen, was dem Werk gegeben ward.

132. Meine Heiligkeit braucht in sich selber keinen Schutz! Da Ich dem Tat-Zyklus veräußerlichte Gedankenkräfte gab, auch die Elementsgestaltung äußerlich erschauen wollte, schloß Ich mit Mir selbst gewisserart den Kompromiß: Soviel Ich dem Tat-Werk gebe, soviel dieses MIR! Das bekundet jede Gegenseitigkeit: Mein Kind-Werk trägt zufolge des geschlossenen Vertrages vom UR-Sein ein Stück als Eigentum in sich, ist dadurch aber auch Mein Eigentum aus sich!

133. Die Bewährung wird es zeigen, ob der Vertrag gut gewesen ist und von beiden Seiten eingehalten werden kann, wird oder nicht! In seiner Einhaltung von Meiner Seite aus wurzelt das königliche Erbe, von eurer Seite aus der der Heiligkeit zugebilligte Schutz. Mit der Bereitstellung des freien Willensgesetzes habe Ich den Vertrag unterschrieben, mit der Anerkennung der Mir vorbehaltenen, gerecht gestellten Bedingungen leistet ihr eure Unterschrift.

134. Muriel fragt geheim, wie möglich Meine Heiligkeit trotz urpersönlichem Schutz und Unberührbarkeit angetastet werden kann. Oh, höret, Meine UR-Heiligkeit fällt niemals einer Entblößung anheim; denn in dem Augenblick, wo jemand nach ihr rechtlos seine Hände reckt, würde – wie zuvor besprochen – das begonnene Jahr entsprechend der Geduld-Einwirkung in Mein UR-Sein eingenommen werden.

135. Dagegen ist der dem Werk angediente Heiligkeitsanteil anzutasten, sobald der freie Wille zur Vorherrschaft gelangte und die Bedingungen zurückzudrängen suchte. Daß es zugunsten des Kind-Werks bei einem kläglichen Anlauf bleibt, darum schloß Ich mit dem Werk die eine Schöpfungsklausel: Ich bewahre eure Weihe in Meinen, ihr den Heiligkeitsanteil in euren Händen, indem wir beide Fundamentsträger voll ausgeglichen zur Herrschaft kommen lassen. Ich werde die Mir zu Lasten liegende Klausel einzuhalten wissen und braucht sich niemand zu bekümmern, ob und wie Ich ein guter Kaufherr sei.

136. Dieses Schöpfungsstück vollwahr zu erkennen, ist freilich schwer getan und fordert hochkonzentrierten Ernst. Wer nicht allen Ernstes in der Tiefe des Geschehens schürft, wird es kaum begreifen. Wer aber das Wort vom Grundeigentümer- und Anteilnehmerrecht verstanden hat und darin die höchste Garantie Meines Werkes sieht, der sollte sich mit Freuden dieser Mühe unterziehen und das Vorgesagte über Meine Heiligkeit verstehen lernen. Verständnis ist ein kostbares Juwel aus Meinem Schatz! Wer es besitzt, der ist im »Sohn«, ein »Kronerbe« Meines königlichen Reiches!

137. Ihr Ersten seid die Anwärter des Kronerbes. Allein – jedem Kind-Gedanken gab Ich die Befähigung hierzu! In der diesem Schöpfungstag vorausgehenden Nacht habe Ich das Wunderwerk besiegelt, in Meinen urheiligen Mitternachtsquell eingetaucht und daraus geschöpft, was werden wird! Nun bringt der Tag die freie Kind-Entscheidung, derzufolge das Vor oder Zurück in Erscheinung treten kann.

138. Es steht die Frage zu Recht, ob Ich als Schöpfer handelte, trotzdem am Tag des Ernstes Meine Priester-Herzkammer geöffnet ward. Sehr richtig, liebe Kinder; der Tag selbst mit der Entscheidung untersteht dem Hochpriester Melchisedek. Doch gerade der Entscheidung wegen hat der Schöpfer Seinen UR-Anteil daran. Erweist sich nämlich im 'Vorausblick' schon, daß der zweite Fundamentsträger zur Dominantenstelle drängt, so ist das Tat-Jahr ohne Erschütterung seiner Grundfesten in das Allmachts-UR-Sein wieder einzusenken.

139. Über die Art eines weiteren Fortbestandes entscheidet lediglich eine Nacht! Gelangt hingegen das erste Fundament zur Vorherrschaft, wobei der freie Wille in Grenzen einer Tragbarkeit gehalten werden kann, so bleibt das Tagwerk weiterhin dem Priester überlassen, und der Strom fließt in die dritte Herzkammer, in den Gott-Teil ein. Damit käme die Bewährungszeit für alle freigeborenen Kinder.

140. In dieser Folge stünden Opfer, Mitträgertum, Erlösung und Auferstehung zur inneren und äußeren Werk-Rechtfertigung. Selbst eine hernach noch folgende Überinanspruchnahme des freien Willens würde keinesfalls Mein Ziel beeinträchtigen! Denn die Zeit, einem Abfall etwa überlassen, liegt vorbereitet in jeder Tageszeit eingeschlossen. Dennoch dürfte eine schöpfungsungerechte Tat nicht nur ein Opfersohn entsühnen, wie es auch ungut wäre, würde die vergeudete Zeit dadurch ausgeglichen, indem sie nicht als zusätzlich gelten könnte.

141. Oh, nein, so darf es nicht geschehen! Der Lastauslöser müßte sowohl eine Tat als auch die Mir entwendete Zeit auf gerechtem Sühneweg wiedergutmachen. Davon wäre niemand zu befreien! Daß solche Zeit für die UR-Ewigkeit wohl kaum Zusätzliches bedeutet, leuchtet euch ein; für das Kind selbst, auch für andere Kinder, wäre sie jedoch eine in ihrem Ablauf nicht zu übersehende Ewigkeit.

142. Doch nun einiges über den Ernst unserer Arbeit. Sollt ihr euch höchstbefähigt erweisen, so bedarf es im voraus auch einer anteilig höchsten Offenbarung. Also hört! Die Ordnung ist der entscheidende Faktor, wie schon ihr Zeichen, die Waage, es verrät. Und doch nannte Ich den Ernst entscheidend. Das Ursächliche beim letzteren gründet sich einzig auf der Fortführung oder Rückbildung des Tat-Werkes. Der Rückbildung unterlägen urbedingt alle Kinder! Im gleichen Maßstab würde eine Werkfortführung auch alles einschließen, sogar das Kind, das sich weitest von Mir entfernt hätte samt seinen Anteil an Raum und Zeit, die beide eine gewisse Umbildung erfahren müßten.

143. Solche Fortführung wäre nicht allein auf den Opfer-Träger-Gedanken, sondern gleichanteilig auf den Opfer-Annahme-Gedanken zu stützen. Nur die Nichtannahme eines UR-Opfers würde restlose Auflösung des Tat-Werkes mit sich bringen, weil dergestalt das 'Restlos' und ein 'Rechtlos' unausgeglichen blieben. Von einer Rückbildung – wie zuvor gesagt – könnte also keine Rede sein. Eine Rückbildung schließt eine Neubildung aus gleicher Schöpfungssubstanz nicht aus!

144. Eine Auflösung hingegen muß die vollständige Rücknahme sämtlichen dem UR-Zyklus anvertrauten Gedankengutes darstellen. Das betrifft nicht die Werk-Essenz Meines UR-Seins, die keiner Auflösung unterliegt. Denn solche Auflösung käme einer Vernichtung gleich. Ich bin ewig, aber kein Vernichter, sondern allezeit der Erhalter!! Doch Ich würde den Tat-Zyklus den Ausgleichskämpfen der UR-Elemente nochmals unterwerfen und einen neuen schaffen. Der Ernst entscheidet zwischen Rückbildung und Fortführung: die Bewährungszeit – im Tage der Liebe – aber zwischen Fortführung und Auflösung.

145. Der zweite Entscheid hat jedoch seinen Pol in dem ersten, weswegen der Ernst als 'Waagbalken' zwischen den bestimmenden Eigenschaften Ordnung, Wille und Weisheit einerseits und den tragenden, Geduld, Liebe und Barmherzigkeit andererseits eingesetzt ist. Darum kamen vor dieser Entscheidungszeit die tragenden Funktionen nicht zum Einsatz, sondern nur die bestimmenden.

146. Wer glaubt, damit wären die zwei Waagschalen einseitig belastet, irrt sich gewaltig! Die geheime Einung bietet ihnen unumschränkte Machtentfaltung. Jede Splitterung führt zur Auflösung! Der Ernst hat beide Arten gleichmäßig: er ist bestimmend und tragend, wenngleich aus den UR-Elementskämpfen rein bestimmenden Charakters. Die Angleichung, die das Tat-UR-Jahr vollenden soll, drückt sich nach beiden Eigenschaftsarten aus. Das Bestimmende muß anteilig tragfähig, das Tragende umgekehrt bestimmend sein. Bei dieser Angleichung wird beider Besitzgrundzug in keiner Weise angetastet.

147. Darum: zurück zur UR-Gottheit oder vor zur Kind Vollkommenheit! Rückbildung ist besser als notwendig werdende Auflösung. Denn aus dem Zurück ist sofort Neues zu gestalten, an dem das ganze Kindervolk sein Anrecht hätte. Ob auch bei einer Auflösung, bleibt Mein Geheimnis! Ein Rückgang ist noch immer in die erste Hälfte eines UR-Zyklus einzureihen, ist sie ja die Zeit Meiner Ausatmung.

148. 'Was ist nun besser: Rückbildung, zumal das freie Willensgesetz seine Vorherrschaft erhalten muß, oder Fortführung selbst mit dem In-Rechnung-Stellen einer Auflösung?‘ Das ist die vierte Tagesfrage an euch?' Jede Antwort auf die Fragen leitet zur Entscheidung hin. Ehe ihr sie aber bringt, soll der Ernst-Träger zu seinem Werk-Recht kommen. Wir begeben uns ins Freie." Der Dank der Kinder auf diese Offenbarung ist ein stiller, von UR geheiligter.

*

4/9 - Muriels Gebet wird Licht auf Licht

149. Am Brunnen schöpft Er eigenhändig das Wasser in die Becher, wie Er auch selbst die schönsten Früchte pflückt. Doch auch die Ersten sind nicht müßig, Ihn zu bedienen. Bei dem Mahle deutet UR noch vieles vom Vorhergesagten aus. Seine Kinder sollen ja die schönsten Früchte sein, die Er sich vom eigenen UR-Baum bricht, die Frucht 'WERK-ERFÜLLUNG'!

150. Muriel wendet sich an Ihn und sagt: "O UR, bester Lebensspender, Du hast uns ins Freie geführt, weil ich mein Werkrecht haben soll. Aber sieh, alles ist herrlichst zubereitet, was bisher wurde. Eine Frage habe ich: 'Wie kommt es, daß Du kein Licht ausstrahlst? Du, der Urquell allen Lichts? Wenigstens nicht so wie die UR-Sonne, Deiner Hände höchstes Werk!' Außerdem zeigt Deine Sonne zwei Lichtstärken an, je nachdem, wo wir uns befinden. Sitzest Du, All-Heiliger, auf Deinem erhabenen Stuhl, so spüren wir, von der Sonne ausgehend, eine ungeheure Vibration, die alles, auch unsre Herzen, bewegt. Als Dich Uraniel einst bat, sich ein wenig abzuwenden, glaubten wir, sie könne nie stärkere Lichtkraft geben, als es damals geschah. Jetzt aber hat sich Licht und Strahl der Sonne überaus gesteigert; wir fassen dieses Wunder nicht.

151. Noch eine Frage möchte ich demütigst an Dich richten. Höre gütig Deinen Engel an. Du nanntest uns Deine Lichtträger. Ich weiß: Du, Höchstheiliger, bist Dir selbst der erste Träger Deines Lichts! Du bedarfst urewig weder einer Form, eines Ortes oder Standes, an denen oder durch welche Dein Licht gehalten würde. Nun Du aber den uns noch immer eher unbegreiflichen Tat-Zyklus geschaffen hast, ist es Dein ewigbegründetes Gesetz, daß Deine Kinder an allen Dingen ihren werkgerechten Anteil haben sollen.

152. Auf welcher Art nun dürfen wir Dein Licht in Raum und Zeit hinaustragen? Sicher meintest Du nicht jene inneren Gestaltungskräfte, die sich – je nach Werk – allmählich äußern sollen. Damit verknüpft müßte das Hinaustragen Deines sichtbaren Lichtstoffes sein, wie das ja Deine UR-Sonne beweist. All Dein Werk, auf das innere und äußere Kraftbewußtsein abgestellt, zeigt so den Fortgang Deiner Schaffung.

153. Sind wir nun als Lichtträger die Fackeln Deines erhabenen Stuhls, so gib, daß wir in werkgerechter Weise das Licht als Dein leuchtendes UR-Symbol in herrlicher Fülle Deinen Tagen bringen dürfen. Zeige uns, wie wir Dein Licht personifizieren können. Ich möchte, daß mein Tag durch dieses Licht gesegnet wird."

154. "Sehr gut gesprochen, Muriel." Ein Lächeln gleitet über das heilige Gesicht. "Deine Erkenntnis wird uns arbeitsfreudig machen. Auf dem Grundlebensstrahl Ernst kraft seines bestimmenden und tragenden Charakters ruht zumal der Ausgleich zwischen innerlich ätherischer und äußerlich substantieller Art, wie zwischen positiv und negativ. Euch nützte wenig, Meine Worte als alleinig richtig zu erkennen; damit wäre niemandem und nichts gedient. Erst ihre Anerkenntnis, die ihren Sinn in Befolgung und Ausführung hat, bringt dem UR-Jahr die Vollendung in höchstmöglicher Angleichung an Meine UR-Vollkommenheit!

155. Diese Angleichung gilt jeder inneren und äußerlich erstandenen Form. Es bleibt also nicht unterm Wege, Mein Licht nach innerer und äußerer Gesetzmäßigkeit der Zukunft aus dem Ernst-Tag zuzuleiten, worunter ebenso die Sichtbarwerdung Meines Sonnenlichts fällt.

156. Damit deutete Ich an, was der von Mir, Ich aber von dir, dem Ernst-Träger, erwarten muß. Reihe dich in Meine Himmelsmeister ein; und dein Werk bleibt eines des 'höchsten Segenstaten' im ganzen UR-Zyklus. Hernach bedürft ihr weiterer Belehrung." – Mit adliger und demütiger Haltung treten Muriel-Pargoa vor UR hin, und Muriel bittet: "Lasse uns, o allheiliger UR, an unseres Hauses Altar gehen, um daselbst uns das Tageslicht zu holen. Aus Deiner machterhabenen Heiligkeit soll geboren werden, was Deine Majestät in ihrem Glanze offenbart und in dem Du, Ewig-Ewig UR, Deines Priesteramtes waltest! So empfängt Dein Werk die Heiligung, durch die es einst in Dein UR-Sein zu neuer, ungeahnt herrlicher Auferstehung fließt."

157. "Tue das, Mein Fürst," sagt UR. Was und wie geschieht das Werden? In gewaltigem Strom ergießt sich Licht um Licht, durchglüht äonenfach Raum und Zeit. Seine Grenzen bleiben völlig ungemessen. Die Kinderherzen stehen unter dieser Gnadenlast wie still. – Der Fürst des Tages, wieder vor UR hintretend und sich in Anbetung verneigend, spricht:

158. "Ewig-Heiliger UR, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger! Im Altarfeuer sah ich Deines Hohen Hauses Pracht. Und – o Wunder über Wunder – Dein Ein- und Ausatmen und wie Dein UR-Herz in seiner Einheit und in den vier Herzkammern dieses ATMA gibt! Dein Lebensstrom, ewig für uns unfaßbar, pulste durch Dein Sein. O UR, …Dein Geheimnis! Alles war ein Atemzug Deiner unbegrenzten Lebensmacht! Du Wunderbar! Königlicher Herrscher! Deines Reichtums Kostbarkeit erschüttert mich!! Nun begreife ich den Hinweis von der Zeit: ein Nichts – und doch ein Äon von Deinem UR-Äon! In Deiner Offenbarungsherrlichkeit sah ich da, wo die Ordnung planend schafft, schon das 'Vollkommen der Barmherzigkeit': das Ziel! In diese unmeßbare Spanne hast Du Deine Kinder eingehegt! O UR!" Der Fürst verharrt in ernstem Schweigen.

159. "Ich habe mehr gesehen! Das unbewußte Werk führst Du durch die bestimmenden Eigenschaften; uns Erste hast Du in deren Zeit um Dich gesammelt, während den Kindern zuerst die tragenden Grundlebensstrahlen bereitgehalten sind. Deshalb werden sie erst in der 'Hochmitte dieser Grundstrahlung' (im 6. (am sechsten Tag der liebe) Tag zum Lebensdasein kommen. Welch ein Ausgleich! Und diese Herrlichkeit willst Du, obwohl von keinem Kinde auszuschöpfen, auf einem Dir recht erscheinenden Wege allen schenken, mindestens die Segensflut daraus. Darf ich auch mithelfen, so gib, o UR, hierzu Dein heiliges Gelingen! Das sei nun mein Werk.

160. All-Heiliger, Du bist der UR-Punkt aller Schaffung und bist auch, urpersonenhaft uns offenbar als Schöpfer, Priester, Gott und Vater, der einzig höchste Repräsentant! Zum Zeichen dessen hast Du die UR-Sonne zum Mittelpunkt gesetzt, die dem Werke Licht und Leben gibt. Wie du aber, Sadhana als deinen schönsten Widerstrahl, uns Engel als Fackeln um Dich stelltest, so soll auch Raum und Zeit die Widerstrahlung Deiner UR-Sonne haben: Lichter ohne Zahl!

161. Um Dein Heiligtum bilde sich die vorgeschaute Stadt; dann sieben Lichterringe, vertreten und geführt von den Trägern Deiner Eigenschaften. Diese Ringe sollen sich mit Sonnen als Spiegelbild Deiner Gedanken in ungeahnter Vielfalt füllen, Dein Leben denen gebend, die noch kommen werden: Äonscharen glückseliger Kinder!

162. Im ersten Ring sollen sieben Urzentralsonnen das UR-Sonnenlicht aufnehmen und das sich Anschließende damit speisen. Der zweite Ring fülle sich mit 24 Zentralsonnen, je drei aus uns acht Ersten. Denn sieh, o UR, wir können viel von Deiner Fülle tragen, aber wir können niemals SCHÖPFER sein! Darum sollen diese Sonnen für uns die Gaben Deines Priester-, Gott- und Vatertums sammeln und für uns aus Ordnung und Wille weiterstrahlen.

163. Je drei Einheiten* dieser Gaben gemäß beider Fundamente ergeben die Sonnenzahl des dritten Ringes der Weisheit. Die Gesetzträger gehen aus diesen 144'000 Kreissonnen hervor, die den nächsten, den Mittelring des Ernstes, zu nähren haben. Hier sei das Siebenfache der Zahl der Mittelsonnen und deren Siebenfaches an Sternen zugeordnet (1.008.000x7). Denn den Scharen Deiner Kinder, o UR, seien diese Stätten zubereitet. Das Lichtkonzentrat soll noch – vorgesehen – drei andere Sphären zeugen.

(*) – 3 x 8 Erste = 24 x 1000 Einheiten = 24'000 x 3 Wesenheiten = 72'000 x 2 Fundamente = 144'000 = 12 x 12 Geschlechtereinheiten)

164. Die Geduld bevölkere den fünften Ring mit Lichtsonnen in siebenfacher Zahl der Mittelsonnen und Sterne erster und zweiter Ordnung, alles immer siebenfach gestaffelt. Die Liebe soll ihren Ring mit Strahlsonnen herrlichst schmücken, die, erhoben zur großen Kind-Werk- Offenbarung, überallhin zu strahlen haben. Denn aus dem ewigen Born entsteigen alle Kindgedanken, befähigt zum freibewußten Leben. Zu den Sternordnungen trete im sechsten Kreis eine dritte hinzu.

165. Am gleichen Tag ist auch der siebente Ring der Barmherzigkeit mit seiner 'Kronfülle' zu bedenken. Ich sah voraus: 'Die Barmherzigkeit wird die Liebe überschatten, denn im Zeichen 'LIEBE' kann es einen Opferträger geben.' Siebenfach der Strahlsonnen sollen Zellsonnen mit ihren vier Sternordnungen entstehen, dazu Sternweltgruppen, die notfalls in der Zeit eines Ausgleichskampfs beider Schöpfungsfundamente den Kindern dienen können, wenn es ohne Opferträger in diesem UR-Jahr keine Erfüllung geben würde.

166. Strahle! Strahle, Sonne des Heils! Fülle die vier ersten Tagessphären an! Laß dein heiliges Lebenslicht aus deiner ewig unversiegbaren Quelle leuchten! Es werde!" Beim letzten Wort haben Muriel-Pargoa ihre Hände gegen UR und Seine Sonne hoch erhoben. Sie sind vom Glanze eingehüllt, sind selbst gleich Strahlen anzusehen.

167. Schöpfungsschauspiel ohnegleichen! Die Zeit, in der des 'ERNSTES TAT' geschieht, hat keine Grenze für Geschöpfe. Die UR-Sonne schleudert eruptiv glutentbrannte Kerne aus; sie stoßen feuerballähnlich in sieben Richtungen zur ersten Sphäre vor. Nach rasender Rotierung kreisen sie als herrlichste Urzentralsonnen um den Sonnen-UR-Pol. Doch obwohl diese ungeheuren Himmelskörper die UR-Sonne in deren Form und Strahlumfang ausmachen, ist diese nach der 'Geburts-Eruption' weder kleiner noch ärmer an ihrem Licht geworden. Wie vordem steht sie im heiligen Zenit der UR-Allmächtigkeit.

168. Es tosen die Gewalten der UR-Ewigkeit durch Raum und Zeit des Schöpfungstages. Während dieser Tat-Sinfonie sehen weder UR noch die Ersten müßig zu. Nein! Sie sind in höchste konzentrierte Tätigkeit versenkt. Das Licht ist zu leiten, die Strahlen untereinander zu verknüpfen. Ehe die unvorstellbar großen, kugelförmigen Lichtgebilde ihren geordneten Kreislauf als 'Sonnen' beginnen können, da muß das Werdende von URs Allmachtkraft regiert, zusammengefügt und seiner schöpfungsgesegneten Bestimmung übergeben werden.

169. Was ist bei UR ein Schöpfungstag, von dem eine Stunde Jahrmillionen dieser Erde gleicht? Ein Licht geht aus dem anderen hervor. Die gebärenden Sonnen werden ebensowenig kleiner wie eine Mutter nicht bei der Geburt ihres Kindes. Und wie das Kindlein wächst, so auch die Sonnen und die Sterne, bis URs herrlich-hehrer Herrschaftswille alle Lichtgeburten in die Himmelskörperbahnen lenkt.

*

170. Die Zeit naht, wo die vier ersten Ringe sich beruhigen und mit Sonnen und Sternengebilden übersät erscheinen. UR steht mit den Kindern wieder auf dem vierten Hügel. Sich des Lichtschauspiels erfreuend, betrachten sie das Himmelspanorama. UR sieht im Glanze jahrmillionen Sonnen ein Werk vor sich, ein einziges aus der Vielzahl Seiner Werke. Da durchloht Ihn ungeheurer Titanenjubel, als sich das Vollmaß Seines Tat-UR-Jahres in dem Allmachtsglanz der Sonnen spiegelt!

171. UR löst Sadhana und die Engelsfürsten aus der Versenkung in das urgewaltige Geschehen. Sie stehen neben Ihm am Brunnen und sehen das Tagewerk mit hochschlagenden Herzen an. Haben sie wirklich daran Anteil? Zumal Muriel-Pargoa fragen sich, ob durch ihr Wort dieses Sonnensphärenreich zustande kam. Die Demut beherrscht ihr Wissen: Aus UR allein wurde dieses Werk!! Ja – ihre Demut leuchtet wie das Licht ihrer Sonne. Mit immer neuem Staunen beschauen sie die Einzelheiten, besonders die Urzentralsonnen. Da merken sie, daß sich der ganze Ring um den UR-Pol dreht. Von den Sonnen sehen sie aber nur sechs. Wo ist die siebente geblieben?

172. UR lächelt und sagt: "Ja liebe Kinder, fragt Muriel; er hat die Sonnen ja gemacht und muß wissen, wo die eine hingeraten ist." Er legt Seine Hand auf des Fürsten Haupt. – Dieser, überwältigt von des Höchsten unerhörter Güte, sinkt plötzlich auf sein Knie. Sein Haupt lehnt er an URs Seite und – Tränen, Tränen strömen. Warum weint der Fürst des Ernstes? Oh, hätte das Gefühl von Seligkeiten keine Tränen, niemals würden welche je geweint! Er sah mit Pargoa im Haus ein Zukunftsbild, was einst zwischen Schöpfer und Geschöpf wohl ausgewogen werden muß!

173. Nun sehen sie das Wunderwerk, in dem für die Kinder schon jene Gnade ruht, die einst den Ausschlag geben wird! Und das Größte noch: UR, der Schaffer dieser Herrlichkeit, der Ewig-Heilige, Ewig-Einzige und Wahrhaftige, steht wie ihresgleichen unter ihnen! Er spricht so daseinsnah, Er verschenkt Sein Herz!! Das alles machte Muriel weinen. Die Tränen sind geheiligt. Denn – Wunder über Wunder – UR fängt mit seinen Händen alle Tränen auf und trinkt sie. Das erschüttert alle bis ins tiefste Herz. Und sie weinen auch.

174. Noch immer kniend, spricht Muriel: "O UR, wie ist mein Herz so voll; Du weißt, was mich bewegt. Du sagst, die Sonnen hätte ich gemacht? Damit willst Du mich beseligen. Doch aus Dir allein sind sie hervorgegangen, hochgelobter Schöpfer UR! Laß mich, o Vater, wo ich im Glanze dieser Sonnen Deine Wundermacht verspüre, nur Dein Kind sein; siehe, in Demut bin ich Dein Kind." – Da fällt auch aus URs sanftdunklen Augen eine Träne und – fällt auf Sadhanas Haupt, die neben Muriel kniet.

175. Er spricht: "Mein Engel, du bist Mein Kind! Du hast für dich und alle wahrste Demut bezeugt. Das Wunder hat dich klein gemacht. Aber siehe, in dieser Kleinheit bist du groß geworden, und so kannst du dieses Werk berechtigt als das deine übernehmen, wenngleich es ursächlich Meine Sache ist! Über Meine Hände hinweg habe Ich sie durch die euren geleitet. Wie Mein UR-Herz sie gebar, so sind auch eure Herzen vollgerecht daran beteiligt. Demut und Tränen waren der Preis, den ihr für den Eigentümeranteil Mir bezahltet.

176. Jedes Kind kann einst auf leichte Weise seinen Anteil sich erwerben und hängt es nicht unbedingt von zusätzlicher Gnade ab! Nun aber…" UR muß seine Ersten jetzt entlasten‚ "…Muriel, wir suchen eine Sonne. Sage, wo hast du sie denn eingereiht?"

177. Da geht es wie befreiend über alle Kinder hin. Das UR-Geschehen rückt zu ihrem Heile etwas ab, und nun erst können sie sich völlig freuen. – Muriel setzt sich auf den Brunnenrand, deutet auf den ersten Sonnenkreis und sagt: "Um das Aller heiligste, den UR-Pol, lagerten mit Beginn des UR-Zyklus die sieben Hügel, Symbol der Grundlebensstrahlen. Diese Hügel waren der erste Lichtausfluß der UR-Sonne, die sich diese Sieben-Sonnen-Sphäre selber schuf.

178. Seht, von uns aus nach rechts und links gesehen, laufen die sechs Sonnen in gleichmäßigem Abstand voneinander. Demnach stehen wir auf meiner vierten Sonne und kreisen mit ihr und den anderen um das Heiligtum. Die Hügel waren Polpunkte für die Sonnen. Das Äußere ist nun gegeben; weit mehr soll unser Inneres um den UR-Kern kreisen, um UR selbst! Er ist ja das ursächliche Leben! Wir sind seine Lebensformen, also sind wir bei und in Ihm; Er aber ist bei uns. Und der Strahl der UR-Sonne bleibe das Wahrzeichen persönlicher Verbindung; wie zu den Lichtwohnstätten und zurück, so zwischen uns und unserm Ewig-Vater! Wir werden sonach fähig, Ihm einst ein Dankopfer darzubringen, ein Mitopfer als ein Teil der Krone, von der UR schon einiges verkündet hat.

179. Ihm laßt uns für die Himmelsfeste danken. Im Strahlenglanze ungezählter Sonnen wollen wir Ihn anbeten, wie es Ihm gebührt." Ein Loblied von Sadhana, den Cherubinen und Seraphinen erschallt, dessen Kraft das All bewegt. Danach herrscht feierliche Stille. Durch sie antwortet UR Seinen Kindern. Dann fordert Er sie auf und sagt:

180. "Wir wollen nun das Werk unseres Himmelslichtmeisters (Muriel) prüfen, ob etwa ein Regiefehler vorliegt. Die ungeheure Zahl, die unser Muriel so mir nichts dir nichts der UR-Sonne entnahm, bedarf der Lenkung, und es ist erforderlich, daß Zuriel mit seiner Weisheit, aber auch ihr anderen behilflich seid." Muriel fragt demütig: "Herr, allmächtiger Schöpfer, habe ich zuviel geschaffen?" Eine Sorge ist entstanden, denn noch fehlt den Ersten die ganz eigene Arbeit und Erkenntnis. Wieder gleitet jenes gute Lächeln als sanfter Schein über URs Gesicht? Bei jedem solchen Lächeln überschauert es die Gotteskinder. Ja, darin offenbart sich Seines Wesens Grundgewalt.

181. Er antwortet: "Wir werden sehen, Muriel, was noch zu retten ist. Du hast in Mein Reservoir recht tief hineingelangt, mit vollen Händen geschöpft und den Lichtsamen in die Tiefe, Höhe und Weite ausgestreut. Nun prüfen wir, ob der Tag genügend Ackererde hat. Auch künftige Tage brauchen Raum und Weite, um die Lichter zu erhalten. Nehmt die Lehre hin: Bei jedem Ding, bei Wort oder Werk, was ihr euern Tagen geben wollt, müßt ihr Raum und Zeit bemessen, in welchem euer Werk geschieht.

182. Guten Samen reichlich auszustreuen sichert eine reiche Ernte! Zuviel des Samens aber geht verloren, kann das Ackerland ihn nicht verwerten oder tragen. Dem Acker würde außerdem Gewalt getan. Und nichts ist damit gut gemacht; der Reichtum ist vergeudet! Drum beachtet stets zuerst den Boden, dann den Samen, beider Qualität und Menge, ob beide gleiche Bedingungen haben. Mein Tat-UR-Jahr bringt vielgestaltige Ackererde, vor allem unter Meinem Kindervolk, und es gilt zu prüfen: Welcher Samen gehört auf welches Land. Doch sei unbesorgt, Mein Engelsfürst; du wirst sehen, ob du ein guter Landmann warst."

183. Und so ist es auch. UR führt Seine Ersten mitten durch das Lichterfeld, damit sie noch vor Tagesablauf dieses schöne Lebenswerk als URs Beauftragte und Sachwalter mitführen können. Der Unendlichkeitsboden – auch eines Schöpfungstages – erweist sich für die ganze Lichtverkörperung als tragfähig genug.

184. UR erklärt die Konstellationen und die Bildfiguren, an ihrer Stellungsform zu erkennen; ferner die Großformen, aus verschiedenen Bildfiguren hergestellt, welche Bewandtnis es mit diesen Zeichen hat und wie sich das später bei der Vielzahl aller Kinder auswirken wird. Da folgen Wunder über Wunder! Ewige Stunden gehen hin, bis sie durch das Werk gegangen sind. Endlich kehren sie zum Hügel der vierten Urzentralsonne heim. Im Haus des Ernstes.

185. Sagt UR: "Meine Sadhana und Engelsfürsten! Dieser Tag ist mit bedeutungsvoller Arbeit angefüllt. Viel habt ihr erreicht, in und außer euch. Ich lehrte euch, das Ackerland und seine Tragfähigkeit zu prüfen. Ja, nun spricht Mein Ernst-Träger in seinem Herzen: 'O UR, wenn Du nicht das Werk gehalten hättest und die Zügel angelegt, wer weiß, was geworden wäre! Darum bist Du ganz allein der Schaffer dieser Sphärenherrlichkeit!' Ja, Kinder, diese Sprache ist in ihrer Grundtiefe völlig richtig. Demut und Erkenntnis – sich ergänzend – fördern eine gute Frucht! Ich will sie euch auch sofort zeigen.

186. Seht, jeder Tag war aus Gedanke, Wort, Tat und Folge in der viergeteilten Schöpfung vorbedacht. Drum wäre das Lichterheer genauso erstanden, wenn Ich es allein hervorgerufen und euch, Meine Kinder, als Zuschauer, allenfalls als 'Gnadenempfänger' hätte gelten lassen. Doch was wäre Mein Gewinn, würde alles – von Meiner UR-Sache abhängig – in starrer, festgefügter Form erstehen, wo keine noch so geringsten Abweichungen zugelassen würden?! Nein – da wäre ja das Tat-UR-Jahr der reinste Abklatsch vorgeschauter Bilder! Von Meiner Freude und eurer Seligkeit wäre ewig keine Rede!

187. Hier nun im besonderen hat Mein Lichtfürst, ehe er sein Werk begann, an seinem Altarherd gekniet, die Erkenntnis mit der Demut in sich ausgeglichen und das zu Erschaffende aus Meiner Allmachtshand erhalten. Deshalb konnte er im Aufbau aller sieben heiligen Grundlebensstrahlen im schöpferischen Sinne das 'ES WERDE' sprechen.

188. Ihr anderen habt selig zugesehen und fragtet nicht: 'Warum kann der Fürst des Tages solcherlei erschaffen, während wir im Verhältnis wenig, zum Teil noch nichts hervorgerufen haben?' Nun, ihr werdet hören, wie gut euer 'Nichtfragen' war. Seht, reines Herzens habt ihr Demut und Erkenntnis ebenso gepaart wie Muriel und Pargoa.

189. Damit stelltet ihr dem Tagewerk lebensvolle Kräfte zur Verfügung. Und glaubt gewiß: 'Das war ein urgerechter Kraftanteil, mit dem Mein vierter Engelsfürst an diese Lichtgestaltung ging.' Ihr seid also alle mitbeteiligt, wie es bei den Werken der vergangenen Tage auch gewesen ist. Wohl dünkt euch das Verhältnis zwischen dem Bisherigen äußerst ungleich. Ja, ja, Meine Kinder, ein Haus ist freilich gegenüber einer Sonne klein; es verschwindet nahezu. Gerade hierbei aber wird sich das Verhältnis des Inneren zum Äußeren enthüllen.

190. Allein: Wenn nicht zuerst Mein Heiligtum bestünde, in dem Ich euch belebe und belehre, aus welchem Ich euch in die Schöpfungstage führe, so wäre nichts von dem erstanden, was sich in Prachtentfaltung über euch ergießt! Das 'Hauswerk' durch Uraniel-Urea gleicht der Darstellung Meines Heiligtums für alle Zeiten jeweiliger Tage; über sie dringen auch die Kräfte in das Werk. Kein Werden, das nicht erst aus Meinem Heiligtum und dann über eure Häuser als gerechte Machtdarstellung Meiner sieben Grundlebensstrahlen kommt! Auch der vierte Engel schöpfte alle Schaffenskraft aus dem Haus des Ernstes und dadurch ursächlich aus Meinem Heiligtum.

191. Nicht anders bei der Arbeit unsrer Brunnen- und Gärtnermeister (Michael), womit sich zeigt, daß ihr sieben gegenseitig Anteil an jeder Schaffung habt. Merkt noch: Die Größe äußerer Formen entspricht nicht immer einem inneren Format! Eine Sonne und eine Frucht vom Baum können gleiche Kraftsubstanzen in sich bergen, gehen sie von gleichwahrer Liebe aus! Du aber, Meine liebliche Sadhana, sollst am letzten fragen, warum du nicht selber dieses oder jenes selber schaffen darfst. Denn sieh, in jedem Werk liegt dein Herz eingebettet!

192. Mein Geist zeugte dich zuerst, mit dir habe Ich Besonderes vor. Es wäre leicht, dir jetzt schon ein eigenes Werk zu übergeben. Allein, Ich müßte dazu einen großen Machtanteil aus MIR fließen lassen, und es wäre für dich nicht wie bei Meinen Fürsten ein miteigenes Werk. Willst du nur Handlangerdienste leisten? Soll Ich dich denn minder stellen? dich, Meine Erstgeburt? Harre in Geduld bis zur gegebenen Zeit! Bestehst du diese Probe, so werden dir nicht bloß einzelne Schöpfungstage anvertraut: nein, dann sollen deine Hände werken und von Meinen Händen ganz umschlossen sein.

In dir sollen alle Kinder Mein:

 vollendetes Kind-Werk werden!

 Dazu habe Ich dich ausersehen.

193. Unterschiedlos bleibt jedem Kind die Rückbringung des eigenen Ich zu Meinem UR-Ich vorbehalten. Kinder sind sie alle, mit höchster Verbundenheit. Den Kleineren, die Ich den Großen zu gegenseitiger Freude anvertraue, geht nichts von Seligkeit und Liebe ab, wenn sie auch keine Sonnen schaffen und kein Himmelswerk mit lenken können.

Totale Einheit mit MIR

stellt alle Kinder in Meinem Herzen auf eine Stufe,

auf die 'Kindstufe'!

194. Die Gerechtigkeit verlangt: Kleine Kindlein sollen keine Kleinheit spüren, die Werkhelfer sich nicht überheben. In Zukunft wird euch völlig offenbar, warum Ich äußerliches Groß und Klein erschuf, im Inneren aber stets zwei Grundmaße: das Meine und das Kindesmaß.

195. Nun sind die Tagesfragen näher zu betrachten. Sadhana soll die erste (ver.65), Uraniel die zweite (ver.103), Muriel die dritte (ver.125) und der siebente Fürst die vierte Antwort geben (ver.148). Dann kehren wir zur letzten Abendstunde heim ins Heiligtum, wo noch vieles als ein Grundstock für die fünfte Schaffung zu bewirken ist. Herrlich sind in ihrem Glanz die Lichter, die das All durchwandeln; hehrer sollen Liebe und Erkenntnis Meiner Kinder sein! Also redet!"

*

4/10 - Die Antworten der Kinder auf die vier Fragen von UR

Sadhana geht zum Altar und blickt sinnend in das helle Feuer. Statt Weihkraut legt sie einen Ölzweig in die Flamme, dann in die Opferschale und sagt:

196. "Ewig-Heiliger UR, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger! Wunderbar ist Deiner Hände Licht- und Lebenswerk. Wir sind ein Teil des Werkes und dürfen doch des selben Mitinhaber sein. Du fragtest uns, was richtiger wäre: der Sehnsucht Flügel zu verleihen, die uns allezeit in Dein Allerheiligstes tragen können, oder im Raume zu verbleiben, der von uns geleitet werden soll. – Oh, sieh, hochgeliebter Vater der Barmherzigkeit, senke meine Antwort in Dein all-erhabenes UR-Wesen ein und rechtfertige sie vor Deinem Angesicht.

197. Du weißt, wie es uns ewig zu Dir drängt. Auch in der Ferne taten wir, was Du billigerweise von uns erwarten kannst, und wir wußten ja, daß Du bei uns weiltest, obwohl wir Dich nicht immer sahen. Keine leichte Frage ist's; denn beides (die Antworten) wäre wohl gerecht oder – für uns noch verborgen – ungerecht. Da kann es unser Herz entscheiden; der Trieb, der Sehnsuchtszweig, wird die Wahrheit blühen lassen.

198. Auf DICH gesehen, wäre unser Sehnen richtig, anbetend im Dienst und in Demut zu verharren, doch auch gerecht die Freude, selbständig im Werk die Arbeitsforderungen zu erfüllen. Daher sage ich: 'Bleibe Du bei uns, o UR, und wir bei Dir, so oft die Möglichkeit in Deinem guten Ordnungsgrundgesetz besteht, um Dein Angesicht zu schauen, die Segnung zu empfangen und in Andacht Dir zu dienen.'

199. Sendest Du uns aber auf das Feld, so begegnen wir dem 'ÜBERALL', und sind mit Dir verbunden – ebenfalls in Deiner ewig uns beglückenden Nähe wie im Heiligtum. Denn in DIR sind wir geborgen! Dein Ohr hört unsere Stimmen; Dich wird ein Gebet erreichen. Aus der wunderbaren Gabe, Mithelfer sein zu dürfen, wollen wir mit Freudigkeit auch in der Ferne immer dienstbar sein.

200. Mit Deiner Hilfe, guter UR, werde unsere Sehnsucht eine Kraft für jedes Werk, das wir aus Dir, mit Dir und für Dich vollbringen. In der Ferne, die der Sehnsucht Nahrung gibt, erhalte uns die Quelle der Barmherzigkeit und schenke immer frohe, segensvolle Wiederkehr. Dein Heiligtum ist unsere Heimat! Allein, wo man zu Dir im Geist und in der Wahrheit betet, baust DU einen 'Tempel in den Betern' auf! Mit dieser Beterkraft ist Deines Hohen Hauses Ehre zu verkünden. –

201. Das mache Du zum höchsten Schöpfungslicht aus Deiner unfaßbaren Güte, bis ans Ende des hocherhabenen Tat-UR-Jahres. Dir sei mein Dank, o Heilig-Heilig, daß Du mich für werterachtet hast, die erste Antwort darzubringen. Läutere sie in Deinem Brand, ehe sie auf Deinem Heiligen Herde auszubreiten ist." Sadhana sprach wahr. URs Liebe flammt in der Fürsten Liebe zum schönen Schöpfungskinde auf. Voll reiner Demut nimmt sie ihren Thronstuhl ein, denn die 'heilige Antwort' soll als Segen auf alle kommen.

202. UR spricht: "Mein Herzenskind! Deine Worte sollen sich für unser Jahr als umfassender Segen erweisen! Dort, wo Ich im Geist und in der Wahrheit angebetet werde, soll sich des Heiligtums gerechte Widerstrahlung zeigen, aus der sehr wohl die Werke zu regieren sind. Und jede Tat daraus ist eine Offenbarung Meines Lichts! Wahrlich, der Segen, den Ich nun mit der Antwort Meiner Sadhana verbinde, wird herrlichere Werke schaffen, als eine Sonne ist! Dem Segen gebe Ich aus Meiner Freude an der Antwort noch einen Güteteil für jenen Tag hinzu, an dem das Wille Freiheitsgesetz etwa rechtlos beansprucht werden wird, weil durch die Folgen solcher Auswirkungen viele Kinder, die sich von Mir trennten, und gleichfalls jene, die sich im Auftrag oder freier Dienstbarkeit befänden, wie 'in einer Fremde' lebten.

203. In beiden Fällen soll der Segen dann zur großen Heilung werden. Mein Geist und Meine Wahrheit werden sich als 'Trösterì' offenbaren! Wer diesen Tröster in der Fremde anerkennt, ob ungerecht, ob gerecht daselbst lebend, dem werden Geist und Wahrheit einen Herzenstempel bauen, der ewig im Bestande Meines Heiligtums bleibt.

204. Mein Sadhana-Kind, halte dich an diesem Segen fest, denn die dir auferlegten Proben sind besonders schwer. Doch du hast dir einen Schatz gesichert, dessen Kräfte du bedarfst. Auch ihr Fürsten habt daran den gleichen Anteil und über euch einmal alle Kinder. Steht einst 'Sein oder Nichtsein' gegenüber, so gedenket des verheißenen Trösters. Er wird bei euch sein! – Nun soll der Ordnungsträger seine Antwort auf die zweite Tagesfrage geben. Wisset auch, daß es schon ein Vorschein der Entscheidung ist, was das Werk zurück oder zum herrlich bedachten Ende führen kann."

*

205. Uraniel-Urea gehen vor. Ruhig und mit großer Kraft nehmen sie vom Altar einen Palmenzweig und tun mit ihm, wie Sadhana es mit dem Ölzweig tat. Uraniel sagt: "Ewig-Heiliger UR, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger! Wenn Dein hochgelobter Name aus unsern Herzen steigt, so ist es wie Dein Quell, der UR-Geheimnisse zutage fördert. Daran spüren wir die Allmächtigkeit! Aus Deinen sieben Eigenschaften, aus den vier enthüllten Wesensteilen, wird noch mancher Name Deiner Herrlichkeit und Machterhabenheit erstehen. Alle aber sind sie eingeschlossen in den einen Endlosigkeiten tragenden Namen UR!

206. Du fragtest uns im Wille-Haus, Hochpriester Melchisedek, welche Eigenschaft UR-Dominant sein soll, damit auch jener zur Reife käme, an dem der freie Wille etwa zum Widerpart der Bedingungen erhoben würde. Wäre wirklich nur einer Deiner Grundlebensstrahlen in die Tat-Kulmination zu rücken?

207. Auf der Ordnung steht das Werk; der Ernst fordert dessen Fortgang; die Barmherzigheit ist seine Krönung! Sind diese drei denn mehr als Wille, Weisheit, Geduld und Liebe? Oder sind nicht alle eine Brücke, die vom Kind zum Vater führt? Was nützte aber eine Brücke, wenn es keine Pfeiler gäbe? Was die Pfeiler ohne Steg? Ich sehe: Ordnung, Ernst und Barmherzigkeit sind die drei Pfeiler zwischen Schöpfer und Geschöpf, Priester und Geist, Gott und Seele; hingegen Wille, Weisheit, Geduld und Liebe sind der Steg für Vater und Kind!

208. Die ganze Brücke, Pfeiler und Steg, ist nicht herzustellen, wird nicht zuerst der rechte Pfeiler aufgerichtet, das 'Recht der Grund-UR-Sache' aus der Ordnung! Also wäre sie der erste Grunddominant. Auf dem Ernst als Mittelpfeiler ruht die gesamte Auslastung. Sein Gefüge bietet der Brücke den Halt und muß auch eine schwerste Werkbelastung tragen können. So wäre denn der Ernst als 'Grund-UR-Essenz' der zweite gleichrangige Grunddominant.

209. Von der Barmherzigkeit sagtest Du, ewig-guter UR, daß sie – zumal bei rechtloser Inanspruchnahme des freien Willensgesetzes – als Grunddominant anzusehen sei. In ihr liegt die 'letztwillige Verbindung'! Kann je ein Kind zu Dir gelangen, wenn nicht die Barmherzigkeit der linke, dritte Brückenpfeiler ist, der 'Anlegepunkt' am Seligkeitsufer, zu dem jede Seele ihren Nachen steuern soll? Ja, der Tag des Ernstes hat der Barmherzigkeit eine besondere Vorherrschaft zu überlassen. Nun: Drei Eigenschaften heben sich als das hervor, was Du als die Grund-UR-Sache eines Ziels aufgeschlüsselt hast.

210. Im selben Verhältnis der vier Stegteil- Eigenschaften betrachtet, ist ihr Grund ursachenrecht kein geringeres. Sie bieten ja ein Bild zu Deiner hochgesetzten Vierwesenheit. Dennoch ist die Barmherzigkeit die vornehmste Herrin, nicht weil sie größer wäre, sondern weil sie das Werk zum Abschluß bringt und ihre HEGE Dir erhält. Im Sinne der UR-Wesenheit ist jedem Schöpfungstage aber alles zu vermitteln; da darf kein Teil fehlen, keiner hervorgehoben sein, weil es sonst keine 'ganze Brücke' gibt! Die Vollendung hängt daher von eigener Erkenntnis und gleichmäßiger Aufnahme Deines UR-Wesens ab.

211. Jede Eigenschaft bietet ihre eigene Seligkeit. Werden einem Kinde aber auch die andern Himmelsteile wichtig, dann wird es merken, wie es sich selber vorher enge Grenzen zog. Denn wer Dich, o UR, in den erhabenen vier Wesenszügen und sieben Eigenschaften sieht und anerkennt, wer Deine Gesamtheit anbetet im Geist und in der Wahrheit, der wird die große Seligkeit als Lohn und Gabe ernten! Darum wollen wir den Werken den von DIR vorbereiteten höchsten Segen bringen, indem wir Deines Wesens Einheit offenbaren und uns selber diese Einheit fest in unsere Herzen schreiben. –

212. Bringt der Ernst eine Wende, so sei er auch an seinem Tag der Grund-Dominant, zumal als bestimmende und tragende Eigenschaft. Aber keine soll im UR-Werk alleinige Vorherrschaft besitzen! Die Grund-UR-Sache Deiner Ordnung, die Grund-UR-Essenz des Ernstes und die Grund-UR-Erfüllung der Barmherzigkeit sind allein der Kinder wegen als die Pfeiler anzusehen, als Stütze jenes Steges, der zu Dir führt!

213. Wie Du Dein Wesen voll enthüllst, Deine Sonne alle ihre Strahlen sendet, so wollen wir vollkommen weitertragen, was Du vollkommen uns zuvor gegeben hast! In Dienstbarkeit, allheiliger Melchisedek, sollen unsere Herzen, unsere Hände es Dir wiedergeben. Das ist unser Ziel!" Hat Uraniel, der mit Urea zu ihrem Thronstuhl geht, ganz recht gesprochen? – Läßt sich URs Ganzheit teilen? Lassen sich die Wesensteile völlig einen?

214. UR gibt Antwort: "Mein Engelsfürst, dein Gleichnis von der Brücke soll bis ans Ende des Tat UR-Zyklus gelten, wie das Wort Meiner lieben Sadhana vom Tempel wahrer Anbetung! Das sind Grundsteine des Werkes, in das Ich alle Eigenschaften schließe. Barmherzigkeit deckt zu, wenn Kinder je nach Reife volle Seligkeiten zu erleben glauben, auch wenn sie kaum eine Eigenschaft erkennen. Aber alle sieben müssen beteiligt sein, sollen solchem Kinde sich die Augen öffnen. Dann erst sieht es staunend ein, daß sein Seligkeitshimmel ein Bruchstück dessen war, was einem vollendeten Kinde zuzustehen hat.

215. In deine Antwort lege Ich den Segen der Sehnsucht, die aus jedem Teil Seligkeitshimmel zum vollkommenen Himmel führt, woselbst Mein UR-Wesen begriffen wird. Danach naht sich die Vollendung aus dem Ordnungssegen, deiner Antwort zuerkannt. Nun komme du, Lichtfürst des Ernstes, und bringe durch werkgerechte Antwort auch den nötigen Segensteil, damit Tempel und Brücke zu ewigen Verheißungszeichen werden." – Muriel-Pargoa begeben sich zum Altar und nehmen, Sadhanas Beispiel folgend, eine Frucht, halten sie zur Weihe ins Feuer und legen sie dann in die Opferschale.

*

216. Muriel spricht: "Hochpriester Melchisedek! Erhaben ist das Wort der Allmacht, die Deine Werke aus Dir rufen; wunderbar der Wendepunkt als dritte Tagesfrage für Raum und Zeit, deren Kernpunkt in Deinem Kind-Werk wurzelt! Die Ordnung hat gerecht den Ernst als mittleren Ausgleichspfeiler der Vollendungsbrücke anerkannt; denn als Tagesdominant entscheidet er, welcher Fundamentsträger gesetzmäßige Vorherrschaft erhalten darf. Die dritte Frage ist in Deiner dritten Wesenheit, dem Gott-Herzteil, begründet, aus dem die Antwort als feststehende Machtpolarität zu schöpfen ist und in die der Tat-Segen fließt.

217. Ehe wir unser Mitopferangebot einem Fundament anvertrauen, ist zu prüfen, ob der Opferträger pur aus Deinem Gott-Herzteil ersteht. Es bleibt die Zwischenfrage offen, ob Geduld oder Liebe ihn gebären müßte. Vor oder zurück! fordert es Dein Schöpfergeist. Das vor zieht einen Opferträger in Betracht, zwar nicht in unbedingter Folge. Träte er in den Mittelpunkt der Kindschaffung, so hätte er allein das Recht, das Werk aufzulösen oder zu erfüllen. Ein Zurück könnte jetzt eine andere Vollendungsfolge setzen, ob die der Kindschaft aber, ist noch nicht abzusehen! Dein Ernst als Schutzgeist obliegt die Tag-Entscheidung. Die letztwillige Entscheidung muß jedoch ein unbedingter Schutz der Heiligkeit in beiden Fällen sein!

218. Unsere Mitopferbereitschaft hast Du, o All-Erhabener, zu einem bleibenden Segen umgeformt. Welch eine Güte Deiner Herrschaft an den Kindern! Und nun soll ich, ein Kind, den Kurs bestimmen, der einzuschlagen ist? – O UR, Du hast Deinen Ernst-Träger bedenkliche Lasten auferlegt; allein – Du hast ihn auch dazu gesegnet!

219. Das wägen, ob das Wille-Freiheitsgesetz sich bewähren wird trotz Vorherrschafts-Inanspruchnahme, zeigt die Großartigkeit Deiner Tat!

In der Freiheit des Gesetzes ruht der Sieg,

im Sieg Dein Ziel!

220. Wer hindert Dich, das Bestehende in Deinen Allmachtsschoß zurückzunehmen? Niemand fordert von Dir Rechenschaft! Denn – Du bist UR!

221. Einen Rechtsausgleich zwischen Fortführung und Rücknahme gibt es nicht, weil auf der Grundbedingung der Freiheitsangleichung an Deinen eigenen UR-Willen das Kind-Werk zum Hochziel kommt. In Deiner Herrlichkeit, in Deinem Licht, im Schauen innerer und äußerer Werke durchglüht Dich der Jubel der Allmächtigkeit! Du trugst keinen größeren in Dir! Der bisherige ist nur ein Abglanz jenes Jubels, der die Hochreife des Tat-UR-Jahres siegelt! Ja, Dein Lichtjubel prägt sich dann dem Sieben-Sphären-Himmel auf. Wahrlich, trotz Schöpfungslasten beleuchtet Deine gnadenvolle Sonne unsern Weg.

222. Zweimal bedachtest Du Dein Werk, o Heilig-Heilig: im Gedanke und im Wort. Vollkommen war beides! Wieder stehen zwei Verankerungen gegenüber: die Vierwesenheit und die sieben Sinneskräfte. In unmittelbarer Folge hat so das Kind-Werk eine 'doppelte Fundation'. Und diese Wahrheitsschrift bleibt eine ewige Gravur! Darum soll jeder Fundamentsträger zum 'gleichen Herrschaftsrecht' gelangen und dessen 'Bewährungshoheit' durch den Opferträger für das erste, durch die Mitopferträgerschaft für das zweite Fundament erbringen, wenn der freie Wille einmal rechtlos beansprucht werden wird.

223. Damit wären Basis, Ziel sowie der Rechtsausgleich der Schöpfungsfundamente garantiert. Der Opferträger müßte in sich Wille, Weisheit, Geduld und Liebe zum 'Sohne' formen; seine Stützen wären Ordnung, Ernst und Barmherzigkeit. Denn über diese führte der von Uraniel genannte Brückensteg der Kinder.

224. Vorausschauend gab die Ordnung den Ringschluß alles Werdens der Barmherzigkeit, durch welche die Vollendung höchste Kristallisation empfängt. Und wir, die Träger Deiner Eigenschaften, fügen uns wie einen Ring um Deine Heiligkeit, bis das zugunsten Deiner Kinder gegebene freie Willensgesetz mit den zu Deinem Recht bestehenden Bedingungen den Schöpfungsgleichklang bildet.

225. Lege die auf alle Eigenschaften gleichmäßig ausgelastete Antwort in den heiligen mitternächtigen Quell; und solange Tage durch das reich gesegnete Tat-Jahr gehen, so lange wird nichts Köstlicheres erfunden werden als der Lichtglanz dieses herrlichen Finales! Ohne Aufhören sei Dir, ewiger Priester Deiner Werke, unser Dank!" Wie zum Zeichen geheim erhaltener Bestätigung geht der Lichtfürst mit geöffneten Händen seinem Thronstuhl zu. Muriel-Pargoa tragen die Krongabe dem Kind-Werk offenbar entgegen.

226. UR spricht: "Fürst des Ernstes, du hast den schwersten, doch besten Entscheid gefällt; denn nun ruht ein Schöpfungsopfer allein auf Mir! Nicht eher durftet ihr das wissen, als bis es durch den Ernst der Kinder frei geschah. Ihr, aus Ordnung, Wille, Weisheit und Ernst gezeugt, aus Geduld, Liebe und Barmherzigkeit geboren, durftet ungelenkt zur Erkenntnis dieser unabänderlichen Folge kommen.

227. Dem Gebetstempel und der Verbindungsbrücke lege Ich den jetzt errungenen 'Opfersegen' hinzu. Wer würde das Opfer unwandelbar – unter dessen Strahl ein Mithelfer ist, wird aus einem Segensempfänger zum Segensträger werden. Demnach auch hier zwei Grundtendenzen: der Opfer- und die Segensträger! Wie der erstere durch das Opfer die Erlösung spendet, so die zweiten den Segen jenen, die keine Mitträger im Hochsinne des Wortes wären. Über die Mitträgerschaft werdet ihr später alles Nötige erfahren.

228. Nun fehlt noch die Antwort auf die vierte Frage, die im Ernst-Haus erfolgte und deren Lösung der Barmherzigkeit anheimgegeben ist. Komm, Siebenter, aus dem hehren Kranze Meiner Fackeln! Lege deine Antwort in das Feuer; der Ernst weiß sie zu würdigen." – Der Engel, dessen Name noch in UR gehalten ist, begibt sich vor, Cherubim und Seraphim vereint. Er erfaßt URs Kelchbecher, dessen Wasser aus dem Ernstbrunnen im Altarfeuer hell erstrahlt, stellt ihn in dasselbe, und sieh – rot wird das Wasser, wie die Farbe des Gott-Herzteiles ist. Er gibt das blutgewordene Wasser in die Opferschale, aus der drei den Kindern unbekannte Zeichen im hellen Weihrauch in die Höhe steigen.

229. Der Lichtfürst (Barmherzigkeit) sagt: "Als vierter Antwortbringer stehe ich vor dem höchsten Herrn der Macht, Kraft, Gewalt und Stärke. Ich stellte URs Lebensbecher in die Flamme des Ernstes, von derem Altar aus ein Opfer gültig werden kann. Da war Blut! Blut, das vom Herzen durch den Körper strömt und sich wieder in das Herz ergießt. O hehres UR-Symbol!

230. Als Repräsentant der Barmherzigkeit goß ich es in die Opferschale. Die uns unbekannten Zeichen sind jene All-Kraft, die den Entscheid und seine Angleichung vereinigen, von dem Du, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger, die Grundstrahlungen offenbartest. Es war Dein Ernst, Hochpriester Melchisedek, beide Fundamente zur Fortführung des unbeschreiblich herrlichen Kind-Werkes einzusetzen, weil darin jede Angleichung der Polarität, ihr festgefügtes Ganzes ruht.

231. Die Fundamentgestaltung fordert werkgemäß ein Ganzes: Vollannahme oder Vollablehnung! Das hatte schon sein Bild, als in Dir, erhabene Allmächtigkeit, Deine Hoheit zwischen 'Mein' und 'Macht, Kraft, Gewalt und Stärke' kämpfte. Die Ablehnung des Freie-Wille-Werkes brächte DIR kein Auf noch Ab; denn Ewig-Ewig heißt Dein Name! Im urgewaltigen Strome Deiner Macht schaffst Du Dir Neues, Ungeahntes.

232. Im dritten Jahr des Tat-Zyklus würde eine Ablehnung unweigerlich die Seligkeit den Kindern nehmen, deren Wurzel die Barmherzigkeit ernährt. Dein Vaterteil, o UR, kann ein Letztes in die Schöpfungswaage werfen. Allein steht die Barmherzigkeit im Zentrum ihrer Vater-Wesenheit. Soll deren Gnadenherrlichkeit zurück ins UR-Sein strömen, ohne überhaupt zur Manifestation gelangt zu sein? –

233. Lastenschwer steht das Bild vor mir: das OPFER, wenn das zweite Fundament böse gegen Deine Rechtsbedingungen erhoben werden will. Eine dann etwa unabänderliche Auflösung nähme nicht nur uns das Dasein und das Leben, sondern Dir, o UR, ein Werk aus Deinen Händen! Jedoch die Ablehnung steht allein; die Fortsetzung des Kind-Werkes hingegen, gegründet auf die von der Barmherzigkeit gehegte Vater-Gabe, hat einen hohen Helfer. Der Helfer ist die Hilfe selbst, die ein unwandelbares Dennoch-Erfüllen setzen kann!

234. Vor zur Kind-Vollkommenheit! lautet Deine Vater-Gabe, ein Grundstück der Vierwesenheit, ein 'Wirklich' für die Kinder im Sinnbild der drei Zeichen aus der Opferschale. Auch ein UR-Opfer wiegt alle Kämpfe auf im Hinblick einer Kindvollendung. Was Dir jetzt wiederkäme, o UR, es wäre wohl kein Fehl, doch auch kein Gewinn, es sei denn, Du entnähmest Deiner Allmacht einen neuen Samen des Gewinns. Hat der Ernst bestimmt, daß beide Fundamente fortführend sind und in souveräner Hoheit ein Opfer das Eingreifsrecht besitzt, so soll die Gabe der Barmherzigkeit nicht umsonst so königlich bereitet sein!

235. Darum schaut der Vater auf die sichtbare Vollendung als Krone in Raum und Zeit; Seiner Hände Arbeit: die höchstmögliche Angleichung der Kinder an sein heiliges UR-Ich! Das hält des Vaters Rechte fest als Fortsetzung des Werkes und eben die Vollendung Seine Linke. Mit beiden Händen öffnet und schließt Er Sein Werkbuch bei Beginn und Ende jedes Einzelwerkes. Wahrhaftig ist Sein Wort, die Zusage der Barmherzigkeit hält Er gewiß! Ihm, dem Vater UR, sei Lob, Preis, Dank, Ruhm, Ehre, Treue und unsere Anbetung! Ewig-Ewig, Amen!"

236. Strahlend, selbst ein Treusymbol, steht der Reichsfürst zwischen UR und den Ersten, zwischen Werkmeister und Werk. Die Feierlichkeit hehren Schweigens lastet hochgesegnet auf Sadhana und den Engeln, sie ruht opferhaft auf UR. Wie viel Ewigkeitssekunden trinkt die wortlose Besiegelung des Dargebrachten? – Nachdem der siebente Fackelträger seinen Thronstuhl eingenommen hat, erhebt sich UR. Unendliche Erhabenheit überglüht Sein Angesicht. Von den weißen und roten Rosen, die die Kinder am Vorabend rechts und links Seines Throns setzten, bricht Er eine Blüte ab und tut, wie Seine Ersten taten.

*

4/11 - Gottes Testament mit der Schöpfung

237. Aus Seiner Opferung steigt lotrechter Weihrauch auf, bildet erst ein Dach und dann eine Zelle, die Vater und Kinder zum ewigen Symbol der Verbundenheit umschließt. Die Ersten spüren das Dynamische, daß das Geheimnis noch zu lösen sei. Denn die UR-Handlung verlangt die Lösung von jedem Kind persönlich, gleichgültig, wie und wo es lebt, wie und wo es dem Ewig-Heiligen begegnen wird. Das Geheimnis offenbart sich jedem bei seinem Mitträgertum. Wer daraus die tröstenden Kräfte schöpft, der erlangt den Gebetstempel, die Vollendungsbrücke und die Segensträgerschaft!

238. Und UR offenbart: "Aus Meiner Quelle flutet über dieses Tages Ende hohes Licht, es trägt ihn durch Meine Nacht; und Born und Nacht formen das köstliche Tat-UR-Jahr weiter. Die Endvollkommenheit liegt ganz in Meinen Allmachtshänden, auch von euch, ihr Träger Meines Reichs, Mir völlig überlassen. Ewig hat sie ihren Kronsitz in der Machtmäßigkeit des UR! Es kann das den Kindern zugedachte freiherrliche Gesetz rechtlos zur Vorherrschaft gelangen, im Widerpart zum ersten Fundament; es kann ein solcher 'Fall' das Reich in Aufruhr bringen, einen Schöpfungstag zerstören wollen – seht, es wird im letzten Spiel vergeblich sein; und nichts kann sich aus Meinen Händen winden!

239. Ich enthülle eines der drei Zeichen als Bekenntnisschrift, durch den siebenten Engel unauslöschlich dargebracht. So gewiß ihr es erkennen werdet, so gewiß erfüllt sich Wort und Schrift, in der entscheidungsvollen Stunde dieses Tages von MIR zugesagt!

240. Eine Krone! Ihr reines Gold ist der Garant des Wortes: Bevor das Tat-UR-Jahr durch rechtlose Beanspruchung der Willensfreiheit eine Auflösung erfährt, will ICH SELBST der oberste und erste Opferträger werden! Mein Opfer soll auch einen tiefsten Fall erlösen! Als 'Kronsegen' erhält die Barmherzigkeit die Gegengabe: aus Meiner Machtvollkommenheit die selige Vollendung Meiner Kinder!

241. Dieses heilige Unterpfand gebe Ich als Hochpriester Melchisedek aus Meinem Schöpfer- und Gott-Teil dem Vater-Teil. Ich gebe es auch dir, Sadhana, für das Werk, euch Ersten für die Kinder. Im Feuer Meines Heiligen Herdes und in den sieben Fackeln Meines Stuhles wird die Krönung einst der Grund zum nächsten Zyklus sein! Aber achtet auf, was nun geschieht."

242. Ein sanftes Brausen ist zu vernehmen, die Kinder fühlen sich aufgehoben und stehen alsbald vor dem Heiligen Herd, und auf dem Stuhl sitzt der Allmächtige. Er sagt: "Nur an dieser Stätte ist das Siegel Meinen Worten beizudrücken. Ich halte Meine Hände in Mein eigenes Feuer."

243. Und die Kinder sehen – tiefst erschüttert – Seine Hände zu einer Krone werden, die Kelch und Kreuz umfassen. Die zwei letzten Namen und die erhabene Symbolik sind noch zugedeckt. Doch daß darinnen Opfer und Siegel enthalten sind, spüren sie fast wie beklemmend. Da knien sie nieder, legen ihre reinen Stirnen auf den weißen Teppich und harren fortgesetzt erschauernd dessen, was da kommt.

244. "Ich tauche Meine Hände in die Opferschale," redet der All-Heilige weiter. (Die Schale wird von unsichtbarer Hand auf das Herdfeuer herabgelassen) "Ich lege eure dargebrachten Lebenszweige in Mein Schöpfertum, das jetzt in Schrift und einst in TAT die wahrhaftige Zusage aus Meinem Wort besiegelt!" UR hält die blühenden Zweige über das Feuer und in die Opferschale und legt sie unverändert um das Schöpfungsbuch. Alsdann beruft Er Sadhana und den siebenten Eigenschaftsträger, gibt ihnen das aufgeschlagene Buch zum Halten und schreibt Sein im Haus des Ernstes gegebenes Wort mit goldener Feder ein. Und also steht geschrieben:

245. Ich, Ewig-Heiliger UR, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger, habe Meinen Willen, daß Mein Tat-UR-Jahr nicht mehr aufzulösen ist! Ich will, sofern das Wille Freiheitsgesetz ungerecht beansprucht wird und die Auflösung Meines herrlichst begonnenen UR-Werkes möglich wäre, wodurch auch eine Auflösung gerecht gebliebener Kinder hervorgerufen würde, selbst der oberste und erste Opferträger sein! Ich will und werde dann in dieses Opfer die gesamte Schöpfung, alle Kinder, ganz besonders auch ein etwa tiefst gefallenes Kind, durch das eine Auflösung die Folge rechtloser Tat werden kann, einschließend erlösen! Mein Wort soll als Siegel ein Kronzeichen tragen. Die Krone ist der Garant für Mein gesprochenes, geschriebenes, gesiegeltes und somit ewig-wahres Wort!! Das ist Mein Kronsegen, den Ich zusagend jedem Kind als herrliches Testament vermache!"

246. UR hält die Krone ins Herdfeuer und drückt sie als Siegel mitten unter das geschriebene Testament. Danach übergibt Er Sadhana die goldene Feder; sie schreibt ihren Namen rechts, der siebente Lichtfürst seinen bisher unbekannten Namen links des heiligen Siegels ein. Die anderen Fürsten tragen jeder seinen Namen nach freiem Ermessen ein. Es ergibt sich folgendes Bild:

UR-KRONE

Gabriel-Pura

Sadhana

Uraniel-Urea

Michael-Elya

Zuriel-Helia

Alaniel-Madenia

Muriel-Pargoa

Rafael-Agralea

247. Mitten in der Krone strahlt – ungeschrieben – der hochheilige Name UR. Er ist von selbst hineingesiegelt worden. Unter ihm, in fast zwangsläufiger Gegebenheit, steht der Ernst, darunter die Liebe, die das Opfer bringt. Zur Rechtskraft des Testaments bedarf die Barmherzigkeit der Ordnung und der Weisheit. Warum unter Sadhanas Name der Wille und die Geduld geschrieben stehen, enthüllt jener Tag, an dem URs Testament die Opfertat erheischt. Also steht es wunderbar gesiegelt, ein Dokumentarium im Schöpfungsbuch! UR-ewige Gravur!! – Muß es sich da nicht erfüllen?! –

248. Ein gotterglühtes Schweigen durchpulst Raum und Zeit, Gewordenes und Werdendes, Bildung und Vollendung. – Die Ersten dürfen nun allein das Tagwerk bis zum vierten Sonnenring durchwandeln. Zu ihrem selbständigen Tun erbitten sie sich demütig im Muriel-Haus den Segen; aber vom Werk aus kehren sie direkt zurück in das Allerheiligste. Als sie eintreten, ist UR nicht da. Sadhana veranlaßt, vom heiligen Hain allerlei Grün herbeizuholen, um das Vaterhaus zu schmücken, für ihren Gott, Priester und Schöpfer, für ihren UR, den sie über alles ehrend lieben.

*

4/12 - Die letzten Überlegungen am Abend des vierten Tages

249. Als sie fertig sind, spüren die Priester-Engel den inneren Ruf: UR kehrt von Seinem reichen Tagwerk heim; Er will den Ersten Seinen Feierabend schenken! Sie treffen Ihn am Tore Hephata. Die Freude des Vaters und der Kinder ist kaum auszuwiegen. Als Er den reichen Liebeschmuck zwischen den vier Herrschaftssäulen sieht, da lächelt Er. Ein Dank an Seine Helfer, die voll freudiger Erwartung sind. Wohl: auch das hat Er vorausgesehen, aber nun kostet Er die Freude aus. Er begibt sich auf Seinen Stuhl und spricht:

250. "Meine Kinder, eure Liebe verwahre Ich in Mir. Aber noch ist manches einzuheimsen. Bei Zuriel waret ihr der Überzeugung, daß sich die bisherigen Tage als ziemlich gleichmäßig erweisen. Daher sandte Ich euch nochmals in das Werk. Ihr habt gut gewirkt und eine weitere Sicht erlangt. Nun frage Ich, wie euch dieser Tag gefallen hat und ob – abgesehen von Grunddingen – die Tage einander gleichen.

251. Schaut jetzt einmal rückwärts bis zum ersten Morgen, und fält's nicht schwer, Tatsachen festzustellen. Dabei bemerket ihr, daß Ich euch keineswegs als Zuschauer und Empfänger Meiner Werke auserkor; sondern je mehr der Tage, je größer eure Mittat an allem, was da wird. Das macht schon die Schöpfungstage unterschiedlich. Außerdem formt das Entstehende jeden Tag für sich. Ja, nun seid ihr voll des Lobes und des Dankes. Aber hört noch mehr!

252. Die größten Unterschiede könnt ihr an euch selber messen, was im Rahmen der Erziehungsmühe liegt. Jeder Morgen brachte euch das Leben wieder, das Hineinwachsen in den neuen Tag. Dennoch habt ihr nie ein Einerlei gefühlt. Die stets neue Fülle rief Uraniels Bitte um ein großes Herz zum Einsammeln aller Kostbarkeit hervor. Das bewirkt das Lebendigkeitsgesetz, weil Ich immerfort erneure, was einmal Meinen urhaften Mitternachtsquell durchfloß. Jeder Tag, der fertig ist, wird da hineingesenkt; und jeden Morgen schöpfe Ich's heraus. Gerade dies Beständige, auf vorher Gegangenes gegründet, offenbart die zahllose Vielgestaltigkeit des UR-EWIG!

253. Wir wollen auch dem vierten mit viel herrlichem Licht bedachten Schöpfungstag aus Aufbau, Richtung und Lauf zu seinem Ziel verhelfen. Denn wenn die Feierabendglocke läutet, muß unser aller Werk vollendet sein. Ihr, liebe Kinder, habt treu und brav das Eure dazu beigetragen, nun zum ersten Male sage Ich: gut habt ihr gehandelt! Den Lohn für eure Mühe legte Ich in hohem Werte an, im Schöpfungstestament! Seine Offenbarung ist der Grundlohn, eure Unterschrift die Zinsen. So seid ihr Schöpfungsmitträger geworden, aus welcher Grundstellung die Mitopferträgerschaft erworben wird. Ein Reichtum sondersgleichen! Ja, Meine Kinder, Ich bin sehr reich!

254. Noch ist die vierte Jahresfrage offen, und dem Tag entsprechend hat Mein Muriel dazu das Wort. Erinnert euch der Frage: 'Darf auf ein höchstes Opfer eine Vollerlösung innerhalb von sieben Schöpfungstagen folgen, oder sollte so ein Kind nach Erkenntnis zwar begnadigt vier Schöpfungswochen fern von Meinem Herzen leben müssen, damit es lange spürt, was es Mir und Meinem Werke tat?'

255. Die vier Tagesfragen und die Antwort zeigten an, wie schwer der Fortgang werden kann. Vom Resultat der Prüfung hängt es ernstlich ab. Noch vier Sekunden hat der Tag, genügend Zeit, um die letzte Gabe auf den Heiligen Herd zu legen." UR amtiert als Hochpriester Melchisedek. Die Ersten bedürfen der Sammlung; und URs Feierlichkeit weht als ATMA durch den Vier-Säulen- Raum.

256. Wer mißt eine Sekunde, die die Allmacht schenkt? Alle Menschen-maße, aneinandergereiht, füllen weder ihre Tiefe, Höhe, Weite noch die Innerheit. Im Reiche sind sie auszumessen. Mit gesammelter Kraft schreitet der Fürst, URs Hoheit im gerechten Anteil tragend, an den Herd. UR steht vor Seinem Stuhl, das aufgeschlagene Testament in beiden Händen, Auge in Auge mit dem Träger Seines Ernstes, mit Muriel-Pargoa. Und

257. Muriel spricht: "Herr, Allmächtiger, Urgrund des Lebens, Ursein des Werdens, Dich beten wir an! In Ehre empfange Preis und Lob ohne Anfang und ohne Ende! Ruhm sei Deiner Macht und Kraft; Dank der Gewalt und Stärke! Aus dem UR-Sprung schufst Du Deine Wunder; einen UR-Samen legtest Du in uns. Die Frucht davon sei Dein! Auch jetzt soll eine Frucht Dir dargeboten werden. Möge sie in Ewigkeit gesegnet bleiben!

258. Wir haben erkannt und anerkannt: – Das freie Willensgesetz für die Kinder, die gerecht gestellten Bedingungen für Dich; unwandelbare und wandelbare Gesetze; Wiedergutmachung und ihre Folge; das einmalig heiligste Opfer und die Mitopferschaft. Das alles steht im Ablauf Deines wundersamen Tat-UR-Jahres. Du selbst, ewig-wahrer UR, hast mit Deiner Krone unser Anerkenntnis fest gesiegelt. Die Krönung aus dem Siegel bleibt DIR ewig vorbehalten! Ja – meine Antwort soll Krone, Kronsiegel und Krönung zur Schöpfersinfonie vereinigen voll herrlicher Erhabenheit, Pracht und Majestät. In ihr soll ein neuer Zyklus seinen Grundstein finden!

259. Die Folge solchen Opfers als völlige Erlösung zu erwägen, jetzt schon, wo es ihrer nicht bedarf, hieße, den Opferträger im voraus um den Erfolg zu bringen. Auch hätte es des erhabenen Testaments nicht bedurft, weil URs Wille walten kann. Trotzdem ist am Abend dieser Ernst-Schöpfung etwaige totale Freisprechung weder in Frage zu stellen noch ausnahmslos zu sanktionieren. Eine Ausgleichung, so wie UR zur hohen Zeit die Tage aus dem Quellborn speist und zur Mitternacht dorthin zurückberuft, ist das Schwerste an der Mitarbeit.

260. Das vielleicht zu bringende Opfer kann nicht auf einen abhängigen Einsatz warten; es erlangt – weil zuvor bereitgestellt – die Erfüllung unabhängig von einzelnen Geschehnissen. Ist durch ein Opfer die Erlösung vorgesehen, so muß durch sie ein voller Freispruch möglich sein. Die Opferfolge ist an keine Zeit zu binden, weil sie als reiner Gnadenakt der Barmherzigkeit erscheint, der den Opferträger krönt, aber kein Verdienstwerk eines Kindes löhnen darf.

261. Weil weiterhin solch Gnadenakt höchste Hingabe fordert, hat die freisprechende Erlösung einzusetzen, wenn aus Krone und Kronsiegel des Opferträgers Krönung sich vollzieht. Und das geschieht, sobald ein 'Es ist vollbracht' ertönt! Mit dem Opfer-Jubelruf steht der Opferträger allein in Macht und Stand, die Erlösung gleich um einen Fall zu hüllen oder weisheitsvoll an die Bedingungszeit zu knüpfen, die das nachträgliche Erwerben einer Opfergnade mit sich bringt.

262. Denn auch GNADE ist kein Akt nur schöpferischer Macht, nicht mal bei ungerechter Vorherrschaft des zweiten Fundaments. Jedem Kind steht zu, eine Gnade zu verdienen oder einen Gnadenakt nachträglich zu erwerben, womit eine Schuld noch abgetragen werden kann. Ebenso sind Kinder frei, ein gerechtes Anbild URs.

263. Hält der Opferer durch seinen Krönungsstand die Zeitenwende der Erlösung in der Hand, so ist sie nachträglich nicht willkürlich zu verändern. Die Zeit ist Schuld und Opfer anzupassen. Fällt ein Abweg in die Arbeitstage, muß der erste Feiertag Erlösung und Heimbringung sehen! Höchster Sicht zufolge ist die Schuld am Schuldtag an den einmaligen Gnadenakt zu bezahlen, weil der gleiche Tag Opfer, Freispruch, Erlösung und Heimkehr bringen soll! –

264. Nur das Schuldgefühl dürfte nicht erlöschen, bis der Schuldtitel getilgt und der Heimweg eingeleitet worden ist. Der SCHATTEN des Opfers muß den Schuldner treffen; denn würde je die Opferheiligkeit auf ihn entfallen, in Ewigkeit könnte nicht einmal Erbarmung ihn erlösen, es sei denn mit rein schöpferischer Macht!

265. Allein, das Opfer muß gesühnt und ausgeglichen sein! Nicht umsonst gaben wir Ersten die Mitopferbereitschaft dem zweiten Fundament anheim; also kann, soll und darf das Opfer auf alle Kindgeschöpfe, auf Raum und Zeit des Schuld- und Opfertages ausgelastet werden. Die freiwilligen Mitträger sollen erstanteilig sein, damit auf sie zufolge ihrer 'Freiheitsgabe' die GNADE kommt, die sehr wohl eine unmittelbare Schulderkenntnis und -bezahlung fordern kann. – Daher den Lichtkindern die Gnade, den Gefallenen den Gnadenakt!!

266. Die Gnade kann ein Kind in den Stand sofortiger Wiedergutmachung versetzen, der Gnadenakt hingegen verlangt Zeit zur Buße. Solche Bußzeit kann die Vorstellung von Ewigkeiten haben, und das ist gut! So führt der Gnadenakt zum Schuldbekenntnis. Der dritte Brückenpfeiler wird rechtzeitig offenbaren, wann eine schuldbedrückte Zeit ihr Ende hat. Hält aber hier die alles umschließende Barmherzigkeit die Gnadenhände offen, so erst recht beim Mitopfer ihrer Kinder!

267. Auch wenn sie dabei Mitschuldner würden, könnte keine Grundschuld sie belasten. Durch freiwillige Mitopferschaft entfiele der Grundopferanteil als lösender Segen auf sie. Denn der hohe Opferträger wäre ewig der Schuld- Haupttilger! Auf Licht-Kindern kann selbst bei schuldig werden unter Einwirkung eines unbewußten Zustands nicht die Last der Schulden ruhen, wohl aber die Last des Opfers. Bei Selbsterkenntnis hätte dann die Gnade an ihnen bereits ihr Ziel erreicht, womit für sie die vier großen Wundersegnungen geschehen, die Du, Hochpriester Melchisedek, diesem Tage übergabst. –

268. Wenn ein Schöpfungsschuldner jede Zeit und jede Last zurückzuzahlen hätte, die seinetwegen alle Opfer umfassen, wer wollte deshalb von Dir Rechenschaft über diese Sühne fordern? Ewig gerecht bist Du, o UR! Wandle aber eine waltende Gerechtigkeit zum Gerichtsakt um, in welchem jeder Schöpfungsschuldner Deinen Gnadenakt erfährt! Der größere Ausfluß Deiner Gerechtigkeit, der etwa eine Schuldbezahlung kennt, oder der zum Grundsatz die Barmherzigkeit benutzt, trägt in Dir längst den heilig-schönsten Widerschein! Unnötig, ihn im Worte zu bezeichnen! Die Offenbarung der UR-Herrlichkeit stützt sich gleichrangig auf die bestimmenden Eigenschaften mit der Grundtendenz Gerechtigkeit und auf die tragenden Grundlebensstrahlen, die die Krone in ihrem glorreichen Glanz erheben.

269. Doch die Gerechtigkeit kann schöpfungsweit die Flügel spannen, zumal die Opferung aus den tragenden Eigenschaften Geduld und Liebe kommen müßte und die Barmherzigkeit führend auf diesem Opfergang wird. Denn die Gerechtigkeit beschützt den UR-Vorrang des ersten Fundaments, um das zweite Fundament bei rechtloser Ausnutzung trotzdem dem Kind-Werk zu erhalten und in die Wille-Ordnungsbahn zu leiten.

270. Wie gleicht sich die Gerechtigkeit in Wille und Ordnung mit der Erlösung der Barmherzigkeit dann aus? Denn zwischen beiden steht souverän die Heiligkeit! Deren erstberufener Schutz hat Sein Wort für alle Eigenschaften einzulösen. Ich sehe, daß die Werk-Heiligkeit schon einen Schutzring braucht, weil Schuld und Opfer möglich werden können. Wer hätte aber so das erste Anrecht an der Gerechtigkeit: der Schuldner samt den Mitschuldigern oder der Opferträger samt den Mitgeopferten?! Hier spricht der ERNST! Ich, Muriel-Pargoa, als Engelsfürst desselben und als Kind, entscheide: Dem Opferträger und den Seinen gilt die Grundgerechtigkeit!

271. Wird der Opferträger durch ein heiliges »Vollbracht« selber zur Gerechtigkeit, so teilt Er sie durch Seine Krönung aus. Wer stünde ihm am nächsten: Sein Schuldner oder jene, die im freien Soll Ihm folgten? Gewiß die letzteren! Doch sollte auf die Krönung die Gerechtigkeit entfallen, die auf die Bezahlung drängt? Müßte nicht den Opferkindern die Gerechtigkeit aus GNADE widerfahren??!

272. Ja, jener wird zuerst gedacht, die die Fundamentsbedingungen anerkennen und im freiherrlichen Dienst den Mitweg gehen. Das Opfer macht sie frei von aller übernommenen Schuld! Daran vermöchte auch der Schöpfungsschuldner nichts zu ändern, auch wenn er URs Getreue in den Schuldbann zieht. Das darf keinen Einfluß auf die gerechte Barmherzigkeit und deren Folge haben. –

273. Ich frage, liebevollster Vater: 'Warum auch solche in den Schuldschein kämen, die im Maßstab der Gerechtigkeit keine Schuldner wären? Befaßte sich die Gerechtigkeit erst mit dem Schuldner, was zur Folge hätte, daß sie sich auf einen Ausgleich stützt, wie möglich wären die Getreuen aus der nur durch Mitopferschaft erstandenen Mitschuld zu befreien, daß sie nicht zu weit ins UR-Jahr hinein unter dem allheiligen Schöpferopfer stünden? Wäre das gerecht? –

274. Oh, die Heiligkeit kann ihre Grundgerechtigkeit nicht erst am Schöpfungsschuldner messen, sonst würden alle Helfer Mithäftlinge der Grundschuld werden und denselben Bedingungen unterworfen sein, die den Schuldurheber träfen. Kein strengstes, nein ein grundgerechtes Gericht wäre anzufordern, in dem erst die Mitopferträger anzuhören sind. Nach deren Abrechnung könnte der Gerichtsherr auf den Schöpfungsschuldner überleiten. Hingegen die Erlösung hat dem Hauptschuldner erstanteilig zuzukommen, weil aus einer Haupterlösung alle Gliederlösungen stattfinden könnten. Hierin wird die Waage ihres hocherhabenen Amtes walten; und in jeder ihrer Schalen liegt ein souveräner UR-Ausgleich.

275. Eine Vollerlösung an das Ende einer Schöpfungswoche erst zu rücken, das, o UR – wir bitten alle –‚ lasse nicht geschehen! Siehe, jedem Deiner Wundertage fehlte ja das Köstlichste, wenn nicht am Abend alle Kinder in die Heimat kämen. Wir Ersten stehen vor der Großmacht Deiner Güte; wir berufen uns auf sie kraft unserer Bereitschaft zum Opfertum. Wir wissen: Deine höchste Eigenherrlichkeit ist Dein Wirken in der Heiligkeit der Nacht!

276. Fehlte Dir in einer Nacht ein einziges Kind, sage, hochgeliebter UR, säße nicht die Trauer an der Quelle Deiner Mitternacht? Du lässest mich erkennen: Außerhalb von Dir gibt es weder Raum noch Zeit, wo Kinder, ganz besonders in der Nacht, verbleiben könnten. Kind oder Werk müßten ihre Auflösung erfahren, wären sie nicht nächtens von DIR sorgsamst eingehüllt! Nur die UR-Substanzen aus der Auflösung kämen so zu Dir zurück.

277. O Hochpriester Melchisedek, Du tauchtest Deine Heilshände in das Allmachtsfeuer auf dem silbernen Teller, ehe Du Dein Testament ins UR-Buch Deiner Werke schriebst. Ich halte meine Hände ebenfalls ins Werk- und Opferfeuer als Symbol, daß ich ein Schutz der Heiligkeit nach Maßgabe Deines Ernstes bin. Du aber bleibe unser Schirmherr allezeit! Schöpfung, schaue meine Hände, ihre Form, die goldene Kelter! Meine Antwort ist geheiligt und werkgerecht geworden.

278. In die aus vorbedachtem Opfer kommende Erlösung soll der Schöpfungsschuldner und durch ihn alle Mitschuldner eingeschlossen sein. Die Gerechtigkeit aber soll erst den Mitopferträgern und dann durch sie dem Schöpfungsschuldner widerfahren! Keine Nacht soll sein, in der nicht alle Kinder, selbst ein verlorenstes, ihren Ruheplatz in Deinem Vaterherzen haben! So geschehe, wenn – aus Deiner Gott-Herzkammer aufsteigend – ein einmalig gewaltiges Opfer zum Ausgleich einer Schöpfungsschuld erforderlich werden wird!

279. Geordnet ist die Bahn. Mögen Schuld und Opfer kommen – UR, Dein Werk ist bereit! Du kannst den Tag des Ernstes höchstgesegnet nun verwahren; seiner Erfüllung wegen wird in hoher Mitternacht Deine UR-Sonne unvermindert strahlen! Auch das offenbare sich als Gnadenheil, sollte einmal Dunkelheit das ERDREICH (nicht ursächlich die Erde Symbol Mitternachtssonne) treffen. Ja, in keiner Deiner hohen Nächte wird Deine UR-Sonne mehr verdeckt, zum Zeichen der Vollstreckbarkeit Deines Testaments! Erlösung und Gerechtigkeit, Gnade und Gnadenakt führen alle Kinder heim, ehe jemals eine Nacht den Schuld- und Opfertag bedeckt! Das vollende sich im Namen Deiner Grundbarmherzigkeit! Amen. O UR, Dich beten wir an, Du unser ein und alles!"

280. Der Engelsfürst kniet nieder, sogleich umgeben von den andern. Gemeinsam beten sie: "Dir danken wir! Lasse uns in Deinem Gnadenherzen ruhen, wo Dein heiliger Lebensschlag Dein Wesen und auch uns durchpulst. Wir rufen nun an diesem Abend, den Du uns in unvorstellbarer Köstlichkeit erleben ließest:

Heilig, heilig, heilig, heilig bist Du, UR-IMANUEL!"

281. Das Hohe Haus erzittert in seinen Grundfesten, so braust der Ruf durch seine Hallen und bringt die wundersame Schöpfung aus Tiefe, Höhe und Weite heim. Lodernd schlägt des Herdes Feuer bis über die Opferschale hoch, die wie einholende Arme schwingt und feinsten Weihrauch von sich gibt. Von der Domkuppel herab breitet er sich wie ein lindes Tuch über Gottes Kinder aus. Die UR-Sonne vergoldet den Abend mit ihrem vollen Segenslicht. Und 'IMANUEL' tönt äonenfach durch die UR-Ewigkeit in Raum und Zeit und kehrt auf schimmernden Schwingen ins UR-Zentrum zurück. Mit seiner Rückkehr wird Werk und Leben wieder eingebracht. Ein gnadenvolles Vorsymbol!! UR spricht Sein letztes Abendwort an Seine Ersten:

282. "Amen! Meine starken Engelsfürsten, nun seid ihr Mitträger Meiner Heiligkeit! Das Kinderreich ist mit euch gegründet worden, mit euch wird es bestehen bleiben. Und du, Sadhana, Liebliche Meines Herzens, dein Mantel sei diese Heiligkeit! Als teuerstes Kleinod will Ich dich in ihr verwahren. Du bist Mein! Ist die Schöpfungsfreiheitsprobe einst getan und du verstehst hernach deren tiefen Sinn, so wirst du dann als höchstes Zeichen über allen Meinen Werken sein. Ich werde regieren, und du wirst mitschaffen unter Meiner Hand!

283. Nun schöpfe Ich den großmächtigen Namen 'IMANUEL', den die vierte Fackel in ihrem Brand entfachte, aus Meinem Feuermeer und soll für euch bedeuten: UR mit uns. Wo und wann immer dieser Name in euren Herzen widerhallt, ihr ihn ruft im Kampf für heiliges Licht, ihr aus ihm die ganze Glaubenskraft, höchste Anbetung und Dank und volle, freie Hingabe an Mich entnehmt, wird euch zu jedem Sieg verhelfen – UR-IMANUEL!

284. Vollendet ist der reiche Schöpfungstag! Ich senke ihn in Meine Priesterkammer, in den Quell der Mitternacht. Und werke Ich am nächsten Morgen neu, soll dein Wort, Mein Engelsfürst, als ein erster Strahl der UR-Sonne dem Neuen gelten. Euch gebe Ich den Segen als UR-Imanuel!" Weit strecken sich die heiligen Hände aus. Die Ersten fühlen sich umfaßt, als ob starke Arme sie hochhöben an URs breite Brust. Und alsbald hat der Weihrauch sie schützend eingehüllt.

*

285. Aus traumhafter Ferne spüren sie der LIEBE Kuß, hören im Hauch den Namen UR-IMANUEL. Die Nacht deckt sie mit samtenen Flügeln zu. Der Tag brachte nicht bloß den Kindern seine Gaben, nein, auch UR ist reich beschenkt. Zumal im Namen 'IMANUEL'! Kein Vortag hatte ihn gehört; im nächtlichen Geheimnis hatte Er ihn Seiner Quelle anvertraut. Seine Ersten riefen ihn dem offenbarten Tage zu. Aus diesem Namen wird einst des Opferträgers Krone kommen! –

286. Unsagbarer Friede waltet. Friedsam ist die Nacht; friedvoll ruht das Werk im Borne neuen Lebens. Ehe die Mitternachtsglocke schlägt, setzt UR hinter Seinen vierten Schöpfungstag nicht nur das sonstige 'Gelungen' als Gnadengabe für die Kinder, sondern ein Grundstrahl schreibt in leuchtenden Lettern 'IMANUEL'! In reinem Golde liegt der Name auf des Wassers Spiegel. Und mitten aus dieser Schrift hebt der All-Heilige Sein neues Tagewerk heraus.

287. Und es ist ein UR-Laut, den die Glocke hell verkündet, der schon das Kommende in heilig-hehrster 'Jubilate' frei zu IHM erhebt!

IMANUEL – UR-IMANUEL

[index]

 

Der fünfte Schöpfungstag

 

(Tag der Geduld)

 

Kap. 5

 

«Und GOTT sprach: Es errege sich das Wasser mit wehenden und lebenden Tieren, und Gevögel fliege auf Erden unter der Feste des Himmels. Und Gott schuf große Walfische und allerlei Geiler, davon das Wasser sich erregte, allerlei gefiedertes Gevögel, ein jegliches nach seiner Art. Und Gott sah, daß es gut war. Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllt das Wasser im Meer; und das Gefieder auf Erden.

Und GOTT sprach: Die Erde bringe hervor Vieh, Gewürm und Tiere auf Erden ein jegliches nach seiner Art. Und es geschah also. Gott machte die Tiere auf Erden und Vieh und allerlei Gewürm auf Erden nach seiner Art. Und Gott sah, daß es gut war.» (1°Mo.1,20-25)

 

«Hier ist die Geduld der Heiligen;

hier sind, die da halten die Gottes Gebote

und den Glauben an JESUM.»

[Off.14,12]

5/1 - In der Nacht des Tages Tagesarbeit UR und der Oper

1. Heilig, unendlich erhaben, sind die Perioden in den Nächten, die Stunden voller Ewigkeiten, in denen nichts ist als UR und seine Heiligkeit! Da zieht Werk bei Werk Ihm herauf, Gewesenes und Werdendes; sie bilden das von IHM selbst erfüllte Sein. Wo ist der Sinn, zu verstehen, warum UR die Nächte in Sein Ich-Wesen stellt und den Unterschied zwischen hehrer Nacht und heiligem Tage macht? Die heiligste Nacht wird sein, in der UR in sich den Opferträger bildet. Er wird diese Nacht einer Welt symbolhaft geben, wenn der Menschensohn geboren wird. War nicht 'Hohe Mitternacht', als der Schein des Himmels auf die Erde traf? Auf Maria, Josef, auf die Hirten, die drei Weisen, und – der Materie die Erlösung bot? –

2. Noch ist's nicht jene Nacht aus Raum und Zeit der UR-Ewigkeit; noch formt die Quelle ihren segensvollen fünften Schöpfungstag. Allein, es ist jene Nacht im Tat-UR-Jahr, die der 'Sohngeburt' vorausgeht und sie – andachtsvoll – durch die erste Eigenschaft in der Gott-Herzkammer beschatten läßt. Denn Geduld ist der Grundstock des Opfers, die Liebe aber der Grundstock seines Opferträgers. –

3. In der ersten Stunde nach Mitternacht hält der All-Heilige seine Hände in das Wasser. Raunend rieselt es durch die Schafferhände über das Werk, das sich aus Gedanke und Wort kristallisiert. Über dem Wasser funkeln zahllose Lichtstrahlen; sie kreuzen und binden sich, werden form- und wesenhaft. Ein stark gekreuzter Strahl überflutet das All, schwebt zurück, gleitet in die Schöpferhände, und UR drückt ihn an die Brust, dahin, wo sein Herzschlag sich in einen vierfachen Strom ergießt. – Als Er in der zweiten Stunde dem Quell ein Kleinod entnimmt, trägt Er ein anderes Gewand; es ist ein anderes Antlitz, das sich zur Tiefe neigt, zur Höhe schaut, die Unendlichkeit umfaßt und sich selbst im heiligen Gewässer spiegelt.

4. Wer ist's, der am Quell lauscht, was nun sein Inneres durchzieht, als sei da ein zweites Leben? Kann UR innen und außen unterschiedlich sein? – Nein, Er ist und bleibt derselbe, im raumlosen Raum, in zeitloser Zeit, der seinen Wunderwerken Aufbau, Richtung, Lauf und Ziel verleiht, daß sie in sich selbst geheiligt und vollendet würden. Aber jetzt offenbart Er seinen dritten Wesensteil. –

5. O UR, hochheiliger Opferträger, wer begreift es denn, was hier geschieht?! Waren nicht alle Deine Nächte voll der hehrsten Heiligkeit, daß eine fast die andere übertraf? Wer verspürt den Widerhall der Allgewalt? UR, wie DU stehst und in Dich lauschst, wie Du das Werdende in Deinen Händen hältst, wie es im Abbild Dein erhabenes Antlitz überstrahlt, und – ach UR, es ist ja nicht zu fassen, was Du tust! Ewig-Ewig, Heilig-Heilig! leuchtet schon ein Erlösungslicht. Heiligstes geht aus Dir für Deine Kinder, die Du in Deinem UR-Schoß, in der Opfermacht und -kraft des kommenden Geschehens trägst! –

6. Die Glocke läutet die dritte Nachmitternachtsstunde ein; sie füllt sich an mit allem, was der fünfte Schöpfungstag im Tat-UR-Jahr zur gesteigerten Vollendung geben soll. Und die vierte Stunde säumt URs geheimes Walten ein, ehe neues Morgenrot das Firmament erhellt. In dieser Stunde läßt Er den Namen 'IMANUEL' aus seinem Born nun in 'sieben Lichtern' sich erheben. Er schreibt ihn auf sein 'heiliges Erdreich', auf dem Er steht, das nicht die Menschenerde ist – noch nicht! – Er gräbt in jede Zacke seiner Krone einen Buchstaben ein. Da ist die Nacht vorbei.

*

7. Viermal hat UR 'Imanuel' graviert, somit für die Kinder zu einer Macht und Kraft geworden, zur Gewalt und Stärke, die mehr als den neuen Tag beschützen. – Der Morgen steht auf. Viermal hallen Glockenklänge über die Quelle und über UR hin – und kommen doch aus seiner eigenen Tiefe; denn Er umgibt das All, Er füllt es aus!

8. Herrlichkeit der Ewigkeit, Licht vom Licht, aus GOTT geboren! Feinste Farben-, Licht- und Tonsinfonien, so entsteigt der jungfräuliche Tag dem Morgenrot und entschleiert sich in unglaubhafter Schönheit und Mannigfaltigkeit. Aus dem das All überflutenden Glanz treten zuerst das Allerheiligste und die Konturen der 'Stadt des lebenden Gottes' hervor. UR wandelt über den roten Teppich durch das dritte Tor des Heiligtums, durch die große Halle in königlich erhabener Majestät und begibt sich ins Geviert der vier Herrschaftssäulen. Er nimmt das Schöpfungsbuch zur Hand; sein Schöpferwort am Morgen der Geduld hallt durch den heiligen Raum und legt sich als sein ATMA auf alle der Erweckung harrenden Lebensdinge.

9. "Es werde! Du fünfter Tag des Tat-UR-Jahres erwache zum Leben! Werde, was Ich seit Äonen für Dich vorgeschaut; bringe, was du den Kindern geben kannst; vollende es durch die Geduld, aus der Gewalt! Nun stehe Ich im Zentrum Meiner dritten UR-Herzkammer. Als heiliger Gott will Ich den Tag regieren und Meinen Kindern in göttlicher Geduld helfen, bis sie ihre Reife haben werden.

10. Erst in Erprobung aus Geduld können sie den entscheidendsten Tag und seine Liebe erkennen, in sich tragen und lebenswahr gestalten. Dann erscheint die Barmherzigkeit, die krönende und gekrönte Eigenschaft, in welcher Ich als 'VATER' dominiere. Ohne Geduld werden sie weder die Liebe noch den Vater völlig fassen, nicht mit Mir zur Einheit kommen. Vorausschauend für den Tag, an dem die Demutsbahn eines Opferträgers nötig werden kann, gebe Ich für ein Sonderwerk in Mir noch gebundene Potenzen frei, damit die Kinder zu ihrer Kraft-, Demuts- und Geduldsprobe gelangen.

11. Die Teilung der Lebenspotenzen liegt bereit; ein Teil ist den Kindern aufbewahrt, daß aus ihnen wieder Kinder kommen. Doch du, Tag der Geduld, sollst sie noch ruhen lassen, denn in Mir sollen sie den Segen des Gehorsams lernen. Der andere Teil ist zur Prüfung vorgesehen, gleichzeitig zu dem Opfereingriff, wenn der Freie-Wille-Weg zur Widersätzlichkeit erhoben wird. Dann werde Ich über die 'gebundenen Potenzen' als einer von Mir allein abhängigen Kreatur auch die Kraft eines Gefallenen erlösen. Jetzt aber sollen sie ein Leben zur Freude und geistigen Nutzanwendung Meiner Kinder haben.

12. Als GOTT will Ich segnen, was aus Gedanke und aus Wort die Geduld zur Tat erschafft. Denn Ich bin ein eifriger Gott, Ich vollende alle Meine Werke!" UR legt das Buch auf seinen Herd, ordnet die grünen Zweige seiner Ersten, hält sie ins Feuer des Silbertellers und taucht sie in die Opferschale, aus der starker Weihrauch quillt. Er zündet die Kerzen der fünf Leuchter an; die beiden andern stehen oberhalb des Schöpfungsbuches, zwischen ihnen der Schöpfungskelch. Diesen füllt UR aus dem dritten Strom des Brunnens vor dem Heiligtum; er fließt hinaus zur Weite des Raumes und seiner Zeit.

13. Zurückgekehrt, spricht Er weiter an das Werk: "Vier Tage sind vergangen, in denen Ich als Schöpfer und als Priester wirkte, was in Mir vorbedacht und auch gesprochen war. Aus Meinen UR-Kämpfen zeigten sich vereint 'Meine Macht' und 'Meine Kraft'! Nun steht die 'Tat'! Der Ernst als Hüter Meiner Heiligkeit hat im Sinne aller Grundlebensstrahlen die Entscheidung gültig eingeleitet; doch über die Stimme des Ernstes in der Inkarnation eines Meiner Erstgeborenen erhebe Ich, UR, als Schöpfer und als Priester das mögliche Maß des freien Willens; denn nun stehe Ich als Gottheit auf dem Plan, und Mein Gott-Anteil muß die Last des freien Willens tragen.

14. Sollte Ich die Heiligkeit des Werkes schänden lassen, sobald das eine Kind, dem Ich eine Willensvollkraft vorbehielt, das Ziel der Macht erkennt und daraus volle Freiheit des Gesetzes ohne Ausgleich mit Meinen Bedingungen verlangt? Wäre es nicht besser, das zweite Fundament im Wirken der Geduld unter das erwogene Maß zu stellen? Keines der Kinder würde die Begrenzung spüren. Der Schöpferimpuls bedenkt die Handlung; denn auch dabei würden Meine Liebe und Barmherzigkeit volle Tatgestaltung haben!" UR sieht das Maß aus seiner viergeteilten Schöpfung, aber auch die schönste Freiheitsfrucht, die an der Gnadengrenze reift.

15. Da spricht der Priester zum Werk: "Volle Weisheit wäre, bliebe es beim viergeteilten Maß, das sich gewiß ergänzt, weil die Kinder niemals mehr in sich ausleben können, als was jedem Tage zugewiesen wird. Das Ziel der Schaffenstage stünde ihnen ohne Schranke offen und mit ihm ihre Seligkeit. – Ich brauchte dann das Schöpfungsopfer nicht zu tragen und Meine guten Kinder keine ungewollte Last. Was Mir der Ernst als Bürde anheimstellt, ist trotzdem ins gesetzte Maß mit einzureihen, und so können Meine Kinder auch die reine Seligkeit genießen."

16. Im Ernst erwägt noch einmal UR, was sein Gedanke und sein Wort im Herrschaftswillen sich zur Tat ersah. Beides ist gut: Beschränkung und Erhöhung des Maßes; und beides will UR der Kinder wegen tun. Darum steht Er nun als GOTT am Heiligen Herd, legt beide Hände auf das offene Buch des Werkes und spricht: "Der Schöpfer gab den geschöpflichen Gedanken bewußtes Leben; der Priester legte segnend in sie seinen Geist; der Gott hauchte ihnen die Lebensseele ein und baute jene Brücke, die zur wahren Kindschaft, zur Verbindung mit Mir, dem VATER, führt. Ich, Gott, übernehme deshalb die Entscheidung, die der Ernst am vierten Schöpfungsabend anheimgab.

17. Wird das Maß nach den bestimmenden Eigenschaften eingeschränkt, so haben trotzdem alle Kinder ihre Seligkeit. Nur – sie werden sie nicht selber ernten. Und Ich, UR, ernte so nicht Meine Kinder! Ich nehme sie dann bloß zurück, kaum mehr befähigt als im Anfang der Gedanken. Wiegt das den Einsatz Meines Tat-UR-Jahres auf? Wohl, es wird eine schwerste Probe sein, und Ich will nicht voraussehen, obgleich erstmalig Mein Kind (ursächlich Sadhana, allgemein alle Kinder) die Bahn erkennt. Allein, was es etwa selber tut, das tut es aus dem freien Triebe seiner Kraft, wie Ich, UR, aus Meinen stehenden und waltenden Machtpolaritäten schaffe!

Ich will, daß Meine Kinder Mir anbildsmäßig gleichen sollen!

18. In dieser höchstmöglichen Angleichung will Ich Mich selber sehen, in eigener Machtvollkommenheit, im Spiegel aller Meiner Werke!"

19. UR als Priester sagt: "Die Angleichung ist zu erreichen, wenn bis zur letzten schöpferischen Konsequenz geschieht, was die Gott- und Vater-Wesensteile von dem Tat-Werk fordern. Dann darf kein Kind weder nach den tragenden noch nach den bestimmenden Eigenschaften, sondern nach den wandelbaren Gesetzen geleitet werden, auf daß sie so den Weg des freien Gehorsams gehen lernen. Daher ist nicht das das Entscheidende, ob und wie das erste Kind mit dem freien Willen ausgestattet wird. Schwerer wiegt es, ob Ich als UR nach einem Fall eine ungeheure Demut und das Opfer auf Mich nehmen, die Schöpfung nicht zerstören will und Mich selber an Mein Wort gebunden halte! Aber

Ich, GOTT, bin der freie Bürge des gewaltigen Tat-Ausgleichs!

20. Mein Vater-Herzteil soll bei solcher Schöpfungsschlacht die Barmherzigkeit in Meine Ordnungswaage legen; und als VATER will Ich warten, bis der Ausgleich möglich ist. Habe Ich das nicht sogar in Meiner Heiligkeit bedacht? – Darum ist es zu erwägen, ob das Ziel für alle Kinder Mein Demutsopfer aufwiegt oder nicht!"

21. (Als UR sagt:): "Das Ziel des Tat-Zyklus wiegt das Demutsopfer auf," strömt es aus UR. "Schöpfer- und Priesterwesen können es nicht auf sich nehmen; doch Geduld und Liebe führen es zur überstrahlenden Vollkommenheit hinaus! Dann krönt des Vaters Krone jene Kinder, die ihr Mitopfer auf den Altar legen und sollen wahrste Heiligkeitsbesänftiger sein, bis das UR-Opfer in Herrlichkeit Mein heiliges All-Wesen offenbart!

22. Die Entfaltung Meiner Herrschaft nach dem Sühneopfer soll Mein Vater Wesensteil bewahren, und dieser gießt es dann ins Priester- und ins Schöpfertum. Und in fortgesetzter Tätigkeit wird man Mich als UR, als Ewig-Heiliger, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger sehen. Im UR wird jedes seine eigene, höchstmögliche Willensvollendung schauen. Dann erkennen Mich alle Kinder, was Ich bin:

der UR-VATER!

23. Ich will erreichen, daß Meine freigeborenen Kinder Mich nur noch als 'UR', wie Ich immerdar gewesen und ewig seiend bin, erkennen, schauen, verstehen, Mich lebendig in ihren Herzen tragen, ohne der Möglichkeit anheimzufallen, aufgelöst zu werden. Mein 'Anbild' soll in ihrem Innern eingegraben sein! 'Stückweise' enthülle Ich Mich ihnen jetzt; denn sie sind noch nicht erprobt, sind noch ohne jene Willenskraft, was sie allein befähigt, als UR-Kinder mit Mir vertraut zu verkehren. Das aber ist Mein höchstes Ziel! Um deswillen ist das Sühneopfer aufzunehmen und mit 'Es ist vollbracht' zu krönen. Die Vater-Herzkammer wird alle Opfer der getreuen Kinder Meinem Opfer anzugleichen wissen, damit auch sie die 'Ewige Krone' erhalten, die Meiner Barmherzigkeit zuzustehen hat.

24. Diese wird dann auch ein Schutz und Schirm der Geduld und Liebe sein, dem Opferträger und allen Mitopferträgern. Wie Ich Mein Blut annehmen werde, so ebenfalls das Blut der Opferkinder. Dann kommt der Tag, wo Ich als UR-Vater mit dem weißen Stab regiere, erkannt und geliebt wie nie zuvor!! Denn alle Liebe, Mir bis dahin zugebracht, wird eine Teilliebe sein, weil auch Ich Mich jetzt zu einem Teile offenbare. Hernach werden Ich und Meine Kinder eine frohe, reichst gesegnete Ernte halten! Ich werde sie ganz ernten und sie Meinen Reichtum, der voll aus Meinem UR-Sein an Macht, Kraft, Gewalt und Stärke fließt; und sie können das Gegebene tragen.

25. Das zu erreichen wird ohne Opfergang kaum möglich sein. Darum übergebe Ich als Vater es dem Gott-Herzteil, das Opfer mit der Angleichung der Kinder an Mein Ich in Geduld und Liebe aufzuwiegen!" UR schaut zur Höhe und mißt den Weg von Stund an über eine Opferung (Golgotha) bis zur Zeit, da Er als UR-Vater seinen UR-Kindern gegenüber stehen wird. Wer kann diesen Raum-Blick, diesen Ausdruck Seines heiligen Gesichts ermessen? Oh, was lebt darin an unerhörter Weihe und an – ja, an einer Trauer, die Ihm jenen sonderbar sanften Glanz verleiht. Dunkel, hehr und heilig, so steigt es auf, die eigene UR-Sache, von keinem Kinde zu erfassen, am wenigsten zu tragen. – Ruht nicht der Blick mit erschütternder Gewalt auf der Seele seines Kindes? –

26. Ewig-Heiliger, wie müßte doch das Herz entbrennen, ginge es dem Blicke nach, der am Beginn des fünften Schöpfungstages mit Gewalt das ALL durchdringt. Doch so sanft ist die Gewalt; denn das ewige Angesicht schimmert noch verhüllt – aus Gottes Ferne. Kann ein Herz beschreiben, was es bänglich zitternd und doch beseligt spürt? In dieser Stille, die UR sich selber gibt, übernimmt Er auch das heilige Geheimnis. Ach, möge jedes Herz den Augen folgen, die die Bitternis des Weges sehen, ehe die Entscheidung reift.

27. UR handelt! Die rechte Hand berührt das Siegel seines Buches und die linke öffnet es. Er schlägt jene Seite auf, wo sein Testament geschrieben steht. Mit behutsamer Gebärde legt Er Sadhanas grünenden Zweig feierlich auf die Schrift des Testaments. Oh, sieh! Ein Teil davon wird dürr! Lange betrachtet Er den armen Zweig. – O UR, UR, wie kannst Du so schauen, daß es einem Kinde wehe tut? – –

28. Aber siehe auch: Er taucht den Zweig in seinen Kelch; da wird das Wasser rot wie Blut! Und nun – nun trinkt UR das rote Wasser aus und legt den Zweig in Seine Opferschale. Jubel, o Licht-Jubel! er wird wieder grün! Größer und schöner blüht er auf, daß er fast die Länge des Heiligen Herdes erreicht. Da flammen URs grundgute Augen hellauf. Den leeren Kelch hält Er in das Feuer; alsbald füllt er sich mit reinem, klarem Wasser aus dem Quell. Noch einmal berührt Er Sadhanas Zweig, damit derselbe dem Tage angemessen bleibt. – Die mächtige Ouvertüre des fünften Schöpfungstages ist beendet. –

29. Das bisher Gewordene nimmt Gestalt und Leben an; auch die fünfte, sechste und siebente Ringsphäre erhalten ihre Sonnen und die Sterne. Beim Anfüllen des siebenten Ringes hebt UR die rechte Hand gegen seine Sonne, und ein Schatten fällt auf einen Teil der Sphäre gleich einer geschöpflichen Gestalt. Der also beschattete Raum bleibt vorläufig leer. UR weiß, wann dort (auf unserer Erde) einmal Licht und Strahl verkörpert werden sollen. Sicher ist, daß schon geheime Kräfte segnend walten.

*

5/2 - Alaniel und Madenia wurden als Prinzipien der Geduld gewählt

30. Mit dem Ende der ersten Morgenstunde stehen Sadhana und die Engel bereits erkenntnisreich vor dem Heiligen Herd. Sie sind fähig, den Raum – soweit gebildet – vom Heiligtum aus zu überschauen, zumal ihre Urzentralsonnen. Warum aber wird mit jedem Tage wieder alles neu? Oder bleibt es in UR ohne Auflösung bestehen? Er sieht die Frage seiner Kinder, die nicht wissen, was in den heiligen Nächten vor sich geht. Gütig redet Er sie an:

31. "Meine liebliche Sadhana, Meine Fürsten, ihr Fackelträger Meines Lichts! Immer mehr strömt Mein Wesen in euch ein; und aus Erkenntnis wächst die Kraft zur schöpferischen Tat. Gar manches aber ist euch noch nicht klar. Zwar hattet ihr am letzten Abend den Raumaufbau der Tage schon recht gut erkannt. Die Ringsphären und die in sie nun eingegliederten Strahlsphären zeigen deutlich an, wie unterschiedlich jeder Tag vom anderen ist, abgesehen davon, daß Grundwerke stets zuerst und auch genau der Reihe nach wieder in Erscheinung treten. Dieses aber reicht nicht aus, den neuen Tag mit seinen Gütern aufzunehmen, mit dem, was er bringt, und mit dem, was er fordert!

32. Die Verbindung zwischen Mir, dem urewigen Quell, und euch, den aus Mir fließenden Gewässern, wird von dem euch gegebenen Teilgeist, der insbesonders Meiner priesterlichen Herzkammer entspringt, jederzeit festgehalten. In persönlicher Erhebung können Kinder die Verbindung lösen, aber stets die eine, die von ihnen zu Mir geht, niemals die von Mir zum Kinde reicht. Der Teilgeist ist UR-Geist-Essenz und als solcher – auch im Kinde – unbeeinflußbar!

33. Besitzt ihr also diesen Geist, müßte es dann nicht genügen, daß Ich einmal euch ins Leben rufe, weil der Geist, Mein Ich-Bin, urewig ist? ohne Aufhören des Schaffens, unermüdlich, und sogar in Meinen hohen Nächten voll ungeahnter Arbeitskraft? – Das ist es, was ihr nicht versteht. Nun, ihr habt noch nicht die sieben ersten Tat-Jahr-Tage hinter euch, und es fehlen also die Erkenntnisse aus Geduld, Liebe und Barmherzigkeit. Höret aber, was Ich euch zu sagen habe:

34. Daß Ich selber keine Steigerungen kenne, weil es in Mir niemals einen embryohaften Anfang gab, habt ihr, in Erinnerung des Beispiels von den Ringen und den in ihnen wachsenden Pünktchen, gut erkannt. Und doch: Ihr müßt reifer, größer werden an schöpfungsrechter Tatkraft; ihr müßt vollendet werden, trotzdem ihr von Meinem Geist erhalten habt! Das ist euch rätselhaft. Dem müßte eigentlich mindestens sinngemäß vorausgehen, daß ihr vordem unvollkommen waret.

35. Sadhana fragt selbst hängt das etwa von der Seele ab, die Dein (Meine) Gott-Herzteil uns gab? Da frage Ich zurück: 'Ist Mein Gott-Teil kleiner als Mein Priester-, Schöpfer- oder Vaterteil?' Ich gab euch ja von Meinem priesterlichen Geist, dazu die gottbehauchte Wesensseele, also kann unmöglich aus dem für euch sichtlich gesteigerten Wert Geringeres werden, daß eine Unvollkommenheit aus der Seele herzu leiten wäre. Das leuchtet euch schnell ein. Ihr betrachtet daher das Geschöpf, ob in ihm die Unvollendung liegt. Allein, Meine lieben Kinder, auch hierbei habt ihr euch mit Meinem Sonnenlicht noch nicht vertraut gemacht, obwohl sie nun am fünften Tage neue Herrlichkeiten bringt.

36. Was Ich als Schöpfer schaffe, ist vom Augenblicke an vollkommen, da es ward! Ja, nun wissen eure reinen Herzen keinen Rat. Aber, Meine Kinder, ICH bin ja da, und Ich gebe gern aus Meiner Weisheit, damit es hierin in euch tagt. Grundlegend bleibt bestehen: Ich habe als Schöpfer Meine Geschöpfe vollkommen geschaffen, als Priester ihnen einen vollkommenen Geist gegeben, als Gott aus jedem geistgesegneten Geschöpf eine vollkommen lebendige Lichtseele gemacht! Wie ihr Mich jetzt vor euch sehet und nicht allein als Erscheinungsform, so bleibt Meine Gestalt als die höchstvollendete, in der Ich Mich als UR ewig offenbare!

37. Unser Zuriel denkt bei sich: 'Sind die Geschöpfe als Geister und Seelen nach dem verliehenen Maß vollkommen, wie UR in seinem Maß vollkommen ist, warum dann sich steigernde Tage? Wo ist Sinn und Zweck dabei, wenn nicht in der Veränderung? Abgesehen von etwaiger Freiheitsübertretung, müßte alles doch vollkommen bleiben. Kann überhaupt ein Widerpart das zweite Fundament zum Vorherrschaftsgesetz erheben?' – Die Fragen Meines Weisheitsträgers sind berechtigt, denn die Mir entströmende Vollkommenheit vereinbart sich nicht mit einem Schöpfungsfall. Und doch kann er geschehen! Nur liegt es nicht an der vollkommenen Erschaffung eines Werkes, sondern an dem Ziel, das gerade aus der Vollkommenheit im Werk sich selbst begründen soll.

38. Mit diesem Wort ist etwas anzufangen; ihr spürt den Zusammenhang zwischen Aufbau und Ziel. Am Vortag sagte Ich im Haus des Ernstes jenes hochbedeutsame Wort: Vor zur Kindvollkommenheit! Soweit im vierten Tage möglich, konntet ihr den Sinn begreifen. Nun verlangt ein neues Werk erweiterte Erkenntnisse, doch zeigt sich scheinbar eine Wissenslücke. Ihr fragt: 'Ob ihr über Nacht rückgebildet worden seid, weil euch nun die Klarheit über diese Frage fehlt?'

39. Nein! Ihr Ersten, euch geht keinerlei bereits erworbene Erkenntnis ab. Aber seht: Werdet ihr einmal Mitopferträger, so werden manchmal Zweifel kommen, ob der Weg vorwärts oder rückwärts führt. Das hängt damit zusammen, daß dann die einzelnen Wesensteile nicht gleichen Schritt halten können oder wollen. Fern von Mir, wird manches Kind das 'Geschöpf' in falschem Besitzrecht herabzuwürdigen versuchen.

40. Erkennen sie aber in sich einen »Geist«, so nehmen sie dann an, daß er – zwar gut – wachsen müßte. Solch ein Gedanke entspringt dem Zwiespalt einer Seele, deren einer Teil zum falsch erhobenen Vorherrschaftsgesetz gehört. Sehen sie auch diese Wahrheit ein, so geben sie im allgemeinen dem Geist die Vorherrschaft, was ihrer Ansicht nach aber auch ein 'Wachsen' bedeuten würde.

41. Allerdings besagte es dann wenig, ob sie an des Geistes Wachsen oder an seine beständige Vollendung glauben, weil beides dienlich ist. Erreicht der Geist das Übergewicht, so beginnt die Wahrheit schon zu dämmern. Ja, kein Teilgeist braucht zu wachsen, nicht einmal der Lichtseelenteil, den ja jedes Kind von der Himmelsheimat mit zur Pilgrimstraße bringen würde. Beide sind vollendet, beide aber müssen lernen, sich auszubreiten, um die Lichtherrschaft, die Geistmacht immer auszuüben.

42. Anders sähe es mit dem aus einem Fall gebildeten zweiten Seelenteil aus; doch das sei später erst enthüllt. Wir betrachten nun das 'Kind', das Meinem Vaterteil entstammt. Hier liegt nicht allein der Ursprung aller Schaffung, nein, hier enthüllt sich das Geheimnis des 'Gewordenen und Werdenden'! Geworden ist alles; aber all das Gewordene muß noch werden!

43. Das ist ein Ziel, die zu erstrebende Vollendung in der Angleichung an Mein UR-Ich. Die »Kinder« sollen werden! Zwar seid ihr es bereits aus der vierten UR-Herzkammer. Und so wähnet nicht erst, daß demgemäß das »Kind« unvollkommen sei. Das Kind als solches braucht nicht zu wachsen, denn auch Mein Vaterteil gibt die Vollkommenheiten ab! Das »Kind« braucht nicht einmal wie Geist und Lichtseele um die Vorherrschaft zu ringen, es ist ja keine Substanz, wie Geschöpf, Geist und Seele eure Form, Kraft und Befähigung ausmachen.

44. Wie schon gesagt, ist das Kind-Werk Meine schönste Schaffung. Jedes Kind hat innere und äußere Lebensform, letztere aus Meinem Schöpferprinzip, erstere aus dem Priester- und Gottprinzip entnommen. Nach beiderlei Hinsicht seid ihr werkgemäß vollkommen. Allein, das ist so noch kein Besitz geworden; ihr seid es ja, weil ICH euch schuf! Ihr seid 'Gewordene'! Ziel ist: werdende Vollendung als persönlich erworbenes Eigentum, eine gewisse im Endbild erschaute Unabhängigkeit von rein schöpferischer Macht. Auch eine Souveränität! In all diesem zeigt sich ja der Weg, ein »Kind« zu werden!!

45. Das empfangt ihr aber nicht wie den Teilgeist und die Seele. Die Kraft des Geistes und die Fähigkeit der Seele sind heilige Güter, mit denen Ich jedes Geschöpf ausstattete, wodurch sie selbsttätig und selbständig 'Kind' werden sollen. Unser siebenter Lichtfürst fragt mit Recht, was es mit den Kind-Sein im Zusammenhang mit allem anderen für eine Bewandtnis habe.

46. Nun, so höret weiter: Die Sehnsucht, wieder mit Mir völlig eins zu sein, hat darin ihren Grund, weil Ich als Vater ursächlich die Sehnsucht bin; denn alle Gedankenteile sind Mein unveräußerliches Gut! Dieses 'Wieder-in-Mich-Nehmen' trägt nicht die Folge, daß bei dem erreichten Ziel die Kinder wieder würden, was sie vor Meinen heiligen Ausgleichskämpfen waren. Geschähe das, so wären jede Schaffung und die Sehnsucht bloß ein Trug. Das Wieder-eins-mit-Mir macht euch zu einem persönlichen Urselbst. Euer Kind-Sein ist die Sehnsucht; ein Urselbst ist das Ziel davon! Die Allgewalt des hohen Ziels gründete Ich auf diesen fünften Schaffenstag und braucht nun niemand mehr zu fragen, warum Meine Eigenschaft GEDULD erster Grunddominant des Gott-Herzteiles wurde.

47. Als Schöpfer bin Ich in stehender Machtpolarität die Tatsache, als Priester und Gott in waltender Machtpolarität die Kraft und Fähigkeit. Alles daraus 'Gewordene' erhält im Prinzip des Vaters sein 'Werden' und damit jegliche Erfüllung. Und so besitzt auch ihr gemäß eurer gewordenen Form essentielle und kompakte Substanzen. Ja: Priester und Geist, Gott und Seele, Vater und Kind entspringen nicht nur dem gleichen Prinzip, sondern leiten auch zum gleichen Ziel hin. – Als Schöpfer behalte Ich Prinzip und Ziel MIR vor, darin bleibt alles von Mir abhängig, darin bin und bleibe Ich UR selbst!! Kein Kind vermag jemals in Mein UR-Selbst einzudringen; ein UR-Kind würde auch nicht seine Hand danach recken.

48. Jetzt schaut ihr – rückwärts blickend – das voraus und begreift, warum ihr vollendet werden sollt. Kind sein heißt 'voll Sehnsucht sein', heißt: als Geschöpf unbeirrt vom Schöpfer abhängig, aber auch von Ihm gelenkt, beschützt zu sein! So breitet sich in seiner Kraft der Teilgeist aus, und die Seele gelangt kraft der Befähigung zur Selbständigkeit, bis aus allem zusammengefaßt das UR-Kind sich entwickelt. An diesem Stadium angelangt, offenbare Ich Mich dann als 'UR ohne Teilung'! Das wird eine Seligkeit, die nicht einmal, selbst wenn sie in gewisser Hinsicht gleichanteilig auf Mich und Meine Kinder fällt, von euch Ersten auszuschöpfen ist.

49. Zu diesem Zwecke trat als Erstes die Geduld aus Meiner Gott-Herzkammer auf den Plan. Anders wäre sonst die Vollendung unmittelbar geschaffen worden, mehr oder weniger als rein urschöpferische Tat. Ich bin ja doch der ungeteilte UR ! Ein 'Werdenlassen' käme hierbei nicht in Frage. Aber diesem UR-Flug ist kein Kind gewachsen.

50. Darum setzte Ich das Ziel erst jetzt unter der Vorherrschaft der Geduld in der ersten Tat-Jahr-Woche ein, Ich hemmte Meinen UR-Flug um der Kinder willen und habe den bereits erwähnten vierfachen Zügel = Güte, Gnade, Langmut und Sanftmut angelegt. Denn gerade sie sind Einzelzüge Meiner Gott-Geduld. Sie wird ihre Zeit gleich einem 'SOHNE' aus dem Schoß der Liebe heben, und das wird hernach der Opferträger sein, so es nötig werden wird. Darüber später mehr."

51. Wieder herrscht weihevolles Schweigen. - UR amtiert. - Er rückt den fünften Leuchter vor, legt die Zweige der Weisheit und Geduld auf die Tagesseite seines Buches, setzt Sadhana und die vier ersten Engel zur Tag- und alle zur Mitarbeit ein. Der rote Teppich schmückt den Herd und rollt sich weit in Raum und Zeit hinaus. Auf ihm kniet der fünfte Engel, als er zur Erwählung aufgerufen wird.

52. UR spricht: "Mein Fürst! Ich setze dich als fünfte Fackel ein; leuchte als ewiges Symbol Meiner allumfassenden Geduld! Unvergänglich in ihrer Gewalt wird die erste Eigenschaft des Gott-Herzteiles in das große Werk Meiner Macht und Kraft eingeschaltet. Ja, in unverrückbarer Ordnung, unwiderruflichem Willen, unumstößlicher Weisheit, unantastbarem Ernst, so steht Mein Werk! Nun hat dazu die erste tragende Eigenschaft die sichtbare Offenbarung grundeigen übernommen. Aus dem Gewordenen wird ewig-lebendes Werden!

53. Ich richtete in der ersten Tagesfrühe die Geduld zum Sondergrund des freien Willens her. Du, der fünfte Fürst, hast den Grund aus eben der Geduld stets zu überprüfen, ob er die Last ertragen wird, die das Freiheitsfundament im Falle einer Vorherrschaft erzeugen kann. Gleich dem Ernst als Sonderwächter Meiner Heiligkeit bist du für den besagten Grund nun eingesetzt; denn gemäß dem Tag ist es nicht abzusehen, inwieweit sich die Geduld erschöpfen läßt.

54. Freilich, der eigentliche Tag kommt erst noch, wo sich die Mächte messen werden und dabei alle Grundlebensstrahlen zu ihrem Einsatz kommen. Dann werden sie in Mir, dem Grundeigentümer, ihre Probe abzulegen haben, doch auf ihrem Feld in einer großen Schöpfungsfreiheitsprobe Meine Kinder, die Träger dieses Eigentums! Gerade dann hat die Geduld vordringlich dazustehen, nicht weil sie größer als die andern (Eigenschaften) ist, sondern weil Ich – UR an ihrem Tag für Mich und alle Kinder die Entscheidung des Ernstes in Meine Gotteshände nahm und weil aus dieser Eigenschaft der Opfersohn zu zeugen wäre. Geboren aber würde er aus Meiner nächsten Eigenschaft, der Gottesliebe!

55. Hoheitsträger der Geduld, gewaltiger Cherubim, sanfter Seraphim, leite das, was du empfangen und lebendig in dich aufgenommen hast, allen Fürsten zu. Sei ein Wahrheitsstempel Meiner Worte!" UR entfernt die fünfte Silberglocke; und da sieht ein Kelch, wie jener auf dem Herd, aus dem UR das rote Wasser trank. Bedarf es eines zweiten Kelches? Ist nicht jedes heilige Gerät nur einmal vorhanden? Oder wäre der erste Kelch der vorgeschaute, der nicht unbedingte, während sich im zweiten eine unumgängliche Notwendigkeit enthüllt?!

56. Die geheimen Fragen der Ersten finden alsbald Beantwortung. UR gießt in den enthüllten Kelch das helle Wasser des Herdkelches, hält beide über das Feuer auf silbernem Teller und hat ein Gefäß in heiliger Hand (Es erschien). Zutiefst spüren Gottes Kinder das Mysterium, das UR mit seiner Handlung offenbart. Er bestätigt auch ihr Ahnen, auf den Kelch deutend, den Er zwischen Feuer und fünften Leuchter stellt:

57. "Aus der zeitlosen Zeit, als die zu Kindern ausgekämpften Gedanken noch urverwurzelt waren, ungeteilt von Mir, leuchtet – nun für euch erkennbar – die Allgewalt des jetzigen Werdens auf. Denn ewig, ewig schuf Ich Werk um Werk, in und aus Mir, wenngleich vor dem Tat-UR-Zyklus keines derselben neben Mir gebildet ward. Trotzdem gliederte Ich schon damals eine werkhafte Zweitform allmählich aus Mir heraus. Als nach endgültigem Bedenken darüber die UR-Kämpfe entbrannten, verschloß Ich Mich dem nicht, was ein neben Mich gestelltes nahezu völliges Selbstwerk mit sich brächte, würde Ich ihm eine im Bedingungsablauf angeglichene Willens-Unabhängigkeit gewähren.

58. Das läßt sich von einem Kind nicht ohne weiteres begreifen. Aber habt Geduld, bis ihr in des Tages Hochziel Einblick in das Mysterium erhalten könnt. – Jetzt rufe Ich dich vor an Meinen Heiligen Herd, Fürst der Geduld. Recke deine Hände über das unentwegt brennende Feuer aus, damit dein Name offenbar werde, lichtgewaltiger Engel, wie er als Mitsiegel Meines Testaments eingetragen steht.

59. Du, Cherubim, bist Alaniel und du, Seraphim, bist Madenia. Aus Meinem Gotteswesen tragt ihr als Positiv und Negativ in der euch gegebenen Einheit das innere und äußere Bewußtsein Meiner göttlichen Gewalt. Im Element 'Erde' bestätigt sich euer Amt. Nehmt das Zeichen der Berufung, Erwählung, Weihe und Würde entgegen; es ist zugleich das Symbol vom fünften Tage Meines Tat-UR-Jahres!" Ein Sonnenstrahl umkost den Kelch, dessen Funkeln fast die Ersten blendet. Alle heiligen Geräte spiegeln sich in seinem Silberglanz; mehr aber – wenn auch geheim – in URs wunderbaren Augen. Die Erwählten heben den KELCH über das Feuer des Herdes, und UR redet weiter:

60. "Der Kelch, das Zeichen der Geduld, auch einer Opfertat! Wer sich diesem beugen, es erkennen und anerkennen wird, ja wer gewillt ist, daran teilzunehmen, der wird vom Bitterwasser ewige Süßigkeit und Freude ernten. Der steht dann auf dem Grunde der Geduld in heiliger Verankerung. Wahrlich: Der Tag des Kelchtrinkens könnte bringen, was er will, Widerpart, Chaos, Todesfolgen – alles wird vergeblich sein und keinen Meiner Treuen ernstlich treffen! Ja, eines zeigt sich schon: Das gnadenvolle Füllmaß Meines Kelches ist so groß wie jenes aller Mitopferträger insgemein! Gib zu trinken, Fürst der Geduld!!

61. Doch über den, der aus Willensfrevel statt Meines »Heiligen Erdreichs« eine arme Weltenerde macht, gieße den Kelch aus gleich der Schale des Zorns in Gerechtigkeit und Heiligkeit, daß er der Stunde inne werde, wo Meine Geduld für Kinder das Opfer fordert! Verschone keinen, der Heiliges in Unheiliges tauscht, entziehe ihm den Boden der Geduld, bis er aus seinem Abgrund wieder nach dem GRUND verlangt. Dann gib den Abtrünnigen noch einmal den bitteren Kelch. Nehmen sie ihn an, so will Ich in Geduld an die Heilsverheißung denken und hole sie ins 'Reich Meiner heiligen Erde' (Lichtreich) wieder heim. Das sei dann das Friedensreich, das offenbar eingelöste Pfand Meines Testaments!!

62. Achte aber stets der Treuen, daß kein Abgrund sie verzehrt. Meine Großen können für die Kleineren mittrinken, wie der Opferträger für alle trinken wird! Er bringt das 'Kind' (Sadhana) zurück; die Mitopferträger das, was ein Gefallener verliert (geheiligte Kraft). Den geschöpflichen Anteil müssen die Gefallenen selber bringen als Rechtstribut einer Opferfolge. Im heiligen Walten lenkt so der vierfache Zügel das Verirrte, wodurch ein nachträgliches Erwerben der Grundgnade möglich ist.

63. Alaniel-Madenia, seid erster Hüter an der dritten Tür des Heiligtums, durch die GOTT in die Weite wandelt und durch sie wiederkehrt als Opferträger, der das Reichsgut rettet, den hellsten Diamant: UR-Vater und UR-Kinder! Die Schöpfer- und Priesterpforten benützen die Träger der unwandelbaren und wandelbaren Gesetze, die Gottespforte jene einer Opferung. So prüfe, ob die Bürde derer, die außerhalb des Lichtes leben müßten, gerechtfertigt sei; prüfe bei ihrer Rückkehr, ob eine abgelehnte Last mit dem Grundmaß der Geduld zu messen ist.

64. Ungerechtfertigte Kläger lasse nicht in Mein Allerheiligstes herein. Sie müssen draußen bleiben, bis die Geduldszeit durch die Liebe die gekrönte und krönende Barmherzigkeit offenbart. Dasselbe tue mit allen Säumigen, die den Geduldsgrund auseinanderreißen wollen, damit ihr Schuldanteil als seicht befunden würde. Die Geduld zu schützen ist Vorbedingung eines etwa nötig werdenden Opfers.

65. Empfange Meinen hohen Gottessegen, Träger der Geduld. Durch ihn sind alle Himmelskörper mit Triebkräften aller Art zu eurer Freude zu beleben. Walte deines Amtes, Mein fünfter Engelsfürst!" – Kniend empfangen die Geweihten ihren Segen. Dabei stehen alle Ersten auf. Aus des Engels Dank steigt schon ein Strahl der ihm anvertrauten Eigenschaft. Das Danken ist nicht besser, als es bisher geschah; und dennoch steht die Steigerung offen vor den Kindern.

66. Da überschreiten sie zum ersten Mal die Grenze und scharen sich dicht um den erhabenen Stuhl des Höchsten, aus dessen Allgewalt sie ein Funke trifft. Und sie beugen sich! Sie sehen nicht, wie des Herdes Feuer, das Licht der Kerzen, Fackeln und der Sonne sich zu einer Brandsinfonie vereinigen. UR sieht es allein. Und es ist gut! Sie merken es auch nicht, wie UR ihren Herzen einen Strahl für sich entnimmt; und es ist abermals gut. UR sieht allein, daß geheiligte Sehnsucht ihre erste freie Stufe selbst erreichte. In feierlicher Stille breitet Er – ungesehen – seine Hände aus. Der wortlose Segen liegt reich auf den gebeugten Häuptern und erhobenen Herzen. Und innerlich werden sie emporgehoben, bis sie auch äußerlich auf der ersten Thronstufe stehen und wissen nicht, wie es geschah.

67. Als sie das sanftdunkle Leuchten seiner Augen nahe sehen, kommt über sie unsägliche Erschütterung. "Anbeten! Anbeten!" ruft ihr Geist. Der Tag ist ja gegeben, wo sie UR ums Bedeutende nähertreten können: 'GOTT schauen von Angesicht zu Angesicht.' Die Gnade hält sie fest. Da verharren sie bei Ihm; und der 'Gott der Geduld' hilft ihnen, sein hehres Antlitz zu ertragen. Nun festigen sie es auch in sich in wahrer Anbetung und Danksagung.

68. Und UR sagt: "Meine Ersten! Vorgeschaut, daß ihr diesen Schritt in Meine Nähe selber tut, war es wohl, aber nicht die Zeit bestimmt. Ich sage euch: Ihr habt die Zeit überwunden! Jede Vorschau ist trotz Freiheit ein an Mich Gebundenes; doch Ich gruppierte sie in die bedachte, immer werkgerechte, und in die freie, den Kindern überlassene Vorschau ein. Euer Tun entsprang der letzteren. Zu Meinem UR-Jubel wäre dies euer erster freibewußter